[Selfpublishing] Rückgrat ist alles

In meinem heutigen Beitrag geht es mal wieder um Marketing. Genauer gesagt um einen Aspekt, der oft vernachlässigt wird: das eigene Selbstbewusstsein.

Nicht nur dass sich Autorinnen in den einschlägigen Foren oft selbst als angehend, Möchtegern oder Schreiberlein bezeichnen, sie tun das auch in anderen Bereichen. Mit fatalen Folgen. Denn während Autorinnenforen geschützte Bereiche sind, in denen man mit einem gewissen Grundkonsens unter Gleichgesinnten rechnen kann, gelten außerhalb andere Regeln.
Das fängt schon damit an, dass der kollegiale Respekt, der in fast allen Schreib- und Autorinnengruppen existiert, fehlt. Wer kennt das nicht: Da outet man sich als Autorin und wird als erstes gefragt: „Und? Kannst du davon leben?“ Alternativ kommen auch gerne Kommentare wie: „Das ist ja auch ein schönes Hobby“, oder „Hast du auch einen richtigen Beruf?“ Mit anderen Worten: Wenn du nicht J. K. Rowling oder Goethe bist, wird deine Arbeit weniger ernst genommen, als wenn du als Aushilfskraft Regale einräumst.
Das gilt natürlich nicht nur im direkten Kontakt, sondern auch in den sozialen Medien. Wenn du nicht gerade auf einer Bestsellerliste stehst, bist du in der allgemeinen Wahrnehmung ein Nichts.
Was meinst du also, wie es sich auf diese Wahrnehmung auswirkt, wenn du dich selber als „Schreiberlein“, „Möchtegern-“ oder „Hobbyautorin“ bezeichnest? Genau. Du bestätigst dein Gegenüber darin, dass du ein Nichts bist.

Warum sollte man deine Werke lesen?

Wenn du dein Licht derart unter den Scheffel stellst, gibst du nicht nur zu verstehen, dass du selber unwichtig bist. Die Wertung überträgt sich auch auf deine Texte. Anders gesagt: Wenn du selber ohne Überzeugung agierst, wirst du auch niemand sonst überzeugen können. Allenfalls bringst du ein paar Familienmitglieder oder Freunde dazu, aus Mitleid, Liebe oder freundschaftlicher Verbundenheit einen Blick zu riskieren. Aber das sind nicht die Gründe, aus denen Leser dein Buch kaufen. Erst recht wirst du keine Blogger, Journalisten oder sonstige Multiplikatoren finden, die es positiv besprechen.

Die Sache mit dem Eigenlob

Vermutlich hast du jetzt ein bisschen Bauchweh. Eigenlob stinkt, das lernen wir schon als Kinder. Und wenn du eine Frau bist, hattest du vielleicht auch ein Poesiealbum mit so schönen Sprüchen, wie „Sei wie das Veilchen im Moose, bescheiden, sittsam und rein …“

Vergiss das. Merk dir lieber folgenden Satz:

Bescheidenheit ist eine Zier,
doch es geht auch ohne ihr.

Auch das ist ein Poesiealbumspruch und als Motto weitaus besser geeignet.

Im Übrigen geht es nicht um Eigenlob, sondern um Rückgrat. Du hast etwas geschrieben. Ich gehe davon aus, dass du deine Idee und deine Schreibkompetenz als gut einschätzt, sonst würdest du kaum planen, es auf die Menschheit loslassen. Aber dann steh auch dahinter. Du entgehst der Kritik nicht, wenn du dich schon vorher klein machst. Der einzige Effekt ist, dass man dich nicht ernst nimmt.

Überzeugen durch Überzeugung

Mach lieber den Rücken gerade. Steh zu dem, was du tust, auch wenn es schwer fällt. Zeige die Begeisterung für das, was du schreibst. Sei stolz auf das, was du tust. Und, das geht vor allem an Frauen: Hör auf mit diesem Niedlichkeitswahn – es sei denn, du schreibst Flauschromane für die Seele. Dann kann auch alles Plüsch und rosa Zuckerwatte sein – aber selbst dann solltest du dich eher als Freundin, denn als Hauself präsentieren (Harry-Potter-Fans wissen, was ich meine).
Ich gebe zu, dass das nicht immer einfach ist. Auch mir fällt es noch immer schwer, mich geradeheraus als Schriftstellerin vorzustellen. Noch schwerer ist es, Außenstehenden zu erklären, worüber ich schreibe. Aber seit ich einmal eine Freundin in Aktion erlebt habe, die das wirklich perfekt kann, versuche ich, mich nicht auf Inhaltsangaben zu beschränken. Mehr zu sagen, als ein paar gestoppelte Sätze. Vor allem aber die Liebe einfließen zu lassen, die ich meinen Geschichten und den Figuren darin entgegenbringe. Und soll ich was sagen: Es klappt von Mal zu Mal besser und auch die Reaktionen ändern sich. Von lauwarmem „ja, mal sehen“, zu „wie hieß dein Buch noch mal?“

Es lohnt. Wirklich.

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13 Kommentare zu „[Selfpublishing] Rückgrat ist alles

  1. Das Allerschlimmste an der Sache ist: Man wird gerne von anderen Autor*innen niedergemacht, wenn man genau das wagt.
    Ich war mal in einer Facebookgruppe und es ging um das Thema, ob man schon eine Facebookseite haben sollte vor der Veröffentlichung. Da ist eine Dame auf die Threaderstellerin losgegangen, die dürfe sich ja gar nicht Autorin nennen, was bildet die sich überhaupt ein, solange sie noch nicht veröffentlicht hat.
    Ich hätte die Frau am Liebsten so runtergeputzt, habe mich aber – gebe ich ehrlich zu – nicht getraut :/.
    Darum trete ich auch überall superselbstbewusst als Autorin oder Lektorin auf (je nachdem, wer warum fragt, was ich beruflich mache) und lasse mir das nicht wegnehmen.

    Das ist wie mit den „peinlichen“ Hobbys. „Ich, ähm, du findest das bestimmt schräg, aber in meiner Freizeit lese ich gerne/spiele ich gerne alte Pokémonspiele auf dem Gameboy Advance“ – und dann wird der andere ja bestätigen: „Ja, voll peinliches Hobby.“
    „Ich lieeeebe es, zu lesen!“ und „Ja, gestern habe ich drei Stunden lang die Gelbe Edition gespielt und es war sooo schön und so niedlich, wie mir das Pikachu die ganze Zeit hinterhergelaufen ist“ wird so eine Antwort mit großer Wahrscheinlichkeit NICHT hervorrufen. Und wenn doch, dann ist der andere halt ein Pfosten und gehört eh nicht in mein Leben ;-).

    Wir sind nur klein, weil wir uns klein machen (lassen) ❤

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    1. Solche Beispiele mangelnder Solidarität wundern mich auch immer wieder. Genauso wie Verlagsautoren, die auf Selfpublisher herabsehen, obwohl allgemein bekannt ist, wie schwer es ist, einen Verlag zu finden.
      Aber jemanden runterzuputzen, ein Autorenblog o. ä. sei erst Veröffentlichung „zulässig“, ist schon dummdreist, wie jeder Marketingmensch bestätigen wird. Gerade aus der Ecke wird immer wieder betont, wie wichtig es sei, sich möglichst frühzeitig bekannt zu machen, d. h. im Idealfall bevor man das fertige Produkt vorweisen kann.
      Und das mit dem Rückgrat klappt tatsächlich sogar bei den peinlichen Hobbies (ich rede da durchaus aus Erfahrung ^^).
      Also bloß nicht kleinmachen (lassen) ♥

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      1. Eben. Dieses Herabsehen verstehe ich überhaupt nicht.
        Wie ich immer wieder sage, wenn jemand auf das Thema kommt: Wenn man möglichst frühzeitig die eigene Marke aufbaut, dann gibt es bei Erscheinen des Buches Leute, die auch Interesse daran haben. Sonst hat man zwar ein Buch, aber – ganz böse gesagt – fast niemanden, den das interessiert.

        Nein, nie wieder. Das habe ich durch und es war nicht schön. Daher: Ich bin zwar äußerlich nur 164 cm, aber ich bin innerlich ganz, ganz groß 😀

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      2. Finde den Fehler:
        „Verlagsautoren, die auf Selfpublisher herabsehen, obwohl allgemein bekannt ist, wie schwer es ist, einen Verlag zu finden“

        Ich finde, dieser Satz kategorisiert doch wieder in Verlagsautor = hui und Selfpublisher = pfui.
        Das kann ich nicht unwidersprochen so stehen lassen!

        Denn – es ist gar nicht so schwer, einen Verlag zu finden. Ist mir ja auch gelungen für mein Debüt!
        Aber: Dann wollten die, dass ich die Fortsetzung dazu umschreibe, und zwar völlig entgegen der historischen Faktenlage und – was ich fast noch schlimmer fand – 180° konträr zur Charakteranlage im ersten Teil.
        Weil so ganz off Mainstream hatten sie es sich dann doch nicht vorgestellt (auch wenn ihnen das Arbeitsexposé vorgelegen hatte und sie anhand dessen die klare Absage an 08/15-Schema hätten erkennen können, aber nein, sie mussten mich ja erst 150 k Wörter Manuskript schreiben lassen …)

        Daraufhin habe ich mich für SP entschieden, weil ich mein Rückgrat nicht verbiege.

        Weil ich davon überzeugt war, dass ich auf dem richtigen Weg bin (und das wurde auch bestätigt, kritische Rezensenten beschieden, der SP-Nachfolger sei „besser und reifer“ als das Verlagsdebüt), weil ich mich nicht scheute, mir in Sachen Eigenlob auf die eigene Schulter zu hauen und weil ich von der Idee besessen war, die Leute müssten meine Geschichten so zu lesen bekommen, wie ich sie ersonnen habe – und nicht von irgendwelchen angeblichen Marketinggedanken geleitet nach irgenwelchen ehernen Genre-Vorgaben umgestickt.

        Das ist Rückgrat!

        Und ich mache einfach weiter, auch wenn der kommerzielle Erfolg ausbleibt.
        Die Rückmeldung, die ich von Lesern erhalte, macht es doppelt und dreifach wett.

        Denn auch wenn es praktisch unmöglich ist, als SPler eine auch nur halbwegs große Reichweite zu erzielen, weil der Erfolg zu 80% dem Marketing zu verdanken ist und ich mir das einfach nicht leisten kann – manche Bücher haben es verdient, dass sie keinen Verlag finden, der sie „verhunzt“!

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      3. Hallo Katharina,
        danke für deinen Kommentar, aber einen Satz kann ich nicht unwidersprochen stehen lassen.
        „Ich finde, dieser Satz kategorisiert doch wieder in Verlagsautor = hui und Selfpublisher = pfui.
        Das kann ich nicht unwidersprochen so stehen lassen!“ Wo tue ich das? Nur, weil ich schreibe, dass es schwer ist, einen Verlag zu finden (und das von den meisten Verlagsautoren auch eingeräumt wird)? Ja, es gibt viele, die sich freiwillig für SP entscheiden. Aus den verschiedensten Gründen. Insofern ist die Darstellung verkürzt. Trotzdem gibt sie deine Wertung nicht her, weil es hier um die Sicht von Verlagsautoren ging, die sich für etwas Besseres halten. Nicht um meine, was i. ü. ziemlich albern wäre, da ich selbst aus voller Überzeugung und ähnlichen Gründen wie du, Selfpublisherin bin. Im Gegensatz zu dir habe ich allerdings nie den Versuch gemacht, meine Sachen einem Verlag anzubieten, weil ich weiß, dass sie dafür nicht mainstreamig genug sind.
        Aber wenn du ein bisschen in meinem Blog geschnuppert hast, weißt du das bestimmt. Falls nicht: Sieh dich gerne um. Ich freue mich auf weitere Kommentare von dir und vielleicht können wir als überzeugte SPler ja irgendwann mal in Ruhe über Lesererwartung, Marktchancen, Marketing etc. plaudern.

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      4. Ich will nicht kritteln, aber du schriebst „obwohl allgemein bekannt ist“ – daraus ließ sich für mich nicht ableiten, dass dieser Satz nicht deine Meinung widerspiegelt.
        Und ja, ich weiß, dass du deine Manuskripte bewusst keinem Verlag angeboten hast – aber in Verbindung mit oben genannter, leider missverständlicher Äußerung drängte sich mit mir der Eindruck auf, du hättest das unterlassen, weil du glaubtest, dein Werk sei nicht gut, überzeugend oder mitreißend genug, um die „höchsten Weihen“ in Form des Aufbäppers „Verlagsveröffentlichung“ zu bekommen.
        Aber gut, dass wir das jetzt ausgeräumt haben!

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  2. Hat dies auf Tintenspuren rebloggt und kommentierte:
    Das mit dem Marketing ist wirklich so eine Sache. Nicht nur im Bereich self-publishing. Von diesem Post kann sich eigentlich jeder Schriftsteller und jede Schriftstellerin ein Stück Weisheit mitnehmen. Ganz nach dem Motto: schreib Gutes und redet darüber.

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  3. Ich kann nur sagen, dass die Beitragsautorin vollkommen Recht hat: Selbstbewusstsein ist alles!

    Macht bitte keine halb garen Sachen, erzählt der Welt laut, wer ihr seid und was ihr macht.

    Ich bin eine Frau und schreibe Horrorgeschichten, was für viele ein Aurfhänger ist, mich allein aufgrund dessen zu kritisieren. Dies stoppt mich jedoch nicht. Mehr noch: Es spornt mich an, besser und stärker zu werden. Glücklicherweise gibt es auch genügend Menschen, die einem stets Mut zusprechen.

    LG

    Schauerfee

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  4. Pingback: Dembelo

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