Ab morgen beginnt der Wahnsinn

Am ersten November beginnt der NaNoWriMo, der National November Writing Month. Auch ich werde wieder unter dem Namen Nike Lennard dabei sein und versuchen, innerhalb dieser Zeit mindestens 50.000 Worte zu schreiben.

Ein Roman wird dabei nicht entstehen. Aber zumindest die Weihnachtsgeschichte für den Codex Aureus. Vielleicht auch ein bisschen mehr.

Drück mir die Daumen!

 

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Gaststory: „Der Hunter und der goldene Tod“ von Michael Behr

Passend zu Halloween gibt es heute Gruselfutter. Vielleicht erinnerst du dich noch, dass ich vor einiger Zeit auf dem Blog „Mein Traum vom eigenen Buch“ eine Geschichte von Michael Behr gewonnen habe. Genau gesagt, eine noch zu schreibende Geschichte. Nach meinen Vorgaben.

Ich hatte mir damals unter dem bevorstehenden Halloweentermin eine Geschichte gewünscht, in der irgendwie ein „goldener Tod“ vorkommt und die mit dem Satz „Gehen wir zu dir oder zu mir“ endet.
Michael hat es nicht nur geschafft, bis Halloween zu „liefern“. Er hat die Vorgaben, wie ich finde, wunderbar umgesetzt. Und ich muss sagen: Auf diese Auflösung wäre ich im Leben nicht gekommen.

Aber genug gequatscht. Ich hoffe, du hast beim Lesen genauso viel Spaß, wie ich.

Der Hunter und der goldene Tod

»So gehe und erledige deine Aufgabe!«
Die Stimme des Meisters wurde durch das metallene Knarren der sich öffnenden Tür verschluckt. In gewaltigen Angeln bewegte sich der Stahlkoloss, schwang auf und gab den Blick auf eine Welt frei, die der Hunter dereinst gekannt hatte wie seine Westentasche. Aber nun, hier und jetzt, war nichts mehr so, wie es einmal gewesen war. Viel hatte sich geändert, nicht nur räumlich, sondern auch strukturell. Und deswegen würde er, der Jäger, sich erst einmal orientieren müssen.
Bevor er die Spur der Beute aufnahm.
Dabei wusste der Hunter, als er unter dem Tor hindurchtrat, dass es kein leichter Kampf werden würde. Sein Gegner war ihm namentlich nicht bekannt, aber nach allem, was die Einwohner dieses Bezirks gemeldet hatten, handelte es sich um einen ebenso einfallsreichen wie auch intelligenten Streiter, der über einige der im Normalfall höchst effizienten Verteidigungsanlagen hinweggerauscht war, als seien sie gar nicht existent.
Der Hunter schlug seine Kapuze vor, sodass seine Gesichtszüge in der Dunkelheit verschwanden. Es war wichtig, dass er sich nicht sofort zu erkennen gab. Der Gegner konnte seine Spione in Stellung gebracht haben. Und es gab nicht viele Eingangstore in den Bezirk.
Andere Gestalten lungerten in der Nähe des Eingangs herum, an den sich eine lange Straße anschloss, die in alle Himmelsrichtungen verzweigte. Von hier aus konnte man jeden Ort des Bezirks erreichen und der Hunter war sich der Tragweite seiner Aufgabe völlig bewusst.
Wenn er nicht erfolgreich war, dann würde all das hier im Chaos versinken.
Auch wenn er sich größte Mühe gab, nicht aufzufallen, so wurde er doch von einigen der Gestalten bemerkt. Es waren alte, klapprige Gesellen, die schon so manchen durch diese Tore hatten kommen und gehen sehen. Und sie wussten nur zu gut, dass der Austausch mit der Welt außerhalb der Mauern im Verteidigungsfall durch den Meister eingeschränkt wurde. Bis der Normalzustand wieder hergestellt worden war.
Der Hunter hörte das Tuscheln und trat wahllos zu einer der Gruppen hin. Verhärmte Gesichter erhoben sich, trauten sich dann aber doch nicht, ihm in die Augen zu schauen.
»Ich suche einen Eindringling!«, sagte der Hunter und seine Stimme war wie Donnerhall über einer weiten Ebene. »Gerüchte sagen, dass er hier vorbeigekommen sein soll!«
Eine der Gestalten, ein haar- und zahnloser Alter, schüttelte den Kopf. »Wir wissen nichts von einem Eindringling.«
Der Hunter gab sich mit dieser Antwort nicht zufrieden. »Der Meister hat gesagt, dass er hier gewesen ist! Du willst sicher nicht den Worten des Meisters misstrauen!«
»Nein, nein!«, beeilte sich der Alte zu sagen und machte eine ehrerbietige Bewegung in Richtung des schwarzverhangenen Himmels, an dem in unregelmäßiger Folge Lichtreflexe tanzten. »Ehre sei dem Meister!«
»Der Meister benötigt nicht deine Ehre«, erwiderte der Hunter angewidert. »Leihe mir deine Augen und Ohren.«
Mit einer schnellen Bewegung, die keiner aus dem kümmerlichen Haufen hatte kommen sehen, packte der Hunter den Alten an der Schulter. Es gab einen kleinen Blitz wie einen elektrischen Schlag und die mentale Verbindung zwischen den beiden war hergestellt.
Der Hunter schloss die Augen, wie immer überwältigt von den fremdartigen Eindrücken, die er binnen eines Sekundenbruchteils in sich aufnahm und die er zunächst für sich ordnen musste, um das, was er wissen wollte, von dem zu trennen, was für seine Aufgabe unwichtig war.
Er sah durch die Augen des Alten, allerdings waren es Dinge, die in der Vergangenheit geschehen waren. Seine besondere Begabung ermöglichte es dem Hunter, etwas wie eine Uhr an einer Seite der Erinnerung aufblinken zu lassen.
Das Eingangstor in den Bezirk öffnete und schloss sich in unregelmäßigen Abständen, wenn Bewohner des Bezirks kamen und gingen. Es kamen deutlich mehr, als dass sie gingen. Der Bezirk wuchs immer noch, soweit der Hunter es wusste. Und er wusste in solchen Dingen für gewöhnlich gut Bescheid.
Ungeduld kannte der Hunter nicht. Er wusste, dass er sich die Zeit geben musste, den richtigen Zeitpunkt zu finden. Oder er würde irgendwann sich selber durch das Tor kommen sehen und wüsste dann, dass der Gegner nicht hier vorbeigekommen war. In diesem Fall würde er zu einem anderen Zugangspunkt aufbrechen und dort seine Suche neu beginnen müssen.
Doch da – was war das gewesen? Für den Hauch eines Augenblicks schien sich das Tor zu öffnen, nur um im nächsten Moment schon wieder geschlossen zu sein. Hatte es sich wirklich geöffnet?
Der Hunter griff mental in den Geist seines Verbundenen ein und drehte die Geschehnisse noch einmal ein wenig zurück. Doch, kein Zweifel, da war eine Bewegung beim Tor. Ein kurzes Flimmern der Luft, so etwas wie ein Windstoß. Zu kurz, um ohne die Kraft, die er besaß, zum Vorschein gebracht zu werden.
Der Hunter hatte gesehen, was er sehen musste. Der alte Mann hatte die Wahrheit gesprochen und dennoch stimmten die Informationen, die der Meister ihm mit auf den Weg gegeben hatte. Hier war jemand in den Bezirk eingebrochen, hatte sich jedoch vor allen Augen verborgen gehalten.
Eine unwirkliche, geisterhafte Erscheinung, dachte der Hunter. Wenn er dazu in der Lage gewesen wäre, hätte er vielleicht Angst empfunden. Aber dieses Verhaltensmuster war ihm nicht gegeben worden. Seine Aufgabe war die Jagd! Angst konnten andere, Schwächere als er haben.
Er ließ den alten Mann los, der ihn jetzt, endlich, unverwandt anschaute. Verwirrung war in seinem Blick. »Es ist lange her, dass jemand mich auf diese Weise berührt hat! Diese Verbindung …«
»Es war nötig«, sagte der Hunter emotionslos. Er wusste, dass er eine tiefe Regung hinterließ, wenn er sich auf diese Weise mit einem anderen verband. Das Innere wurde nach Außen hin sichtbar. Es war fast wie eine Liebesbezeugung und gleichsam ein Akt der voyeuristischen Grausamkeit.
»Ehre sei dem Meister!«, sagte der Alte wieder und diesmal fielen die abgerissenen Gesellen um ihn herum in die Lobpreisung ein.
Der Hunter beachtete sie gar nicht, sondern wandte sich den von hier aus in alle Richtungen führenden Straßenverästelungen zu, auf denen ein endloser Verkehr herrschte. Auf einer dieser Routen war der Eindringling, das flimmernde Etwas, davongeeilt. Alle eilten sie auf diesen Straßen.
Aus Erfahrung wusste der Hunter, dass er nur beobachten musste. Wenn es sich bei dem Fremden um das handelte, was der Meister vermutete, dann würde es Spuren seines Handelns geben. Es würde Zeichen seines Terrors hinterlassen und in die Welt hinausschicken, wie die Auswüchse eines alles vernichtenden Unkrauts.
Der Hunter strich den rechten Ärmel seines Gewands zurück und entblößte seine Stahlhand. Mit den Fingern der Linken bediente er zwei der angebrachten Kontrollen und machte sich die Kraft seiner Weitsicht zunutze.
Und dann sah er sie: Auf einer der endlosen, sich immer wieder miteinander vermischenden Straßen, waren sie unterwegs. In einer langen Reihe von gleichsam geordneten und sich doch immer neu verformenden und zerfasernden Formationen kamen sie heran. Geschöpfe, wie er sie bis jetzt nur in seinen schlimmsten Albträumen gesehen hatte. Sie schienen direkt aus den apokalyptischen Gedanken der Menschen zu stammen und hatten doch nichts Menschliches an sich.
Der Hunter sah Große, Kleine, Männer und Frauen. Viele Kinder. Er sah, wie sie inzestuös übereinander und dann, mit wachsender Kraft, auch auf die neben ihnen laufenden, vielleicht vor ihnen fliehenden Reisenden übergriffen.
Es war ein Massaker, das da vor seinen Augen ablief. Und doch war er dazu verdammt, all dies stoisch zu betrachten. Ihn interessierte diese Phantasmagorie nur aus dem einen Grund: Anhand ihres Zugs konnte er vielleicht erkennen, in welcher Richtung er den Verursacher zu suchen hatte. Den Dämon, der dieses Elend über den Bezirk gebracht hatte.
Der Hunter schaltete die Weitsicht aus und machte sich auf den Weg. Seine Kraft und Geschwindigkeit überstieg die der normalen Reisenden bei Weitem. Daher kam er schnell voran. Jedenfalls, bis er in die Nähe der Verformten und Degenerierten gelangte.
Inzwischen hatten auch die begriffsstutzigsten unter den Reisenden mitbekommen, was ihnen da im Nacken saß. Die, die konnten, suchten ihr Heil in der Flucht. Aber die Monster waren zu schnell, sandten ihre Tentakelarme aus, schlangen eitrige Zungen um zuckende Opferleiber und schändeten mit schwelenden Gemächten wahllos alles, das ihnen in die Quere kam.
Und mit jedem Leben das genommen, mit jedem Dasein, das vergiftet wurde, wuchs die Zahl der marodierenden und meuchelnden Schar an. Wie eine Flutwelle ergossen sie sich auf die anderen Straßen und verschwanden in einer zunehmenden Stille in der Ferne. Wer von ihrem Wahnsinn verschlungen wurde, schrie nicht mehr, flehte nicht mehr.
Der Hunter stand inzwischen all dieses Leids und wusste, dass er sich nicht damit aufhalten durfte, diese Armen und Geschändeten von ihrem Dasein zu erlösen. Wenn er dies täte, dann würde ihm der Verursacher durch die Lappen gehen. Und um diesen zu fangen und zu vernichten war er hier. Geist hin oder her.
Auch wenn er zugeben musste, dass er so einen wahnsinnigen Zug lebender Leichen noch niemals zuvor gesehen hatte. Was konnte mächtig genug sein, um so etwas hervorzubringen?
Nun, er würde es herausfinden.
Ihm selbst konnte der Moloch nichts anhaben. Er war geschützt gegen diese niederen unter den niedrigsten Schädlingen des Verfalls. Mühelos hätte er jeden Einzelnen von ihnen vernichten können, selbst im Vorbeiziehen. Wenn der Zeitverlust nicht gewesen wäre.
Der Hunter ging weiter, stemmte sich gegen die endlose Welle der heranrückenden Leiber. Dort, wo er von den Halbwesen berührt wurde, fielen ihnen die Gliedmaßen ab. Sein Schutzschild, das ihn unsichtbar umgab, schnitt durch ihre Reihen wie ein warmes Messer durch Butter. Und doch wich niemand ihm aus, ja, achtete überhaupt auf ihn.
Diese Wesen taten, was sie tun mussten, wozu man sich auserkoren hatte. Und er tat das Seinige. Beide Ziele konnten nicht gleichzeitig existieren.
Dem Hunter war übertriebene Anteilnahme fremd. In seinem Beruf durfte er keine haben, denn er wurde immer mit dem Abschaum konfrontiert, mit dem Abnormen, dem Infizierten.
Denn ja, infiziert waren diese Leute. Von einem Bazillus befallen, der aus ihnen das geformt hatte, was sie nun waren. Nichts mehr als Karikaturen ihrer selbst.
Aber der Hunter konnte Ekel fühlen. Er ekelte sich, wenn er in die weit aufgerissenen Körperöffnungen der ihm entgegenwankenden Frauen schaute. In die seelenlosen Augen der Kinder, die sich teilweise rollend fortbewegten, wie sie aus ihren Stubenwagen gerissen worden waren. Am wenigsten dauerte ihn der Anblick der Männer, hatten diese doch etwas grobschlächtiges an sich, das einen fast glauben ließ, dass sie verdienten, was ihnen widerfuhr.
Der Hunter schritt kräftig aus und beobachtete dabei genau den Himmel und den Horizont. Es wurde auf seinem Weg immer dunkler und düsterer. Er kannte dies schon: Dort, wo der Einfluss einer schädlichen Macht am größten war, verödete die Landschaft und vergingen die Elemente. Doch niemals zuvor hatte er eine solche Finsternis gesehen. Die Blitze und Lichtimpulse, die in ihr gärten, hatten die Farbe von Schwefel.
Der Hunter befand, dass es an der Zeit war, dem Meister einen Zwischenbericht abzugeben über das, was er hier sah. Er blieb stehen, wo er war, blendete die ihn umgebenden Schrecken vollkommen aus seinem Bewusstsein aus, versank in einer Art tiefer Trance und sprach dann.
»Statusmeldung des Hunters aus Bezirk D. Ich habe eine großflächige Infektion festgestellt. Verursacher noch unbekannt. Habe die Spur aufgenommen. Es sieht schlimm aus.«
»Was bedeutet schlimm?« Die Stimme des Meisters füllte seinen vollständigen Verstand aus. Nichts existierte in diesem Moment. Nicht die Monstren, nicht die Straße, nicht die Bedrohung am Horizont.
»Mehrere Sektoren sind kontaminiert. Ich befürchte, es wird eine Säuberungsaktion mit vielen Verlusten notwendig werden.«
»Gibt es eine Möglichkeit der Wiederherstellung der kontaminierten Bereiche?«
»Das kann ich noch nicht sagen, Meister.«
»Gut. Setze deinen Weg fort, Hunter. Suche den Verursacher und bringe ihn zur Strecke. Ich erwarte danach deinen umfassenden Schadensbericht und die Optionen, die verbleiben.«
»Ja, Meister!«
Die Verbindung zwischen dem Herrn und seinem Diener riss ab und der Hunter fand sich wieder in der Realität. Was er sah, gefiel ihm dabei gar nicht. Während seines kurzen Austauschs, der vielleicht eine Minute lang gedauert hatte, war der Strom der Deformierten kleiner und dünner geworden. Zwar kamen sie noch, aber die Hauptmasse war versiegt – weitergezogen in andere Bereiche des Bezirks.
Das bedeutete, dass der Verursacher, jenes geisterhafte Wesen, sein Zerstörungswerk an Ort und Stelle so gut wie verrichtet hatte und danach wie ein Heuschreckenschwarm weiterziehen würde. Dabei war nicht gesagt, dass er sich genau von dem Punkt aus weiterbewegen würde, an dem er jetzt stand. Vielen Eindringlingen war es möglich, sich Expressrouten zunutze zu machen, die dafür sorgten, dass sie binnen Augenblicken an ganz anderer Stelle auftauchten.
Dann würde der Hunter wieder auf die Suche gehen müssen. Und in der Zwischenzeit breitete sich die Seuche aus und forderte immer mehr Opfer.
Der Hunter begann zu rennen. Es war ein seltsames Gefühl, weil er ansonsten so gut wie nie rannte. Er war es nicht gewohnt, sich so beeilen zu müssen. Aber dies war auch kein gewöhnlicher Auftrag. Er hatte Besorgnis in der Stimme des Meisters gehört. Und spätestens seitdem, eigentlich aber schon früher, war er selber besorgt.
Es wurde immer dunkler und dunkler. Der Hunter schaltete eine Stablampe ein, die ihm den Weg leuchtete. Immer noch kamen ihm vereinzelte Gestalten entgegen. Aber sie unterschieden sich von der Masse derer, die ihnen vorausgegangen waren. Sie waren langsam, kaum noch als Menschen erkennbar. Der Gegner hatte sich die Schwächsten offenbar bis zum Schluss aufbewahrt.
Ein Blitz durchzuckte den Himmel und es gab einen gewaltigen Donnerschlag. Der Hunter war sich sicher, dass es sich dabei um den Laut handelte, mit dem der Andere auf eine der Transitstrecken gewechselt war, aber dann sah er etwas, das er im ersten Augenblick beinahe übersehen hätte, weil es soviel unscheinbarer war, als er es sich ausgemalt hatte.
Vor ihm flimmerte die Luft in einer seltsamen Farbe. Das Flimmern bestand tatsächlich aus einer Reihe goldener Sterne, wie man sie vielleicht als Feenstaub erwartet hätte. Doch hier lag die Sache anders, wusste der Hunter. Diese Fee war eine Hexe und ihr Zaubertrank war Gift!
Wenn er sich nicht ganz gewaltig täuschte, dann hatte er sein Ziel gefunden.
Was ihn nur verwirrte, war, dass die flirrende Erscheinung keinerlei Anstalten machte, sich zu bewegen. Er hätte mit Verteidigungsmaßnahmen gerechnet. Mit einem Angriff. Tatsächlich aber schien er ignoriert zu werden.
Er glich diese Entität noch einmal mit dem ab, was er in seinem Gedächtnis aus der Wahrnehmung des Alten beim Tor gespeichert hatte. Es war der gleiche unfassbare Organismus. Aber er war größer geworden – gewachsen an seinen Aufgaben. Und dennoch unscheinbar im Vergleich zum Ausmaß der durch ihn angerichteten Zerstörung.
Der Hunter schlug seinen Mantel seitlich zurück und brachte seine Strahlenwaffe zum Vorschein. Sie funktionierte auf der Basis eines bestimmten binären Codes und bahnte sich damit ihren Weg in die Eingeweide jedes Lebewesens. Wenn das hier überhaupt ein legitimes Lebewesen war.
Kurz überlegte er, ob er es anrufen sollte, aber dann entschloss er sich, dass es keinen Unterschied machte. Sprach der Jäger mit dem Wolf, den er erlegte?
Der Hunter riss die Waffe hervor, presste den Auslöser und sah, wie der alles vernichtende Strahl die Mündung verließ. Sah, wie der Strahl auf das Wesen zuschoss. Musste sehen, wie er immer langsamer wurde, schließlich sogar direkt vor dem Flimmern zum Stehen kam und dann – der Hunter traute seinen Augen nicht – einfach zu Boden fiel!
Was, um des Meisters Willen, war denn das gewesen?
So etwas gab es einfach nicht, konnte es nicht geben. Der Hunter blickte auf unzählige Erfahrungen zurück, die er und andere seiner Art gemacht hatten. Die waren ihm unverrücklich in seinen Kopf programmiert worden. Aber noch nie hatte jemand so etwas wie dieses Ding gesehen.
Das Flimmern pulsierte immer noch an Ort und Stelle, begann nun aber, sich zu verdichten. Aus den goldenen Sternen wuchs ein einzelner Stern heran, klein wie ein Fußball und doch strahlend hell wie die Sonne. Kein freundliches Gestirn, das der Welt Leben schenkt, sondern ein alles verzehrendes Feuer. Geschaffen, um Welten zu vernichten.
Der Hunter schoss noch einmal, aber dieses Mal war es noch schlimmer als zuvor. Der Strahl wurde nicht nur langsamer, er wurde sogar auf den Ursprung seiner Entstehung zurückgelenkt. Nur seinen schnellen Reaktionen hatte er es zu verdanken, dass der Hunter nur seine zu Boden geschleuderte Waffe verlor und nicht gleichzeitig die Hand, welche sie gehalten hatte.
Ein gutturales, grauenvolles, durch Mark und Bein gehendes Lachen erfüllte plötzlich die Luft und die gesamte Umwelt. Es brachte den Boden zum Vibrieren, riss die Wolken auf und verjagte die letzten unförmigen Kreaturen, die sich noch in der Nähe ihres Erzeugers aufgehalten hatten.
Der Hunter hielt sich mit Mühe auf den Beinen. Er war stark, verdammt! Und was immer diese Ausgeburt der Hölle auch war, es musste eine schwache Stelle haben.
»Wer bist du!«, rief der Hunter. Vielleicht gab der Name des Monsters ihm einen Hinweis auf die geeignete Strategie.
»Ich bin«, dröhnte die Stimme, als sei sie jene Gottes auf dem Berg Sinai, »der goldene Tod!«
Blitzschnell durchsuchte der Hunter alles, was ihm an Wissen zur Verfügung stand. Aber er wurde nicht fündig. Ein Gegner dieses oder eines ähnlichen Namens war ihm nicht bekannt.
»Mache dir keine Mühe, Wurm! Ich bin stärker als du. Stärker als dein Meister! Weil mein Meister mich so erschaffen hat!«
Der Hunter stutzte. Gab es denn mehr als einen Meister? Bislang war er davon ausgegangen, dass sein Meister, der Meister aller Bewohner der Bezirke, die einzige göttliche Kraft des Universums war. Und dass die Wesen, mit denen er es zu tun bekam, Krankheiten waren, die aus sich erstanden. Krankheiten, für die niemand etwas konnte und die man heilen musste. Für die er die Heilung war.
»Ganz recht!« Wieder das Lachen und dieses Mal wäre der Hunter fast zur Seite gekippt. »Mein Meister hat mich stärker erschaffen als dich und deinesgleichen! Dieser Bezirk ist nur der Anfang. Bald schon werde ich mich ausbreiten, meine Diener sind bereits dabei, die Botschaft in die Welt zu tragen. Und dann wird der goldene Tod über alle Lande herrschen.«
Die Sonne schwebte ein wenig näher an den Hunter heran, der von Schrecken gepackt, kaum des Atmens fähig, stehen blieb. »Dies wird die Keimzelle sein. Der Ursprung einer neuen Ära, einer neuen Zeit. Alles wird sich mir unterordnen. Mir und meinem Meister. Die Zukunft beginnt jetzt und hier!«
Aber noch war der Hunter nicht tot, egal, was dieses Wesen auch immer geplant haben mochte.
Er besann sich auf seine eigene Schnelligkeit und die daraus resultierenden Möglichkeiten. Als die Sonne beinahe bei ihm war, ließ er sich zu Boden fallen, rollte sich zur Seite und brachte so erst einmal wieder einen gewissen Abstand zwischen sich und den Angreifer.
Wenn er gehofft hatte, dass das Eindruck auf den goldenen Tod machen würde, dann hatte er sich allerdings getäuscht. Die Kugel schwebte gemütlich in der eingeschlagenen Richtung weiter, als habe sie überhaupt nicht im Sinn, den Hunter wirklich zu töten.
Die Erkenntnis kam mit der Wucht einer Explosion: Der goldene Tod hatte wirklich nicht vor, ihm, dem Hunter, etwas anzutun! Für ihn war er nur einer von vielen, einer der sich vielleicht ein wenig besser zu wehren wusste, als die große Masse es tat. Aber dies änderte nichts daran, dass es aus der Weltsicht seines Gegners heraus keine Rolle spielte, ob der Hunter lebte oder ob er starb. Er war schlicht unwichtig!
Der Hunter begann, beinahe hektisch, sein Waffenarsenal zu durchsuchen. Er hatte noch sein Elektronenmesser, das ihm gegen die Lindwürmer, die er manches Mal zu jagen hatte, gute Dienste tat. Aber der goldene Tod schien keinen festen Körper zu haben, den man hätte durchschneiden können.
Auch die Wirkung einer der mitgeführten logischen Bomben, die dazu geeignet waren, das Gehirn eines Schädlings zum Implodieren zu bringen, war nicht sehr erfolgversprechend. Der goldene Tod hatte ein gewaltiges Ego, aber hatte er auch ein Gehirn?
Der goldene Tod war dabei, von der Szene zu verschwinden. Er war schneller geworden und begann, sich wieder in seine einzelnen Teile aufzulösen. Der Hunter interessierte ihn augenscheinlich überhaupt nicht mehr. Wenn er es denn jemals getan hatte.
Verzweifelt starrte er dem Monstrum hinterher. Sollte dies der erste Kampf sein, den er verlor? Was würde der Meister dazu sagen? Wie sollte er das jemals vor ihm oder sich selbst rechtfertigen?
Aus den Fragen erwuchs die Angst. Aus der Angst erwuchs die Panik. Und aus der Panik erwuchs die Verzweiflung. Der Hunter wusste, dass es eine absolute Verzweiflungstat war. Etwas, das er und andere seiner Profession bereits vor Jahren aufgegeben hatten.
Er würde den goldenen Tod in einem persönlichen, körperlichen Streich angreifen. Er würde sich mit Händen und Füßen, Zähnen und Klauen auf ihn stürzen und nicht eher Ruhe geben, bis er diesen leuchtenden Leib zerfetzt, die dröhnende Stimme zum verstummen gebracht und die gewaltige Blasphemie seiner puren Existenz beendet hatte.
Der Hunter sammelte sich und seine Kräfte. Er war stark! Stärker als dieses Geschöpf. Er war der Stärkste seiner Zunft – deswegen hatte der Meister ihn ausgewählt. Es war an der Zeit, es zu beweisen.
»Bleib stehen!«
Die Erscheinung reagierte in keiner Weise.
»Du sollst stehen bleiben!«
Langsam setzte sich der Hunter in Bewegung, vorsichtig abwartend. Solange die Sterne noch zu nahe beieinander waren, so lange gab es die gewaltige Hitze der Sonne. Wenn sie weiter auseinanderdrifteten …
Jetzt – jetzt war es soweit! Die einzelnen Segmente lösten sich und machten sich bereit – der Hunter traute seinen Augen nicht und konnte auch das Stöhnen nicht verhindern, das von seinen Lippen kam – jedes für sich in eine andere Richtung davonzueilen.
Der goldene Tod teilte sich vor seinen Augen auf. Auf diese Weise würde nicht nur dieser Bezirk, sondern der gesamte Kosmos binnen kürzester Zeit in eine von Aussätzigen bevölkerte Diaspora verwandelt werden.
Ohne noch lange nachzudenken, getrieben von blinder Wut und glühender Angst machte der Hunter einen Sprung auf das Flimmern zu, packte mit beiden Händen hinein und bekam tatsächlich zwei der Sterne zu fassen.
Kälte.
Eiseskälte fuhr durch seine Hände, die Arme hinauf und mitten hinein in seine Brust. Er versuchte loszulassen, aber er klebte fest. Die Kälte lähmte ihn und brachte seine Finger zum Krampfen.
Jetzt hatte er mit einem Mal die ungeteilte Aufmerksamkeit des goldenen Tods.
»Warum hast du das getan? Ich hätte dich weiterleben lassen. Als Schandmal deiner Selbst und deiner Zunft! Wo immer du hingekommen wärst, wärst du mit Steinwürfen und Pöbeleien empfangen worden in einer Welt, die ich mir nach meinem Ideal umgestaltet habe. Aber du wärst am Leben geblieben.«
»Was soll das für ein Leben sein, in dem ich meinen Meister enttäuscht und die Welt, für die ich kämpfte, verloren habe!«
»Gesprochen wie ein wahrer Held.«
Die Kälte erreichte seine Eingeweide und der Hunter spürte, wie sich Molekül für Molekül das Eis in ihm ausbreitete. Wenn es sein Herz erreichte, dann würde er wahrscheinlich sterben.
Aber vorher erlebte er etwas anderes. Da war ein Tasten in seinem Verstand, in seinen Erinnerungen. Beinahe zärtlich fühlte es sich an im Vergleich zu dem rohen Griff, in dem sein Körper gehalten wurde.
Wie Finger auf einer Klaviatur wurden die Nervenenden berührt und zärtlich wie die Berührung einer Feder glitt die Berührung die Nervenbahnen entlang.
Dann war es vorbei. Und was immer der goldene Tod auch gesucht hatte, er schien fündig geworden zu sein.
»Du bist anders«, sagte er.
»Ich bin der Hunter!«
»Das auch, aber ich spüre, dass du das Vertrauen des Wesens besitzt, das du deinen Meister nennst. Er setzt dich nicht nur in diesen Bezirken ein, sondern auch in anderen Universen.«
Der Hunter wollte darauf nicht antworten. Aber das brauchte er schon gar nicht mehr.
»Ich glaube, du könntest mir noch nützen, mein kleiner Freund.«
In einem Wirbelsturm fühlte sich der Hunter mit einem Mal hochgehoben. Der schwarze Himmel schien ihm auf den Kopf zu fallen, dabei war er es, der ihm entgegeneilte. Immer noch hielt er die beiden Sterne fest oder wurde vielmehr von ihnen gehalten. An ihnen baumelnd hakte er sich auf eine der Schnellrouten ein und wurde von der Kraft der puren Energie davon gerissen.
Das Gros des goldenen Tods blieb am Ort ihrer Auseinandersetzung, aber die Kraft des Teils, der bei ihm geblieben war, war nicht geringer geworden. Der Hunter musste sich der Realität stellen: Er war ausgeschaltet.
Mit einem müden und resignierten Blick nach unten sah er, dass immer mehr der Verbindungen von hier nach dort und überall hin zu Leichenzügen geworden waren. An manchen Stellen hatten die Verwandelten begonnen, übereinander herzufallen und sich gegenseitig umzubringen. Am Ende würde nur noch der Tod übrig bleiben. In diesem Bezirk, in allen Bezirken. Im gesamten Kosmos.
Der Hunter erkannte schnell, wohin die Reise ging. Sie führte ihn zurück zu dem Tor, durch das er eingetreten war.
Als sie dort ankamen, stürzten die beiden Sterne förmlich nach unten. Seine Arme, die er kaum noch spüren konnte, wurden aufs Stärkste strapaziert, als sein Körper, den Gesetzen der Schwerkraft folgend, emporgerissen wurde. Aber alles in allem war das kaum noch von Interesse für ihn. Die Kälte, welche von den tastenden Händen zurückgeblieben war, übertünchte jedes andere Gefühl.
Schließlich knallten sie mit voller Wucht auf den staubigen Asphalt vor dem metallenen Tor, das, natürlich, geschlossen war. Es würde sich auch nicht wieder öffnen, solange nicht …
Natürlich, das war der Grund, aus dem er hier war! Noch einmal erwachte ein Rest von Widerstandskraft im Hunter. Einmal noch reckte er störrisch sein Kinn vor und sein maskenhaftes Gesicht fixierte das Tor. Es musste geschlossen bleiben. Es musste …
»Öffne es für mich!«
Die Stimme kam von überall gleichzeitig und am lautesten aus ihm selbst. Es waren seine Lippen, die die Wörter formten. Sein Verstand wies ihn an, es zu tun.
Das, was einmal der Hunter gewesen war, wurde mit jeder Sekunde weniger. Wie ein Parasit fraß sich der goldene Tod in seine Eingeweide. Weniger ein Geist, sondern mehr ein Menschenfresser. Und ein Usurpator, der auf Erweiterung seiner Macht drängte.
»Nun nimm Kontakt zu dem Wesen auf, das du deinen Meister nennst. Lass ihn das Tor öffnen und dann werden du und ich in eine andere Welt aufbrechen. Und einer nach dem anderen wird jeder Kosmos fallen. Dies hier war dann nur der Anfang!«
Der Hunter wusste, dass er keine Chance hatte. Die Fingerspitzen der Eiseskrallen kratzten an seinem Herz. Er hatte keine Angst vor dem Sterben. Wenn es ein Ausweg gewesen wäre, dann wäre er hier und jetzt, auf der Stelle, gestorben.
Aber es gab keinen Ausweg. Es gab nur noch das Chaos. Nur noch den goldenen Tod.
Der Hunter öffnete seinen Mund, schloss ihn, öffnete ihn wieder. Wenn es ihm möglich gewesen wäre, hätte er vielleicht geweint. Um das Universum, das er hatte schützen sollen. Doch gegen diese Bedrohung war kein Kraut gewachsen.
Eine Hoffnung blieb: Es gab noch andere außer ihm. Und nach ihm würden andere Jäger kommen. Irgendwann war einer von ihnen bestimmt in der Lage, den goldenen Tod zu besiegen.
Bis dann der ewige Kreislauf aus Jäger und Gejagtem von vorne losging und niemand sich mehr sicher sein konnte, an welcher Stelle dieses Kreises er sich gerade eigentlich genau befand.
»Jetzt sprich!«, toste die Stimme, brachte seine Trommelfelle zum Platzen und seine Eingeweide zum Schmelzen. Die Hand krampfte sich um das Herz und nahm seinen Körper, der nicht mehr lange das Gefäß für seinen Geist sein würde, in Besitz.
Der Hunter schloss seine Augen und von irgendwo kam die Ruhe, die er brauchte, um seine neue, seine letzte Aufgabe zu erfüllen.
»Statusmeldung des Hunters aus Bezirk D. Die Infektion wurde eingedämmt, die Säuberung der infizierten Dateien abgeschlossen. Ein Neustart des Systems wird empfohlen. Sie können das Sicherungslaufwerk nun entfernen!«
»Gut gemacht, Hunter!«, ertönte die Stimme seines ehemaligen Meisters. Der Hunter nahm sie kaum noch wahr. Er sah nur, dass das Tor sich öffnete und den Weg zurück auf den USB-Stick, von dem er in das System eingespeist worden war, ermöglichte. Der goldene Tod, der potenteste Computervirus, von dem jemals jemand gehört oder den je jemand gesehen hatte, schleppte ihn auf die Öffnung zu, verharrte dort noch einmal, als würde er sich umsehen.
Kurz bevor das Tor sich schloss, huschte das neu entstandene Zwitterwesen aus Virus und Antivirus hindurch. Auf seinen Lippen ein Spruch, den es irgendwann einmal aufgeschnappt hatte und nun als durchaus passend empfand:
»Gehen wir zu dir oder zu mir?«

Der Hunter und der goldene Tod © 2016 Michael Behr für Nike Leonhard

Ganz, ganz herzlichen Dank noch einmal, lieber Michael!
Und wie ich schon an anderer Stelle gesagt habe: Auch wenn du die Geschichte aufgrund meiner Vorgaben und für mich geschrieben hast, ist sie natürlich weiterhin deine. Das heißt, dass du sie beliebig weiterverwenden, umarbeiten und wo immer du magst veröffentlichen kannst.

Das Schreiben der Anderen: „Der Fluch des Spielmanns“ von Nike Leonhard

Michael Behr hat auf seinem Blog den „Fluch des Spielmanns“ sehr ausführlich besprochen. So ausführlich, dass ich jetzt überlege, den Klappentext zu ändern. Von „Wer sind die drei Geister …“ zu „Was wollen die drei Geister …“ ^^ Was tatsächlich eine der Kernfragen der Geschichte ist.
In jedem Fall freue ich mich über dieses ausführliche „Feedback“ fast mehr, als über die 5-Sterne. Schon dass sich jemand so viel Zeit nimmt, drückt eine ungeheure Wertschätzung aus. Danke dafür! 🙂

Mein Traum vom eigenen Buch

Was ist der sogenannte „Codex Aureus“? Ich muss zugeben, dass ich mir diese Frage immer wieder gestellt habe, wenn ich auf das Wirken der Autorin Nike Leonhard aufmerksam wurde. In Kurzform berichtet, besser beschreibt sie dies auf ihrer eigenen Homepage, handelt es sich dabei um unabhängig voneinander zu lesende Kurzgeschichten/Novellen mit historischem und zuweilen fantastischem Hintergrund. Und so darf es auch niemanden verwundern, dass die dritte Geschichte aus diesem Zyklus uns mit leibhaftigen Geistern konfrontiert …


dfds Corvin, der letzte Überlebende eines Quartetts aus fahrenden Spielleuten, wird Nacht für Nacht von den Geistern seiner toten Kameraden heimgesucht. Er versucht sich einzureden, dass es nur Einbildung ist, aber die Erscheinung ist so intensiv, dass es keinen Zweifel an ihrer Echtheit geben kann.

Die Geister von Pirmin, dem Musiker, Hulda, der Wahrsagerin und Seraina, der Jongleurin, fordern von ihm das, was ihnen zusteht. Was er ihnen aber weder geben kann, noch geben will.

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Halloween: Geister, Grusel und Geschichte(n)

Morgen abend ist es wieder so weit: Verkleidete Kinder und Jugendliche werden von Tür zu Tür laufen, klingeln und mit Trick-or-Treat-Rufen Süßigkeiten einfordern. Selbstverständlich wird eine Schüssel bereit stehen, aus der ich etwas in die ausgestreckten Hände legen werde. Vielleicht kostümiere ich mich dafür sogar. Wahlweise als Hexe oder Teufelin. Das macht man so an Halloween. Genauso, wie man Fratzen in Kürbisse schnitzt und eine Kerze hineinstellt, damit sie schaurig schön im Dunklen leuchten. An Halloween sind die Geister los. Altes keltisches Brauchtum. Weiß doch jeder.

Ok, den Kindern sind die Süßigkeiten wichtiger. Vielleicht auch der Spaß an der Verkleidung. Das wohlige Gruseln, im Dunklen draußen zu sein.

Die geschichtlichen Hintergründe sind mehr was für uns Erwachsenen. Wir können uns richtig schön aus der Moderne ausklinken. Alte Bräuche aufleben lassen. Und dann auch noch keltische. Schließlich ist deren Kultur – im Gegensatz zu den germanischen – nie ideologisch pervertiert worden, also sozusagen rein und unschuldig.
Ok, auch Halloween ist natürlich völlig kommerzialisiert. Aber im Kern bleibt doch das gute Gefühl, der Verbundenheit mit etwas Größerem, Numinosem.

Dabei ist durchaus unklar, ob die Herleitung von den Kelten überhaupt stimmt. Genauso ist eine christliche Tradition denkbar, die sich von Allerheiligen ableitet und sich immer wieder mit Aberglauben und Volksbräuchen aufgeladen, vermischt und erneuert hat.
Wenn ich mir ansehe, wie schnell Bräuche aus der Mode geraten können (wie z. B. das Rummelpottlaufen in Hamburg), fällt es mir schwer, an eine über tausendfünfhundertjährige Traditionslinie zu glauben.

Aber ist das überhaupt wichtig? Ich meine nicht. Wenn etwas Spaß macht und sich gut anfühlt, warum sollte es relevant sein, ob es Kelten oder Christen waren, die das Ganze aufgebracht haben? Wir leben schließlich im Jetzt und Hier. Bei uns wird es morgen deshalb auf jeden Fall Kürbis geben.

Für Schriftsteller sieht die Sache etwas anders aus. Für Schauer- und Geistergeschichten bieten sich Halloween, die Walpurgisnacht oder auch die Rauhnächte zwischen den Jahren als wunderbare  Folie an, weil auch moderne Leser damit gewisse Erwartungen verknüpfen, die man erfüllen oder brechen kann.
Anders sieht es beim historischen Roman aus. Da einfach die These von den „Keltenfesten“ zu übernehmen, halte ich für gewagt, zumal auch die Archäologen den Begriff „der Kelten“ inzwischen nur unter Vorbehalt gebrauchen.

Wie siehst du das: Ist dir die geschichtliche Einordnung persönlich wichtig, oder ist Halloween für dich ein Spaß, den man eben mitmacht, weil alle es tun?

 

Fundstück: Anatomie eines eBooks: HTML/XML und CSS für Einsteiger

Im tolino media Blog gibt es mal wieder einen Beitrag mit interessante Tipps und Tricks für die Erstellung von eBooks. Dieses Mal geht es um den technischen Aufbau, genauer gesagt darum, wie man mittels HTML und CSS die Formatierung eines eBooks festlegt.

Nach unseren vorherigen beiden Teilen, die sich mit den Unterschieden zwischen einem Printbuch und einem eBook sowie mit den besonderen Layoutanforderungen an ein eBook beschäftigt haben, wird es heute spannend, denn wir steigen endlich in den technischen Aufbau eines eBooks ein. Eine Epub-Datei ist im Grunde nichts anderes als eine Zip-Datei. Benennt man die Dateiendung…

über Anatomie eines eBooks: HTML/XML und CSS für Einsteiger — tolino media Blog

Meinungsfreiheit und Meinungsverantwortung von Autorinnen und Autoren im digitalen Zeitalter – Eine Veranstaltung vom Netzwerk Autorenrechte

Mein Blog ist generell nicht politisch, ich bin keine politische Schriftstellerin und gehe bei weitem nicht mit allem konform, was in dem Artikel steht (vor allem nicht mit dem Teil über SPler) – aber manche Dinge gehen uns alle an und deshalb muss ich ihn einfach teilen und bitte euch alle, die ihr ihn lest: Achtet darauf, die Freiheiten, die wir so selbstverständlich hinnehmen, zu bewahren!
Und wenn du nach dem Lesen zustimmend genickt und noch einen Moment Zeit hast, unterzeichnet bitte auch den Aufruf auf change.org.

SCHREIBHAIN

Am Messesonntag finden nahezu zeitgleich zwei Highlights in Frankfurt statt. In der Paulskirche wird der Friedenspreis des deutschen Buchhandels an Carolin Emcke verliehen und auf dem Podium der Selfpublisherbühne moderiert Nina George, Schriftstellerin und Beirätin des PEN-Präsidiums, die vom Netzwerk Autorenrechte initiierte Veranstaltung Meinungsfreiheit und Meinungsverantwortung.

So vielschichtig wie das Themenspektrum sind auch die geladenen Gäste: Zoë Beck, Schriftstellerin und Verlegerin bei CulturBooks, Imre Török, Autor und Vizevorsitzender des VS und Tobias Kiwitt, Rechtsanwalt und Sprecher des Bundesverbands junger Autorinnen und Autoren.

100.000 bis 200.000 verlagsunabhängige elektronische Titel pro Jahr stehen in Deutschland  84.000  Neuerscheinungen im Print und 30.000 bis 40.000 digitalen Verlags-Novitäten gegenüber. Was die Quantität angeht schlagen auch weltweit die selbstverlegten Titel die der Verlage, alle zwei Minuten erscheint weltweit ein selbstverlegtes Werk. E-Book-Distributoren bestreiten den Markt ohne Verlage und Buchhandel.  „Ist das gut?“, fragt Nina George Zoë Beck, die in ihrer Doppelrolle als Autorin und Verlegerin…

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Soll ich oder soll ich nicht? Kurzgeschichtenwettbewerb von BoD und readfy

girl-564460_640Seit dem 20.10.2016 läuft bei BoD unter dem Motto „read my short“ ein Kurzgeschichtenwettbewerb in den Kategorien Romance, Fantasy und Crime. Zu gewinnen gibt es auch etwas. Anders als bei anderen Wettbewerben gibt es allerdings keine feste Jury. Statt dessen handelt es sich hier um einen Publikumspreis, d. h. die Gewinner der einzelnen Katgorien werden durch die Leser von readfy bestimmt. Daher muss man nicht nur eine Kurzgeschichte verfassen und bei BoD als E-Short registrieren, sondern diese auch in der readfy-App zu veröffentlichen.

Der Haken? Natürlich gibt es einen. Genau gesagt sogar zwei.
Damit meine ich nicht, dass man sich bei BoD registrieren und seine Geschichte dort hochladen muss, um überhaupt teilnehmen zu können. Anders ließe sich dieser Wettbewerb schließlich kaum durchführen. Nein, es sind zwei andere Haken, die mir Kopfzerbrechen machen:

Der erste liegt in den folgenden Absätzen der AGB:

2.10. Mit der Teilnahme am Schreibwettbewerb stimmt der Teilnehmer einer Veröffentlichung seines eingesendeten Textes zu und räumt BoD und readfy sowie etwaigen Kooperationspartnern das räumlich, zeitlich und inhaltlich unbeschränkte und übertragbare Recht ein, den Text zu vervielfältigen, zu verbreiten, öffentlich zugänglich zu machen, zu Werbezwecken zu nutzen und zu bearbeiten und zwar in sämtlichen bekannten und unbekannten Nutzungsarten.
2.11. Insbesondere ist BoD berechtigt, ein E-Book mit allen, im Rahmen des Schreibwettbewerbs eingereichten Kurzgeschichten zu erstellen. Das E-Book soll nach dem Wettbewerb zu Werbezwecken kostenlos vertrieben werden. Die Teilnehmer erhalten dementsprechend keine Vergütung oder Beteiligung. Ein Anspruch auf Aufnahme einer Kurzgeschichte in das E-Book oder sonstige Veröffentlichung besteht nicht.

Mit anderen Worten: Der Wettbewerbsbeitrag ist weg. BoD, readfy und andere, nicht genannte Vertragspartner können damit machen, was sie wollen, ohne dass man als Autor einen Cent dafür bekommt. Eine Rückübertragung der Nutzungsrechte ist nämlich ausdrücklich nicht vorgesehen!

Der zweite Haken ist etwas versteckter: Da es sich um einen Publikumspreis handelt, muss die Geschichte irgendwie gepusht werden. Sie nur einzustellen dürfte – wie überall – zu wenig sein, zumal readfy sich über Werbung finanziert und dauernd Werbung für Bücher eingeblendet wird, während das Lesen selbst kostenlos ist. Die einzige Möglichkeit, dagegen anzukommen, dürfte darin bestehen, sich in die bestehende readfy Community einzuklinken …

Uff. Das wäre viel Aufwand für eine Geschichte, die vermutlich sowieso verbrannt ist.

Trotzdem überlege ich, mitzumachen. Und sei es nur, um meinen Namen bekannter zu machen. Wenn die Leser auf readfy eine Geschichte von mir lesen, könnte es doch sein, dass sie mehr wollen. Oder?

Ich glaube, ich wähle den Publikumsjoker. Was meinst du: Mitmachen oder Finger weg?

Frankfurter Buchmesse 2016 im Rückblick

Wie ich hier schon mal irgendwo geschrieben hatte, war diese Buchmesse für mich insofern eine Premiere, als ich das erste Mal an den Fachbesuchertagen dort war – und das in der Doppelrolle als Twitterwesen (Presse) und Selfpublisherin. Diejenigen, die mir auf Twitter folgen, werden es gemerkt haben – entschuldigt, wenn ich eure Timeline zu sehr zugemüllt habe.

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Wenigstens zeitweise habe ich es sogar unter die Top10 gebracht

Nach allen ungefilterten Eindrücken wird es Zeit ein Fazit zu ziehen, bevor sich die Erinnerungen ins Unterbewusste absetzen.

Besucher

Die erste Feststellung ist immer noch, dass es an den Fachbesuchertagen leerer ist, als an den Publikumstagen. Nicht sehr, aber fühlbar.
Am schwächsten war nach meinem Empfinden der Mittwoch besucht. Das kann natürlich daran liegen, dass ich nur am Vormittag dort war, aber ich hatte den Eindruck, dass die Messe da erst so langsam in Schwung kommen musste. Freitag war es entschieden am vollsten und da lagen auch die meisten Veranstaltungen.

Veranstaltungen und Vorträge

Womit wir beim nächsten Thema wären: Veranstaltungen und Vorträge. Da ich ja auch in meiner Rolle als Selfpublisherin auf der Buchmesse war, hatte ich mir hauptsächlich Vorträge aus diesem Bereich auf die Agenda gesetzt. Die Meisten waren leider nur dem Titel nach interessant.
Positiv aufgefallen sind mir vor allem die Vorträge von Annika Bühnemann zur Professionalisierung von Selfpublishern und der des Justiziars von Random House zum Urheberrecht. Alle anderen taugten mehr als Impulsreferate für spontane Unterhaltungen im Publikum. Meist mit dem Tenor: „das hätten wir auch spontan halten können – und zwar besser.“
Auf andere Weise anregend waren die Diskussionsrunden im Orbanism Space. Beim sogenannten Twittertreffen ging es vorwiegend um Literatur in kleinen Formen, was mich wegen Themenverfehlung geärgert hätte, wenn es nicht so verdammt unterhaltsam gewesen wäre der Akkordeonistin und Milch_Honig zuzuhören. Richtig spannend wurde es dann auf dem Bloggertreffen der Buchblogger (leider gab es keins der bloggenden Autoren). Dort stellte sich nämlich heraus, dass Buchblogger zwar gerne mit ihren Blogs Geld verdienen würden, gleichzeitig aber fürchten, schon durch die Annahme von Rezensionsexemplaren korrumpiert oder zumindest in den Augen ihres Publikums unglaubwürdig zu werden. Entsprechend heftig fiel die Reaktion auf die Frage aus, was eigentlich dagegen spräche, sich ähnlich den Beatybloggern für Rezensionen bezahlen zu lassen. Das Selbstbewusstsein, im Bloggen nicht nur ein nettes Hobby, sondern Arbeit zu sehen, scheint bei Buchbloggern ebenso wenig ausgeprägt, wie die Haltung, dass man eine Bezahlung auch annehmen kann, ohne sich zu einer positiven Kritik zu verpflichten.

Kontakte

Ich habe auf der FBM16 gefühlt mit mehr Menschen gesprochen, als sonst im ganzen Jahr. Kann sein, dass sich das ändert, wenn ich auch die Leipziger Buchmesse mit auf den Kalender setze, aber als singuläres Ereignis war die Masse an Sozialkontakten wirklich überwältigend.
Allerdings muss ich auch dazu sagen, dass ich die Meisten schon vorher über soziale Medien, vor allem über Twitter kannte. Ohne diese vorherigen Kontakte wäre die Messe trotz der Menschenmassen für mich vermutlich eine sehr einsame Angelegenheit geworden, denn meine Fähigkeit auf Andere zuzugehen und neue Bekanntschaften zu knüpfen, ist im 1st Life eher unterentwickelt.

Fazit

Nächstes Jahr werde ich wieder dabei sein. Mit konkreteren Fragestellungen und einer besseren Planung (hoffe ich). Auf jeden Fall aber mit mehr Zeit.

Vielleicht treffen wir uns dann ja.

Ich bin dann mal fort – für ein paar Tage

Die nächsten Tage wird es sehr ruhig im Blog werden. Nicht nur, dass ich tagsüber die meiste Zeit auf der Frankfurter Buchmesse unterwegs bin, es kommt auch eine gute Freundin zu Besuch – und ich werde meine BartBroAuthors Kollegen kennenlernen. Ein paar davon zumindest.
Damit sind auch die Abende verplant. Jedenfalls der vom Mittwoch und Donnerstag.

Am Freitagabend setze ich mich ganz ab, verschwinde aus dem hier und jetzt und reise ins Mittelalter. Am Wochenende bin ich als Adelige vom Dienst eingeteilt. Heißt: Ich muss als Burgherrin im klammen Palas hocken, weil man die Burg so schön archaisch rekonstruiert hat, während „mein“ Gesinde in der Küche Spaß hat.
Na, denen werde ich zusätzlich Feuer unter’m Hintern machen. ^^

Wir lesen uns dann ab Montag wieder.

Vielleicht auch erst ab Dienstag – je nachdem, wie fertig ich nach den fünf Tagen bin.

Fundstück: Sweek – die europäische Alternative zu Wattpad

Wattpad dürfte den Meisten ein Begriff sein. Ein Portal, auf dem man Geschichten einstellen bzw. lesen kann. Aber Sweek? Irgendwer schon mal was von Sweek gehört?

Ich bis eben auch nicht. Dabei ist Sweek schon im Juni 2016 gestartet.

tablet-1075790_640Britisches Understatement könnte man meinen, aber Sweek kommt aus Holland und will ein bisschen so sein, wie Wattpad, aber vor allem ganz anders.
Wie Wattpad ist Sweek kostenlos. Man kann dort Geschichten einstellen und lesen, Autoren folgen, deren Geschichten teilen und sich informieren lassen, wenn etwas Neues erscheint. Damit eignet sich Sweek ganz besonders für Serials und Fortsetzungsgeschichten.
Als Autor kann man aber auch Anfänge einstellen und z. B. zu Tolino und Amazon verlinken, wo der Rest heruntergeladen werden kann.
Vor allem will Sweek aber Synergien zwischen Selfpublishern und Verlagen schaffen und eine Art Scouting-Plattform werden.

Ab der Frankfurter Buchmesse soll Sweek international an den Start gehen.

Ich finde das sehr interessant und werde es mir nach der Buchmesse auf jeden Fall näher ansehen.


Für nähere Informationen: Artikel im Buchmarkt
Link zu Sweek