Bekenntnisse

Leider bin ich durch Krankheiten quer durch die Familie und die Tage auf der Buchmesse so raus aus der Vampirgeschichte, dass mit der Wiedereinstieg sehr schwer fällt. Parallel dazu wächst schon die nächste Geschichte in meinem Kopf, die wieder in der Welt der Khon und der Wüstenstädte spielen wird.

Aber erst schreibe ich die Geschichte der Vampirin fertig. Versprochen!

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Doris Gercke: Wie man einen Krimi schreibt (oder auch nicht)

Ich schreibe zwar Fantasy, was bedeutet, dass meine Prosa gelegentlich ausführlicherer Beschreibungen bedarf und manchmal sogar poetische Anteile enthält. Meine Leser dürfen träumen. Ich möchte das meine Geschichten gerne gelesen werden. Deshalb betone ich Schönheit, wo immer es geht. Das ist ist die Entschädigung für den Schrecken und die Abscheulichkeiten, die ich meinen Lesern ebenfalls zumute.
Trotzdem unterschreibe vieles von dem, was Frau Gehrke sagt, uneingeschränkt. Vor allem die Forderungen, die Leser ernst zu nehmen, eine Haltung zu haben und an seinem Handwerk zu arbeiten.

Ohne geht es nicht.

Quelle: Doris Gercke: Wie man einen Krimi schreibt (oder auch nicht)

[Werkstatt] Warum sind Antagonisten oft cooler als der Rest?

Geht es dir auch so, dass du die Helden einer Geschichte oft langweilig findest, verglichen mit dem Antagonisten? In Gesprächen mit Kolleginnen taucht das Thema jedenfalls immer wieder auf. Antagonisten sind cool, Helden eher lame. Aber warum?

Ich habe mal ein paar mögliche Antworten gesammelt:

  • Antagonisten dürfen tun, was sie wollen, während die Helden auf ihre gute Seite festgelegt sind.
  • Antagonisten haben den besseren Start (Superkräfte, Macht, Reichtum), die Protagonisten starten als 08/15.
  • Antagonisten spiegeln die verdrängten dunklen Seiten und unerfüllten Wünsche der Leser.
  • Helden sind oft weniger ausgearbeitet und gewinnen erst im Kampf mit dem Antagonisten Profil.

Vor allem den letzten Punkt finde ich ziemlich wichtig, auch wenn wir alle natürlich versuchen, gerade den Helden möglichst gut auszuarbeiten. Die meisten Protagonisten starten inzwischen mit einer Biografie. Sie haben Stärken und Schwächen und alle guten Autoren, die ich kenne sorgen dafür, dass diese auch zum Tragen kommen. Und trotzdem …

Deshalb glaube ich inzwischen, dass es noch einen anderen Punkt gibt, der dafür sorgt, dass wir Antagonisten spannender finden: Sie haben von Beginn an ein Ziel.
Der Protagonist hat meist zwar den ersten Auftritt, wird aber in einer behaglichen Ausgangssituation gezeigt und muss oft erst auf die richtige Spur gesetzt werden. Denk‘ an Bilbo, den Hobbit: Er hat seine Höhle, seine Pfeife und nicht die leiseste Lust, sein angenehmes Leben aufzugeben. Erst die Intervention Gandalfs und der Zwerge später bringt ihn dazu, sich zu bewegen.
Das ist das klassische Modell der Heldenreise. Der Ruf ergeht, der Held lehnt ab. Dann passiert etwas, das ihn doch aus dem Haus zwingt und endlich gewinnt die Geschichte an Fahrt.
Nun gibt es im Hobbit keinen echten Antagonisten, sondern nur einen Endgegner. Aber wenn man den Herrn der Ringe ansieht, der ähnlich aufgebaut ist, sieht man, dass Sauron längst aktiv ist, noch bevor Frodo seine ersten Schritte aus dem Auenland gemacht hat. Genau genommen ist es Sauron, der ihn überhaupt zum Aufbruch zwingt.
In den Schreibratgebern ist dazu oft von der Fallhöhe die Rede. Die Theorie lautet, dass die Leser um so mehr mit einer Figur mitfiebern, je größer der Verlust ist, den sie erleidet. Das gilt vor allem für die ganzen verstoßenen Prinzessinnen in den Märchen. Aber auch viele Superhelden müssen erst Heim und Familie verlieren. Mit anderen Worten: Sie starten als Opfer. Passiv.

Aber auch danach fehlt ihnen oft noch ein Ziel. Batman baut keine Schulen, sondern spielt den reichen Snob und vermöbelt Kleinkriminelle bis ihn ein Superschurke aus der Deckung zwingt. Es ist der Schurke, der die Fäden zieht und der Held, der darauf reagiert. Überspitzt könnte man sagen: Der Protagonist ist die Marionette des Antagonisten.
Und genau das ist das Problem. Niemand findet Marionetten spannend. Wir interessieren uns automatisch mehr für den Puppenspieler.

Daher wäre mein Tipp, um den Protagonisten interessant zu gestalten: Gib ihm von Anfang an ein Ziel. Das kann ruhig banal sein. Helden müssen nicht schon am Anfang die Welt retten wollen. Das Ziel kann genauso darin bestehen, eine Frau zu finden und ihr einen Antrag zu machen (Next). Wichtig ist nur, dass der Protagonist schon erste Schritte unternommen hat, um dieses Ziel zu erreichen, bevor der Antagonist dazwischenfunkt. Sonst sind wir nämlich wieder bei der klassischen Heldenreise, wo die Hand der Prinzessin und das halbe Königreich nur die Belohnung dafür sind, dass der vergleichsweise lahme Protagonist doch noch den Arsch hochgekriegt hat.

Wie siehst du das? Sind für dich Antagonisten auch spannender? Beziehungsweise: Was tust du, um deine Protagonisten interessanter zu gestalten?

Ist das Literatur oder kann das weg?

Wer braucht eigentlich Literatur?

Blöde Frage, oder? Seit wann hat Literatur einen Nutzen?

Niemand braucht“ Literatur. Jedenfalls nicht in dem Sinne, wie wir Essen oder Trinken brauchen, Kleidung oder Sex. Literatur ist etwas, das wir uns leisten, wenn die Grundbedürfnisse erfüllt sind.
Besonders kluge Menschen unterscheiden noch feinsinnig zwischen hehrer E- und billiger U-Literatur und lehren, dass letztere natürlich abzulehnen ist. In ihrer höchsten Form ist Literatur vollkommen zweckfreier Luxus und gerade das adelt sie zur Kunst.

Der böse Eskapismus

Was gute Literatur ausmacht, darüber streiten die Gelehrten. Vermutlich wurde auch Homer vorgeworfen, in seine Gesängen viel zu viel Sex and Blood and Alcohol eingebaut zu haben.
Wo kämen wir auch hin, wenn Lesen Spaß brächte? Wenn Menschen sich in andere Welten flüchten, statt in steter Auseinandersetzung mit dem Elend der Welt an eben jenem Elend zu zerbrechen?

Das ganz große Grausen bricht jedoch aus, wenn die Leser versuchen, jene Welten auch noch zu leben und dabei Symbole verwenden, die den selbsternannten Hütern der Hochkultur fremd sind. So geschehen in der Nachlese des SWR Kulturredakteurs Carsten Otte zur Leipziger Buchmesse.*

Cosplayer als Killerkaninchen

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Quelle: Kukunamu via pixabay

Ausnahmsweise traf der Bannstrahl dieses Mal nicht die Selfpublisher. Vielmehr fühlte sich Herr Otte durch die Cosplayer gestört. Der „Massenauftritt der leicht bekleideten Comicfiguren mit Plüschtier unterm Arm [werde] zum Hohn auf den Rest der Messe“, wetterte Otte, wobei ihm dieser Rest für ihn vor allem in „Diskussionen über die politische Weltlage und die neue Ernsthaftigkeit im Literaturbetrieb“ bestand. Vielleicht haben ihm die „pornographischen Posen“ der „nackten Hasen“, aber auch nur das Willy-Brandt-Feeling verdorben, das in ihm aufwallte, als er „Verleger und Autoren mit dem Parteisticker der Sozialdemokraten durch die Messehallen schlendern sah“.

Unter dem Strich

Mit Verlaub: Hier wird mit zweierlei Maß gemessen. Der Parteisticker steht ebenso wenig für qualitativ hochwertige Literatur, wie Kätzchenohren und Kuscheltier oder ein ostentativ getragenes Kreuz. Literatur lebt in Büchern und den Geschichten, die sie erzählen. Man muss sie lesen, bevor man sich zu ihren Inhalten äußern kann.

Natürlich kann man es auch lassen. Literatur lebt zwar davon, gelesen zu werden, aber nicht jeder muss alles gelesen haben. Damit kommt die Literatur prächtig zurecht. Wer sich jedoch um die Geschichten nicht schert, sondern sie aufgrund von Äußerlichkeiten ablehnt, missbraucht Literatur und setzt sich dem Verdacht aus, hinter der vorgeschobenen Kulturpflege stecke nur der hilflose Wunsch, die eigene Existenz in einer unübersichtlich gewordenen Welt zu rechtfertigen.


*Der Beitrag, sowie ein offener Antwortbrief auf die Reaktionen der Cosplayer findet sich hier


Auf den Beitrag bin ich aufgrund eines Artikels von Lena Falkenhagen auf Tor-online aufmerksam geworden. Falkenhagen geht nicht nur auf die Geschichte des Manga ein, sondern kommt auch zu dem Schluss, dass der von Otte geforderte Ausschluss der Manga-Convention genau der Zensur gleichkäme, die er zu bekämpfen behauptet.


Zum Schluss zur Klarstellung: Ich mag Mangas nicht sonderlich, da sie mich ästhetisch nicht ansprechen. Trotzdem gucke ich seit neuestem mit meinen Söhnen Assasination Classroom und muss zugeben, dass die Serie nicht nur witzig gemacht ist, sondern auch einen ernsthaften Unterbau hat.
Cosplay ist ebenfalls nichts für mich, weil zu wenig praxisorientiert. Nur zu posen finde ich langweilig. Aber das ist Geschmackssache und vermutlich könnten die Cosplayer auf Anfrage sehr viel zu ihrer Figur und der Rolle erzählen, die sie in den Geschichten spielt, aus denen sie entlehnt ist. Es würde mich wundern, wenn es anders wäre als in der Living-History-Darstellung, die ich betreibe.
Was mich an den Äußerungen Ottes stört, ist zum einen die ungeheuerliche Überheblichkeit, die dahinter steht. Zum anderen aber auch, dass Freiheit, Demokratie und Menschenrechte deutlich mehr durch rechte und extremistische Agitatoren bedroht sind als durch ein paar Kuscheltiere und Menschen in merkwürdigen Kostümen. Auch diese Agitatoren hatten Stände auf der LBM, ihre Werbematerialien waren omnipräsent. Vielleicht ist dieser Umstand, Otte aufgrund zu viel offensichtlicher, nackter Haut aber entgangen.


Aktualisierungen:
Auch auf PhantaNews gibt es einen sehr lesenswerten Beitrag: Haltet die Buchmesse sauber!
Auf SPON schreibt Margarete Stokowski: Auch nackte Hasen sind politisch

[Selfpublishing] Danke!

Der übliche lange Selfpublishing-Artikel muss heute leider entfallen, weil ich mich die letzten Tage auf der Leipziger Buchmesse rumgetrieben habe.

Statt dessen möchte ich heute jemanden aus meinem Unterstützerteam vorstellen, die mich von Anfang an unterstützt hat und einmal Danke sagen für die immer gute und anregende Zusammenarbeit:

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Mein Espressomaschinchen
Impressionen von der Buchmesse Leipzig gibt es vermutlich nächste Woche. Mal sehen, wann mein Kopf wieder klar genug ist.

realistische Vampire (5) – Sozialstrukturen

Mit dem letzten Teil meiner Serie über realistische Vampire begebe ich mich auf sehr dünnes Eis, aber es geht nun mal um das, was mich an modernen Vampiren mit am Meisten stört: Der Mythos hierarchisch aufgebauter Vampirgesellschaften. Vampir A beißt einen Menschen und macht ihn damit nicht nur zum Vampir, sondern auch zu seinem Untergebenen. Einer Art Sklaven, der sich wieder eigene Sklaven erschafft, die natürlich ihrem Meister gehorchen müssen, aber auch dessen Herren.

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Bild: ilaria88 via Pixabay

Zusammen mit dem „Vampire-sind-so-heiß-und-überlegen-Hype“ finde ich das eine sehr ungesunde Mischung, um es diplomatisch auszudrücken. Damit werden Sklaverei und Abhängigkeit nämlich nicht nur quasi als Naturgesetz verkauft, sondern auch noch als ganz großartig.
Von Auflehnung und Aufstand ist nur in den wenigsten Fällen etwas zu merken. Schon bei Anne Rice sind die „Obervampire“ die Heißesten, Härtesten und Großartigsten von allen. Lebendige Götter.

Mit den alten Vampirlegenden, in denen der Vampir eine zerstörerische Kraft war, die es zu vernichten galt, ist das nur schwer zu vereinbaren. Die Nachzehrer, Wurdalaks und wie sie noch genannt wurden, hatten überhaupt kein Interesse, irgendwelche Geheimgesellschaften zu erschaffen.
Selbst Dracula war – von seinem Harem abgesehen – ein Einzelgänger. Sein übergeordneter Stand resultierte aus seinem Titel, nicht daraus, wen er gebissen hatte.

Möglicherweise kommt die heute bestehende Verknüpfung von Vampirismus und Rangverhältnissen in der romantischen Verbrämung einer Zeit, in der jeder wusste, wo „sein Platz“ war. Das sorgt immerhin für klare Verhältnisse.

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Bild: Jo-B via Pixabay

In der modernen Gesellschaft sind derartige, auf Geburt beruhende Über-und-Unterordnungsverhältnisse dagegen nur schlecht zu rechtfertigen. Noch weniger verstehe ich sie bei Vampiren.
Gut, wenn man davon ausgeht, dass ein Mensch dadurch zum Vampir wird, dass er Vampirblut trinkt, ließe sich immerhin die vergleichsweise Schwäche der neu entstandenen Vampire gegenüber den Alten erklären. Allerdings ist hier meiner Meinung nach schon die Prämisse schwach, will sagen: Es ist unverständlich, warum das Blut diese Wirkung haben sollte. Außerdem sind die körperlichen Unterschiede noch kein Grund, von einem Abhängigkeits- oder Über-/Unterordnungsverhältnis auszugehen.
Wenn man, wie ich, von einem Virus als Überträger ausgeht, ist eine derartig Rangordnung sogar noch schlechter begründbar. Hier fällt schon die Überlegenheit der Urvampire weg. Sie sind zwar der Infektionsherd aber die Wirkung der Grippe wird ja auch nicht schwächer, wenn man sich bei jemandem anderen ansteckt.

Überhaupt passt dieser ganze Rangordnungskram eigentlich viel besser auf eine andere Gattung von Fantasy-Wesen. Und zwar ausgerechnet auf die, die sich angeblich seit je her im Krieg mit Vampiren befinden. Ich spreche natürlich von Werwölfen.

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Der Werwolf – nur das haarige Gegenstück zum eleganten Vampir?

Ausgerechnet die werden, jedenfalls in ihrer Wolfsform, oft als hirnlose Bestien skizziert – und das, obwohl gerade Wölfe sehr ausgeprägte Sozialstrukturen haben. Eine Geheimgesellschaft von Werwölfen könnte ich mir daher sogar ausgesprochen gut vorstellen.
Wenn aber Vampire und Werwölfe in ewiger Feindschaft verbunden sind, also, um das Sprichwort zu bemühen „wie Hund und Katze“ – wäre es da nicht glaubhafter, wenn Vampire sich auch in ihrer Lebensart deutlich von Werwölfen unterschieden? Was, wenn Vampire im Gegensatz zu Werwölfen Anarchisten wären? Freigeister, die nur dem eigenen Willen gehorchend, wie Katzen – würde das Vampire weniger attraktiv machen?


Für alle, die neu eingestiegen sind, oder aus anderen Gründen einen der älteren Beiträge noch einmal lesen möchten, habe ich sie hier noch einmal verlinkt:
Teil 1: Wie wird man eigentlich Vampir?
Teil 2: Was macht (meine) Vampire aus?
Teil 3: Die Ernährungsfrage
Teil 4: Das Gebiss

[Werkstattgeplauder] Cliffhanger

Autorinnen* sind fiese Wesen. Wir quälen unsere Protagonistinnen und manchmal sogar die Antagonistinnen, indem wir sie zwingen, an ihre Grenzen zu gehen. Oft sogar ein ganzes Stück darüber hinaus. Auch unsere Leserinnen spannen wir auf die Folter und schicken sie, wo immer möglich, in eine Gefühlsachterbahn, zu der Angst genauso gehört, wie (hoffentlich) befreiendes Lachen.

Eines dieser Stilmittel ist der Cliffhanger, bei dem eine Figur in eine für sie, vor allem aber auch für den Leser aussichtslos erscheinende Situation getrieben und dort allein gelassen wird.

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Bild: Alexas_Fotos via Pixabay

Dieses „Alleinlassen“ kann verschiedene Formen annehmen. Die mildere Variante besteht darin, dass die Autorin einfach einen Punkt und einen Absatz macht und ein neues Kapitel beginnt. Auch das ist schon gemein, denn welche Leserin würde das Buch jetzt noch aus der Hand legen? Die Steigerung besteht darin, dass die Autorin sich fröhlich pfeifend einer anderen Figur zuwendet. Eine geschickte Autorin kann auf diese Weise mit einem halben Dutzend Figuren und sogar noch mehr jonglieren. Aus der Phantastik fällt mir leider gerade kein Roman ein, der sich exemplarisch anführen lässt. Allenfalls Andrzej Sapkowski tut das in seiner Geralt-Saga ansatzweise. Überragend ist Juli Zeh mit Unterleuten.

Damit ist der Cliffhanger eines der Stilmittel, die einen fast zum weiterlesen zwingen, denn natürlich will man wissen, was mit Jaime und Maria, aber auch mit Anne … (die Namen sind mir gerade in den Sinn gekommen, gehören also nicht zu einer konkreten Geschichte).
Wichtig ist, dass das implizite Versprechen der Autorin eingehalten wird, die Szene später aufzulösen. Bleibt diese Auflösung aus, d. h. endet eine Szene mit einem Cliffhanger und ein paar Szenen weiter spaziert die zurückgelassene Figur munter an anderer Stelle durch die Gegend, ohne dass verraten wird, wie sie entkommen ist, fühle ich mich um eine Antwort geprellt und werde ungnädig.
Genauso nerven mich Bücher, in denen die ganz fiese Version des Cliffhangers im Übermaß eingesetzt wird. Die „kleine Variante“, also ein Kapitelende, bei dem die Heldin in Schwierigkeiten steckt, die Handlung aber im nächsten sofort weitergeht, ist noch einigermaßen verträglich. Wenn jedes Kapitel damit endet, dass eine Figur in einer ausweglosen Lage steckt und das nächste mit einer anderen Figur beginnt, wird es lästig. Mir jedenfalls. Das mag daran liegen, dass ich als Autorin natürlich verschiedene Techniken der Spannungserzeugung kenne und erkenne. Andererseits achte ich beim Lesen nicht bewusst auf Techniken, sondern lasse mich in das Buch fallen (bzw. versuche es. Manche Bücher sperren sich dagegen). Also behaupte ich mal ganz dreist, dass eine Technik schon im Übermaß eingesetzt werden muss, um mir auf die Nerven zu gehen. Und wenn sie mir auf die Nerven geht, kann das bei anderen Leserinnen genauso der Fall sein.

Leserinnen auf die Folter zu spannen, ist eine Sache. Sie zu verärgern, ist eine ganz blöde Idee.

Deshalb sind Bücher, die mit einem Cliffhanger enden, für mich sowohl als Autorin, als auch als Leserin ein absolutes No-Go.
Für mich beinhaltet jedes Buch das Versprechen einer Geschichte. In Schreibratgebern ist sogar teilweise von einem Vertrag die Rede, den Autorin und Leserin eingehen. Ganz so ernst nehme ich das nicht, aber wenigstens erwarte ich Anfang, Mittelteil und Ende. Ende im Sinne einer Auflösung des Handlungsstrangs, der im Mittelpunkt des Buches steht.
Wenn ich ein Buch mit einem Cliffhanger enden lasse, bringe ich meine Leserinnen um diese implizit versprochene Auflösung.
Als Leserin finde ich solche Bücher frustrierend. Ich habe mich bei der Tintentrilogie wahnsinnig über das fehlende Ende geärgert und auch bei der Geralt-Saga habe ich bei jedem Buch das Gefühl gehabt, einfach aus der Handlung gerissen zu werden und um die Auflösung betrogen worden zu sein. Bei der Geralt-Saga konnte ich auch keinen Grund für die Aufteilung erkennen, so dass sie wie reine Geldschneiderei des Verlags wirkt. Das Schlimmste an Cliffhangern am Ende ist aber, dass ich in solchen Fällen immer den Eindruck bekomme, dass ich manipuliert (nicht verführt!) werden soll, den nächsten Band auch zu kaufen. Solche Holzhammermethoden machen mich sauer. Richtig sauer. Im schlimmsten Fall, tue ich genau das Gegenteil, kaufe den nächsten Band also nicht. Und wenn ich richtig verärgert bin, lasse ich diesen Ärger auch in die Rezension des Gelesenen einfließen.

Bei mehrbändigen Werken ist ein offenes Ende in meinen Augen daher die bessere Lösung. Es ist normal, dass nicht alle Fragen in einer Geschichte geklärt werden können. Außerdem geben die offenen Fragen der Erzählung Weite und Tiefe – man ahnt, dass da mehr ist und wird verlockt, selber weiter zu denken und bei mehreren Bänden auch weiter zu lesen. Das ist auch das Rezept der meisten Erfolgsserien: Pro Folge gibt es eine abgeschlossene Haupthandlung (eventuell mit Nebenhandlungen) und darüber hinaus einen übergeordneten Erzählfaden, der sich durch alle Folgen zieht und sie logisch miteinander verknüpft. Das Muster lässt sich problemlos auf mehrbändige Werke übertragen und sorgt dafür, dass die Leserin am Ende jedes Buchs eine befriedigende Auflösung erhält – aber durch den übergeordneten, offenen Handlungsfaden zum Weiterlesen verführt wird.

Das ist aber nur meine Meinung. Wie siehst du das? Verwendest du Cliffhanger und wann?


*Ich verwende in diesem Artikel ein generisches Femininum, d.h. Männer sind selbstverständlich mitgemeint. Wer das schwierig findet: Willkommen im Club – mir geht es mit dem generischen Maskulinum oft auch.

[Selfpublishing] Ein Jahr Codex Aureus

Vor einem Jahr startete der Codex Aureus mit der Fabel „Der Esel als Pilger“. Das „Eselchen“ war ursprünglich nur dazu gedacht, auszuprobieren, wie das Veröffentlichen von eBooks genau funktioniert.

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Inzwischen sind drei weitere Codex-Ausgaben erschienen, die alle ihre Liebhaber gefunden haben. Das bestätigt mich in der These bestätigen, dass auf dem Markt auch eine Nische für kürzere Fantasy-Formate gibt. Allerdings sind alle mit rund 50 Seiten auch deutlich länger, als der „Esel“.

Bei jeder einzelnen Ausgabe habe ich viel dazu gelernt.

Buchcover Codex Aureus - Der Esel als Pilger

Die erste (und bitterste) Lektion war die Reaktion auf das Cover des „Esels“. Ich hatte mir viel Mühe damit gegeben und war ganz begeistert von mir, auch weil ich endlich begriffen hatte, wie das mit den verschiedenen Ebenen bei Paintshop funktioniert.
Und dann wurde es bei der ersten Präsentation als viel zu dunkel befunden. Außerdem als zu unruhig, zu kontrastarm, mit zu vielen Schriften, die zudem noch schlecht lesbar seien.
Gut, ich habe das getan, was vermutlich jeder Anfänger macht: Ich habe mein Baby verteidigt. Tatsächlich mag ich es immer noch. Aber nachdem ich eine Nacht drüber geschlafen habe, habe ich es trotzdem geändert. Schließlich soll das Cover in erster Linie potentiellen Lesern gefallen. Oder, wie Marketingleute das so charmant ausdrücken: Der Wurm muss dem Fisch schmecken, nicht dem Angler. Das soll nicht heißen, dass mir das neue Cover nicht gefällt. Natürlich gefällt es mir. Sonst hätte ich es nicht genommen.

Cover für Steppenbrand, die Geschichte von Dejasir no'Sonak, der eigentlich nur das Beste für sich und sein Volk wollte.

Bei der zweiten Ausgabe, Steppenbrand, bin ich tiefer in die Geheimnisse der ePub-Convertierung eingestiegen. Steppenbrand enthält ziemlich viele Worte einer selbst erfundenen Sprache, was seit Tolkien einerseits zur klassischen Fantasy dazu gehört, den Text aber stellenweise schwer lesbar macht. Also hatte ich mir überlegt, ein Glossar einzufügen und – weil ein eBook im Grunde nichts anderes ist, als ein HTML-Dokument – mit Hyperlinks zu arbeiten. Die Idee war, dass jedes neue Wort mit dem Glossar verlinkt wurde, vom Glossar dann aber auch ein Hyperlink in den Text zurückführte. Ich hatte das kurz zuvor in einem Krimi gesehen und fand es so superschick, dass ich es auch unbedingt haben musste.
Die Links zu setzen war kein Problem. Das Problem war, dass die Konvertierung sie mir immer wieder zerschoss. Ich war schon kurz davor, aufzugeben und Steppenbrand ohne Links rauszubringen, als völlig unerwartet Hilfe von Michaela Stadelmann alias Textflash kam, die mir Sigil empfahl. Ich bin ihr dafür bis heute unendlich dankbar.
Außerdem habe ich bei Steppenbrand gelernt, dass Tolino media keine Verkaufslinks mag. Nicht mal zu den eigenen Partnern, weil sie nicht wissen, ob es nicht irgendwann mehr werden.

entwurf2Der Fluch des Spielmanns hat mich einmal mehr davon überzeugt, dass Code entweder doch irgendwo etwas mit Magie zu tun hat, oder dass Computer insgeheim Sadisten sind, die sich darüber amüsieren, wie sie ihre Nutzer in den Wahnsinn treiben. Wieso? Nun, ich habe die Geschichte mit Papyrus Author geschrieben und auch damit konvertiert.
Der Validator sagte es gäbe ein Problem und nannte die Stellen.
Ich habe versucht, die Stellen mit Sigil zu überprüfen – nur fand Sigil die Stellen nicht.
Na gut. Blöd gelaufen. Aber kein Grund, die Nerven zu verlieren. Immerhin hatte bei Steppenbrand, das ich komplett mit OpenOffice geschrieben und konvertiert hatte, die Konvertierung auf Anhieb geklappt. Also habe ich das Papyrus-Dokument in ein .doc verwandelt, in OpenOffice geladen und konvertiert.
Der Validator sagte, es gäbe Probleme. Aber immerhin weniger.
Sigil wusste trotzdem nicht weiter.
Also habe ich es mit LibreOffice versucht, das ich mir kurz zuvor runtergeladen hatte, weil OpenOffice nicht mehr weiterentwickelt wird. Hätte ja sein können, dass das Problem dort lag.
Der Validator fand neue Fehler.
Dann habe ich das .doc in ein .odt (das Format von Open- und LibreOffice) verwandelt. Inzwischen schon ein bisschen genervt, was aber auch nichts half.
Ich weiß nicht mehr genau, wie viele Versuche ich gemacht habe. Irgendwas war immer. Bis ich es aus lauter Verzweiflung noch mal mit Papyrus Autor versucht habe und – oh Wunder! – der Validator nichts zu maulen fand. Was die Ursache war, weiß ich bis heute nicht. Nur, dass eine Fehlermeldung beim Validator offenbar kein Grund zur Panik ist.

o-tannenbaum-klein„O Tannenbaum“ schließlich hat mich gelehrt, dass man sich vom Weihnachtsgeschäft nicht zu viel erwarten sollte und Weihnachtgeschichten alles andere als Selbstgänger sind. Die Hoffnung, „Schöne Bescherung„, das kurz vorher bei Clue Writing veröffentlicht wurde, werde auch Werbung für O Tannenbaum“ machen, erwies sich ganz schnell als Satz mit X. Und nach Weihnachten geraten Geschichten, die an Weihnachten spielen, völlig aus dem Blick.
Insofern ist der Titel auch blöd gewählt, weil „O Tannenbaum“ eine reine Weihnachtsgeschichte suggeriert, obwohl es eigentlich ein modernes Märchen ist. „Das ist immer noch mein Baum!“ oder „Die Dryade“ wäre daher ein deulich besserer Titel gewesen.

Aber ich will überhaupt nicht maulen. Jede einzelne Ausgabe des Codex Aureus hat gute Kritiken bekommen. Meine Leser verzeihen mir großzügig Rechtschreib- und Grammatikfehler (oder schicken mir sogar korrigierte Fassungen, wie der unglaubliche Elyseo da Silva es bei Steppenbrand getan hat. Auch dafür ganz, ganz herzlichen Dank).

Was ausbaufähig ist, ist auf jeden Fall das Marketing. Ich schreibe zwar viel darüber, aber an der praktischen Umsetzung hapert es manchmal. Selbständig heißt nun mal auch bei Autoren selbst und ständig – und da ist es oft schwer, die Prioritäten richtig zu setzen.

Aktuell beschäftige ich mich damit, Banner für verschiedene soziale Medien zu erstellen, um die Sichtbarkeit meiner Bücher zu erhöhen. Außerdem habe ich eine Idee für eine (wie ich finde) ganz witzige Kampagne, um mich als Fantasy-Autorin bekannter zu machen.
Und dann wird es meine Geschichten voraussichtlich auch auf die Ohren geben. Aber dazu mehr, wenn das Ganze in trockenen Tüchern ist.

Was leider gar nicht geklappt hat, ist den Termin für die 5. Ausgabe einzuhalten, weil nacheinander verschiedene Familienmitglieder krank geworden sind und meine Depressionen darin einen willkommenen Anlass gesehen haben, auch mal wieder zu Besuch zu kommen. Aber jetzt ist sowieso erst mal Buchmesse in Leipzig und Buchmessen sind ein denkbar ungünstiger Zeitpunkt für Neuerscheinungen. Bücher unbekannter Autoren werden besser wahrgenommen, wenn sich der Trubel gelegt hat – das ist etwas, was ich von der Frankfurter Buchmesse gelernt habe.
Dafür ist diese Ausgabe des Codex Aureus vermutlich die am Besten angeteaserte. Ich hoffe, die Neugier hält noch ein bisschen. Ich verspreche, dass es sich lohnen wird. Muss ich ja. Denn wenn ich nicht von meinen Geschichten überzeugt wäre, wer dann? Und wie könnte ich sie mit gutem Gewissen veröffentlichen?

Aber auch im zweiten Jahr wird es noch eine Menge Überraschungen geben. Für mich. Für dich. Für Sie. Für euch. Ich hoffe, nur gute!

Was ist eigentlich »ein gutes Buch«?

Was ist ein gutes Buch? Meine Eltern hatten dafür noch sehr genaue Kategorien: Erhaben musste es sein (nicht unbedingt erhebend) und geadelt durch Alter und das Urteil von Menschen, die sich damit auskannten. Klassiker waren gut, Krimis Schund. Fantasy war Spinnerei, während Science Fiction ging, wenn sie nur gut genug abgehangen war.
Heute ist das schwieriger. Aber um die letzte Frage, bezogen auf meine Bücher, zu beantworten: Ich würde nie eine Geschichte veröffentlichen, die ich für zu schlecht halte, mich zu unterhalten.

Werkstadt

Die meisten von uns kennen das. Man sitzt, noch ein Dreikäsehoch, in der Ecke und heult, weil die anderen Insassen des Kindergartens nicht mit einem spielen wollen. Fräulein Elfriede eilt herbei und streichelt zärtlich über den traurigen Kindskopf. »Warte nur ab, bis die rausfinden, dass du auch deine guten Seiten hast. Dann wollen alle mit dir spielen.«

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