Realistische Vampire (1) – Wie wird man eigentlich Vampir?

An der Überschrift für diesen Artikel habe ich lange überlegt. Ursprünglich wollte ich ihn mit Fantasy und Realismus überschreiben, aber das hätte auf eine grundsätzlichen Auseinandersetzung hingedeutet, die ich an dieser Stelle nicht führen wollte. Hier sollte es wirklich in erster Linie um realistische Vampire gehen.

Warum mir das wichtig ist? Der Anlass ist natürlich, dass ich gerade selber über Vampire schreibe. Da bleibt es nicht aus, dass man sich ein paar Gedanken macht.
Um es vorab zu sagen: Ich finde supersexy, superstarke, superschnelle Charaktere totlangweilig. Erst recht, wenn sie auch noch reich und mächtig sind und außergewöhnliche Fähigkeiten, wie Telepathie, Gedankenkontrolle und ähnliches besitzen. Dummerweise trifft all‘ das auf moderne Vampire zu.
Dracula hatte zwar schon einen hohen Glamourfaktor, aber immerhin glitzerte er nicht in der Sonne, sondern verbrannte. Außerdem war er der Antagonist – und Antagonisten verzeiht man gerne ein paar Sonderfähigkeiten, weil sie den Helden am Ende um so heroischer aussehen lassen.

Aber wenn mich etwas an einem literarischen Helden antörnt, dann ist das nicht seine Überlegenheit, sondern die Art, wie er mit seinen Schwächen umgeht. Das gleiche gilt selbstverständlich für Heldinnen.
Als ich beschloss, über Vampire zu schreiben, war es daher logisch, zuerst über mögliche Schwächen nachzudenken. Das brachte mich auf die Frage, wie man zum Vampir wird.
Bei Dracula geschieht das, indem der Graf das Opfer dreimal beißt und ihm dann sein eigenes Blut verabreicht. Diese Blutspende hat sich als Topos teilweise bis in die Neuzeit erhalten, aber ehrlich gesagt, überzeugt mich dieser Übertragungsweg nicht.

Im 19. Jahrhundert, als sich gerade die Erkenntnis durchzusetzen begann, dass Krankheiten nicht auf einem Ungleichgewicht von „Körpersäften“ basierten, mag so eine Erklärung noch logisch geklungen haben. Aber der menschliche Verdauungstrakt ist erstaunlich robust. Mit ein bisschen Blut wird er problemlos fertig.
Da Vampirismus aber nun mal ansteckend zu sein scheint, wäre eine Übertragung durch ein Virus eine logische Erklärung. Nur nicht durch den Magen-Darm-Trakt, sondern durch eine Infektion der Wunde. Wenn sich das Virus im Speichel befindet, gerät beim Biss automatisch in die Blutbahn.
Allerdings ergäbe es wirklich keinen Sinn, wenn jeder Gebissene zum Vampir werden würde. Damit entzöge es seinem Wirt auf Dauer die Existenzgrundlage. Einfacher ausgedrückt: Wenn alle zum Vampir werden, gibt es irgendwann keine Menschen mehr. Die Nahrung stirbt aus.
Also muss das Immunsystem gewinnen. Meistens jedenfalls.

Die Blutspende ergibt trotzdem einen Sinn. Welchen, verrate ich ein anderes Mal.


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Teil 2: Was macht (meine) Vampire aus?
Teil 3: Die Ernährungsfrage
Teil 4: Das Gebiss
Teil 5: Sozialstukturen

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7 Kommentare zu „Realistische Vampire (1) – Wie wird man eigentlich Vampir?

  1. Ich muss zugeben, meine Werwölfe (es gibt in der Welt auch Vampire, aber die kommen bisher nicht vor) stecken sich ganz langweilig per Biss an. Sie verwandeln sich bei Vollmond und trinken dann Blut. Von der Gesellschaft werden sie zwar diskriminiert, aber weder ausgehungert noch aktiv bekämpft. Wie das funktioniert hat, bevor es Blutspende und -konserven gab, habe ich mir noch nicht überlegt.

    In Benjamin Spangs Welt („Blut gegen Blut“) nehmen Vampire Menschen gefangen und halten sie als Nutzvieh, d.h. das Blut, das den Vampiren im Alltag zur Verfügung steht, wurde mit sterilen Nadeln entnommen und nicht durch einen Biss. Dennoch bleibt die Frage, warum es nicht immer weniger Menschen gibt. Vampire und Werwölfe können per Biss neue Artgenossen generieren und sich zusätzlich auf herkömmlichem Weg fortpflanzen, Menschen nur Kinder bekommen und gebissen werden.

    In „Lucia“ von Beryll & Osiris Brackhaus gibt es dadurch quasi eine Rangordnung: Ein gebissener Mensch ist ein schwächerer Vampir als ein Kind von Vampiren. Übrigens auch eine interessante Frage: Inwieweit ist Vampirsein erblich? Ein Virus kann bei Schwangerschaft und/oder Geburt übertragen werden (siehe HIV), aber über Generationen per DNA? Eher unwahrscheinlich.

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