eBook-Marketing: In der Ramschspirale immer weiter abwärts?

In der Flatrate-Falle überschreibt die ZEIT-online einen Artikel von Nina George über die zunehmende „Kannibalisierung des Buchmarkts„. 

Es werden mehr Bücher denn je online genutzt – und gleichzeitig wird immer weniger für die Nutzung bezahlt. Meist: gar nicht.

Elektronische Kampfpreise seien alles, was den Verlagen einfiele, um Leser zu gewinnen, lautet der Vorwurf. Nicht nur, dass die Preise für eBooks immer weiter sänken: Das beliebteste Marketingmittel der Verlage seien Verschenk-Aktionen. Rund 8.000 Titel könne man allein bei Thalia völlig legal kostenlos herunterladen. Aufgrund der Buchpreisbindung schätze ich, dass es bei Hugendubel und anderen Mitgliedern der Tolino-Allianz genauso aussieht. Bei Amazon dürften es sogar noch mehr sein.

Umsonst-Aktionen sind das häufigste „Werbemittel“ im Web und so aufdringlich, dass sich der geneigte Leser fragt, warum er überhaupt jemals wieder Geld für Literatur ausgeben sollte.

Wenn das nicht helfe, werde das Preisdumping fortgesetzt, indem man das Buch bei Plattformen eingestellt, wo sich der Leser gegen geringe monatliche Gebühren nach dem Motto „all you can read“ bedienen könne. Der Autor verdiene daran zwar kaum, werde aber damit getröstet, das sei ja immerhin Werbung.
Allerdings stellt George auch fest, dass bei keinem der von ihr befragten 80 Autoren, deren Bücher über derartige Portale angeboten wurden, die Verkaufszahlen gestiegen seien. Die Einnahmen aus eBooks seien je nach Genre sogar um 30 -75 Prozent gesunken!

Die Leihen glichen also in keinem Fall den Verlust durch ausbleibenden Verkauf aus, die sogenannte Elastizität der Nachfrage blieb einfach aus.

Dafür brächten die Leseflatrates ein neues Problem mit sich: Aus den dort geliehenen und kopierten eBooks würden die Piratenportale ihre „Regale“ bestücken, so dass der von „Geiz ist geil“ getriebene Kunde das Buch noch billiger holen könne. Verlieren würden dadurch letztlich alle.

Ich fand den Artikel sehr lesenswert und stimme im Kern auch zu. Allerdings würde ich das Problem nicht allein den Verlagen zuschreiben. Immerhin waren es die Selfpublisher, die angefangen haben, die Preisschraube nach unten zu drehen. Und noch immer werden Rabatt- und Verschenk-Aktionen in Selfpublisherkreisen als das ultimative Marketinginstrument angepriesen. Auch Amazon versucht, „seinen“ Autoren Kindle-Deals als Werbemittel schmackhaft zu machen (wobei Amazon seine Verluste minimiert, indem es die Anteile am Verkaufserlös umkehrt).

Das Verramschen wird daher erst aufhören, wenn auch die Mehrheit der Selfpublisher genug Arsch in der Hose … Pardon! Ich wollte natürlich „Rückgrat“ sagen. Also, wenn wir genug Rückgrat haben, auch einen angemessenen Preis für unsere Werke zu fordern und kreativere Marketingmethoden einsetzen.
Das wiederum gilt dann aber auch für Verlage.

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14 Kommentare zu „eBook-Marketing: In der Ramschspirale immer weiter abwärts?

      1. Nachdem wir es auf Twitter schon mit dem Kaffee-Vergleich hatten… Woher kommt eigentlich dieses unterschiedliche Preisempfinden in den Köpfen? Kaffee unterwegs, belegtes Brötchen, Süßigkeiten, Parkhaus, Fahrgeschäft auf der Kirmes – da gibt man seine 2-5 Euro locker mal aus (von Leuten, die wirklich kein Geld für nix haben, ist an der Stelle nicht die Rede). Aber für Ebooks ist der gleiche Preis dann teuer. Weil die nur virtuell sind? Oder weil man den Preis nicht damit in Beziehung setzt, sondern mit… ja, womit eigentlich?

        Fast schon zu naheliegend wäre ja der Vergleich mit gedruckten Büchern. Und das ist gleich das nächste Problem, die sind auch oft „zu billig“ gemessen an all denen, die davon leben (müssen). Gut, dann finanzieren eben die teuren deutschen Ausgaben von „Das Lied von Eis und Feuer“ den Rest der Branche quer. Aber die 900-Seiten-Bestseller von Rebecca Gablé und Frank Schätzing gibt es trotzdem für knapp 10 Euro im Taschenbuch. Und da ist es genau umgekehrt, die großen Verlage drücken die Preise und der Selfpublisher von nebenan kommt nicht mit. Also bleibt denen nur die Flucht ins günstige E-Book…

        Ich weiß nicht, wie eine faire Preisgestaltung aussehen würde. Dass ein E-Book für 2,99 als teuer empfunden wird, ist Quark. Dass „Der Schwarm“ als Taschenbuch 9,95 und als E-Book 9,49 Euro kostet (ganze 46 Cent Preisunterschied für Papier, Druck, Transport, Lagerung und die Person an der Buchhandelskasse – ja nee, is‘ klar), kann aber auch nicht sein. Und wenn einzelne Verlage mal einzelne Bücher deutlich teurer machen, dann zieht der Rest des Marktes nicht mit.

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  1. Hat dies auf Mein Traum vom eigenen Buch rebloggt und kommentierte:
    Bei Nike Leonhard bin ich auf einen interessanten Artikel gestoßen, der das Problem der Preisgestaltung für eBooks, beziehungsweise auch die Verramschmentalität mancher Akteure aufgreift.

    Ich habe mir über das Thema „Verschenkaktionen“ auch schon verschiedentlich Gedanken gemacht. Bei Amazon gibt es mehrere Themenstränge in den Foren, in denen akribisch Romane zusammengesucht und gepostet werden, die von den jeweiligen Autoren für einen gewissen Zeitraum kostenlos verfügbar gemacht wurden. Als Leser nutze ich das natürlich recht gerne, wie ich gestehen muss, weil ich so die Chance habe, mich wie in einer gut befüllten Bibliothek aus tausenden von Romanen zu bedienen.

    Nun gehöre ich sicherlich zu der absoluten Minderheit von Menschen, die im Nachgang Romane, die ihnen gut gefallen haben, auch noch einmal käuflich erwerben (was gar nicht so einfach ist, weil für das Amazon-System der Artikel ja bereits einmal „gekauft“ worden ist).

    Für mich als Autor jedoch stellt sich ganz klar die Frage, ob der kolportierte Vorteil aus diesen Aktionen, der da lautet Erhöhung der Sichtbarkeit und Streuung der Aufmerksamkeit, bei einem Durchsatz von bis zu 100 Romanen am Tag (!) in dieser Weise gegeben ist.

    Bei Rabattaktionen kann ich mir vorstellen, dass sie, gerade für Neulinge am Markt wie mich, etwas bringen können. Dazu muss man dann aber auch schnell Nachschub liefern, damit der einmal angefixte Leser bald nach dem rabattierten Buch ein weiteres kaufen kann, diesmal dann zum Vollpreis. Ansonsten geht der Autorenname wieder im Weißen Rauschen der elektronischen Blätter unter. Ich suche zum Beispiel schon seit Monaten nach dem Autor oder dem Titel eines Romans, mit dem ich wahnsinnig viel Spaß gehabt habe, der mir aber zum Verrecken (pardon) nicht mehr einfällt.

    Und wenn mir, als jemand, der einen anderen Blick auf dieses Business hat als Otto-Normal-Leser, das schon ergeht, soll ich mich dann über irgendwas wundern?

    Ich tue mich schwer damit, ein Fazit daraus zu ziehen. Im Moment bewegt sich der Markt, gefühlt, mal in die eine und dann wieder in die andere Richtung. Und es ist als Autor schwer, den Überblick darüber zu behalten, was gerade Erfolg verspricht und was man besser bleiben lassen sollte.

    Kreative Marketingmethoden, wie Nike Leonhard sie einfordert, wachsen leider nicht auf den berühmten Bäumen. Umso wichtiger wird es in den kommenden Jahren werden, dass gerade die Selfpublisher sich stärker als a) professionalisierte Autoren und b) als eigener, durchaus starker Partner des Buchhandels profilieren. Das erschließt dann nämlich vollkommen neue Möglichkeiten, von denen wir heute vielleicht noch gar nicht wissen, wie sie aussehen könnten.

    Anfänge sind gemacht, jetzt heißt es: dranbleiben!

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    1. Hallo Michael,
      danke für deinen sehr ausführlichen Kommentar.
      Eine bessere Zusammenarbeit mit dem (lokalen) Buchhandel wäre natürlich traumhaft. Ob sie bei eBooks etwas bringt, ist allerdings fraglich, so lange deren Online Shops nur grob nach Genre gliedern und vorrangig die Kategorien „Neuerscheinung“, „Bestseller“ und „Preishit“ zeigen. Eine etwas andere Schwerpunktsetzung wäre vielleicht ein hilfreicher Anfang, an dem auch die Buchhändler ein Interesse haben müssten, da sie an billigen Büchern wenig und an kostenlosen eBooks nichts verdienen.
      Leider muss ich zugeben, bisher auch keinen Königsweg gefunden zu haben, was kreative Marketingideen angeht. Sonst könnte ich vermutlich nicht nur meine eigenen Bücher besser verkaufen, sondern ein kleines Vermögen mit der Beratung anderer SPler machen. ^^
      Aber wie du schon sagst: Anfänge sind gemacht. Hoffen wir auf einen langen Atem!
      Liebe Grüße
      Nike

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    1. Das Thema kocht immer wieder hoch. Wir hatten nach deinem Artikel und dem, den ich als Antwort geschrieben hatte (https://nikeleonhard.wordpress.com/2016/07/20/selbstausbeutung-als-system-preisaktionen-bei-ebooks/) ja auch schon mal darüber diskutiert. Damals war eine Autorin mit von der Partie, die für den amerikanischen Markt schreibt und dieses System vehement verteidigt hat. Vielleicht ist es „da drüben“ etwas anderes, aber hier sehe ich langfristig nach wie vor nur negative Folgen.

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      1. Genau, das war es ja. Wobei ein Preissystem ist in Ordnung, es stellt sich eher die Frage, WIE man dieses Preissystem umsetzt.

        Darüber wollte ich ja eigentlich auch noch bloggen. Notier ich mir gleich, damit ich das endlich angehe.

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    1. Danke für den Hinweis. Die Kommentare sind in der Tat sehr interessant. Vor allem, weil der Artikel von Nina George auf Facebook gar nicht gut ankam. Dort ist er von vielen Autoren dahingehend kommentiert worden, die Frau habe doch keine Ahnung, Flatrates seien toll.
      Und die Selfpublisherbibel haut in die gleiche Kerbe. 😦

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