Der Teufel und der Farn

Mittelalterliche Teufelsaustreibung

paris-1233618_640Man stelle sich vor: Eine Frau wird geknebelt und ans Bett gefesselt. Anschließend schlagen ihre Verwandten über Stunden auf sie ein, um ihr den Teufel auszutreiben, bis sie am Ende erstickt.
Mittelalterlich? Nein, so geschehen im Dezember 2015 in einem Hotelzimmer in Frankfurt am Main.

Hildegard von Bingen rät zu Farn

Im Mittelalter war es offenbar leichter, sich den Teufel vom Leib zu halten. Da reichte Farn. Über ihn schreibt Hildegard von Bingen in ihrer Physica:

Der Farn ist sehr warm und trocken und hat etwas Saft in sich. Aber er enthält viel Kraft, und zwar solche Kraft, dass der Teufel ihn meidet. […]den Menschen, der ihn [den Farn] bei sich trägt, meiden Magie und Zaubereien der Dämonen sowie teuflische Worte und andere Trugbilder.

Interessant ist dabei, dass man den Farn nur bei sich zu tragen braucht, um geschützt zu sein. Wenn der Teufel oder Dämon schon eingedrungen ist, hilft Farnsaft, ihn wieder auszutreiben. Ihn

flieht alles Üble und Magische.

Offenbar waren die Dämonen im Mittelalter kooperativer, als in späteren Zeiten. Bei Hildegard erscheinen sie jedenfalls nicht als elementare Bedrohung, der man mit Weihwasser, Priester und brutaler Gewalt begegnen muss, sondern eher als ein lästiges Übel, das man bei Beachtung der üblichen Vorsichtsmaßnahmen aber ganz gut in den Griff bekommt. Farn im Haus zu haben, ist eine davon, die außerdem den Vorteil hat, dass praktisch jeder sie sich leisten konnte.

Ich finde solche Details immer sehr spannend und benutze sie gerne. Nicht nur in den historischen, sondern auch in phantastischen Geschichten – selbst wenn das Ergebnis der gängigen Vorstellung widerspricht, wie sich ein Dämon zu benehmen oder ein Exorzismus auszusehen hat. Aber ich habe den Eindruck, dass phantastische Geschichten dadurch mehr „Tiefe“ und in gewisser Weise auch mehr Glaubwürdigkeit bekommen.

Jetzt bin ich gespannt: Sind solche Recherchen überflüssiger Hokuspokus, wenn man Fantasy schreibt? Verwirren sie vielleicht sogar und ist es deshalb besser, sich auf den „Common sense“ oder auf seine eigenen Vorstellungen stützen?

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7 Kommentare zu „Der Teufel und der Farn

  1. Gerade solche Details geben einer Geschichte Tiefe. Wobei man natürlich drauf achten muss, dass sie zur Welt passen 🙂 (In der Wüste schauts mit Farn düster aus.)
    Ich mag aber gerade solchen „Alltags-Aberglauben“: Schutzanhänger, Gesten, Vermeiden von z.B. Kreuzungen zu Vollmond – all das verrät viel über Kultur und Alltag.

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  2. Ich finde, dass solche Details das Salz in der Suppe sind. Ob sie sich aus der „realen Mythologie“ ableiten lassen, oder ob sie für die Phantasie erdacht wurden, wäre mir dabei beinahe egal. Wobei die abgeleiteten Dinge schon den Tick cooler sind! 🙂

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    1. Danke für deinen Kommentar!
      Mir ist im Grunde auch egal, ob gut ausgedacht oder irgendwo abgeleitet. Wobei ich den Eindruck habe, dass man beim „selber ausdenken“ unbewusst auf das zurückgreift, was man von anderen Autoren kennt. Man „weiß“ z. B., dass man einen Kreis und ein Pentagramm zeichnen und ganz viele Kerzen aufstellen muss, um Dämonen zu beschwören. Da ist die Gefahr recht hoch, abgedroschen zu klingen.
      Ich glaube, es kann nur origineller werden, wenn man sich auch woanders umguckt und dann auch mal auf diese abgeleiteten Sachen zurückgreift. Was meinst du?

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      1. Auf jeden Fall! Wobei es ja gerade auch Spaß machen kann, mit den abgedroschenen Klischees zu spielen, sie zu brechen und anders als gedacht wieder aufzunehmen. Sonst würden sich manche dieser Elemente ja nicht schon gefühlte Ewigkeiten halten können.

        Das „selber ausdenken“ ist so eine Sache. Natürlich haben wir alle unsere Einflüsse. Aber wir haben auch alle unsere Individualität! Gib jedem von uns zwanzig Stichwörter, die in der angegebenen Reihenfolge in einer zu schreibenden Geschichte stehen sollen. Es kommen am Ende trotzdem vollkommen unterschiedliche Texte dabei heraus.

        Und das ist auch gut so, sonst müssten wir ja befürchten, dass irgendwann einmal alle Geschichten erzählt worden sind!

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