[Rezension] Der Esel als Pilger (Codex Aureus 1) von Nike Leonhard

Rezension auf SPPerlen: Der Esel als Pilger
Ich freue mich riesig, dass die Geschichte so gut angekommen ist. Ich befürchte nämlich immer mal wieder, Leser durch die Kürze zu verärgern. Andererseits würde es derzeit seltsam wirken, wenn nur Codex Aureus 2 und 3 erhältlich sind. Da könnte leicht der Eindruck entstehen, mit Nummer 1 habe es irgendwelche ernsthaften Probleme gegeben. Um allen Spekulationen vorzubeugen, bleibt der Esel also erst mal.
Außerdem mag ich die Geschichte. Sonst hätte ich sie nicht veröffentlicht. 😉
Eine Ergänzung habe ich dann auch noch: „Der Esel als Pilger“ ist – wie alle meine Bücher – auch für Tolino verfügbar und z.B. bei Hugendubel, Weltbild, der Meyerschen, Osiander und Buch.de erhältlich.

SPPerlen

Bibliografische Angaben

Autor/In Nike Leonhardt
Titel Der Esel als Pilger (Codex Aureus 1)
Verlag Selfpublisher | Amazon Media
Format E-Book
Seitenzahl 4 Seiten
Erscheinungsdatum Keine Angabe
Altersempfehlung (eigene Einschätzung) ab 6 Jahren
Genre Fantasy
Schlagwörter Fantasy, Kurzgeschichte, Ese, Fabel
Leseprobe Link zu Amazon

Klappentext

Ein Esel begibt sich auf Pilgerfahrt nach Rom, weil er hofft, dort das Paradies zu finden. Was ihm dabei zustößt, wird in dieser modernen Fabel erzählt.

Unter der Überschrift Codex Aureus erscheinen phantastische und historische Kurzgeschichten der Autorin Nike Leonhard.

Der erste Satz

Einem Esel kam zu Ohren, dass man durch eine Pilgerfahrt nach Rom in einem in einen wunderbaren Garten namens „Paradies“ käme.

Zur Geschichte selbst

Zu dieser Geschichte will ich eigentlich gar nicht zu viel erzählen. Nur so viel, es handelt sich hierbei um eine Fabel. In dieser will ein Esel nach Rom pilgern, um eben ins Paradies zu kommen und erlebt dabei Erstaunliches.

Ursprünglichen Post anzeigen 282 weitere Wörter

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Schreiben: Alles auf die Goldwaage?

Zugegeben: Ich habe lange überlegt, ob ich diesen Artikel schreiben soll, denn ich ahne, dass er bei genau den falschen Leuten gut ankommt. Aber das Thema drängt sich immer wieder auf, also raus damit.

Vor knapp 120 Jahren regte sich Mark Twain in einem Vortrag über die schreckliche deutsche Sprache auf. Damals vor allem über die ihm als Amerikaner unerfindliche deutsche Grammatik. Warum um alles in der Welt heißt es „die Rübe“ und „das Mädchen“, wo doch jeder zugeben wird, dass letztere deutlich weiblich ist. Zu der Rübe hat er sich nicht weiter geäußert, aber ich meine zu ahnen, was ihm durch den Kopf ging. (Das mag aber auch mein Sinn für Doppeldeutkeiten sein, ich will ihm keinesfalls etwas unterstellen) Jedenfalls ist eine Rübe rein äußerlich das genaue Gegenteil von weiblich.

Heute würde er sich vermutlich noch über ganz andere Dinge im Sprachgebrauch aufregen. Genau genommen über Sprachverbote. Das Umgehen aller Begriffe, die drohen, jemandem Unbehagen zu bereiten – und zwar unabhängig vom Kontext.

Das gilt nicht nur für den Alltag, sondern auch beim Schreiben. In einer Facebookgruppe würde neulich diskutiert, ob ein Protagonist „du bist ja behindert“ sagen darf. Ich selber bin schon böse angegangen worden, weil ich in einer Szene eine Figur „als dicke Frau in einer braunen Strickjacke“ beschrieben habe. Gleiches Spiel nur andersrum, als ich mich darüber lustig gemacht habe, dass eine megareiche Tussi einen Förderpreis an drei Frauen aus einem Entwicklungshilfeprojekt überreicht hat, die alle drei besser ernährt aussahen als sie. Darf man nicht, das ist Bodyshaming. Genauso, wie man besorgte Bürger nicht als Nazis titulieren darf, nur weil sie sich wie welche benehmen.

Um es ganz klar zu sagen: Mir geht es hier nicht darum, ob man Zigeunerschnitzel und -sauce sagen „darf“. Natürlich „darf“ man. Man muss nur damit rechnen, dafür kritisiert zu werden. Ob zu Recht, weiß ich nicht; in dem Fall bin ich leidenschaftslos. Nicht nur, weil ich sie nicht mag, sondern auch weil der Name so viel mit Sinti, Roma oder anderen Fahrenden zu tun hat, wie der Hawaitoast mit Honolulu. Genauso ist mir egal, ob Negerküsse jetzt wahlweise als Schaum- oder Schokoküsse verkauft werden. Hauptsache, es gibt sie.
Aber aus dem letzten Beispiel wird schon deutlich, wo das eigentliche Problem liegt: Wenn es eins gibt, verschwindet das nämlich nicht dadurch, dass man ihm einen anderen Namen gibt.

Was ist ein Name? Was uns Rose heißt, wie es auch hieße, würde lieblich duften.
Shakespeare, Romeo und Julia II, 2.

Ein besoffener Schläger wird nicht weniger gefährlich, wenn man ihn als eventorientierten Jugendlichen umschreibt. Ein Mensch ist nicht weniger fett oder hager, nur weil man nicht darüber spricht. Und kein Behinderter wird aus dem Rollstuhl aufspringen und laufen, nur weil man ihn nicht mehr behindert nennt.
Die Menschen bleiben, was sie sind und auch die Vorurteile bleiben die gleichen. Kein Sinto und keine Romika wird auch nur ein Stückchen weniger ausgegrenzt, weil man sie nicht mehr als Zigeuner bezeichnet.

Ist das ein Freifahrschein für Beleidigungen? Natürlich nicht.
Neger mag tatsächlich mal wertneutral gewesen sein, auch wenn ich da so meine Zweifel habe, angesichts von Sätzen wie: „Ich bin doch nicht dein Neger“, die ich aus meiner Kindheit gut in Erinnerung habe. Noch deutlicher ist mir aber die Verachtung in Erinnerung, die in dem Wort plötzlich mitschwang, als tatsächlich eine Familie dieser Neger in unsere sonst blütenweiße Siedlung zog (dabei war nur der Mann schwarz, seine Frau war genauso mitteleuropäisch, wie der Rest). Und der Begriff Zigeuner war spätestens seit dem 3. Reich immer abwertend.
Heute sind es beide Begriffe definitiv, auch wenn man es aus Gründen der Einfachheit bedauern mag. Daher würde ich auch niemanden als Neger oder Zigeuner ansprechen. Von meinen Nachbarn rede ich dagegen schon als „den Russen“, auch wenn sie vermutlich deutsche Pässe haben. Das ist nicht abfällig gemeint, sie bezeichnen sich selber so.
Genauso daneben ist es, Begriffe wie „schwul“ oder „behindert“ als Beleidigung zu nutzen. Nicht, weil die Begriffe selbst Beleidigungen sind, sondern weil in diesem Zusammenhang jemand anderes herabgewürdigt wird, als der, der eigentlich gemeint ist.
Deutlicher noch wird das bei dem Satz: „Du benimmst dich wie ein Mädchen!“
Das Wort „Mädchen“ an sich wird nun wirklich niemand als Beleidigung auffassen. Mädchen sind auch keine soziale Randgruppe oder eine, über die man allgemein herablassend spricht (präpubertäre Jungs vielleicht ausgenommen). Es wird erst in dem Moment eine Beleidigung, in dem es als solche verwendet wird. In diesem Moment wird „Mädchen“ plötzlich ein Synonym für eine Schwäche, die „Mann“ nicht haben darf. (Nur ein Mann kann sich vom Vergleich mit einem Mädchen beleidigt fühlen.)
Das gleiche gilt für die Verwendung von Begriffen wie „behindert“, „Jude“, „schwul“ usw. Sie sind im Grunde wertneutrale Beschreibungen, die nur im Kontext als Beleidigung wirken. Der Kontext lässt sich aber mit jedem Wort herstellen. Sogar mit solchen, die eigentlich positiv besetzt sind, wie das Beispiel „Gutmensch“ eindeutig zeigt.

Das war jetzt sehr viel Alltag und Realität, dabei wollte ich eigentlich über das Schreiben schreiben.
Als Autorin lege ich meine Worte ohnehin auf die Goldwaage. Schriftsteller sind immer auf der Suche nach dem einen, treffenden Begriff, weil jeder weiß, dass der Unterschied zwischen dem richtigen Ausdruck und dem fast richtigen, der zwischen einem Blitz und einem Glühwürmchen ist.
Um so wichtiger ist es, auch auf die Inhalte zu achten, die durch die Sprache transportiert werden. Dazu kann durchaus gehören, einen Protagonisten fragen zu lassen: „Sag mal, bist du behindert, oder was?“, ohne dass danach gleich ein anderer Charakter einschreitet und ihm (und dem Leser erklärt), dass das daneben war. Es gibt ein Dutzend gute Gründe es zu tun und mindestens ein Dutzend ebenso gute, es zu lassen. Weit wichtiger ist, welche Einstellung im Verhalten des Protagonisten zum Ausdruck kommt. Leser achten viel mehr darauf, wie der Autor seine Figuren agieren lässt und welche Motive er ihnen mitgibt. Selbst Protagonisten müssen nicht unbedingt gut und edel sein, sondern dürfen Ressentiments haben, die ihnen vielleicht gar nicht bewusst sind.
Ein schönes Beispiel – und damit kehre ich in gewisser Weise wieder zum Anfang des Artikels zurück – sind die Geschichten von Tom Sawyer und Huckleberry Finn. In beiden kommt ein Sklave vor: Jim, von dem alle immer nur als von „dem Nigger“ sprechen. Das ist unglaublich grausam, weil jedem klar ist, dass Jim viel mehr ist, als ein „armer, dummer Nigger“, als der er sich auch selbst bezeichnet. Tatsächlich ist er eine der freundlichsten und liebenswertesten Gestalten in Huckleberry Finns Abenteuern und das genaue Gegenstück zu Hucks versoffenem Vater und dessen Spießgesellen, die man heute zu Recht als White Trash bezeichnen würde. Ich bin mir sehr sicher, dass Twain diesen Kontrast bewusst aufgebaut hat. Das ist die hohe Kunst der Charakterisierung. Aber sie klappt nur, wenn wir den Mut haben, auch Worte zu benutzen, die unter die Haut gehen, dort stecken bleiben und manchmal weh tun.

Ich jedenfalls will meine Worte lieber in diesem Sinn auf die Goldwaage legen, als herumzueiern. Und du? Wie siehst du das?

eBook-Marketing: Eine Selbstverpflichtung

Gestern schrieb ich auf Twitter, dass ich keine Werbung für kostenlose eBooks mehr teilen werde, weil die dahinter stehende Geiz-ist-geil-Mentalität meinen Interessen widerspricht. Dieser Tweet hat viel Zustimmung bekommen. Trotzdem möchte ich das Thema auch hier im Blog noch mal aufgreifen und eine Selbstverpflichtung abgeben.

 

Wozu ich mich verpflichte

  1. Ich werde keine Rabattaktionen durchführen. Meine eBooks werden immer zum gleichen Preis erhältlich sein.
  2. Ich mache keine Werbung für Rabattaktionen anderer Autoren/Selfpublisher.
  3. Ich kaufe eBooks nur zum Normalpreis.

Warum dieser Schritt?

Warum ich auf Preisaktionen verzichte

Dass ich Preisaktionen* für falsch halte, bei denen (vor allem) eBooks für 99 Cent oder für lau verschleudert werden, sollte allen klar sein, die dieses Blog einigermaßen regelmäßig lesen. Argumente stehen z. B. hier und hier.
Daher ist klar, dass ich mit meinen eigenen Büchern nicht (mehr**) an solchen Aktionen teilnehmen werde.

Warum ich die Preisaktionen anderer nicht publik mache

Der bloße Verzicht auf eigene Rabattaktionen greift aber m. E. zu kurz. Ich fördere das System der Selbstausbeutung schließlich auch, wenn ich die Aktionen anderer Autoren und Selfpublisher bekannt mache. Daher ist es für mich nur konsequent, künftig nicht mehr darauf hinzuweisen, dass ein Buch kurzfristig billiger zu haben ist – selbst, oder besonders dann, wenn ich das Buch und/oder die Autorin schätze. Schließlich weiß ich, wie lange die Kollegen an ihren Büchern arbeiten; wie viel Mühe und Herzblut darin steckt. Ich, dass sie für diese Arbeit auch einen fairen Preis bekommen.
Deshalb: Keine Werbung während der Preisaktionen mehr. Aber gerne, wenn das Buch wieder zum Normalpreis erhältlich ist.

Warum ich während einer Preisaktion keine eBooks „kaufen“ werde

Da ich Rabattaktionen für falsch halte, weil sie dazu führen, dass Autoren nicht vom Schreiben leben können, wäre es heuchlerisch, sich einerseits öffentlich davon zu distanzieren und sie auf der anderen Seite auszunutzen. Wenn ich will, dass Autoren von ihrer Arbeit leben können und von anderen die Bereitschaft fordere, faire Preise zu zahlen, muss ich auch selber dazu bereit sein.

 

Schlusswort

Ob das hier irgendetwas bewirkt? Keine Ahnung. Natürlich kann man mir entgegenhalten, ich sei nur ein kleines Rädchen im Literaturbetrieb. Niemand, der zählt. Niemand, auf den es ankommt.
Aber wie ich oben schon schrieb: Für den Tweet habe ich eine Menge Zustimmung bekommen. Ich stehe mit meiner Meinung also offenbar nicht alleine. Zusammen können wir etwas ändern.
Bist du dabei? Dann bitte ich dich, diesen Artikel zu kommentieren und/oder zu teilen.

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Bildquelle: Pixabay

P. S.: Allen Skeptikern empfehle ich die Lektüre von Mark Twain, „Leben auf dem Mississippi“ ab Kapitel 13, wo er von der Gründung der Vereinigung der Mississippilotsen berichtet.


*Mit Preisaktionen meine ich eine vorübergehende Preissenkung, die darauf abzielt, das Buch sichtbarer zu machen. Bücher, die dauerhaft zu Niedrigpreisen angeboten werden, sind nicht gemeint.
** Der Esel als Pilger (Codex Aureus 1) ist anfangs umsonst zu haben gewesen. In dieser Zeit wurde er rund 500 Mal heruntergeladen. Das Ergebnis waren 2 Rezensionen und 0 Verkäufe nach Ende der Aktion. Erst mit Erscheinen von „Der Fluch des Spielmanns“ verkauft sich auch der Esel wieder.

Neues vom NaNo: Aktuell geht gar nichts

Irgendwie ist dieses Jahr der Wurm drin. Mein Wordcount steht bei knapp bei 10.000 Worten, also etwa der Hälfte dessen, was ich jetzt haben sollte. Der Grund? Ich kann nicht loslassen; komme nicht in den Flow.
Das liegt auch daran, dass meine Familie diese Jahr nicht mitspielt, wie in den Jahren zuvor. Nicht, dass sie mein Schreiben aktiv sabortieren – das würden sie nie tun. Aber dauernd ist etwas: Die Kinder werden krank oder haben Ärger in der Schule. Und auch wenn ich nicht der Muttertyp Glucke bin – das Kind ins Bett stecken und nach dem Motto „aus den Augen aus dem Sinn“ am Text weiter zu arbeiten, klappt nicht. Genauso wenig kann ich mich nach einem Elterngespräch (das natürlich in meine Schreibzeit fällt) hinzusetzen und einfach weiterschreiben, als sei nichts vorgefallen.
Das sind nur zwei Beispiele. Denn natürlich will der Mann auch was, die Eltern, Freunde …

Das Leben lässt sich nicht einfach abschalten. Das ist oft auch sehr schön. Aber trotzdem schlecht für den Wordcount, denn das Umswitchen aufs Schreiben fällt mir schwerer, denn je.
Vielleicht wird’s ja noch was. Wenn nicht, ist es auch nicht schlimm. Nur die Geschichte würde ich wirklich gerne fertig kriegen, damit sie – wie geplant – im Dezember als Codex Aureus 4 erscheinen kann.


Unter der Überschrift Neues vom NaNo berichte ich über meine Erlebnisse beim NaNoWriMo, dem größten virtuellen Schreibtreffen. Einen Monat lang treffen sich Autoren aus aller Welt, um sich gegenseitig bei einem Ziel zu unterstützen: Innerhalb von 30 Tagen mindestens 50.000 Worte zu schreiben.

Der Wunsch nach einem bisschen heiler Welt

heart-1419235_640An manchen Tagen möchte ich fluffige Liebesgeschichten schreiben. Geschichten, in denen man versinken kann, wie in einem duftenden Schaumbad. Daunenweiche Panzer gegen die Welt da draußen.
Vermutlich werde ich es nie tun. Solche Geschichten liegen mir nicht. Oder besser gesagt: Das ist nicht die Art, die freiwillig zu mir kommt, weil sie erzählt werden will. Solche Geschichten müsste ich quasi am Reißbrett entwerfen. Ob sie dann noch ihren Zweck erfüllen? Da habe ich so meine Zweifel.

Also werde ich weiter über gebrochene Charaktere schreiben und hoffen, dass die Brüche nicht nur Abgründe zeigen, sondern an der einen oder anderen Stelle auch das Licht durchlassen.
Die Sehnsucht nach der heilen Welt bleibt. Da draußen noch mehr als in Büchern.

Neue Entwicklung beim Verleih von eBooks

Noch ein potentieller Aufreger: Der Europäische Gerichtshof hat entschieden, dass eBooks und Printausgaben im Verleih gleich zu behandeln sind.

Bisher war es so, dass die Bibliotheken für den Verleih von eBooks Lizenzen kaufen mussten, die u. a. genau festlegten, wie oft das eBook verliehen werden durfte. Mit dieser Praxis ist nun Schluss, wenn ich das Urteil richtig verstanden habe. Dann kann das eBook (genau wie sein gedrucktes Pendant) beliebig oft verliehen werden.

Was erst mal gerecht klingt, hat natürlich einen Haken: Ein gedrucktes Buch nutzt sich ab. Die Seiten verschmuddeln, es bilden sich Risse, irgendwann löst sich die Bindung … Dann muss ein neues her.
Eine Datei bleibt (jedenfalls in der Theorie) immer unverändert (ob das aufgrund der physikalischen Prozesse in den Speichermedien wirklich der Fall ist, sei mal dahingestellt). Grundsätzlich ist aber richtig, dass sich eine Datei wesentlich öfter hin und her schicken lässt, als ein gedrucktes Buch.

Für die Büchereien ist diese Entscheidung natürlich eine gewaltige Erleichterung – gerade nach dem Streit mit Holtzbrinck und Bonnier*.

Ob ich das gut finde, weiß ich nicht.


Zu diesem Streit, exemplarisch zwei Artikel

Börsenblatt

Stellungnahme der Franken-Onleihe

eBooks: Flatrates, Verkauf und Produktpiraterie

Dieser Artikel ist gewissermaßen ein Nachklapp zu dem vom 07.11., in dem ich der Frage nachgegangen war, wie verfehltes eBook-Marketing die Preisspirale immer weiter nach unten treibt.

Ausgehend von diesem Artikel hatte ich heute morgen eine sehr inspirierende Unterhaltung mit der Autorin Anne Colwey, die schrieb, sie überlege wegen der um sich greifenden eBook-Piraterie ernsthaft, ihre Bücher künftig nur noch als Prints herauszugeben.
Da reine eBook-Verlage nichts gegen den Preisverfall und Produktpiraterie täten, müsse man darüber nachdenken, die Zusammenarbeit einzustellen und in letzter Konsequenz zum „klassischen Veröffenlichungsweg“ zurückzukehren. Also Agentur und Printverlag.
Das Problem der Produktpiraterie gebe es nicht erst seit gestern, würde aber trotzdem vernachlässigt. Und Selfpublisher könnten ihre ohnehin knappe Zeit nicht auch noch damit verbringen, auf Piratenjagd zu gehen.

Ich stimme dem in fast allen Punkten zu. Mit einer Ausnahme: Bei meinem Formaten ist der „klassische Weg“ leider ausgeschlossen. Alles unter 250 Seiten ist für die meisten Verlage vollkommen uninteressant – und die wenigen, die auch Novellen und Erzählungen im Programm haben, veröffentlichen keine Fantasy.
Und für mich ist Print ist einfach zu teuer, weil die Nische zu klein ist. Selbst bei BoD müsste ich meine Bücher so teuer machen, dass sie keiner kauft.

Andererseits kann es das ja wohl auch nicht sein, dass man ein technisches Verfahren, das es Lesern erlaubt, günstiger an Bücher zu kommen, nicht mehr nutzt, weil andere es ausnutzen.
Sicher: Wenn es keine eBooks mehr gäbe (bis auf den Ramsch, den man Selfpublishern nachsagt und von Autoren, wie mir, die sich nichts anderes leisten können), würden sich die Piraten nach einträglicheren Geschäftsmodellen umsehen. Raubkopien im Preissegment 0 – 99 Cent lohnen nicht. Schon gar nicht, wenn nicht mal ein Bestseller darunter ist.
Aber ist es das, was wir wirklich wollen? Sollten wir nicht alle – und damit meine ich Autoren genauso wie Leser, Selfpublisher wie Verlage – daran interessiert sein, das eBook am Leben zu halten? Und zwar so, dass alle, die es produzieren, auch etwas davon haben, damit sie für Nachschub sorgen?
Dann wäre es doch konsequent, gemeinsam Druck zu machen. Gemeinsam dafür einzutreten, dass die illegalen Verkäufe durch Piratenportale unterbunden werden. Zum Beispiel, indem man die Verkäufer zur Nachzahlung der unterschlagenen Tantiemen zwingt. Die Server mögen ja im außerhalb der EU stehen – aber die Verkäufer sitzen oft innerhalb der EU.
Genauso konsequent wäre es, den Preisverfall zu stoppen, eBooks nicht als Flatrate, sondern nur noch im Modell der Onleihe zu verleihen (was durch entsprechende Lizenzvereinbarungen möglich ist).

Aber wir müssen schon selber aktiv werden. Von alleine wird sich in der Politik kaum etwas zu unseren Gunsten ändern. Im Gegenteil. Im Justizministerium von Nordrhein-Westfalen wird nach Informationen der Legal Tribune Online auf einen Bundesratsentwurf hingearbeitet, der den Verkauf „gebrauchter“ eBooks ermöglicht. Da es keinen Kopierschutz für eBooks gibt, der auch nur ansatzweise sicher stellt, dass ein so verkauftes Buch auch tatsächlich aus dem Bestand gelöscht wird, wäre das quasi der Freibrief für die Raubkopierer.

Tja. Und nun seid ihr dran. Meiner Meinung nach ist es noch nicht zu spät. Aber wenn wir das aufhalten wollen, dann müssen wir bald in die Puschen kommen. Alle.

Oder wie siehst du das?

eBook-Marketing: In der Ramschspirale immer weiter abwärts?

In der Flatrate-Falle überschreibt die ZEIT-online einen Artikel von Nina George über die zunehmende „Kannibalisierung des Buchmarkts„. 

Es werden mehr Bücher denn je online genutzt – und gleichzeitig wird immer weniger für die Nutzung bezahlt. Meist: gar nicht.

Elektronische Kampfpreise seien alles, was den Verlagen einfiele, um Leser zu gewinnen, lautet der Vorwurf. Nicht nur, dass die Preise für eBooks immer weiter sänken: Das beliebteste Marketingmittel der Verlage seien Verschenk-Aktionen. Rund 8.000 Titel könne man allein bei Thalia völlig legal kostenlos herunterladen. Aufgrund der Buchpreisbindung schätze ich, dass es bei Hugendubel und anderen Mitgliedern der Tolino-Allianz genauso aussieht. Bei Amazon dürften es sogar noch mehr sein.

Umsonst-Aktionen sind das häufigste „Werbemittel“ im Web und so aufdringlich, dass sich der geneigte Leser fragt, warum er überhaupt jemals wieder Geld für Literatur ausgeben sollte.

Wenn das nicht helfe, werde das Preisdumping fortgesetzt, indem man das Buch bei Plattformen eingestellt, wo sich der Leser gegen geringe monatliche Gebühren nach dem Motto „all you can read“ bedienen könne. Der Autor verdiene daran zwar kaum, werde aber damit getröstet, das sei ja immerhin Werbung.
Allerdings stellt George auch fest, dass bei keinem der von ihr befragten 80 Autoren, deren Bücher über derartige Portale angeboten wurden, die Verkaufszahlen gestiegen seien. Die Einnahmen aus eBooks seien je nach Genre sogar um 30 -75 Prozent gesunken!

Die Leihen glichen also in keinem Fall den Verlust durch ausbleibenden Verkauf aus, die sogenannte Elastizität der Nachfrage blieb einfach aus.

Dafür brächten die Leseflatrates ein neues Problem mit sich: Aus den dort geliehenen und kopierten eBooks würden die Piratenportale ihre „Regale“ bestücken, so dass der von „Geiz ist geil“ getriebene Kunde das Buch noch billiger holen könne. Verlieren würden dadurch letztlich alle.

Ich fand den Artikel sehr lesenswert und stimme im Kern auch zu. Allerdings würde ich das Problem nicht allein den Verlagen zuschreiben. Immerhin waren es die Selfpublisher, die angefangen haben, die Preisschraube nach unten zu drehen. Und noch immer werden Rabatt- und Verschenk-Aktionen in Selfpublisherkreisen als das ultimative Marketinginstrument angepriesen. Auch Amazon versucht, „seinen“ Autoren Kindle-Deals als Werbemittel schmackhaft zu machen (wobei Amazon seine Verluste minimiert, indem es die Anteile am Verkaufserlös umkehrt).

Das Verramschen wird daher erst aufhören, wenn auch die Mehrheit der Selfpublisher genug Arsch in der Hose … Pardon! Ich wollte natürlich „Rückgrat“ sagen. Also, wenn wir genug Rückgrat haben, auch einen angemessenen Preis für unsere Werke zu fordern und kreativere Marketingmethoden einsetzen.
Das wiederum gilt dann aber auch für Verlage.

Neues vom NaNo: Warum mache ich das überhaupt?

Ihr seid doch alle wahnsinnig! So in etwa lässt sich ein Artikel von Textflash zusammenfassen, in dem sie begründet, warum sie das Vorhaben aufgegeben hat, beim NaNoWriMo mitzuschreiben. Warum also tue ich mir das an?

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Foto: Unsplash via Pixabay

Ganz ehrlich: Der NaNoWriMo ist ein Hype. 50.000 Worte in 30 Tagen bedeutet zwar „nur“ 1.667 Worte pro Tag (und nicht etwas über 3.000, wie ich vor ein paar Tagen geschrieben hatte, weil ich nicht rechnen kann), aber auch das ist eine ganze Menge und man gerät schnell ins Hintertreffen. Ich habe die letzten drei Tage im Schnitt gerade mal 780 geschafft; bei dem Tempo würde ich das Ziel von 50.000 Worten erst Anfang Januar erreichen.

Ganz schön viel Druck also, vor allem, wenn man die Erfolgsmeldungen der anderen hört. Meine halbe Timeline auf Twitter beglückwünscht sich zu ihren Erfolgen und im deutschen NaNo-Forum ist nachzulesen, dass die ersten Teilnehmer die 50.000 schon geknackt haben.

Aber diesen Druck muss man sich ja nicht antun. Ich sehe es eher anders herum:

  • Für mich bedeutet der NaNo in erster Linie die Freiheit, schlecht zu schreiben. zitat-der-unterschied-zwischen-dem-richtigen-wort-und-dem-beinahe-richtigen-ist-derselbe-unterschied-wie-mark-twain-267890Der NaNo „erlaubt“ mir, einen Satz stehen zu lassen, obwohl er nicht perfekt ist, weil die Begriffe nur fast richtig gewählt sind. Nicht den Blitzen nachzujagen, sondern zufrieden zu sein, ein Glühwürmchen gefangen zu haben. Eine große Erleichterung für Leute wie mich, die eine halbe Stunde darüber grübeln, wie eine Dryade, die vorher nie ein Auto gesehen hat, einen Pritschenwagen beschreiben würde (Es sind genau 5 Sätze geworden).
  • Ein bisschen beflügelt mich der Druck aber auch. Ich gehöre zu den Menschen, die viel Zeit mit anderen Dingen vertändeln können. Nicht nur Social Media, sondern auch Recherchen, Querbeet-Lesen, Spielen, Zeichnen, mit Photoshop experimentieren … Zeugs, das zwar auf lange Sicht irgendwann sinnvoll ist, aber meist gerade zu dem Zeitpunkt, an dem ich es tue unter Prokrastination fällt. Der NaNo hilft mir, mich auf ein Projekt zu fokussieren. Mehr als sonst jedenfalls. Ein bisschen. (Wie lange schreibe ich schon an diesem Artikel?)
  • Seltsamerweise respektieren auch die Menschen meiner Umgebung meine Schreibzeiten eher während des NaNos. Der Satz „Ich schaffe die 50.000 nie, wenn ich jetzt noch … tun muss“, verfängt aus irgendwelchen Gründen besser als: „Ich der nächste Band vom Codex Aureus wird nicht rechtzeitig fertig, wenn ich jetzt noch … tun muss.“
  • Natürlich muss sich auch während des NaNoWriMos auch niemand mit Süßigkeiten vollstopfen. Aber gerade für Menschen, die sonst extrem auf ihre Ernährung achten, ist er ein hervorragender Grund, auszubrechen und über die Stränge zu schlagen. Ist ja für die gute Sache! Ich persönlich bin schon wieder dabei, auf Tee und Weintrauben umzusteigen. Die Vernichtung der restlichen Halloweensüßigkeiten hat gereicht.

Kurz gesagt, der Der NaNo ist für mich eine Art Schreiburlaub, ohne zu verreisen. Eine großartige Ausrede, sich ein Stück weit aus dem Alltag auszuklinken. Ob ich die 50.000 wirklich schaffe und mir am Ende eine neue Plakette anheften kann – egal, ich habe Spaß.

Und deshalb werde ich vermutlich auch 2017 wieder dabei sein.


Unter der Überschrift Neues vom NaNo berichte ich über meine Erlebnisse beim NaNoWriMo, dem größten virtuellen Schreibtreffen. Einen Monat lang treffen sich Autoren aus aller Welt, um sich gegenseitig bei einem Ziel zu unterstützen: Innerhalb von 30 Tagen mindestens 50.000 Worte zu schreiben.

Fundstück: Textflash empfiehlt Codex Aureus

Manchmal muss auch ein bisschen Eigenwerbung erlaubt sein. Ganz besonders, wenn man seine Werke als Buchempfehlung auf den Seiten von Kollegen wiederfindet. So geschehen jetzt mit den Bänden 2 und 3 des Codex Aureus, Steppenbrand und Der Fluch des Spielmanns.

Beide stehen stehen in illustrer Gesellschaft in den Buchempfehlungen von Textflash, die als Mikaela Sandberg gerade mit ihrem Schwedenkrimi „Schweig Still“ Furore macht.