eBooks: Flatrates, Verkauf und Produktpiraterie

Dieser Artikel ist gewissermaßen ein Nachklapp zu dem vom 07.11., in dem ich der Frage nachgegangen war, wie verfehltes eBook-Marketing die Preisspirale immer weiter nach unten treibt.

Ausgehend von diesem Artikel hatte ich heute morgen eine sehr inspirierende Unterhaltung mit der Autorin Anne Colwey, die schrieb, sie überlege wegen der um sich greifenden eBook-Piraterie ernsthaft, ihre Bücher künftig nur noch als Prints herauszugeben.
Da reine eBook-Verlage nichts gegen den Preisverfall und Produktpiraterie täten, müsse man darüber nachdenken, die Zusammenarbeit einzustellen und in letzter Konsequenz zum „klassischen Veröffenlichungsweg“ zurückzukehren. Also Agentur und Printverlag.
Das Problem der Produktpiraterie gebe es nicht erst seit gestern, würde aber trotzdem vernachlässigt. Und Selfpublisher könnten ihre ohnehin knappe Zeit nicht auch noch damit verbringen, auf Piratenjagd zu gehen.

Ich stimme dem in fast allen Punkten zu. Mit einer Ausnahme: Bei meinem Formaten ist der „klassische Weg“ leider ausgeschlossen. Alles unter 250 Seiten ist für die meisten Verlage vollkommen uninteressant – und die wenigen, die auch Novellen und Erzählungen im Programm haben, veröffentlichen keine Fantasy.
Und für mich ist Print ist einfach zu teuer, weil die Nische zu klein ist. Selbst bei BoD müsste ich meine Bücher so teuer machen, dass sie keiner kauft.

Andererseits kann es das ja wohl auch nicht sein, dass man ein technisches Verfahren, das es Lesern erlaubt, günstiger an Bücher zu kommen, nicht mehr nutzt, weil andere es ausnutzen.
Sicher: Wenn es keine eBooks mehr gäbe (bis auf den Ramsch, den man Selfpublishern nachsagt und von Autoren, wie mir, die sich nichts anderes leisten können), würden sich die Piraten nach einträglicheren Geschäftsmodellen umsehen. Raubkopien im Preissegment 0 – 99 Cent lohnen nicht. Schon gar nicht, wenn nicht mal ein Bestseller darunter ist.
Aber ist es das, was wir wirklich wollen? Sollten wir nicht alle – und damit meine ich Autoren genauso wie Leser, Selfpublisher wie Verlage – daran interessiert sein, das eBook am Leben zu halten? Und zwar so, dass alle, die es produzieren, auch etwas davon haben, damit sie für Nachschub sorgen?
Dann wäre es doch konsequent, gemeinsam Druck zu machen. Gemeinsam dafür einzutreten, dass die illegalen Verkäufe durch Piratenportale unterbunden werden. Zum Beispiel, indem man die Verkäufer zur Nachzahlung der unterschlagenen Tantiemen zwingt. Die Server mögen ja im außerhalb der EU stehen – aber die Verkäufer sitzen oft innerhalb der EU.
Genauso konsequent wäre es, den Preisverfall zu stoppen, eBooks nicht als Flatrate, sondern nur noch im Modell der Onleihe zu verleihen (was durch entsprechende Lizenzvereinbarungen möglich ist).

Aber wir müssen schon selber aktiv werden. Von alleine wird sich in der Politik kaum etwas zu unseren Gunsten ändern. Im Gegenteil. Im Justizministerium von Nordrhein-Westfalen wird nach Informationen der Legal Tribune Online auf einen Bundesratsentwurf hingearbeitet, der den Verkauf „gebrauchter“ eBooks ermöglicht. Da es keinen Kopierschutz für eBooks gibt, der auch nur ansatzweise sicher stellt, dass ein so verkauftes Buch auch tatsächlich aus dem Bestand gelöscht wird, wäre das quasi der Freibrief für die Raubkopierer.

Tja. Und nun seid ihr dran. Meiner Meinung nach ist es noch nicht zu spät. Aber wenn wir das aufhalten wollen, dann müssen wir bald in die Puschen kommen. Alle.

Oder wie siehst du das?

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10 Kommentare zu „eBooks: Flatrates, Verkauf und Produktpiraterie

  1. tja, wenn du mich fragst. Deine Schrisftstellerkollegin hat recht. Ich habe mein E-Book Engagement vor wenigen Wochen eingestellt. Es ist nicht nur der Markt nicht zu retten (vollkommen überschwemmt), es ist vor allem die Piraterie nicht zu stoppen. Es gibt keinen Zugriff auf die Betreiber.

    Ich gebe mal zwei Links mit:

    https://www.heise.de/tp/features/Reich-werden-mit-Amazon-3361220.html

    Und einer der Leute lief Jahrelang mit Absicht gegen den Markt Amok. Bekannt uach als Spiegelbest. Man vermutet, er war selsbt Buchhändler und wollte sich gegen Amazon rächen. Da kannst du hier reinschauen:

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  2. Holy … jetzt hat die Return Taste schon alles abgeschickt. Wie sollen wir das machen, stellst du die zwei frei, oder soll ich das alles nochmal posten? Diesen hier kannst du bitte wegwerfen. Beste Grüße wollte ich in jedem Fall noch drunter gesetzt haben. Sorry Sorry … Der Tastatur-Teufel

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      1. O.K. bin mit dieser Art sich zu outen, noch nicht wirklich vertraut. Leider habe ich tatsächlich schon viele Krokodilstränen wegen dieser Piraterie vergossen. Man kann da aber wirklich überhaupt nichts machen. Polizei nicht, und auch Solidarität unter den Autoren … wie schön wäre das. Aber guck dir den Heise Artikel an, dann weißt du wer da mit sich solidarisch ist und die anderen wegdrückt. Leider auch: Viele bauen sich mehrere Profile und liken sich selbst damit und disliken und runterputzen die anderen. Einzige was hilft: Man muss an seinen Texten solange arbeiten, bis sie richtig gut sind. Dann gibt es vielleicht auch Chancen auf dem alten Weg. Es gibt mehr Verlage, als ich glaubte. Muss nicht immeer Suhrkamp sein. Beste Grüße ! Clemens

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      2. Als Einzelner kann man gegen Produktpiraterie nichts machen, da gebe ich dir recht. Aber wie das Interview trotz allem Geschwalle und allen Worthülsen zeigt, können Polizei und Staatsanwaltschaften schon etwas tun. Und die Politik könnte ebenfalls tätig werden (zur Abwechslung auch mal in die richtige Richtung und nicht mit so ’nem Quark wie Urheberrechte auf Internetlinks). Nur wird sich da ohne entsprechenden Druck nichts bewegen.

        Und leider sehe ich für mich auch keine Zukunft in einem Verlag, so lange ich nicht, wie alle anderen auch, Romane mit 300+ Seiten schreibe. Im Print geht die Tendenz nun mal zur Schwarte, ganz besonders bei Fantasy und beim historischen Roman.

        Also bleibt eigentlich nur, den Kampf aufzunehmen und für das Gute, Schöne, Wahre zu kämpfen. Auch, wenn es nur um eBooks geht. 😉

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      3. Ich bin unsicher, wie ich auf Deine Worte reagieren soll. Also fasse ich mich kurz. Vielleicht kommen ja noch ein paar Ideen aus einer anderen Ecke. Also. Zuallererst muss das Buch stimmen. Lektoriert und von mindestens einem zweiten gelesen/korrigiert. Dann kann man es in Auszügen unters Volk bringen, auf dem eigenen Block. Auszüge nur! Da merkt man dann gleich, obs zwickt oder gar nicht funzt. Und wenn es dann gut ist. Mach BoD. Du kannst das erstmal so starten. Und dann noch immer ein E-Book draus machen. Glaub mir. Es kauft dir keiner ein E-Book ab, der es nicht auch als Hardcover kaufen würde. Der Faktor billig ist einfach und eben nur billig. Und alles unter 10 Euro, mit Verlaub, da geh ich auf den Flohmarkt und hol mir was Ordentliches! Ich stop mal,. sonst bleiben die Gäste weg. ;o) Beste Grüße Clemens

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  3. Leider muss ich deine Kollegin enttäuschen. Ich habe als Schülerin, die von Verlagen, Lektorat und Co. keine Ahnung hatte, dank meiner Deutschlehrerin von BoD gehört.
    Und natürlich wurde im Februar 2009 mein Machwerk aus zusammengestückeltem Vanity-Publishing (ich habe einfach alle Gedichte, Geschichten und zwei Theaterstücke halbwegs brauchbar überarbeitet und hintereinander in einer Art System zu einer Anthologie zusammengestoppelt. Und das dann veröffentlicht) veröffentlicht. 2014 nahm ich es vom Markt, indem ich meinen Vertrag bei BoD rechtzeitig gekündigt habe.
    Eine eBook-Version meines desaströsen SP-Erstlings existiert nicht. Nicht mal auf meinem Rechner. Da gibt es nur ein Word-Dokument.
    Trotzdem kursieren PDF-, -mobi und epub-Versionen davon auf Piratenseiten.
    Ich habe keine Ahnung, wie das möglich sein soll. Entweder hat jemand Google Books gehackt (wo es früher eine digitale Leseprobe gegeben hat, die aber inzwischen offline zu sein scheint) oder es hat sich jemand die Mühe gemacht, das Ding Seite für Seite abzutippen oder einzuscannen.
    Ist mir relativ wurscht, was von beidem. Aber Tatsache ist: Eine reine Printveröffentlichung schützt auch nicht vor Piraten. Und als jemand, der mehr eBooks kauft und liest als Prints… würde ich mich sowas von bedanken, wenn wegen ein paar Menschen zweifelhafter Moral ich keine eBooks mehr bekäme…
    Ist wie mit DRM – die Piraten finden immer einen Weg. Die ehrlichen Leute bleiben auf der Strecke.

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  4. Katherina, jetzt bin ich verwirrt. Was meinst du mit vom Markt genommen?

    https://www.amazon.de/Licht-Schatten-Katherina-Ushachov/dp/3837093573/ref=sr_1_4?ie=UTF8&qid=1478810615&sr=8-4&keywords=katherina+ushachov

    Übrigens wurden früher tatsächlich viele Romane eingescannt, auch wenn so vor 10-15 Jahren Filme, Musik, Software und, ähm, Urlaubsvideos wesentlich populärer auf den illegalen Tauschkanälen waren. Ich habe mich mit dem Thema im Rahmen meines Hörspiel-Engagements beschäftigt. Der betriebene Aufwand war teilweise recht hoch.

    Und zum Thema DRM stimme ich dir zu: Für jede CD, die ich wegen eines Raubkopier“schutz“ nicht in meinem Autoradio abspielen konnte, hätte ich jemanden an der Stoßstange festbinden können. Und es waren nicht die Raubkopierer, denn in manchen Fällen waren die meine letzte Hilfe, wenn die gekaufte CD so gut gesichert war, dass sie NIRGENDWO laufen wollte, weil selbst in meiner heimischen Stereoanlage unwissentlich ein CD-ROM-Laufwerk verbaut war.

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  5. Da muss ich Clemens doch vehement widersprechen. Er sagt:
    „Es kauft dir keiner ein E-Book ab, der es nicht auch als Hardcover kaufen würde.“
    Das stimmt doch nicht. Ich kaufe Hardcover höchstens mal auf dem Flohmarkt, ich würde nie die abgehobenen Preise dafür zahlen. Taschenbücher sind in Preis/Leistung besser, wenn auch hier noch manchmal zu teuer, und das ist unabhängig von der Seitenzahl, sondern nur von der Qualität.
    Trotzdem lese ich seit mindestens 5 Jahren fast alle Romane als E-Book, weil das für mich angenehmer ist.

    Piraterie gibt es schon lange. Handel mit gebrauchten Büchern oder Verleih untereinander auch. Würden wir für jedes Lesen extra bezahlt, hätten wir viel höhere Einnahmen. Doch das ist reine Fantasie. Auch, dass man die Piraterie unterbinden kann. Mit Kopierschutz strafe ich nur unbedarfte Leser ab (siehe Mics Kommentar).

    Fazit: Ob ihr nur drucken lasst, auf einen Verlag hofft oder doch SP macht, hat doch ganz andere Gründe. Und ich verdiene mit SP erheblich mehr als mit jedem Verlag, auch nach Abzug von Lektorat oder anderen Services, die ich selbst bezahlen muss. Sollen doch geizige Leute mit Viren gespickte Dateien herunterladen, wenn sie das wollen, noch gibt es genug ehrliche Menschen, die für ein Buch zahlen. Das sind meine Leser. Für die schreibe ich. Und veröffentliche in den Formaten, die auch gelesen werden.

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