Marketing für Selfpublisher: Vier Dinge, die man von den Großen lernen kann

Im Börsenblatt des Buchhandels bin ich auf einen Beitrag über Beziehungsmarketing gestoßen. Unter der Überschrift „geliked, geshared, gekauft?“ wird dort über den Aufwand berichtet, den z. B. der Dressler Verlag betreibt, um die Leserinnen schon im Vorfeld auf „Die Feder des Greifs“ von Cornelia Funke aufmerksam zu machen. Da ist von Verlags-, Autoren- und Buchseiten im Internet die Rede, Social-Media-Accounts, Buchtrailern auf einem eigenen YouTube-Kanal, Trailer-Ads auf Facebook und Youtube, Teaserposts an ausgewählte Buchblogger, klassischen Online-Bannern und Gewinnspielen.

Uff, nein!

Als Selfpublisherin lässt sich dieser Aufwand unmöglich auch noch stemmen.

Trotzdem lohnt ein zweiter Blick auf den Artikel, denn einiges lässt sich doch übernehmen und ist nicht mal soooo schwierig umzusetzen.

1. Früh anfangen

Was als erstes auffällt ist, wie lange im voraus diese Kampagnen ansetzen. Das Buch soll am 26. September erscheinen, aber schon Anfang September habe ich die ersten „Gerüchte“ gehört, es werde eine Fortsetzung von Drachenreiters geben. Natürlich war die Veröffentlichung da längst beschlossene Sache.
Die Nachricht zu streuen, dass man demnächst etwas veröffentlichen wird, ist nun wirklich etwas ist etwas, was man auch als Selfpublisherin* vollkommen unproblematisch machen kann.

2. Vorab Kontakte knüpfen

Tatsächlich setzen die Kampagnen aber noch viel früher an, denn um z. B. Teaserposts an ausgewählte Buchblogger schicken zu können, muss man zuerst mal über Kontakte zu Buchbloggern verfügen.
Das ist auch etwas, das man als Selfpublisherin relativ unkompliziert umsetzen kann: Vorab Kontakte knüpfen. Damit meine ich allerdings nicht, ein paar Internetadressen zu kennen und den dahinter stehenden Jungs und Mädels eine Mail zu schicken: „Ey, ich hab da was geschrieben, bloggt doch mal darüber!“ Damit macht man sich sehr schnell sehr unbeliebt.
Kontakt heißt, dass man sich möglichst vorher kennt und sich schon einmal ausgetauscht hat. Wenn nicht, ist das zwar auch kein Drama (irgendwann muss man schließlich anfangen), aber man sollte sich dann wenigstens informieren, wie der oder die BlogbetreiberIn heißt und worüber er oder sie schreibt. Nur, wenn das zum eigenen Buch passt, lohnt es sich, sie anzuschreiben. Und dann gehört es sich, sich und sein Projekt zunächst einmal vorzustellen und zu fragen, ob sie (oder er) Lust und Zeit hat, es zu rezensieren. Ganz professionell ist es, sich für die Antwort zu bedanken – auch bei Absagen. Die BloggerInnen dafür anzumaulen, zeugt dagegen von miserablen Manieren und schadet nicht nur einem selber, sondern dem Image von Selfpublishern allgemein.**

3. Regelmäßigkeit

Der dritte Punkt, den man sich abgucken und ziemlich einfach umsetzen kann, ist, die ausgewählten Social-Media-Kanäle regelmäßig zu bespielen, um so mit seinen potentiellen Leserinnen im Dialog zu bleiben. Dabei sagt das Wort „Dialog“ schon sehr deutlich, dass es hier nicht darum geht, nur ein paar Werbetexte oder -bilder einzustellen, sondern auch zu antworten und zu kommentieren.

4. Konzentration

Was man sich als Selfpublisherin als vierten Punkt von den Großen abgucken kann, ist vielleicht aber sogar das Wichtigste: Nämlich nicht einfach alles machen zu wollen, sondern sich genau zu überlegen, wo man seine Leser (bzw. Käufer) findet und die Kampagne auf sie abzustimmen. Klar: Wenn ich Menschen ansprechen will, die gerne Fantasy lesen, bringt es mir vermutlich wenig, auf Youtube süße Katzenvideos zu zeigen. Da können die Klickzahlen noch so hoch sein – allein wegen der süßen Videos wird niemand die Bücher kaufen.
So lange ich also keine Ahnung habe, ob und gegebenenfalls wie ich Leserinnen oder Multiplikatoren über einen bestimmten Social-Media-Kanal ansprechen kann, kann ich mir den Aufwand sparen und meine Energie anderswo besser verwenden. Zum Beispiel, um die nächste Geschichte fertig zu stellen. ^^

Wie siehst du das: Gibt es noch andere Dinge, die wir SelfpublisherInnen uns von den Kampagnen großer Verlage abgucken können?


*Da ich selber immer wieder Probleme habe, mich in Artikeln durch das generische Maskulinum angesprochen zu fühlen, verwende ich in diesem Artikel gelegentlich ein generisches Femininum und die Schreibweise mit dem Binnen-I. So kann sich hoffentlich jede/r/s angesprochen fühlen.

**Ich bin mir sicher, dass ich dir das alles eigentlich nicht zu sagen brauche. Aber die Diskussionen im Netz zeigen und Blogartikel, wie dieser von Brösel, zeigen, dass bei Selfpublishern zum Teil noch erheblicher Nachholbedarf in Sachen Nettiquette und Umgang mit anderen besteht. Deshalb wollte ich diesen Punkt nicht unerwähnt lassen.

Advertisements

8 Kommentare zu „Marketing für Selfpublisher: Vier Dinge, die man von den Großen lernen kann

  1. Danke für diesen interessanten Post.
    Das mit der Höflichkeit sollte sich auch in Zeiten der Online-Kommunikation langsam mal durchsetzen, finde ich.
    Ich fürchte, der Tipp mit dem Früh Anfangen lässt sich nur schwer bei einem Erstling umsetzen bzw. ist vermutlich dort noch nutzlos. Super ist das aber, wenn man bereits Leser hat, die sich für den eigenen Stil und das Genre begeistern.
    Viele Grüße
    Erin

    Gefällt 2 Personen

    1. Hallo Erin,
      danke für deinen Kommentar und das Lob. Ich lerne ja selber noch …^^
      Ich denke, dass du insoweit Recht hast, dass es bei einem Erstling allgemein schwerer ist, dafür zu werben, als wenn man schon einen Leserkreis hat, den man ansprechen kann.
      Trotzdem denke ich, dass das kein Gegenargument ist, auch bei einem bei einem Erstling früh anzufangen, sich und das Werk bekannt zu machen. Vielleicht mit ein bisschen mehr Schwerpunkt auf sich selbst als Autorin als auf das Werk, aber letztlich läuft es auf das Gleiche heraus. Du musst Leute finden, die dein Buch kaufen würden – und das möglichst frühzeitig. Das Dumme daran ist, dass es sich immer blöd anfühlt, für sich selber Werbung zu machen. Oder für sein Buch. Man fühlt sich so aufdringlich. Es kostet mich immer noch Überwindung etwas zum Codex Aureus bei Twitter oder Facebook zu schreiben und bei meinen Freunden habe ich erst recht rumgedruckst: „Äh, du übrigens, ich hab da was, ähm, wenn du vielleicht mal …“ Souverän geht echt anders.
      Aber ich habe inzwischen eins gelernt: Es ist nicht wichtig, was fertig zu haben. Gerade, wenn du noch nichts veröffentlicht hast, wollen die Leute erst mal sehen, was du für eine bist. Über sich selbst zu erzählen, kostet zwar Überwindung, geht aber immer. Selbst wenn du noch mitten im Schreibprozess bist, hast du etwas zu erzählen: Über deinem Alltag, Genre und Hintergrund deiner Geschichte, wie du auf die Idee gekommen bist, was dich beeinflusst. Du kannst Zitate posten oder Bilder, wenn du gut zeichnen kannst. Wenn diese Posts andere ansprechen und sie dadurch dich oder dein Projekt interessant finden, steigen deine Chancen, dass sie später auch dein Buch kaufen.
      Liebe Grüße
      Nike

      Gefällt 1 Person

      1. Hallo Nike,
        Hab vielen Dank für deine ausführliche Antwort. Du hast ja so Recht. Ich habe ja nun auch schon angefangen, über den Prozess des Schreibens zu bloggen. Ob ich damit aber die Leute erreiche, die mein fertiges Werk kaufen möchten, weiß ich natürlich nicht. Aber ich blogge vorwiegend deshalb, weil mich das Thema begeistert. Falls sich unter meinen Lesern mal jemand findet, der auch mein Buch lesen möchte, umso besser.
        Bei Freunden und Bekannten traue ich mich häufig nicht einmal zu erwähnen, dass ich ein Buch schreibe. Es ist schon komisch, aber so ein wenig Versagensangst schwingt da natürlich immer mit.
        Viele Grüße
        Erin

        Gefällt 2 Personen

  2. Hat dies auf Mein Traum vom eigenen Buch rebloggt und kommentierte:
    Manchmal liegen Themen anscheinend so in der Luft. Im Moment ist es das Thema „Marketing“ und da insbesondere das, was man auch als vermeintlich kleiner oder Nachwuchsautor tun kann, um sich und sein Werk bekannt zu machen.

    Nike Leonhard hat auf ihrem Blog eine Auseinandersetzung mit einem Artikel des Börsenblatts des deutschen Buchhandels veröffentlicht, der ich mich in weiten Teilen anschließen kann und die ich deswegen gerne hier teile. Es geht darin um Dinge, die man sich von Publikumsverlagen abschauen kann, weil sie auch für einen Selfpublisher ohne ungebührlich großen Aufwand umsetzbar sind.

    Die Schwierigkeit liegt wie immer in der Umsetzung, in Zeitnöten und sonstigen persönlichen Faktoren begründet.

    Aber genau deswegen ist dieses Thema ja eines, das latent immer in der Luft liegt: Weil es jeden betrifft und weil es einfach nie alt wird. Ganz zu schweigen davon, dass jemand ein Patentrezept erfunden hätte.

    Ich freue mich auf die weiteren Diskussionen und Unterhaltungen zum Thema!

    Gefällt 1 Person

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s