Meldung und Meinung: Sexismus

Ich habe gerade mit großem Interesse eine Diskussion gelesen, in der einer Bloggerin Sexismus vorgeworfen wurde, weil sie in ihren Beiträgen ausschließlich das generische Femininum verwendet.

Wir lernen aus dieser Diskussion: Dass das generische Maskulinum Frauen unsichtbar macht, ist nicht nett und man darf sich daran stören. Aber sexistisch ist es nicht.
Sexistisch ist nur das generische Femininum, weil es Männer unsichtbar macht.
Demnach ist es offenbar schlimmer, wenn Männer unsichtbar sind. Männer müssen ausdrücklich genannt werden, Frauen nicht. Frauen muss es reichen, mitgemeint zu sein.

Warum eigentlich?

Sind Frauen weniger wert?
Das weise ich schon aus Selbstachtung zurück.
Sind Männer ihres Selbst so unsicher, dass sie ständige Rückversicherung und Bestätigung ihres Werts brauchen?
Das will ich für die Männer nicht hoffen.

Wenn aber beide gleich viel wert sind und wir von beiden die gleiche innere Stärke fordern, ist das generische Femininum nicht sexistischer als das generische Maskulinum. Damit wäre der einzige Vorwurf, den man der Bloggerin machen könnte, ihre Sprache nicht gegendert und sich vollkommen geschlechtsneutral ausgedrückt zu haben.
Allerdings bringt das zuverlässig die gleichen Menschen auf die Palme, wie die, die das generische Femininum als sexistisch ablehnen. Gendern ist nämlich auch böse. Ein Attentat auf den Wohlklang der deutschen Sprache.

Und an diesem Punkt weiß ich auch nicht weiter.

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13 Kommentare zu „Meldung und Meinung: Sexismus

  1. Ich würde ja eher sagen, dass man auch nicht mit jedem / jeder alles bis zum Ende diskutieren muss. Sowas sexistisch zu nennen finde ich albern. Nicht dass ich ein Fan vom generischen Femininum wäre – das aber genauso wie ich auch kein Fan einer rigorosen Kleinschreibung aller Worte bin.

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  2. Wobei es schräg ist… bei Carola stört mich das generische Femininum nicht (auch wenn ich selbst lieber mit Stern gendere, um ALLE Geschlechtsidentitäten sichtbar zu machen – jede*r nach eigenem Gusto 🙂 ).
    Es stört mich aber massiv bei einem recht angesehenen männlichen Blogger, der vor allem schreibratgeberartige Blogposts schreibt. Wenn ich dann lese „Autorinnen machen häufig xy falsch“, habe ich nämlich das Gefühl, dass mir hier gerade ein Mann sagen will, nur Frauen machen diesen Fehler. Und dann fühle ich mich beim Lesen massiv unwohl, weil ich das Gefühl habe, nach mir wird ein Schuh geworfen, den ich mir vielleicht gar nicht anziehen will, aber schon durch die Formulierung irgendwie trotzdem tue 😦
    In DEM Zusammenhang empfand ich es schon selbst als sexistisch – genauer, als Mansplaining und als „nur Frauen machen das falsch“ – und mir wäre es lieber, der Blogbetreiber hätte es anders formuliert.

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    1. Das ist ein sehr interessanter Aspekt, den du da anschneidest: Dass es nämlich auch auf den Sender, sowie den Empfängerhorizont ankommt (in den Termini der Kommunikationstheorie zu sprechen). Auch die Diskussion auf Carolas Blog begann ja mit der Frage, ob denn nur Frauen diesen Fehler machen würden.
      Von daher halte ich deine Lösung für erheblich eindeutiger (auch wenn ich mich Sternchen im Schriftbild irritieren, weil ich dann immer eine Auslassung mitlese). Eine andere Möglichkeit wäre bei jedem Artikel generischen Femininum eine kurze Erklärung nachzuschieben, dass selbstverständlich auch Männer mitgemeint sind, um solche Missverständnisse auszuschließen. Der Gerechtigkeit halber sollte man(n) das Gleiche aber auch bei Artikeln im generischen Maskulinum machen.

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      1. Und vermutlich auch auf die Erfahrungen. Ich bekam zwar auch mal von einer Frau erklärt, worin mein Job besteht (Ähm, nein, ich bin NICHT dafür zuständig, dass die Übersetzungen in Verlagen schön deutsch klingen und ja, ich weiß, worin mein Job besteht, ich mache ihn ja 😀 ), aber wesentlich häufiger von Männern. Das ist… unlustig.
        Wer kaum oder keine negativen Erfahrungen mit Mansplaining gemacht hat, sieht das vielleicht gar nicht so verschnupft wie ich :).
        (Und wenn du in den Sternchen eine Auslassung mitliest, habe ich mein Ziel sogar erreicht – es sind ja Männer, Frauen und alle anderen mitgemeint)
        Das wäre die große Preisfrage, ob ein Angeben, dass alle mitgemeint sind, ausreicht, damit alle Menschen sich auch mitgemeint fühlen *grübel*

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      2. Ich glaube, es gibt kaum eine Frau, die keine Erfahrungen mit Mansplaining hat. Manche davon genießen es sogar, weil sie sich dann behütet vorkommen (meine Oma war so ein Fall), ich werde auch … unlustig.
        Dass ich das Gefühl bei den Schreibtipps von Kollegen bisher nicht hatte, liegt vermutlich eher daran, dass ich dessen Seite fast nie besuche. ^^

        Was den anderen Punkt angeht, ob die Intention die andere Seite auch erreicht – wer kann das schon sagen? Das kommt vermutlich auch darauf an, wie viel Subtext mit hineingelesen wird. Vermutlich ist es sogar möglich, dass sich ein Mann vom unkommentierten generischen Femininum eher mitgemeint fühlt, als von einem Binnen-I, weil letzteres seinem Sprachgefühl zu stark widerspricht. Genauso, wie es Autorinnen gibt, die sich selbst als Autor bezeichnen, weil sie meinen, der weiblichen Form werde weniger Wertschätzung entgegengebracht, und dass sie sich durch die Bezeichnung „Autorin“ selbst herabstufen würden.
        Es ist kompliziert. Aber das macht es interessant. ^^

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      3. *notiert sich, den Satz zukünftig zu verwenden*

        Vermutlich liegt es daran, dass man es nicht gewohnt ist, wenn man nur das generische Femininum verwendet, dass Frauen sich auf einmal so erschrocken angesprochen fühlen. Würde man das schon länger verwenden und es als normal ansehen, denke ich zumindest, dass man eher darüber hinwegsieht und nicht denkt, dass explizit Frauen gemeint sind.

        Aber danke für den Hinweis @evanesca, ich werde jetzt zukünftig Nikes Satz in meinen Beiträgen verwenden, nur um sicher zu gehen 🙂

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  3. Hallo Nike,

    danke für Deinen Beitrag. Man kann sagen, dass circa 99,9 Prozent der Bücher, Blogs und was weiß ich im Maskulinum geschrieben wird. Selbst wenn ein Buch (als Beispiel) sich direkt an Frauen wendet (zum Beispiel „Das Ritualbuch für Frauen“ von Barbara G. Walker) wird immer noch die männliche Form verwendet.

    Aber darüber regt man sich nicht auf, sondern hat sich auch nicht darüber aufzuregen. Denn man ist ja immer mitgemeint. Dass das wissenschaftlich zwischenzeitlich widerlegt wurde, gilt natürlich als kompletter Blödsinn (leider hab ich den Link, dank meines letzten Computercrashs zu dem entsprechenden Artikel blöderweise verloren).

    Natürlich ist auch das generische Femininum nicht frei vom Sexismus. Wobei man hier sagen muss, dass Männer in den Wörtern tatsächlich mitgemeint sind. In dem Wort Autorin ist auch der Autor enthalten (okay, das war jetzt nicht so ernst gemeint, wie man vielleicht meinen könnte).

    Da aber eben 99,9 Prozent (zumindest gefühlt) aller Publikationen das generische Maskulin verwenden, denke ich mal, dass die weibliche Variante durchaus auch mal genehm ist.

    Aber dazu werde ich – als Reaktion – noch mal dazu etwas bloggen. Denn wer Männer angeblich ausschließt, muss sich ja verteidigen (auch wenn ich das nicht tun werde 🙂 ).

    Vielen Dank noch einmal für Deine Ansicht der Dinge.

    Liebe Grüße

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    1. Hallo Carola,
      wie ich dir schon auf Twitter schrieb, bin ich wenigstens Teilzeitsexistin, weil ich ja auch immer mal wieder Artikel im generischen Femininum schreibe, einfach auch, um Aufmerksamkeit auf die Art zu lenken, wie wir Sprache verwenden. Meine Artikel enden allerdings immer mit dem Nachsatz, dass Männer selbstverständlich mitgemeint seien und wenn sie damit ein Problem hätten: Willkommen in meiner Welt! Ich hätte auch immer wieder mal das Problem, mich vom generischen Maskulinum ausgeschlossen zu fühlen.

      Natürlich glaube ich nicht, dass ich erleben werde, dass Sprache in dem Sinne neutral wird, dass sie Männer und Frauen gleichermaßen er- und umfasst (von den übrigen Geschlechtsidentitäten ganz zu schweigen). Aber als jemand, die täglich mit Sprache umgeht, ist mir einfach wichtig, das Bewusstsein über ihre Wirkungsmacht zu schärfen. Bei mir, wie bei anderen. Schon deshalb sehe ich die Experimente mit dem generischen Femininum, Binnen-Is oder Sternchen als wichtig an. Denn wohin kämen wir schließlich, wenn nie jemand ginge, um zu sehen, wohin wir kämen, wenn jemand ginge. ^^

      Liebe Grüße
      Nike

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      1. Hallo Nike,

        wobei vor Jahren Luise F. Pusch einen Beitrag geschrieben hat, indem es in der Tat darum ging, eine neutrale Sprache zu schreiben. Da wurde ein sächliches Wort verwendet und nur dann, wenn wirklich von Frauen oder Männern geschrieben wurde, wurde das weibliche und das männliche Wort verwendet.

        Leider ist die Datei, die sie verlinkt hat, zwischenzeitlich aus dem Netz genommen. Aber das wäre in der Tat die beste Lösung.

        Ich werde mal ihre Bücher wieder durchlesen, vielleicht finde ich dort noch weitere Inspirationen für eine neutralere Sprache. Aber ich sag Dir eins, selbst mit solch einer neutralen Sprache hätten einige wieder was zu meckern.

        lg
        Carola

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      2. Ich habe das Gleiche ja auch gemacht, als ich die Sprache für die Khon entworfen habe. Dort ist der Grundbegriff auch immer neutral und wird durch entsprechende Endungen angepasst. Nur ist das in einer Erzählung natürlich weit weniger relevant, als im alltäglichen Umgang in der gelebten Realität.

        Aber ja, einige haben immer zu meckern. Mein Artikel zum Schreckgespenst der gegenderten Sprache wurde ja auch bemeckert. Gegendert ist furchtbar, da ist sich die Mehrheit der in den Kommentaren einig. Totale Verhunzung der Sprache! Komischerweise hat niemand den Artikel als Beleg zitiert, obwohl der geschlechtsneutral formuliert ist.
        Meine These: Die Ablehnung resultiert schlicht aus Angst und Faulheit. Angst vor Neuem und Faulheit, umzulernen. So, wie bei der Rechtschreibreform. Da ging mindestens auch das Abendland unter, weil Fantasie und Delfin plötzlich nicht mehr mit ph geschrieben werden sollten.
        LG
        Nike

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      3. Und die Lösung fand ich durchaus sehr passend, wenn ich ehrlich bin. Eine neutrale Grundbedeutung (zum Beispiel das Autors) und dann die entsprechenden Abweichungen (Autorin und Autor). Gut, Autors klingt jetzt in der Tat ein wenig eigen, da könnte man noch was schöneres finden, wäre aber ein Anfang, wie ich finde.

        Und ich denke auch, dass es Angst und Faulheit eine der Gründe ist, warum die Leute das gendern ablehnen. Denn bisher hat es auch funktioniert (mehr oder weniger), warum sollte es nicht weiterfunktionieren.

        Aber das mit dem Grundwort und den Abweichungen werde ich mal ausprobieren, mal sehen wie sich das benimmt. Jetzt bin ich neugierig 🙂

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