Neue Entwicklung beim Verleih von eBooks

Noch ein potentieller Aufreger: Der Europäische Gerichtshof hat entschieden, dass eBooks und Printausgaben im Verleih gleich zu behandeln sind.

Bisher war es so, dass die Bibliotheken für den Verleih von eBooks Lizenzen kaufen mussten, die u. a. genau festlegten, wie oft das eBook verliehen werden durfte. Mit dieser Praxis ist nun Schluss, wenn ich das Urteil richtig verstanden habe. Dann kann das eBook (genau wie sein gedrucktes Pendant) beliebig oft verliehen werden.

Was erst mal gerecht klingt, hat natürlich einen Haken: Ein gedrucktes Buch nutzt sich ab. Die Seiten verschmuddeln, es bilden sich Risse, irgendwann löst sich die Bindung … Dann muss ein neues her.
Eine Datei bleibt (jedenfalls in der Theorie) immer unverändert (ob das aufgrund der physikalischen Prozesse in den Speichermedien wirklich der Fall ist, sei mal dahingestellt). Grundsätzlich ist aber richtig, dass sich eine Datei wesentlich öfter hin und her schicken lässt, als ein gedrucktes Buch.

Für die Büchereien ist diese Entscheidung natürlich eine gewaltige Erleichterung – gerade nach dem Streit mit Holtzbrinck und Bonnier*.

Ob ich das gut finde, weiß ich nicht.


Zu diesem Streit, exemplarisch zwei Artikel

Börsenblatt

Stellungnahme der Franken-Onleihe

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8 Kommentare zu „Neue Entwicklung beim Verleih von eBooks

  1. Meine Schwester hat mal in einer größeren Bibliothek ein Praktikum gemacht. Und da sie auch in ihrer Schülerbibliothek damals mitgearbeitet hat, durfte sie ungefähr… 50 Bücher aus der Bibliothek für ihre Schule retten, die man sonst verramscht hätte.
    Großteils übrigens Bücher, die noch einwandfrei in Schuss waren, die aber aktuelleren (und öfter entliehenen) Büchern weichen mussten und daher aussortiert wurden. Ich glaube nicht, dass Bücher wirklich von Bibliotheken nachgekauft werden. Was kaputt ist, wird gegen 1€-Spende verkauft oder geschrottet.
    Das ist etwas, was einem eBook nicht passieren kann. Eine solche Entscheidung kann also das Leben eines Buches als „etwas, das zur Verfügung steht und gelesen werden kann“ durchaus verlängern, besonders wenn das Print nicht mehr neu aufgelegt wird oder das physische Exemplar von der Bibliothek aussortiert wurde.
    Aus Autorensicht profitiert man (soweit ich weiß) allerdings nur dann von den Ausleihen, wenn man bei der VG Wort ist. Wo ich z.B. allein darum nicht bin, weil mir die Anmeldung unnötig kompliziert ist und ich nicht denke, dass viel bei rumkommt.

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    1. Als Selfpublisher war da bisher noch eine ganz andere Hürde: Die Bibliothek muss erst mal dein Buch haben wollen. Im Gegenzug hättest du aber die gesamten im Vertrag ausgehandelten Lizenzgebühren erhalten.
      Nach diesem Urteil kann die Bibliothek das eBook m.E. kaufen und „normal“ verleihen, ohne dich zu fragen und muss nur die Gebühren für die VG Wort abführen.
      Als Selfpublisher wirst du bei der VG Wort aber aktuell als VERLAG geführt – und sind nach dem Urteil des BGH vom April keine Auszahlungsberechtigten mehr.

      Tja … Ich fühle mich mal wieder ein kleines bisschen mehr verarscht.

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      1. Ich glaube nicht, dass das gezielt ist. Ich glaube, es liegt daran, dass wir Selfpublisher nicht nur keine Lobby haben, sondern oft genug viel zu glücklich sind, dass es irgendwie läuft und sowieso schon viel zu viel um die Ohren haben, um uns nun auch noch um Politik und Gedöns zu kümmern und deshalb schlicht übersehen werden.

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  2. Ich sehe die Sache, in diesem Fall, ein wenig aus Bibliothekensicht. Was wahrscheinlich daran liegt, dass ich als Stadtknecht ein wenig die haushalterische und generell finanzielle Situation der öffentlichen Bibliotheken kenne.

    Wenn es wirklich so ist, dass die Verlage für eBook-Bestseller enorme Lizenzgebühren aufrufen, die dann womöglich noch pro „Exemplar“ gelten, dann kann ich schon verstehen, dass die Bibliotheken hier mahnend den Zeigefinger erheben. Im Übrigen wird tatsächlich ein nicht unerheblicher Teil des Bestands regelmäßig nachgekauft/aktualisiert, zumindest ist das bei uns in Duisburg bis vor einigen Jahren der Fall gewesen (wie es aktuell ist, kann ich mangels direkter Einsicht nicht sagen).

    Für Selfpublisher stellt sich die Sachlage natürlich anders dar, aber das ist generell der Fall, z.B. auch, wenn sich ein Printexemplar eines SP-Buchs in eine Bibliothek verirrt. Gerade bei Regionalia kann das ja der Fall sein.

    Ich finde es, rein vom Denken her, gut, dass die Bibliotheken autonom entscheiden können, was sie in den Bestand nehmen und was nicht. Die Folgen, die daraus entstehen, sind politisch und juristisch abzuklären. Und da, okay, Nike, kann man durchaus sehr skeptisch reagieren.

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