Tag 6 bei #wirsindtraumfaenger – Erzähle eine inspirierende Geschichte

Das ist eine der Aufgaben, die sich definitiv besser für’s Blog eignet, als für Twitter mit seiner Zeichenbeschränkung und Instagram mit der Fotofixierung und dem unbequemen Handling.

Eine Geschichte, die ich persönlich sehr inspirierend finde, ist die von Glück und Unglück des Pferdezüchters. Ich habe sie von meiner Schwester, die einige Zeit in China gelebt und gearbeitet hat. Dort kursiert sie als Märchen. Ich habe sie hier mit eigenen Worten nacherzählt.

Die Geschichte vom Pferdezüchter

Es war einmal ein Mann, der züchtete Pferde. Eines Tages lief ihm seine wertvollste Zuchtstute davon.
„Welch ein Unglück!“, schrien die Leute.
„Nun, man wird sehen“, sagte er.

Ein paar Wochen später gelang es, tauchte das Pferd wieder auf und es stellte sich heraus, dass die Stute trächtig war.
„Hast du ein Glück!“, riefen die Leute.
„Nun, man wird sehen“, sagte der Mann.

Das Fohlen wuchs zu einem prächtigen Junghengst heran und eines Tages bekam der Sohn des Pferdezüchters Lust, das Tier zu reiten. Der noch nicht an Zaum und Sattel gewöhnte Hengst warf den Jungen ab. Der Junge brach sich das Bein, der Bruch heilte nicht richtig, so dass der Junge fortan hinkte.
„Welch ein Unglück!“, schrien die Leute.
„Nun, man wird sehen“, sagte der Mann.

Zwei Jahre später gab es Krieg. Alle jungen Männer des Landstrichs wurden eingezogen und die meisten von ihnen starben. Nur den Krüppel, den wollte keiner und so kam es, das er als einziger aus dem Dorf überlebte.

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Quelle: Open ClipArt-Vectors via Pixabay

Die Geschichte entspricht natürlich gar nicht den europäischen Erzähltraditionen. Sie hat keinen Höhepunkt, keine Zentralfigur und auch kein richtiges Ende. Was mich daran fasziniert, sind die raschen Wechsel einerseits, aber vor allem, dass das Unglück immer den Kern für das folgende Glück in sich birgt und umgekehrt.
Das ist etwas, das mich auch zu meinen eigenen Werken inspiriert: Zu zeigen, dass es nicht das absolute Glück oder Unglück gibt, genauso wenig, wie das absolut Gute oder Böse. Dass guter Wille zu schlimmen Folgen führen kann und großes Unglück auf der anderen Seite auch neue Handlungsmöglichkeiten eröffnet.


#wirsindtraumfaenger ist eine von Annika Bühnemann ausgerufene Challenge, die sich vor allem an Leser und Autoren wendet.

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