Halloween: Geister, Grusel und Geschichte(n)

Morgen abend ist es wieder so weit: Verkleidete Kinder und Jugendliche werden von Tür zu Tür laufen, klingeln und mit Trick-or-Treat-Rufen Süßigkeiten einfordern. Selbstverständlich wird eine Schüssel bereit stehen, aus der ich etwas in die ausgestreckten Hände legen werde. Vielleicht kostümiere ich mich dafür sogar. Wahlweise als Hexe oder Teufelin. Das macht man so an Halloween. Genauso, wie man Fratzen in Kürbisse schnitzt und eine Kerze hineinstellt, damit sie schaurig schön im Dunklen leuchten. An Halloween sind die Geister los. Altes keltisches Brauchtum. Weiß doch jeder.

Ok, den Kindern sind die Süßigkeiten wichtiger. Vielleicht auch der Spaß an der Verkleidung. Das wohlige Gruseln, im Dunklen draußen zu sein.

Die geschichtlichen Hintergründe sind mehr was für uns Erwachsenen. Wir können uns richtig schön aus der Moderne ausklinken. Alte Bräuche aufleben lassen. Und dann auch noch keltische. Schließlich ist deren Kultur – im Gegensatz zu den germanischen – nie ideologisch pervertiert worden, also sozusagen rein und unschuldig.
Ok, auch Halloween ist natürlich völlig kommerzialisiert. Aber im Kern bleibt doch das gute Gefühl, der Verbundenheit mit etwas Größerem, Numinosem.

Dabei ist durchaus unklar, ob die Herleitung von den Kelten überhaupt stimmt. Genauso ist eine christliche Tradition denkbar, die sich von Allerheiligen ableitet und sich immer wieder mit Aberglauben und Volksbräuchen aufgeladen, vermischt und erneuert hat.
Wenn ich mir ansehe, wie schnell Bräuche aus der Mode geraten können (wie z. B. das Rummelpottlaufen in Hamburg), fällt es mir schwer, an eine über tausendfünfhundertjährige Traditionslinie zu glauben.

Aber ist das überhaupt wichtig? Ich meine nicht. Wenn etwas Spaß macht und sich gut anfühlt, warum sollte es relevant sein, ob es Kelten oder Christen waren, die das Ganze aufgebracht haben? Wir leben schließlich im Jetzt und Hier. Bei uns wird es morgen deshalb auf jeden Fall Kürbis geben.

Für Schriftsteller sieht die Sache etwas anders aus. Für Schauer- und Geistergeschichten bieten sich Halloween, die Walpurgisnacht oder auch die Rauhnächte zwischen den Jahren als wunderbare  Folie an, weil auch moderne Leser damit gewisse Erwartungen verknüpfen, die man erfüllen oder brechen kann.
Anders sieht es beim historischen Roman aus. Da einfach die These von den „Keltenfesten“ zu übernehmen, halte ich für gewagt, zumal auch die Archäologen den Begriff „der Kelten“ inzwischen nur unter Vorbehalt gebrauchen.

Wie siehst du das: Ist dir die geschichtliche Einordnung persönlich wichtig, oder ist Halloween für dich ein Spaß, den man eben mitmacht, weil alle es tun?

 

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