Marketing für Autoren – das Autorenfragenbingo

Im Internet kursiert das sogenannte Autorenfragenbingo. Das Autorenfragenbingo setzt sich aus den Fragen zusammen, die man als Autor/Autorin immer wieder hört. Auch ich habe es schon geteilt und genutzt.

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Wie man das Autorenfragenbingo auf keinen Fall nutzen sollte

Vielfach wird das Autorenfragenbingo in einem abwertenden Kontext benutzt. Dahinter steht oft die Aussage, dass es nervig sei, immer die gleichen Fragen gestellt zu bekommen. Manche Kollegen fühlen sich durch Fragen, wie „warum schreibst du ausgerechnet …“ auch herabgesetzt, weil sie den Subtext „und nicht was Vernünftiges“ mit hineinlesen.

Ich gebe zu, das geht mir manchmal auch so. Klar nervt es, wenn man dieselben Fragen immer wieder gestellt wird und natürlich schwingt manchmal ein herablassender Subtext mit. Etwa, bei der Frage: „Na, und wann können wir den nächsten Bestseller von dir erwarten?“
In solchen Momenten fällt es mir wirklich schwer, die Contenance zu bewahren und sachlich zu antworten. Vor allem, wenn es mal wieder ein Familienmitglied ist, dem dieser lustige Spruch einfällt, kann es sein, dass mir die Gäule durchgehen und ich die Frage schärfer und umfassender beantworte, als der Andere erwartet hat. Aber gut ist das natürlich nicht.

Reaktionen auf „dumme“ Fragen

Mit so einem Ausbruch stößt man in der Regel nicht nur den Fragesteller, sondern auch alle anderen Zuhörer vor den Kopf. Nicht nur, weil der Aggressor immer der „Böse“ ist, sondern auch, weil der Erfahrungshorizont der Zuhörer meist auch nicht höher ist. Anders gesagt: Die blöde Frage klingt nur in den Ohren des Autors blöd!

Machen wir uns nichts vor: Die meisten Leser haben nicht die leiseste Ahnung davon, wie es ist, Bücher zu schreiben. Ganz zu schweigen von den Mechanismen des Buchmarkts. Die Wenigsten interessiert überhaupt, wie das Buch, das sie im Laden oder bei Amazon kaufen, zustande gekommen ist. Und das ist im Grunde auch vollkommen ok. Mich interessiert auch nicht, wie die Tasse hergestellt wurde, aus der ich meinen Kaffee trinke.
Was sich vermutlich in dem Moment ändert, in dem ich jemanden kennenlerne, der in der Porzellanherstellung arbeitet. Und vermutlich werden ihm meine Fragen auch reichlich dumm erscheinen.

Gelassen bleiben und das Beste annehmen

Wenn man sich klar macht, dass die Meisten keine Ahnung haben, was es bedeutet, Autor zu sein und die Frage, warum man denn ausgerechnet in diesem Genre schreibt, deshalb in der Regel überhaupt nicht abwertend gemeint ist, sondern Interesse signalisiert, ist es deutlich leichter, freundlich zu bleiben. Auch, wenn die Frage gefühlt zum hundersten Mal gestellt wird: Der Fragesteller ahnt davon nichts.

In dem Moment, wo du dir das bewusst machst, kannst du wieder deutlich lockerer reagieren. Damit schaffst du eine Win-win-Situation für euch beide: Dein Gegenüber wird sich ernst genommen und respektiert fühlen. Er wird deine Aufmerksamkeit schätzen und dir diese Wertschätzung nicht nur zurückspiegeln (was sich positiv auf die Gesprächsatmosphäre auswirkt), sondern sie beibehalten und im besten Fall weiter tragen. Auch eventuelle Zuhörer werden dich als freundlichen, entgegenkommenden Gesprächspartner wahrnehmen und in Erinnerung behalten. Und nicht zuletzt wirst auch du mit einem wesentlich angenehmeren Gefühl aus dem Gespräch gehen.

Wie du das Autorenfragenbingo positiv nutzen kannst

Natürlich hat der vielgeschmähte Punkt der ständigen Wiederholung auch eine positive Komponente: Das Autorenfragenbingo hilft bei der Vorbereitung auf Standartsituationen. Es zeigt mir als Autorin, was meine Leser interessiert, d. h. ich kann mich gezielt auf diese Fragen vorzubereiten und mir mehrere Antwortoptionen zurechtlegen.

Damit sind selbst Killerfragen, wie: „Und wann schreibst du/schreiben Sie einen Bestseller?“ nicht mehr das Problem. Je nach Situation könnte die Antwort z. B. sein:

  • „Das hängt von vielen Faktoren ab – unter anderem davon, ob du mich weiterempfiehlst.“
  • „Hach, wer weiß. Aber davon träumen kann man ja.“
  • „Ach komm, warum sich mit einem Bestseller begnügen. Ich will den Nobelpreis!“
  • „Nun, ich schreibe nicht für die Masse. Meine Zielgruppe ist …, insofern wäre es schon erstaunlich, wenn mein Name irgendwann auf einer Bestsellerliste steht.“

Du siehst: Von frech und locker, bis zu elitär geht einiges. Und sicher fallen dir noch mehr Möglichkeiten ein.

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16 Kommentare zu „Marketing für Autoren – das Autorenfragenbingo

  1. Ach ja, wer hat nicht schon so eine Frage erlebt? Mit meinem eigenen Freundeskreis und Lesern bin ich insoweit glücklich, dass viele tatsächlich tief in der Szene drin sind, oder aber in der Musiker- oder einer anderen Künstler-Szene und dadurch über solche Fragen „erhaben“ sind. Autoren sind nichts Exotisches mehr, wenn man von lauter anderen Künstlern umgeben ist 😉

    Aber trotzdem kann es jedem passieren. Mir ist so ein Affront in einem besonderen Kontext in Erinnerung geblieben. Es war das Rindlerwahn-Autorentreffen, 2015, glaube ich. Ein langjähriges Mitglied hatte ihren Mann mitgebracht, ich hatte vor dem eigentlichen Treffen noch einen Trinkabend in Wien für die Anreisenden organisiert, da waren die zwei also auch dabei. Diesem Mann, ein Banker, war das Schreiben seiner Frau eher fremd, es war schon erstaunlich, dass er überhaupt mitkam. Ich werde nie vergessen, wie wir Autoren alle in der gemütlichen Runde beisammen saßen und das Schnacken nicht aufhören konnten (Autoren unter sich sind was Großartiges!), und ihm fällt nichts Anderes ein, als mit folgender Frage auf sich aufmerksam zu machen: „Und? Was macht ihr alle so im echten Leben?“ 😀

    Wir haben damals gelacht und beantwortet, was er wissen wollte, aber das Lachen war mehr halbherzig. Es ist verdammt daneben, auch wenn man nicht weiß, was Schreiben bedeutet. Wenn jemand über seinen Beruf gesprochen hätte, wäre ihm das nicht eingefallen. Ich habe ihn auch nicht gefragt: „Und? Machen Sie irgendetwas neben dem Banking, um nicht unglücklich zu werden?“ Nächstes Mal ist das vielleicht als augenzwinkernde Gegenfrage angebracht!

    Ich finde diesbezüglich die Idee großartig, das Autorenbingo für sich zu nutzen. Alle Fragen konnte ich auch aus dem Stand beantworten, hihi. Ich denke, man sollte sich über diese Fragen nicht erst Gedanken machen, wenn man schon in der Öffentlichkeit steht – es sind auch Fragen, die generell helfen, sich als Autor zu positionieren.

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  2. Ja! Und um nochmal zu unterstreichen, dass der Fragende es nicht böse meint: Vermutlich interessiert ihn die ehrliche Antwort einfach? Und davon abgesehen – was soll man als unbedarfter Mensch denn sonst fragen? Außerdem kenne ich Fragen wie: „Kann man davon leben?“ und „Was schreibst du denn so? Geschäftsbriefe?“ auch.

    Ich habe für Schriftstellerinterviews auch ein paar dieser „Bingofragen“: Was kann man von dir für die Zukunft erwarten? Wieso schreibst du? etc. Das möchte der Leser wissen, glaube ich – es gehört dazu. Und davon abgesehen habe ich schon sehr schöne Fragen gestellt, die dann mit Verweis auf „mangelnde Zeit“ nicht beantwortet wurden, weil „die ja auch ganz schön schwer“ sind. 😉

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    1. Hallo Anne,
      schön, dass du hierher gefunden hast!
      Deine Gegenfrage „was soll man als unbedarfter Mensch denn fragen“, trifft, glaube ich, genau den Kern. Man muss fragen, um dazu zu lernen und man stellt immer die (für einen selber) naheliegendsten und interessantesten Fragen.
      Im Umkehrschluss heißt das, dass die Fragen, die gehäuft auftreten, auch die sind, die die Leute am Meisten interessieren. Insofern sollte man sich über so „leichte“ Fragen freuen und sich darauf vorbereiten. Dann bleibt auch Zeit, die „schweren“ zu beantworten. 😉
      Lieben Gruß

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  3. Also mag ja sein, dass ich das dann anders sehe, aber im Moment freue ich mich noch auf den Tag, an dem ich zum ersten Mal eine Bingo-Frage beantworten „darf“ ;-).

    Aber ich kann mir schon vorstellen, dass das nervig werden kann, wenn es sich häuft.

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    1. Ich hab’s quasi vom ersten Outing an in der Familie erlebt. ^^
      Wobei es manchmal auch ganz süß ist. Meine inzwischen über 80jährige Tante wollte „Steppenbrand“ auch gerne lesen; also habe ich ihr den Text als .doc geschickt. Gleich mit der Vorwarnung, dass ich nicht glaube, dass sie Gefallen daran findet. (Ich kenne meine Tante)
      Tatsächlich war sie sehr irritiert. Der Stil sagte sie, habe ihr gut gefallen – aber diese Geschichte … Sie hat 3x gefragt, bis sie mir geglaubt hat, dass das keinen realen Hintergrund hat. Und dann kam natürlich auch: „Wie kommst du auf SOWAS?“, aber vor allem „Kind, bist du sicher, dass sowas gelesen wird? Willst du nicht lieber richtige historische Geschichten schreiben?“
      Fantasy ist für sie kein Begriff; sie hat nie derartiges gelesen und war vollkommen ungläubig, dass es dafür einen Markt gibt. Deshalb wurden ihr Interesse und ihre Besorgnis ganz deutlich. Und mit dieser Reaktion hat sie letztlich auch diesen Artikel ausgelöst. ^^

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      1. Ich finde das positiv. Die Reaktionen, die ich bisher erlebe, sind eher verhalten, was wohl damit zu tun hat, dass alle irgendwie wussten, dass ich schreibe, aber ich über Jahre hinweg penibel darauf geachtet habe, dass das bloß niemand zu genau mitbekommt oder gar liest. Habe ich jetzt auch schon ein- oder zweimal gehört.

        Muss ich wohl wirklich auf die Veröffentlichung warten.

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      2. Ich fand das Gespräch auch sehr positiv. Und sie sehr lieb.

        Aber keine Sorge. Meine Tante ist die Einzige, die sich bisher getraut hat, mich um eine Leseprobe zu bitten. Der Rest der Familie verhält sich indifferent. Sie haben zwar die üblichen Fragen gestellt, aber damit war das Thema abgehakt. Das typische Gespräch verläuft ungefähr so:
        „Na, was macht deine Schreiberei?“
        „Läuft ganz gut im Moment. Der Entwurf steht, jetzt bin ich gerade dabei, mir Gedanken über das Cover zu machen, um vor der Überarbeitung ein bisschen Abstand zu gewinnen.“
        „Ach, das ist ja schön! Bist du immer noch so oft erkältet?“
        Manchmal habe ich das Gefühl, meine Familie sei eine Erfindung von Loriot.
        Nur in Unterhaltungen mit meiner Schwester geht es gelegentlich ein bisschen mehr ins Detail – allerdings nur, was das Marketing betrifft.
        Wenn Austausch stattfindet, dann eher mit Freunden und Bekannten. Die Meisten von denen haben mit Schreiben zwar auch eher gar nichts am Hut, finden es aber sehr interessant, eine „echte Autorin“ zu kennen. ^^
        Und die haben tatsächlich jede einzelne Frage aus dem Bingo schon mal gestellt. Und bei jeder Veranstaltung, bei der ich neue Leute kennenlerne, tauchen sie wieder auf.

        Aber wie Anne Retter schon sagte: „Was soll man als unbedarfter Mensch denn sonst fragen?“
        Recht hat sie. Und deshalb sollte man sich über das Interesse freuen und höflich bleiben, statt sich über „blöde Fragen“ zu mokieren.
        (Tschuldige, dass ich gerade ausführlicher geantwortet habe, als vielleicht nötig. Ich hatte heute eine Diskussion mit Sven Hensel zu dem Thema. Er vertritt die Gegenposition)

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  4. Interessantes Blog, danke. Ich denke, wenn wir als Autoren auftreten, müssen wir das „beruflich“ sehen, auch wenn uns das Schreiben nicht ernährt. Wir müssen professionell reagieren und da gilt es, jede Frage ernst zu nehmen.
    Was die Reaktionen von Freunden und Verwandten angeht, so erstaunt es mich immer wieder, wie gekonnt meine Tätigkeit als Autor ignoriert wird. Anfangs habe ich das persönlich genommen. Man ist schließlich stolz, wenn einige Romane gelungen sind und hätte gerne Anerkennung. Getröstet haben mich die vielen Forenbeiträge, in denen Kollegen von den gleichen Erfahrungen berichtet haben.

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    1. Hallo Peter,
      danke für deinen Kommentar und das Lob! Freut mich, das mein Blog auch einem alten Hasen, wie dir gefällt.
      Was die Reaktionen von Freunden und Familie (bzw. das Ausbleiben derselben) angeht, gebe ich dir recht: Das kann manchmal ganz schön frustrieren. Um so mehr freue ich mich, wenn doch jemand reagiert. Selbst wenn die Reaktion „nur“ darin besteht, eine der üblichen Fragen zu stellen.
      Denn eins ist mal sicher: Dadurch dass man seine (potentiellen) Leser anmault, erreicht man auch nicht mehr Anerkennung.
      Viele Grüße
      Nike

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