Wie man sich ins Knie schießt

Oder: Warum ich nicht auf Kobo veröffentliche

Vor einiger Zeit hatte ich auf Twitter eine kleine Umfrage zu eBook-Readern gestartet. Das Ergebnis ist natürlich nicht annähernd repräsentativ, aber es lässt den Rückschluss zu, dass von den Menschen, die ich mit meiner Werbung erreiche, fast genauso viele Kobos, wie Tolinos genutzt werden. Daher hatte ich beschlossen, den Codex Aureus auch dieser Lesergruppe zugänglich zu machen.

Auch hier wollte ich direkt veröffentlichen, weil mir sonst zu viel der ohnehin mageren Marge verloren geht. Zur Erinnerung: „Makler“ wie neobooks, epubli, tredition o.ä. veröffentlicht, kümmern sich zwar um die Konvertierung und sorgen dafür, dass das eBook bei allen Distributoren gelistet ist, verlangen dafür i. d. R. aber 30% vom Nettoerlös, d. h. von dem, was nach Abzug von Mehrwertsteuer und den Kosten des Distributors übrig bleibt.

Die Vorbereitung

Was Kobo als Distributorenkosten verlangt, ist leider zunächst unklar. Es kursiert zwar die Behauptung, als Autor behielte man 80% des Verkaufspreises, aber auf Kobo writing life, der Seite, über die man sich bei Kobo anmeldet, habe ich zumindest nichts gefunden. Dabei wäre das eine Information, die eigentlich in die FAQ gehört.
Falls ich nur was übersehen habe oder sich das irgendwann ändert, wäre ich für einen Hinweis dankbar, damit ich diesen Artikel ändern kann, denn natürlich möchte ich keine Gerüchte streuen oder falsche oder überholte Informationen weitergeben.
Auch sonst ist die Seite optimierbar. Nicht nur, weil sich der lästige Hinweis auf die Cookie-Richtlinie nicht wegklicken lässt, sondern weil sie zunächst in schönstem Denglish verfasst ist.

Kobo1
Die Texte sind auf Englisch verfasst, die eingefügten Bilder Deutsch.

Damit haben aber vermutlich eher die englischsprachigen Nutzer Probleme, denn die Standarteinstellung lässt sich ändern, indem man ganz nach unten scrollt und dort eine Sprache auswählt. Damit hat man dann auch deutschsprachige Erklärungen und Schaltflächen.

Kobo2
Hier sieht man den lästigen Cookie-Balken, der auch bei mehrfachem Anklicken bleibt

Auch die Informationen zum Ablauf und den Voraussetzungen fände ich ein bisschen dürftig, wenn das mein erstes Buch wäre. Aber gut, man bekommt immerhin einen Vorgeschmack dessen, was optisch auf einen zukommt.

Nutzerkonto anlegen

Dazu, dass man ein Konto braucht und dafür auf die Schaltfläche „Konto erstellen“ klicken muss, brauche ich wohl nichts zu sagen. Danach möchte Kobo erst einmal ganz viel von einem wissen: Name, Vorname, Adresse – wobei nicht ganz klar ist, ob man sich mit seinem richtigen Namen anmelden muss, oder (s)ein Pseudonym verwenden darf. Das erfährt man erst durch einen Blick in die Nutzungsbedingungen (unten auf der Seite verlinkt):

Kobo3

Von juristisch auf deutsch übersetzt heißt das, dass man den richtigen Namen verwenden muss, es sei denn, das Pseudonym ist im Personalausweis eingetragen. Kobo ist außerdem wichtig, in welchem Bundesland man wohnt. Ohne diese Angabe geht gar nichts.

Außerdem muss man sich bereits jetzt entscheiden, welche E-Mail-Benachrichtigungen man gerne bekommen möchte. Und dann möchte Rakuten, der Mutterkonzern, gerne wissen, wie man auf Kobo writing-life gestoßen ist.

Die Nutzungsbedingungen

Wenn man das gespeichert hat, kommt man auf eine Seite, in der erstmals die Bedingungen für die Veröffentlichung genannt werden – und da wartet Kobo mit ein paar Überraschungen auf.

  • Man muss 18 sein bzw. in seinem Heimatland voll geschäftsfähig. So weit das ist alles ok; Jüngere können sich die Genehmigung der Eltern holen.
  • Kobo darf Bücher wieder aus dem Programm schmeißen. Auch das ist ok und nennt sich Vertragsfreiheit, schließlich darf man seine Bücher auch aus dem Programm nehmen.
  • Wo das Buch angeboten wird, entscheidet Kobo. Das fand ich schon bedenklicher, aber gut. Mein Markt ist Deutschland; wenn der Codex Aureus in Japan nicht zu haben ist, mache ich dadurch vermutlich auch keine Verluste.
  • Man legt den Preis nicht selber fest, sondern nennt Kobo nur eine Preisempfehlung, den Verkaufspreis bestimmt Kobo nach eigenem Ermessen. Da habe ich das erste Mal große Augen gemacht. Aber gut, noch hatte ich die Hoffnung, dass die schon wissen, was sie tun.
  • Kobo zahlt 45 % dieser Preisempfehlung (nicht des Verkaufspreises!). WTF! Die dürfen den Preis beliebig hochtreiben, müssen mich aber nicht beteiligen?
  • Die Preisempfehlung muss in Deutschland mindestens 1,99 € betragen. Trotzdem darf das Buch bei keinem anderen Anbieter billiger zu haben sein (Verstoß gegen die Buchpreisbindung).

Beim letzten Punkt war ich endgültig raus. Anders als im anglo-amerikanischen Sprachraum existiert in Deutschland noch keine große Nachfrage nach Kurzgeschichten, Novellen und Erzählungen (auch wenn ich da im eBook-Sektor eine Marktlücke sehe, in der ich mich mit dem Codex Aureus breit machen will). Dementsprechend gering ist der Preis, den man dafür zur Zeit nehmen kann. 1,99 € sind vollkommen utopisch.

Daher kann ich nur sagen: Liebe Leser, es tut mir leid. Ich hätte gewollt. Rakuten/Kobo leider nicht.


P.S.: Wie ich eben über Twitter erfahren habe, können Kobo Reader aber die ePubs von Tolino lesen, so lange keine DRM (ein von Adobe entwickelter Kopierschutz) drauf ist. Auf den verzichte ich seit je her.
Wer an meinen Geschichten interessiert ist, kann sich die daher problemlos bei einem der Tolino-Händler runterladen. Einfach den Kobo anhängen, Geschichte runterladen, lesen. Ich hoffe, mit Genuss!

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3 Kommentare zu „Wie man sich ins Knie schießt

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