Wie du dich gegen E-Book-Piraterie wehren kannst

Der nachfolgende Text von Annika Bühnemann ist einfach zu gut, um ihn euch vorzuenthalten. Deshalb meine Bitte: Lesen, handeln, weitersagen!

Trinkt aus, Piraten, denn wir wehren uns! Wie du verhinderst, dass deine Bücher auf illegalen Seiten zum Download angeboten werden.

Quelle: Wie du dich gegen E-Book-Piraterie wehren kannst

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Always look on the bright side

Mir ist heute sehr nach Leben des Brian.

Anders, als mit Galgenhumor lässt sich das Leben aktuell nämlich nicht angehen. Aber wie heißt es so schön: „Wenn dir das Leben Zitronen gibt, mach Limonade draus“.
Bei mir sind es ein ungeplanter Kurztripp nach Hamburg, der meine Zeitplanung vollkommen über den Haufen wirft. Trotzdem würde ich mich vermutlich freuen, wenn der Grund nicht so ernst wäre.

Aber machen wir das Beste draus. Hat vielleicht irgendwer Lust, sich auf einen Kaffee zu treffen?

Blutgeld und Revolution – Gedanken um Fantasy und Konsum

Das Thema der Blogreihe finde ich sehr spannend und den Artikel kann ich fast vollständig unterschreiben, auch wenn das Happy End für mich nicht obligatorisch ist. Gerade in dem genannten Beispiel mit der glitzernden Stadt könnte ich auch mit einem offenen oder sogar tragischen Ende leben, so lange noch ein Funken Hoffnung bleibt.
Aber der Artikel verdient deutlich mehr Aufmerksamkeit. Deshalb lesen, liken, weiterverbreiten! ^^

Möchtegerns Autorenblog

Über meinem Autorenforum hat Meara Finnegan die Blogreihe „Phantastische Realität“ ins Leben gerufen. Als ich von der Idee las, beschloss ich mich anzuschließen. Immerhin ist es genau diese Kritik, dieses Auseinandersetzen mit realen Dingen in Fantasy-Romanen, die mich reizt.

Mein eigener Beitrag rangt sich um einen der vielen Punkte, die in der Realität schief laufen: Unser Konsumdenken und Fantasy. Konsum und Fantasy sind für mich im Grunde zwei völlig unterschiedliche Dinge.

Konsum bedeutet, immer mehr, immer schneller, immer neues und alles ohne Wertschätzung, für das Ding oder die Menschen, die dafür gearbeitet haben.

Fantasy hingegen ist der Zufluchtsort, in dem es genau darum nicht geht, in dem oft kleine Dinge ihren Wert haben, etwas bedeuten, und wo man eine Geschichte fernab des heutigen Konsumdenkens erleben kann.

Doch mittlerweile gibt so viele Unterarten der Fantasy, dass es dieses einfache Prinzip nicht mehr überall greift. Urban-Fantasy zum Beispiel spielt in der Gegenwart…

Ursprünglichen Post anzeigen 1.060 weitere Wörter

[Fundstück] Autoren und Steuer

Buchhaltung und Steuern sind etwas vor dem mir graut. Aber irgendwie muss man da ja durch. Zum Glück habe ich eine sehr liebe, geduldige Steuerberaterin, die mir den Großteil abnimmt und nur ganz wenig schimpft, wenn ich mal wieder zu spät dran bin.

Für die, die dieses Glück nicht haben, habe ich einen Tipp: Folgt dem Blog von Kia Kahawa! Sie lotst ihre Leser sehr ausführlich, sachlich und dabei durchaus unterhaltsam durch die Möglichkeiten und Tücken des Steuerrechts. Das große Plus dabei: Sie schreibt speziell für Autoren und Selfpublisher und bringt viele praxisrelevante Beispiele.
Zwar ist Kia Kahawa selbst keine Steuerberaterin, was sie auch immer wieder betont, aber ihre Artikel sind so gut geschrieben, dass ich fast Lust bekomme, mich selbst an der Steuererklärung zu versuchen. Was, wie dem Eingangssatz zu entnehmen ist, einiges heißen will.

[Fantasy] Ist das Happy End Pflicht?

Auf Tor online ist dieser Tage ein Beitrag erschienen, in dem es um die Umkehrung der Heldenreise geht. Geschichten, in denen nicht das Gute triumphiert, sondern der, der am Anfang gute Protagonist sich zum Bösen wandelt.
In anderen Genres sei das ok, schreibt die Autorin – nur eben nicht in der Fantasy.

Bösewichte gibt es in der Fantasyliteratur jede Menge – aber echte Anti-Helden, denen man beim Bösewerden zuschauen kann, nur wenige.

In der Fantasy trügen die die Bösen entweder immer schon den Keim des Bösen in sich (wie Voldemort, der nie sympathisch gezeichnet wird), ihre Entwicklung werde nicht nachgezeichnet (wie bei den Nazgul) oder sie behielten noch einen Funken Menschlichkeit (wie der Inquisitor in der Mistborn-Trilogie).

Das sei aber auch gut so, meint die Autorin, denn Fantasy sei per se eine Literatur der Happy Ends und der Hoffnung.

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Quelle: Couleur via Pixabay

Wir brauchen einfach das euphorische Ende und den Triumph der Kräfte des Guten, und ein Held, der zum Antihelden wird – das passt da einfach nicht rein.

Wer mich kennt, wird ahnen, dass ich diese Ansicht für grundlegend falsch halte*. Nicht, dass ich die Vorbildwirkung der Heldencharaktere bestreiten will. Beileibe nicht.
Aber was sind das denn für Helden, die immer nur gegen Schurken kämpfen dürfen, denen das Wort „böse“ in Leuchtbuchstaben auf die Stirn tätowiert ist? Wieso soll sich das Gute entwickeln dürfen und das Böse schon von Anfang gesetzt sein? Was ist das überhaupt für ein Bild des Bösen, das da transportiert wird?

Meines Erachtens verharmlost man das Böse, wenn es immer nur in den drei Formen auftaucht: „war schon immer so“, „naturgegeben“ (weil schlechte Anlagen) oder „nicht so schlimm“ (weil Rest von Menschlichkeit bewahrt, der in der Stunde der Bewährung durchbricht, wie bei Darth Vader). Es wird zu einer nicht weiter reflektierten Bedrohung, die mit allen Mitteln beseitigt werden muss. Eine Auseinandersetzung damit, wie diese Bedrohung entstanden ist, findet allenfalls am Rande statt. Die Antagonistin hatte eine schlimme Kindheit oder wurde von ihrem Lover verlassen. Jetzt ist sie eben böse. Punkt.
Ein bisschen wenig, wie ich finde. Im schlimmsten Fall sogar Klischee.

Und ich will auch nicht nur über strahlende Helden lesen, die am Ende die liebreizende Prinzessin küssen und das halbe Königreich einsacken. Auch nicht, nicht wenn es Kriegerprinzessinnen sind, die am Ende die Liebe ihres Lebens finden. Auch das ist für mich Klischee. Kurzum: Ich muss kein Happy End haben.
Deshalb finde ich es toll, dass Tolkien Frodo zuletzt scheitern lässt, indem er ihm die Rückkehr ins alte Leben versagt. Ich warte nägelkauend darauf, dass Pat Rothfuss endlich den dritten Teil seiner Königsmördertrilogie beendet, um Kvotes Scheitern zu erleben.
Genauso interessiert mich der Werdegang der Schurken. Was hat sie zu dem gemacht, was sie sind? Welche Widerstände mussten sie überwinden? Welche Entscheidungen haben sie aus welchen Gründen getroffen? Wie rechtfertigen sie ihr Handeln? Nur Comicschurken handeln, um schurkisch zu sein. Aber was sind die Gründe. Das fände ich durchaus spannend. Ebenso, ob sie ihre Ziele durchsetzen oder ob sie scheitern, wobei ich dann gar nicht sicher bin, welche der beiden Alternativen dann das Happy End wäre.

Wie siehst du das, ist Fantasy per se eine Literatur der Happy Ends und der Hoffnung?


 

*Diese Haltung vertrete ich nicht nur in meinen Blogbeiträgen. Auch meine Erzählungen haben wenig mit klassischem Heldentum zu tun und die einzige Geschichte, die so was, wie ein Happy End hatte, war bisher der Fluch des Spielmanns. Über den Heldenstatus des Protagonisten ließe sich allerdings diskutieren.nohappyendwarnung

Zu O Tannenbaum schrieb ein Leser, ich solle besser eine „no Happy End Warnung“ ausgeben.

Und Steppenbrand tut genau das, was Fantasy angeblich nicht macht: Es zeichnet den Werdegang eines Antagonisten nach. Daran hat sich bisher allerdings kein Leser gestört.

Realistische Vampire (2) – Was macht (meine) Vampire aus?

Nachdem es letzte Woche darum ging, wie man zum Vampir wird, möchte ich heute darauf eingehen, welche Auswirkungen es hat, Vampir zu werden. Eine ist schon mal logisch: Vampire trinken Blut. Das macht ihr Wesen aus, deshalb wird sich daran nichts ändern. Aber wie ich schon beschrieben hatte, möchte ich weg vom Bild des Glamour-Glitzer-Vampirs.

Bei mir wird Vampirismus durch ein Virus übertragen, das eine Symbiose mit dem Wirt eingeht. Das bedeutet auch alle Phänomene die im Zusammenhang mit Vampiren genannt werden, biologisch einigermaßen erklärbar sein müssen.
Damit fällt zum Beispiel die Fähigkeit raus, fliegen oder sich besonders schnell bewegen zu können. Schnelle Bewegungen gingen vielleicht noch, aber fliegen? No way!
Ein bisschen zu meinem Bedauern sind Vampire damit auch nicht mehr so leicht entflammbar. Eine ihrer größten Schwächen der klassischen Vampire ist ja, beim ersten Sonnenstrahl in Flammen aufzugehen, was, wie ich fand, immer ein sehr hübscher Effekt war. Allerdings ist eine mehr oder weniger stark ausgeprägte Lichtallergie denkbar. Zum Ausgleich können sie dafür im Dunkeln besser sehen.
Und natürlich sind meine Vampire auch im Spiegel sichtbar.
Die Übertragung durch ein Virus schließt auch eine Bekämpfung von Vampiren mittels Kreuzen oder Weihwasser aus. Es wäre schon ein seltsames Virus, das sich durch die Insignien irgendeiner Religion besiegen ließe.

Dagegen ließe sich die scheinbare Unsterblichkeit von Vampiren tatsächlich durch ein Virus erklären: Schaltet das Virus nämlich den zelleigenen „Kopierschutz“ ab, können sich die einzelnen Körperzellen unbegrenzt oft teilen und werden dadurch quasi unsterblich. Dieses Phänomen gibt es bei Krebszellen tatsächlich.
Wenn das Virus außerdem den Metabolismus, das Immunsystem und die Regenerationsfähigkeit beeinflusst, heilen Verletzungen deutlich schneller. Gleichzeitig wird der Körper weniger anfällig für Infektionen.
Im Ergebnis wäre der Vampir so langlebig und schwer totzukriegen, dass er nach außen tatsächlich unsterblich erschiene, zumal sich sein Äußeres kaum verändern würde.

Ein weiteres Phänomen, das sich durch ein Virus problemlos erklären ließe, ist die Abneigung gegen Knoblauch.
Geht man nämlich allgemein von einer gesteigerten Geruchsempfindlichkeit aus (wie sie z. B. auch bei Schwangeren auftreten kann), würde der Vampir alle stark riechenden Dinge meiden. Darunter eben auch den Knoblauch. Diese Geruchsempfindlichkeit hätte für den Vampir den Vorteil, bereits am Geruch erkennen zu können, ob das gewählte Opfer krank ist. In diesem Fall könnte er die Jagd rechtzeitig abbrechen und so eine Ansteckung vermeiden zu können. Diese Fähigkeit ist – selbst bei einem hochgerüsteten Immunsystem – sinnvoll, wenn man auf regelmäßige Jagd zur Nahrungsaufnahme angewiesen ist.

Vermutlich müsste das Virus auch Auswirkungen auf Verdauung und Stoffwechsel haben, damit trotz der allein auf Blut basierten Ernährung keine Mangelerscheinungen eintreten. Über die Auswirkungen auf den Verdauungstrakt kann ich nur spekulieren. Da Blut kaum Kohlenhydrate enthält, könnten die Bereiche abgebaut werden, die für deren Verdauung zuständig sind. Andererseits dürfte die Energiedichte von Blut recht gering sein, so dass das Maximum herausgeholt werden muss, damit der Vampir nicht dauernd „nachtanken“ muss. Möglich, dass dafür die Bereiche des Dünndarms eingeschaltet werden, in denen vorher die Kohlenhydrate verdaut wurden. Spekulation, wie gesagt und eigentlich auch nicht wichtig, bis auf eine Kleinigkeit: Da Blut eine geringe Energiedichte hat, dürfte es Vampiren schwer fallen, Fett anzusetzen.

Meine Vampire sind daher eher schlank. Außerdem sind sie weder besonders schnell noch übermäßig muskulös. Das könnte sie bei der Jagd auf Alte, Kinder und andere Geschwächte beschränken. Allerdings würde sich das Virus aus den Gründen, die ich im letzten Artikel beschrieben habe, dann sehr schnell ausbreiten und damit auf Dauer selbst die Existenzgrundlage (menschliches Blut) entziehen.
Daher haben meine Vampire einen Vorteil: Sie sind latente Telepathen, die ihre Opfer verwirren und sedieren können. Mit entsprechender Übung wachsen auch die Fähigkeiten.


Hat dir der Artikel gefallen? Dann interessieren dich vielleicht auch diese Artikel:
Teil 1: Wie wird man eigentlich Vampir?
Teil 3: Die Ernährungsfrage
Teil 4: Das Gebiss
Teil 5: Sozialstukturen

[Fundstück] reiner Kreationismus: Fantasywesen erschaffen

Über das Erschaffen phantastischer Welten und Kreaturen bloggt Sylvia Englert (alias Katja Brandis, alias Siri Lindberg) als Gastautorin auf Tor online. Ihren Artikel zur Erschaffung von Fantasywesen kann ich nicht nur angehenden Fantasy- und SciFi-Autoren empfehlen. Ganz besonders hat es mir der Abschnitt „Die Biologie sollte Sinn ergeben“ angetan. Nicht nur, weil der perfekt zu meiner Serie über Vampire passt.

Die wird übrigens morgen fortgesetzt. Dieses Mal wird es um die Auswirkungen des Virus‘ auf den menschlichen Körper gehen.

[Werkstatt] Die Grundhaltung der Figuren als Charaktermerkmal

Letzte Woche hatte ich im Zusammenhang mit der Frage, wie mit Charakterbögen umzugehen sei, in einem Nebensatz geschrieben, dass es bei der Charakterisierung von Figuren in erster Linie auf ihre Haltung ankäme. Damit meine ich nicht die Körpersprache, also ob jemand schnell geht, aufrecht steht oder niemandem in die Augen sieht. Alle genannten Eigenarten sind zwar ebenfalls wunderbar geeignet, eine Figur zu charakterisieren, aber sie rühren aus einer inneren Haltung, um die es hier gehen soll.

Mit dieser inneren Haltung meine ich zunächst die Grundstimmung einer Figur: Ist sie optimistisch, ängstlich, feindselig, nervös, neugierig … Das zu bestimmen, fällt am Anfang nicht immer leicht, ist aber ungemein wichtig, denn diese Grundstimmung ist das, was in Krisensituationen durchschlägt (und ein Buch besteht, wie wir alle wissen, vor allem aus kleineren und größeren Krisen). Sie bestimmt das Verhalten der Figur in der Krise und verändert sich im Lauf einer Geschichte nicht.
Du* meinst, das stünde im Widerspruch zu allem, was in Schreibratgebern steht? Nämlich, dass Figuren im Verlauf der Geschichte eine Wandlung durchmachen sollen?
Stimmt.
Und stimmt doch nicht.
Aber der Reihe nach.

Zunächst mal lässt sich dieses Phänomen auch bei „realen“ Menschen beobachten. Obwohl die Entwicklungspsychologie inzwischen davon ausgeht, dass „Persönlichkeit“ nichts ist, das sich zwischen 16 und 25 fixiert und fortan nicht mehr ändern lässt*, bauen die meisten Menschen danach nur noch ihre Marotten aus. Vielleicht lernen sie auch mit gewissen Schwächen umzugehen. So kann ein chaotischer Mensch ein gewisses Maß an Ordnung in sein Leben bringen, indem er Hilfsmittel wie To-Do-Listen verwendet. Aber anders, als bei einem Ordnungsfanatiker werden bei ihm immer unsortierte Bereiche bleiben, in denen das Chaos die Oberhand behält. Mit anderen Worten: Reale Menschen ändern schon etwas, aber im Normalfall bleibt ihre Persönlichkeit im Kern gleich. Es muss schon ein sehr großer Anstoß von Außen kommen, damit sich die Persönlichkeit grundlegend ändert. Solche Anstöße können u. a. Traumata, spirituelle Erlebnisse (Nahtoderfahrungen, Offenbarungen etc.), aber auch psychiatrische Behandlungen sein.

Für literarische Figuren gilt das Gesagte um so mehr, da sie sich zwar ändern sollen, ihre Handlungen aber für den Leser nachvollziehbar bleiben müssen. Genau das erreicht man am Besten indem man ihnen eine Haltung mitgibt, die bis zum Schluss unverändert bleibt, auch wenn die Figur vielleicht lernt, mit den daraus resultierenden Problemen umzugehen. Ron Weasleys Angst vor Spinnen ist ein schönes Beispiel: Er wird in den verschiedenen Harry-Potter-Bänden immer wieder auf verschiedene Weise mit ihr konfrontiert. Manchmal ist das Ergebnis witzig (wie bei dem Irrwicht), aber immer muss er seine Angst zugunsten eines höheren Ziels überwinden und schafft es auch. Trotzdem würde er unglaubwürdig werden, wenn er eine noch so winzige, flaumige Spinne plötzlich „niedlich“ fände.

Wie kommt man nun zu dieser Grundhaltung?
In der Fantasy ist das vergleichsweise leicht, weil hier die Grundhaltung oft schon durch Rasse und Charakterklasse vorgegeben ist. So sind Tolkiens Elben immer großherzig, dem Schönen zugeneigt und gleichzeitig so vergangenheitsfixiert, dass man sie schon fast reaktionär nennen könnte. Hobbits sind gutmütige Genusswesen, Orks zerstörerisch und nur dem Recht des Stärkeren gehorchend. Bei den Charakterklassen haftet Dieb, Assassine und Spion immer Verschlagenheit an, während Ritter gerecht sind und Heiler (im Gegensatz zu Schamanen) Fürsorge verkörpern.
Klischees?
Klar sind das Klischees. Niemand sagt, dass du dich daran halten musst. Aber diese Klischees geben einen guten Eindruck davon, was ich mit „Grundhaltung“ meine.

Tatsächlich mag ich Charaktere, die gegen das Klischee gebürstet sind. Als Discovery Writer würde ich daher vermutlich hergehen und mir überlegen, welche Eigenheiten meine Figuren haben sollen, ihnen eine interessante Aufgabe geben und dann sehen, wie sie damit zurecht kommen.
Nun bin ich aber Plotter, d. h. ich plane meine Geschichten durch, bevor ich anfange zu schreiben. Das bedeutet auch, dass ich zumindest eine grobe Vorstellung vom Inhalt der Geschichte habe, bevor ich mir Gedanken über die Figuren mache. Dementsprechend läuft auch die „Rollenbesetzung“ ein bisschen anders. Wer jetzt an ein Casting für einen Film denkt, liegt gar nicht mal verkehrt.
Es gibt ja so eine Schreibtheorie, wonach alle Geschichten in „story driven“ oder „charakter driven“ einsortiert werden. Also danach, ob die Spannung eher aus der Handlung entsteht oder ob die Charaktere im Vordergrund stehen. In aller Unbescheidenheit möchte ich behaupten, dass die besten Bücher beides sind. Meiner Meinung nach lassen sich Charakter und Handlung nicht trennen. Der Charakter einer Figur beeinflusst ihre Handlungen, was Prozesse in Gang setzt, die neue Handlungen erfordern, die wieder auf dem Charakter beruhen. Wäre Bilbo nicht aus dem Haus gegangen, wäre er Gollum nicht begegnet und auch keinem Drachen. Hätte Galadriel den Ring genommen, wäre Frodo nicht über Lothlorien hinausgekommen.
Wenn ich also überlege, wie ich eine Rolle besetzen will, überlege ich als erstes, welcher grundlegende Charakterzug meine/n Prota antreibt und die Geschichte am Laufen hält. Bei O Tannenbaum war das die bedingungslose Hingabe der Dryade an ihren Baum. Bei Fluch des Spielmanns ist es die verbotene Liebe zur schönen Hulda und bei Steppenbrand Dejasirs Gier nach Macht und Reichtum.
Diese Grundhaltung muss natürlich durch zusätzliche Facetten ergänzt werden, damit die Figuren glaubwürdig agieren. Teilweise können diese Facetten sogar im scheinbaren Widerspruch zur Grundhaltung stehen. Faramir ist hier ein schönes Beispiel (der Buchcharakter noch stärker, als der im Film): Er würde alles tun, um die Gunst seines Vaters zu gewinnen; er riskiert dafür sogar sein eigenes Leben. Aber als ihm der Ring in die Hände fällt, bleibt er sich und seinem Charakter treu, obwohl er weiß, dass sein Vater ihn dafür nur noch mehr verachten wird.

Jetzt bin ich gespannt: Wie entwirfst du deine Charaktere?
Ich freue mich über jeden Kommentar.


 

*Das „du“ ist nicht despektierlich gemeint. Ich habe mich für diese informelle Anrede entschieden, um den informellen Charakter dieser Werkstattgespräche zu betonen.

** Das Leben ist eine Baustelle, Interview mit der Psychologin Ursula Staudinger, Karriere-Spiegel 29.08.2013

[Mittelaltermythen] Der Ritter, der nicht aufstehen konnte

Weil gerade mal wieder behauptet wurde, wie entsetzlich schwer eine spätmittelalterliche Rüstung gewesen sei und wie furchtbar unbeweglich ihr Träger, hier ein lustiges Video, auf dem ein Feuerwehrmann, ein Soldat und ein Ritter auf einen Hindernisparcour geschickt werden.

Für diejenigen, die die fachliche Qualifikation des Filmemachers bezweifeln und die Ritterrüstung als Filmrequisite abtun möchten: Daniel Jaquet ist Mediävist mit Schwerpunkt auf mittelalterlicher Kriegsführung und Kampftechnik. Das gezeigte Video war Teil einer Ausstellung im Militärmuseum von Schloss Morges in der Schweiz. Eine gewisse Fachkenntnis bei Herstellung und Präsentation darf daher unterstellt werden.

Autorenleben: Wann und wie hast du mit dem Schreiben angefangen?

Wie man aus dem Titelbild sieht, ist das mal wieder eine Frage aus der #Autorenwahnsinn Challenge von Schreibwahnsinn.de.

Wann genau ich angefangen habe, kann ich nicht mehr sagen. Sehr früh jedenfalls. Ich habe als Kind sehr viel gemalt und meine Bilder hatten immer Geschichten, ähnlich den Wimmelbüchern. Irgendwann bin ich dazu übergegangen, aus diesen Bildergeschichten kleine Bücher zu machen, was im Nachhinein seltsam ist, weil Comics in meinem Elternhaus verpönt waren. Sie galten als Schund, wohingegen meinen Eltern sehr daran gelegen war, dass wir „gute Bücher“ lasen.
Damals (wir reden von den 1970ern und 80ern) wurden darunter vor allem Klassiker und problemorientierte Werke verstanden. Menschen mit schlimmen Schicksalen, die gegen die Kälte der Gesellschaft, die Grausamkeit der Welt kämpfen und schließlich doch scheitern. Dass ich auch Märchen, Sagen, Fantasy- und Abenteuergeschichten verschlang, gab Anlass zur Sorge, ich könne den Kontakt zur Realität verlieren.
Aber obwohl ich eine echte Leseratte war, kam ich erst relativ spät auf die Idee, meine Geschichten in Worte und nicht in Bilder zu fassen.

In der 5. oder 6. Klasse habe ich an einem Schreibwettbewerb für Schüler zum Thema Alltagsrassismus teilgenommen (Den gab es damals schon. Nazis auch.) und sogar irgendeinen Platz belegt. Welchen weiß ich nicht mehr, aber mein Preis war ein seht zeitgeistiger Postkartenkalender mit schrecklich lieben Sprüchen, mit dem ich als Punk, der ich war, überhaupt nichts anfangen konnte. Das Ding ist umgehend in den Müll gewandert.

Danach klafft eine Erinnerungslücke bis nach dem Studium. Ich kann beim besten Willen nicht sagen, ob ich in der Zeit irgendwelche freiwilligen, ernsthaften Schreibversuche unternommen habe.
Dann las ich das Nibelungenlied und war hingerissen. So etwas wollte ich auch schreiben! Historisch. Trotzdem modern. Ein neues, großes Werk des magischen Realismus!
Natürlich bin ich grandios gescheitert. Mehrfach sogar. Man gibt ja nicht einfach etwas auf, nur weil man immer wieder daran scheitert. Erst recht nicht, wenn schon so viel Arbeit darin steckt.

Zum Glück stieß ich irgendwann auf Elronds Haus*, und dort auf Fanfiction. Das Gute an der Community dort war, dass sie sich stark am Kanon orientierte. Mary Sues und OOC**s waren nicht gerne gesehen. Aber ich fand ohnehin die Teile spannender, über die sich Tolkien nur wenige Informationen geliefert hat. Sie ließen den größten Raum, die eigene Fantasie spielen zu lassen. Damals entstand u. a. die Urfassung zu Steppenbrand, aber auch andere Kurzgeschichten, die ich jetzt nach und nach in den Codex Aureus einfließen lasse.

Ohne Elronds Haus und die Fanfictions wäre ich vielleicht nie so weit gekommen. Aber damals habe ich nicht nur festgestellt, dass mir das Schreiben Spaß macht, sondern auch dass meine Geschichten Leser finden, auch wenn mein Stil ausbaufähig war.

Aber die Sache mit dem Stil ist eine andere Geschichte und geht schon weit, weit über die Frage hinaus.


* Elronds Haus war ein Forum zu Tolkiens Geschichten. Leider existiert es nicht mehr.
** Charaktere, die sich anders verhalten, als vom Verfasser beschrieben