eBook-Marketing: Eine Selbstverpflichtung

Gestern schrieb ich auf Twitter, dass ich keine Werbung für kostenlose eBooks mehr teilen werde, weil die dahinter stehende Geiz-ist-geil-Mentalität meinen Interessen widerspricht. Dieser Tweet hat viel Zustimmung bekommen. Trotzdem möchte ich das Thema auch hier im Blog noch mal aufgreifen und eine Selbstverpflichtung abgeben.

 

Wozu ich mich verpflichte

  1. Ich werde keine Rabattaktionen durchführen. Meine eBooks werden immer zum gleichen Preis erhältlich sein.
  2. Ich mache keine Werbung für Rabattaktionen anderer Autoren/Selfpublisher.
  3. Ich kaufe eBooks nur zum Normalpreis.

Warum dieser Schritt?

Warum ich auf Preisaktionen verzichte

Dass ich Preisaktionen* für falsch halte, bei denen (vor allem) eBooks für 99 Cent oder für lau verschleudert werden, sollte allen klar sein, die dieses Blog einigermaßen regelmäßig lesen. Argumente stehen z. B. hier und hier.
Daher ist klar, dass ich mit meinen eigenen Büchern nicht (mehr**) an solchen Aktionen teilnehmen werde.

Warum ich die Preisaktionen anderer nicht publik mache

Der bloße Verzicht auf eigene Rabattaktionen greift aber m. E. zu kurz. Ich fördere das System der Selbstausbeutung schließlich auch, wenn ich die Aktionen anderer Autoren und Selfpublisher bekannt mache. Daher ist es für mich nur konsequent, künftig nicht mehr darauf hinzuweisen, dass ein Buch kurzfristig billiger zu haben ist – selbst, oder besonders dann, wenn ich das Buch und/oder die Autorin schätze. Schließlich weiß ich, wie lange die Kollegen an ihren Büchern arbeiten; wie viel Mühe und Herzblut darin steckt. Ich, dass sie für diese Arbeit auch einen fairen Preis bekommen.
Deshalb: Keine Werbung während der Preisaktionen mehr. Aber gerne, wenn das Buch wieder zum Normalpreis erhältlich ist.

Warum ich während einer Preisaktion keine eBooks „kaufen“ werde

Da ich Rabattaktionen für falsch halte, weil sie dazu führen, dass Autoren nicht vom Schreiben leben können, wäre es heuchlerisch, sich einerseits öffentlich davon zu distanzieren und sie auf der anderen Seite auszunutzen. Wenn ich will, dass Autoren von ihrer Arbeit leben können und von anderen die Bereitschaft fordere, faire Preise zu zahlen, muss ich auch selber dazu bereit sein.

 

Schlusswort

Ob das hier irgendetwas bewirkt? Keine Ahnung. Natürlich kann man mir entgegenhalten, ich sei nur ein kleines Rädchen im Literaturbetrieb. Niemand, der zählt. Niemand, auf den es ankommt.
Aber wie ich oben schon schrieb: Für den Tweet habe ich eine Menge Zustimmung bekommen. Ich stehe mit meiner Meinung also offenbar nicht alleine. Zusammen können wir etwas ändern.
Bist du dabei? Dann bitte ich dich, diesen Artikel zu kommentieren und/oder zu teilen.

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Bildquelle: Pixabay

P. S.: Allen Skeptikern empfehle ich die Lektüre von Mark Twain, „Leben auf dem Mississippi“ ab Kapitel 13, wo er von der Gründung der Vereinigung der Mississippilotsen berichtet.


*Mit Preisaktionen meine ich eine vorübergehende Preissenkung, die darauf abzielt, das Buch sichtbarer zu machen. Bücher, die dauerhaft zu Niedrigpreisen angeboten werden, sind nicht gemeint.
** Der Esel als Pilger (Codex Aureus 1) ist anfangs umsonst zu haben gewesen. In dieser Zeit wurde er rund 500 Mal heruntergeladen. Das Ergebnis waren 2 Rezensionen und 0 Verkäufe nach Ende der Aktion. Erst mit Erscheinen von „Der Fluch des Spielmanns“ verkauft sich auch der Esel wieder.

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15 Kommentare zu „eBook-Marketing: Eine Selbstverpflichtung

  1. Ich kann dem auch nur zustimmen! Leider „musste“ ich selbst erst ein Buch schreiben, um zu sehen, wie viel Arbeit da drin steckt. Doch seitdem ich das weiß, sind mir Bücher und auch kürzere ebooks viel mehr wert. Wer weiß, vielleicht können wir langsam und Schritt für Schritt durch Posts wie deinen die öffentliche Wahrnehmung ein bisschen verändern. 🙂

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  2. Hallo Nike,
    fühle dich durch diesen Artikel bitte ab jetzt verfolgt 😉 . Ich kämpfe schon lange argumentativ gegen diese unsäglichen 99Cent- oder gar Gratisaktionen. Selbst Indie-Bestseller-Autoren machen immer wieder 1,99Aktionen, was mir völlig unverständlich ist.

    Auf einer Veranstaltung habe ich letztes Jahr schon alle Anwesenden aufgefordert, doch bitte mit diesem Verramschen aufzuhören und dabei leider in viele ablehnende Gesichter geschaut.

    Ein Buch, das weniger als ein Kaffee kostet, den wir zwischendurch in fünf Minuten hinunterschütten, ist und bleibt ein NoGo! Dabei ist es für mich egal, ob es eine Preisaktion oder dauerhaft ist. Ich bin stolz auf meine Bücher und die damit geleistete Arbeit und werde sie nicht selbst herabsetzen, auch nicht mit dem Ziel einer Gewinnmaximierung für mich selbst zulasten des Gesamtmarktes (jetzt bitte nicht überheblich verstehen – ich bin literarisch ein Niemand, aber wenn wir Niemands alle solche Aktionen machen, dann verkaufen die Jemands kaum noch Bücher zu einem Normalpreis!). In dem Sinne, lass uns gemeinsam hoffen und nicht müde werden, gegen Billigbücher zu argumentieren!

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    1. Hallo Uwe,
      herzlich willkommen, nimm‘ dir Tee, Kaffee oder was auch immer du magst und fühle dich wohl. Ich freue mich auf viele anregende Kommentare! 🙂
      Wir werden übrigens mehr. Die Stimmen derer, die sich gegen das Verramschen ihrer Werke wenden, nehmen zu. Jedenfalls waren die Reaktionen auf diesen Artikel, der u. a. auf Facebook geteilt wurde, überwiegend positiv.
      Zu den anderen schreibe ich noch mal einen separaten Blogpost. ^^

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    1. Ja, das hast du schon richtig verstanden.
      Ich finde den Preis zwar auch dauerhaft extrem niedrig, vor allem unter dem Aspekt, dass man an einem Buch für 99 Cent gerade mal 27 Cent verdient, wenn man über Amazon verkauft. Trotzdem sind eBooks generell so billig, dass der Markt in einigen Fällen einfach keine höheren Preise hergibt. Anders gesagt: Bei Genres, in denen es 800 Seiten-Romane für 2,99 gibt, kann man eine Erzählung nicht zum gleichen Preis anbieten.
      Das für jeden Einzelfall auseinander zu klamüsern, ist aber zu schwierig. Deshalb beschränke ich mich lieber auf die generelle Aussage bei den Werbeaktionen. Langfristig hoffe ich aber auf allgemein steigende Preise.

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  3. Ach, hätte ich deinen Blog-Eintrag doch schon vorher gelesen. Ich bin doch gerade dabei mit meinen Büchern von ePubli zu kdp umzuziehen, nicht ohne sie vorher noch gründlich überarbeitet zu haben was die Sache in diesem Fall glücklicherweise etwas in die Länge zieht und bin genau in diese Falle getappt. Es klingt doch einfach zu schön. Ein paar hundert Downloads extra tun einem nicht weh aber dafür gibt es reihenweise Rezensionen. Nix iss mit Rezis. Die ganze Arbeit des Schreibens und Redigierens für lau ist für die restlichen drei Bücher, die jetzt noch anstehen, ebenfalls ein NoGo. Profitieren von den kostenlosen Downloads tun nur die Jäger und Sammler. Ich habe beim zweiten Buch die Aktion bei 500 DL’s abgebrochen. Und siehe da: In den folgenden 6 Tagen habe ich mit zwei Romanen trotzdem 30 Stück verkauft. Es gibt also Leute, die bereit sind 2,99€ auszugeben.
    https://www.amazon.de/Andreas-Kohn/e/B01NBXZQ56/ref=ntt_dp_epwbk_0

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    1. Danke für den Kommentar! Mir ging es mit dem „Esel“, meinem Versuchsballon ähnlich. Trotzdem befallen mich ab und an Selbstzweifel, ob meine Auffassung richtig ist, weil so viele „Gurus“ des SP Preisaktionen als Nonplusultra des eBookmarketings preisen. Kommentare, wie deiner jetzt, bestätigen aber, dass ich so falsch nicht liegen kann.
      Ich wünschte nur, dass mehr SPler diese Verschleudermentalität offen entgegentreten würden. Es wäre langfristig für uns alle besser.

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  4. Wie erwähnt überarbeite ich gerade meine ersten vier Romane um sie anschliessend auf kdp.Amazon neu zu veröffentlichen. Gerade habe ich den 2. Teil meiner NEOCHRON-Trilogie fertig und eingestellt und überarbeite nun, bevor dann Teil 3 dran ist, erst meinen Roman ARBULON. Warum ich das erwähne? Ich werde mit letzterem einmal die Wirksamkeit der Kostenlos-Werbung testen. Das mit einem 2. Teil einer Trilogie zu versuchen, wäre wohl nicht sonderlich aussagekräftig.So etwa in einer Woche, werde ich den Roman Online stellen, mir ein paar Tage lang die Zahlen ansehen und wenn nichts passiert ihn einen Tag lang für lau anbieten.Wenn es dann keinen signifikanten Unterschied zwischen vor- und nachher gibt, wie ich es vermute, dürfte die Frage ein für alle Mal geklärt sein.

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    1. Ich bin gespannt! Erfolgt die Veröffentlichung im Rahmen des Indie-Lesefestivals, das gerade auf Amazon begonnen hat? Falls nicht, würde ich die Veröffentlichung (bzw. die Reduzierung) eventuell verschieben, weil es sein könnte, dass dein Buch sonst in der Masse der reduzierten Bücher einfach unter geht.

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