Das Nornennetz

Irgendwie ist dieser Beitrag bisher an mir vorbeigegangen. Zu schade, denn er gibt sehr genau meine Meinung wieder. Deshalb habe ich ihn mir jetzt für mein eigenes Blog gekrallt. ^^

Frau Schreibseeles Schreibblog

Hei, hallo und herzlich willkommen,

während der Autorinnenzeit ist so einiges passiert. Zwischenzeitlich sollen die Verkäufe der Autorinnen hochgegangen sein. Einige haben ihre Bücherschränke hinterfragt und es gründete sich ein neues Netzwerk.

Kurze Vorgedanken

Manchmal passiert es, dass sich Energie regelrecht anstaut und freigelassen werden will. In der Autorinnenzeit scheint sich ebenfalls solche Energie gesammelt zu haben. Denn viele haben ihre Bücherregale ausgeräumt und nachgeschaut, was sich dort so tummelt. Und ich meine nicht, dass sie drei oder vier Bücher hervorgeholt haben. Es ging dabei durchaus um einige Hundert Bücher.

Andere wieder herum haben beschlossen, dass sie zukünftig mehr Autorinnen lesen wollen. Denn sie stellten fest, dass ihre Bücherstapel mehr oder weniger nur aus Autoren bestehen. Ich selbst hab für mich beschlossen, dass ich zukünftig mehr Science-Fiction von Autorinnen lesen werde.

Zudem hat sich ein Netzwerk gegründet, welche sich das Nornennetz nennt. Und darüber möchte ich heute ein wenig berichten.

Ursprünglichen Post anzeigen 755 weitere Wörter

[Selfpublishing] Rückgrat ist alles

In meinem heutigen Beitrag geht es mal wieder um Marketing. Genauer gesagt um einen Aspekt, der oft vernachlässigt wird: das eigene Selbstbewusstsein.

Nicht nur dass sich Autorinnen in den einschlägigen Foren oft selbst als angehend, Möchtegern oder Schreiberlein bezeichnen, sie tun das auch in anderen Bereichen. Mit fatalen Folgen. Denn während Autorinnenforen geschützte Bereiche sind, in denen man mit einem gewissen Grundkonsens unter Gleichgesinnten rechnen kann, gelten außerhalb andere Regeln.
Das fängt schon damit an, dass der kollegiale Respekt, der in fast allen Schreib- und Autorinnengruppen existiert, fehlt. Wer kennt das nicht: Da outet man sich als Autorin und wird als erstes gefragt: „Und? Kannst du davon leben?“ Alternativ kommen auch gerne Kommentare wie: „Das ist ja auch ein schönes Hobby“, oder „Hast du auch einen richtigen Beruf?“ Mit anderen Worten: Wenn du nicht J. K. Rowling oder Goethe bist, wird deine Arbeit weniger ernst genommen, als wenn du als Aushilfskraft Regale einräumst.
Das gilt natürlich nicht nur im direkten Kontakt, sondern auch in den sozialen Medien. Wenn du nicht gerade auf einer Bestsellerliste stehst, bist du in der allgemeinen Wahrnehmung ein Nichts.
Was meinst du also, wie es sich auf diese Wahrnehmung auswirkt, wenn du dich selber als „Schreiberlein“, „Möchtegern-“ oder „Hobbyautorin“ bezeichnest? Genau. Du bestätigst dein Gegenüber darin, dass du ein Nichts bist.

Warum sollte man deine Werke lesen?

Wenn du dein Licht derart unter den Scheffel stellst, gibst du nicht nur zu verstehen, dass du selber unwichtig bist. Die Wertung überträgt sich auch auf deine Texte. Anders gesagt: Wenn du selber ohne Überzeugung agierst, wirst du auch niemand sonst überzeugen können. Allenfalls bringst du ein paar Familienmitglieder oder Freunde dazu, aus Mitleid, Liebe oder freundschaftlicher Verbundenheit einen Blick zu riskieren. Aber das sind nicht die Gründe, aus denen Leser dein Buch kaufen. Erst recht wirst du keine Blogger, Journalisten oder sonstige Multiplikatoren finden, die es positiv besprechen.

Die Sache mit dem Eigenlob

Vermutlich hast du jetzt ein bisschen Bauchweh. Eigenlob stinkt, das lernen wir schon als Kinder. Und wenn du eine Frau bist, hattest du vielleicht auch ein Poesiealbum mit so schönen Sprüchen, wie „Sei wie das Veilchen im Moose, bescheiden, sittsam und rein …“

Vergiss das. Merk dir lieber folgenden Satz:

Bescheidenheit ist eine Zier,
doch es geht auch ohne ihr.

Auch das ist ein Poesiealbumspruch und als Motto weitaus besser geeignet.

Im Übrigen geht es nicht um Eigenlob, sondern um Rückgrat. Du hast etwas geschrieben. Ich gehe davon aus, dass du deine Idee und deine Schreibkompetenz als gut einschätzt, sonst würdest du kaum planen, es auf die Menschheit loslassen. Aber dann steh auch dahinter. Du entgehst der Kritik nicht, wenn du dich schon vorher klein machst. Der einzige Effekt ist, dass man dich nicht ernst nimmt.

Überzeugen durch Überzeugung

Mach lieber den Rücken gerade. Steh zu dem, was du tust, auch wenn es schwer fällt. Zeige die Begeisterung für das, was du schreibst. Sei stolz auf das, was du tust. Und, das geht vor allem an Frauen: Hör auf mit diesem Niedlichkeitswahn – es sei denn, du schreibst Flauschromane für die Seele. Dann kann auch alles Plüsch und rosa Zuckerwatte sein – aber selbst dann solltest du dich eher als Freundin, denn als Hauself präsentieren (Harry-Potter-Fans wissen, was ich meine).
Ich gebe zu, dass das nicht immer einfach ist. Auch mir fällt es noch immer schwer, mich geradeheraus als Schriftstellerin vorzustellen. Noch schwerer ist es, Außenstehenden zu erklären, worüber ich schreibe. Aber seit ich einmal eine Freundin in Aktion erlebt habe, die das wirklich perfekt kann, versuche ich, mich nicht auf Inhaltsangaben zu beschränken. Mehr zu sagen, als ein paar gestoppelte Sätze. Vor allem aber die Liebe einfließen zu lassen, die ich meinen Geschichten und den Figuren darin entgegenbringe. Und soll ich was sagen: Es klappt von Mal zu Mal besser und auch die Reaktionen ändern sich. Von lauwarmem „ja, mal sehen“, zu „wie hieß dein Buch noch mal?“

Es lohnt. Wirklich.

Nornennetz – das Netzwerk der deutschsprachigen Fantastik-Autorinnen

Manchmal hat Impulsivität seltsame Folgen. Diesen Artikel z. B. gäbe es nicht, wenn ich immer genau abwägen würde, was ich sage oder schreibe. Und es gäbe das Nornennetz nicht, das Netzwerk das deutschsprachigen Fantastik-Autorinnen.

Dabei habe ich nur auf einen Werbetweet der mörderischen Schwestern reagiert. Ein bisschen flapsig, zugegeben.

wie alles begann

Was dann passierte, war fantastisch. Mehrere Autorinnen schrieben mich an, meinten: „Na, dann machen wir doch!“, „ich wäre dabei“ und „wer, wenn nicht wir?“ und kurz darauf waren wir über Discord im Gespräch über die Einzelheiten. Seit Samstag haben wir auch einen Namen: Das Nornennetz.
Unser Ziel ist neben der Vernetzung, Fantastik-Autorinnen bekannter zu machen und zu zeigen, dass wir neben Romantasy auch alle anderen Subgenres beherrschen.

Seit heute gibt es uns offiziell auf Facebook und Twitter.

Lebenszeichen

Auf dem Blog ist es in letzter Zeit ziemlich ruhig geworden, aber mein Karma fand, dass ich mich noch um zwei bis drei andere Dinge kümmern sollte. Immer nur Familie, Schreiben, Bloggen, Social Media, Marketing – das war ihm auf die Dauer wohl zu wenig. Na, jedenfalls hat es für Abwechslung gesorgt.

Leider hat es dabei übersehen, dass der Tag trotzdem nicht mehr als 24 Stunden hat und der Mensch irgendwann vielleicht auch mal schlafen sollte (eine vollkommen überbewertete Tätigkeit, ich weiß). Deshalb sind Blog und Schreiben leider ein bisschen kurz gekommen.

Aber ich habe gute Nachrichten:

  • Die Vampirgeschichte ist in der ersten Version fertig. Aktuell fräse ich mich durch die Überarbeitung, was vor allem bedeutet, Anachronismen zu eliminieren. Dadurch, dass die Geschichte auf zwei Zeitebenen spielt, hat sich leider einiges eingeschlichen, was dort nichts zu suchen hat. Wäre ich Jasper Fforde, würde ich vermutlich jetzt überlegen, welchen Schaden Anachronismen in Romanen anrichten können und wie ich Thursday Next aus dem Ruhestand holen kann. Allerdings bin ich nicht Jasper Fforde.
  • Dafür habe ich eine weitere Geschichte aus der Welt der Khon in Planung. Sie spielt etwa 60 Jahre nach Steppenbrand. Damit ist sie vollkommen eigenständig zu lesen, obwohl es natürlich immer wieder Bezüge gibt. Sogar die goldenen Reiter tauchen wieder auf. Über den Umfang kann ich jetzt noch nichts genaueres sagen, aber vermutlich wird sei deutlich länger sein, als alle bisher im Codex Aureus erschienenen Texte. Aktuell fliegen mir die Ideen dafür nur so zu oder vielmehr habe ich das Gefühl, die Geschichte sei schon da, ich müsse sie nur finden und nacherzählen.
  • Außerdem beabsichtige ich, Steppenbrand als Print herauszugeben, da die Veröffentlichung über BoD weitaus günstiger ist, als gedacht. Erscheinungsdatum ist ein paar Wochen vor der neuen Khon-Story, die aufgrund der vermuteten Länge ebenfalls für den Druck vorgesehen ist.

Trotzdem wird es im Blog die nächste Woche sehr ruhig bleiben, weil ich mit der 30-Jahr-Feier meines Mittelaltervereins beschäftigt bin. Auch meine Vorbereitungen hierfür sind arg ins Hintertreffen geraten. Aber danach …

Hoffe ich jedenfalls.

Wir lesen uns.

Unverhofft

Wie es aussieht, habe ich gestern ein neues Autorinnen-Netzwerk (mit)gegründet.
Schon erstaunlich, wozu ein Kommentar bei Twitter führen kann. Gandalf würde vermutlich vom Fallen kleiner Steine im Gebirge sprechen. Ich für meinen Teil bin gespannt, was sich daraus noch entwickelt.
Natürlich halte ich euch auf dem Laufenden.

#Autorinnenzeit: Nicht gekauft, aber ausgeliehen

Wie man sieht, lese ich nicht nur Phantastisches. Krimis und Thriller machen ebenfalls einen großen Teil meiner Lektüre aus. Aber manchmal nehme ich Bücher auch nur aufgrund des Titels mit. Wie das Hörbuch links oben. Da fand ich den Titel einfach unwiderstehlich.

Mein Traumprinz – ein Muttertagsmärchen

Ja, ich gebe es zu. Manchmal träume ich auch vom Märchenprinzen auf dem weißen Ross, dem feuerspeienden Drachen – oder auf einer schwarzen Triumph, wenn es ein moderner Traum ist. In meinen Träumen stehe ich am Fenster, sehe zu, wie er sich nähert. Sehe ihn, sein Ross, seinen Drachen oder sein Bike immer deutlicher (merke: Prinzen dürfen sich nicht zu schnell bewegen, das stört die Vorfreude), bis er schließlich vor der Haustür anhält.

Erst jetzt, wo ich weiß, dass wirklich ich gemeint bin, öffne ich die Tür. Er lächelt mir entgegen. Ein Windstoß zaust seine Haare. Das Pferd wiehert leise. Der Drache schnaubt. Die Triumph glänzt in der Sonne. Mein Herz klopft zum zerspringen.

Wir einander ganz nahe. Er drückt mir die Zügel/den Zündschlüssel in die Hand und sagt: „Na los, dreh eine Runde. Ich kümmere mich so lange um Hausaufgaben, Wäsche, Essen und was sonst so anliegt. Also lass dir ruhig Zeit!“

P. S.: Dieser Traum ist zwar in der Zeit vor dem Muttertag am ausgeprägtesten, wenn überall Werbung für Dinge auftaucht, die ich überhaupt nicht haben will (Blumensträuße, Pralinen, pastellige Parfüms und besinnliche Bücher). Ich freue mich aber fast noch mehr, über Geschenke außer der Reihe. Geschenke, die jemand „einfach so“ macht. Weil er mich mag. Daher dürfte dieser Traum gerne öfter in Erfüllung gehen. Auch ohne besonderen Anlass.
Und ich wette, dass es vielen Müttern genauso geht.

#mamaschreibt – eine Tagesbilanz

Das Abendessen ist verputzt, der Geschirrspüler läuft, die Kinder haben sich in die Zimmer verzogen. Zeit, den gemütlichen Teil des Abends zu beginnen. Jetzt könnte ich noch ein bisschen schreiben.
Allerdings steht in knapp 14 Tagen das 30jährige Jubiläum meines Mittelaltervereins an und meine neue Ausstattung ist noch nicht fertig. Also muss das Schreiben hintenan stehen.

Aber bevor ich das Nähzeug rauskrame, möchte ich noch kurz Bilanz über den Tag ziehen. Die Planung für einen normalen Freitag sieht bei mir so aus:
06:00 – ca. 07:20 Tagesbeginn
Aufstehen, kurz durchs Bad, Kinder wecken, und ins Bad scheuchen, Tabletten für Kind 2 rauslegen, Brotdosen bestücken (2 belegte Brote, Obst, kl. Süßigkeit), Kaffee aufsetzen, kontrollieren, ob die Kinder aus dem Bett sind, ggf. Kind(er) ins Bad scheuchen, anschließend Geschirrspüler ausräumen, (falls sich jemand wundert, warum hier nichts von Frühstück steht: meine zwei sind inzwischen so alt, dass sie sich ihr Müsli selber machen), Rechner hochfahren, eMails kontrollieren, Tagesplanung aktualisieren, 07:00 Kind 1 aus dem Haus scheuchen, Kind 2 beim Einräumen des Schulranzens assistieren, wenn sonst nichts ist, Social Media kontrollieren. ca. 07:20 Kind 2 ins Taxi setzen (wegen der Muskeldystrophie schafft er den Schulweg nicht mehr alleine), Kaffee austrinken, mit Frau Hund spazieren gehen.
09:00 – 14:00 Schreibzeit
Purer Luxus, fünf Stunden für mich, in denen ich an meinen Geschichten arbeite, Cover, und Layout mache, mich um Marketing, Social Media, Blogbeiträge etc. kümmere, oder Lektoratsaufträge abarbeite.
14:00 – 18:30 Haushalt
Wäsche, staubsaugen, Einkäufe erledigen, kochen.
Nach dem Abendessen beginnt der ungeregelte Teil.

Allerdings läuft der Tag selten so, wie geplant.

Heute hatte ich eigentlich geplant, morgens noch schnell einen angefangenen Blogbeitrag fertig zu schreiben. Allerdings musste mein Mann später ins Büro, d. h. er hatte Zeit, sich mit mir zu unterhalten und hat die natürlich genutzt. Also bin ich weder dazu gekommen, den Beitrag zu schreiben, noch die Mails abzurufen. Dafür musste ich um 09:15 aus dem Haus, weil um 10:00 ein Banktermin für meinen Mittelalterverein anstand. Also habe ich den Kaffee schneller getrunken, eine eilige Runde mit Frau Hund gedreht, den Mann verabschiedet und mich an meinen Blogbeitrag gesetzt.
Nach zwei Absätzen klingelte das Telefon, ein wichtiger Anruf vom Integrationsamt. Ich bin sehr froh, dass er kam, aber als wir durch waren, musste ich mich beeilen, um es rechtzeitig zu dem Termin zu schaffen.
Natürlich gab es danach noch Vereinskram zu besprechen. Dadurch war ich erst kurz vor zwölf wieder zurück. Kaffee kochen, Rechner hochfahren, Kopfschmerzen ignorieren, Mails kontrollieren. Ran an den Blogbeitrag. Gegen eins war der fertig. Ich auch. Allen guten Vorsätzen zum Trotz habe ich es nicht mehr geschafft, die Protagonistin der neuen Geschichte bis ins Tal der tanzenden Winde zu bringen.
Kurz vor zwei kam Kind 2 nach Hause, voller Geschichten und Neuigkeiten. Die Wäsche musste gemacht, der Einkaufszettel geschrieben, der Einkauf gemacht werden. Als ich nach Hause kam, war es schon Zeit, Abendessen zu kochen. Nebst Alternativgericht, weil sich während des Kochens rausstellte, dass das Übernachtungskind gegen eine der Zutaten allergisch ist.

Und nun ist der Tag sozusagen rum. Von meinen üppigen 5 Stunden Schreibzeit sind netto gerade mal zwei geblieben. Ein bisschen habe ich drangehängt, um diesen Artikel zu schreiben, der aber auch länger gedauert hat, weil ich natürlich nebenbei mit meinem Mann gesprochen habe. Außerdem ein Bett bezogen und Kind 2 gute Nacht gewünscht. Kind 1 wird ins Bett gescheucht, so bald der Beitrag fertig ist.

Warum ich das alles erzähle? Weil sich „Mutter und Autorin“ immer so gemütlich anhört. Als täte ich nichts anderes, als Kaffee zu trinken und nebenbei ein bisschen auf dem Computer zu tippen. Der Beitrag soll diesem Eindruck ein bisschen entgegenwirken. Zum Einen sind Schreiben und Homeoffice deutlich mehr, als nur ein paar Tasten zu drücken. Zum anderen ist Familie mehr, als nur gelegentlich einen Kopf zu streicheln. Zusammen ist es eine ganze Menge.
Ich will kein Mitleid. Ich habe diesen Lebensweg bewusst gewählt. Was ich will ist, dass mein Schreiben nicht als Hobby und meine Mutterschaft nicht als Freizeit abgetan wird. Was ich von meiner Umwelt erwarte ist, mit dem gleichen Respekt behandelt zu werden, wie damals, als ich noch einen Bürojob hatte und meine Arbeitszeiten meist nur von 9:00 bis 17:00 Uhr gingen.

#Autorinnenzeit: phantastische Frauen (2) – Anne McCaffrey

Heute möchte ich die Mini-Serie über die Autorinnen, die mein eigenes Schreiben beeinflusst haben, mit einer weiteren Großen fortsetzen: Anne McCaffrey.

Anne McCaffrey 2005.JPG
Quelle: Wikimedia CC BY-SA 3.0, Link

Nachdem mich die Nebel von Avalon für die Phantastik angefixt hatte, war es ganz natürlich, nach ähnlichen Büchern zu gucken. Vor allem nach Büchern, in deren Mittelpunkt aktive Frauen standen. Ich hatte ja schon im letzten Beitrag erzählt, wie ungewöhnlich das damals war. Aber es fühlte sich gut an. Es war aufregend, Frauen zur Abwechslung nicht nur passiv und vor allem als Beute, naive Jungfrau oder laszive Verführerin präsentiert zu bekommen. Es eröffnete ganz neue Rollenmuster; eine Entwicklung, die übrigens parallel auch im realen Leben stattfand.

Ich habe die Diskussionen am Abendbrottisch noch gut in Erinnerung: Meinen Vater, der brüllte, seine Frau habe es nicht nötig arbeiten. Meine Mutter, die dagegenhielt, die Zeiten hätten sich geändert. Er könne es ihr nicht mehr verbieten.
Nicht mehr, wohlgemerkt. Es war keine fünf Jahre her, dass verheiratete Frauen ohne Erlaubnis ihres Mannes einen Arbeitsvertrag abschließen durften und die Ehemänner nicht mehr berechtigt waren, ein Arbeitsverhältnis „ihrer“ Frauen eigenmächtig zu kündigen. Mein Vater war Jurist. Er muss es gewusst haben. Gefallen hat es ihm überhaupt nicht.
Ich war damals 13 oder 14. Mitten in der Pubertät. Meine heile Kinderwelt zerbrach und ich sehnte mich nach Abenteuern und Auswegen.

Natürlich habe ich deutlich mehr gelesen, als nur Fantasy. Ich habe so ziemlich alles gelesen, was mir in die Hände fiel. Von Hanni und Nanni bis Angst vorm Fliegen. Aber eben auch Fantasy. Und hier war Anne McCaffrey die nächste Autorin, die ich für mich entdeckte.
Gut, Anne McCaffrey wird eigentlich nicht zu den Fantasy, sondern zu den Science-Fiction-Autorinnen gezählt, aber da beides zur Phantastik gehört, ist auch sie eindeutig eine der phantastischen Autorinnen. Als ich ihren Zyklus über die Drachenreiter von Pern entdeckte, fiel der für mich allerdings eindeutig unter Fantasy. Gut, es spielt auf einem entfernten Planeten. Aber ferne Planeten sind erst mal auch nur alternative Welten, wie Mittelererde oder Narnia. Für mich besteht der wesentliche Unterschied zwischen den beiden Genres eher darin, welchen Stellenwert Technik und technische Entwicklungen innerhalb der Geschichte haben. Pern, die Welt der Drachenreiter, ist Low Tech; die Gesellschaftsstrukturen sind mittelalterlich. Vor allem aber: Es gibt Drachen!*

Zugegeben, auf die Geschichten um die Drachen bin ich erst später gestoßen, denn mein erster Kontakt zu dem Zyklus war Menolly, die musikalisch hochbegabte Tochter eines Seebarons. Leider sieht ihre Umgebung diese Begabung als vollkommen nutzlos an. Frauen ist das Musizieren zwar nicht direkt verboten, aber eine Ausbildung als Harfnerin …
Menollys Eltern tun alles, um sie vom „nutzlosen Klimpern“ abzuhalten und ihre Ambitionen zu durchkreuzen. Wirklich alles. Bis Menolly es nicht mehr aushält und wegläuft.
Hier eröffnen sich gleich mehrere wunderbare Möglichkeiten, die Geschichte zu versieben. Aber weder mutiert Menolly in der Wildnis zu einer weisen Kräuterfrau oder Kriegerin, die sich alleine durchschlägt, noch kommt es zu einer tränenreichen Wiedervereinigung mit den Eltern, die nun ihr Fehlverhalten einsehen. Erst recht taucht kein bad-ass-Guy auf, in den Menolly sich verliebt um fürderhin ganz für diese Liebe zu leben. Menolly versucht einfach nur durchzukommen. Sie bekommt Hilfe (oft von unerwarteter Seite) und muss Widerstände überwinden, wie sich das für eine anständige Heldin gehört. Kurzum: Menolly bleibt ein normales Mädchen mit einer außerordentlichen Begabung, und das macht letztlich auch ihre Geschichte außergewöhnlich.

Ich habe danach so ziemlich alles aus dem Drachenreiter-Zyklus gelesen und das Meiste fand ich gut. Besonders gefiel mir, dass man jedes Buch einzeln lesen kann, weil jedes eine in sich abgeschlossene Geschichte enthält.  Im Zentrum stehen immer wieder andere Figuren, mal Männer, mal Frauen. Manche tauchen nur in einem Band auf, manche haben über mehrere Bände hinweg tragende Rollen. Die einzelnen Geschichten sind zwar, wie moderne Fernsehserien, durch eine Rahmenhandlung verbunden. Diese wird aber nicht chronologisch enthüllt, so dass man die Bücher auch nicht in einer bestimmten Reihenfolge lesen muss.
Über den Stil kann ich nicht mehr viel sagen, außer dass er – zumindest in meiner Erinnerung – weniger Pathos enthielt, als die Bücher von Zimmer Bradley. Sex kam ebenfalls vor, aber seltener. Insgesamt habe ich mich von den Drachenreitern immer gut unterhalten gefühlt (sonst hätte ich auch kaum so viel davon gelesen). Außerdem gefiel mir, dass McCaffrey immer wieder Themen wie Gerechtigkeit, Vorurteile, Gleichberechtigung etc. aufgriff, so dass den Romanen trotz der ständisch-mittelalterlichen Gesellschaft, in der sie spielen, nichts restauratorisches anhaftet. Sie behandelte diese Themen aber immer subtil, im Rahmen der Geschichte und ohne erhobenen Zeigefinger. Das machte sie sehr angenehm und zugleich anregend zu lesen.


*Puristen mögen jetzt einwenden, dass die Drachen nicht auf natürlichem Weg, sondern durch gentechnische Veränderung einer Echsenart entstanden sind. Aber diese Zusammenhänge werden erst nach und nach aufgedeckt – und vor allem viel zu spät, um den Ersteindruck zu ändern.