Recherche – Warum im Netz nicht alles in Butter ist

Mein Großer hat in Geschichte gerade das europäische Mittelalter. Dabei sollten sie in Teamarbeit die Herkunft verschiedener Sprichwörter herausfinden und als Kurzreferat der Klasse vortragen. Finde ich grundsätzlich eine tolle Sache, da es Neugier, Teamarbeit, Recherchefähigkeiten und noch ein paar andere Dinge mehr fördert, die in meinen Augen deutlich wichtiger sind, als die Frage, ob der Gang nach Canossa nun 1076/77 oder 1078/79 angetreten wurde. Aber als der Große mir dann erzählte, was in den Referaten vorgetragen wurde – und wie die Recherche ablief, musste ich doch schlucken.
Nein, das hier wird kein Rant gegen Lehrer, keine Sorge. Es ist nur ein Appell, nicht unbesehen alles zu glauben, was irgendwo geschrieben steht. Auf der Referatsliste stand nämlich auch der Klassiker: Alles in Butter.
butter-1449453_640Die Kinder haben das gegoogelt und fanden einen Haufen Seiten, auf denen behauptet wird, die Bezeichnung stamme aus dem Mittelalter, damals hätten (venezianische) Fernhändler ihre wertvollen Gläser mit heißer Butter übergossen, damit sie auf dem Transport nicht kaputt gingen. Eine sehr populäre Behauptung, die laut Wikipedia nicht nur im Duden steht. Ich habe sie auch schon bei einer Führung durchs Museum der Kaiserpfalz Paderborn gehört. Dort war es aber angeblich der Hofstaat Karls des Großen, der sein zerbrechliches Geschirr auf diese Weise schützte. Nun ja.

Muss was dran zu sein, wenn so viele das behaupten

Oder auch nicht. Der Nachteil an Informationen aus dem Internet ist, dass sie zwar schnell verfügbar und mit copy und past genauso schnell reproduzierbar sind. Das bedeutet leider auch, dass die Quelle oft genug nicht kritisch hinterfragt wird. Und wenn dann noch eine nette Geschichte dazu kommt, wird auch eine Falschbehauptung schnell viral.
Ich fürchte, dass bei der Butter genau das passiert ist. Die Geschichte von den Händlern (oder dem Hofstaat) ist eine hübsche Anekdote, die uns „Wissenden“ bestätigt, dass die Leute im Mittellalter alle ein bisschen komisch waren.
Aber wenn ein Mensch aus dem Mittelalter per Zeitreise zu uns versetzt würde, würde er über diese Geschichte vermutlich herzlich lachen. Und darüber, dass wir so dumm sind, sowas zu glauben.

Sapere aude!

quote-791953_640Recherche heißt auch, Behauptungen nicht einfach zu glauben, sondern den Mut zu haben, sich seines eigenen Verstands zu bedienen, auch wenn das bedeutet, dass man zu ganz anderen Ergebnissen kommt, als die Mehrheit.
Um bei der Butter zu bleiben, könnte man sich z. B. fragen, wieso diese angeblich so bruchsichere Verpackung in Vergessenheit geraten konnte. Man könnte auch fragen, warum jemand ausgerechnet in einer Zeit, in der alle naslang irgendwo Hungersnot herrschte, auf die Idee kam, ein teures Lebensmittel als Verpackungsmaterial zu benutzen. Man könnte auch die Frage aufwerfen, wie viel zusätzliches Gewicht es bedeutet, eine Transportverpackung zusätzlich mit Butter auszugießen und wie die Lasttiere mit dem zusätzlichen Gewicht zurechtkommen sollten (der 40-Tonner war genauso wenig erfunden, wie die Autobahn). Als Hausfrau könnte man aber auch mit der ganz pragmatischen Überlegung beginnen, wie man die Gläser anschließend aus der Transportverpackung heraus und wieder sauber bekommt – schließlich kann man ein Fass oder eine Truhe schlecht über ein Feuer hängen, um das Fett zu verflüssigen. Mehr in den Bereich der angewandten Physik geht die Erwägung, wie gut die Dämpfungseigenschaften von Butter tatsächlich sind – immerhin wird sie schon bei Zimmertemperatur weich und im Sommer werden noch ganz andere Temperaturen erreicht.
Das ist jetzt natürlich alles kein Argument, dass es nicht doch so gewesen ist. Schließlich haben Menschen zu allen Zeiten allen möglichen Blödsinn angestellt.
Andererseits: Die waren ja auch nicht blöd, damals. Auch damals hätte man bevorzugt zu einem leichten, billigen Verpackungsmaterial gegriffen, das sich problemlos entfernen lässt. Stroh zum Beispiel. In meinem Mittelalterverein polstern wir unsere Geschirrtruhen damit aus. Oder Bast, der noch heute bei Chianti-Flaschen verwendet wird.

Und wie war es dann?

Das ist die unangenehme Nebenwirkung, wenn man Fragen stellt: Manchmal ist die einzige Antwort, dass man die Frage nicht beantworten kann. Meine Theorie ist, dass der Satz „alles in (schönster) Butter“ ähnlich wie „Butter bei die Fische geben“ aus der Küche kommt.
Der Satz könnte sich ursprünglich auf die Qualität (und den Geschmack) eines Essens bezogen haben, das nicht mit billiger Margarine oder anderen Ersatzfetten, sondern eben mit Butter gekocht wurde. Da Margarine erst unter Napoleon (als billiger Butter-Ersatzstoff für das Heer) erfunden wurde, wären wir damit nicht mehr im Mittelalter. Aber wenn man sich anguckt, was alles in dieser ersten Margarine drin war, ergibt es immer noch eine gute Geschichte.
Wenn man die Herkunft unbedingt im Mittelalter verorten will, würde sich als Deutung eher anbieten, dass dieser Satz das Ende der Fastenzeit markiert, während der nicht nur Fleisch, sondern auch Butter verboten. Wenn also wieder „alles in Butter“ ist, könnte das im übertragenen Sinne heißen, dass man endlich wieder richtig schlemmen darf.
Natürlich weiß ich es nicht. Ich war nicht dabei. Aber beide Erklärungen scheinen mir wesentlich logischer als die doch recht weit hergeholte (wenn auch hübsche) Geschichte vom Händler mit seinen Glaswaren.

Warum ich das loswerden musste

seagull-601287_640Als Autor weiß man, wie wichtig es ist, Klischees zu vermeiden. Die meisten von uns entwickeln im Laufe der Zeit einen inneren Klischeesensor, der sofort Alarm schlägt, wenn Charaktere oder Situationen, ins klischeehafte abzurutschen drohen.
Bei der Recherche fehlt so ein Sensor oft. Als geübte Lügner sind wir daran gewöhnt, Wissen zu simulieren und über Dinge zu schreiben, von denen wir im Grunde keine Ahnung haben. Hauptsache, der Leser nimmt es uns ab. Bei der Wiedergabe von Fakten ist es deshalb so wichtiger, Informationen nicht einfach zu übernehmen, sondern möglichst mehrere Quellen zu vergleichen und kritisch zu hinterfragen. Viele Leser nehmen sachliche Fehler sehr übel. Nun kann man Fehler zwar nie ganz vermeiden – aber man sollte sein Bestes tun, ihre Quote so gering wie möglich zu halten.

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Fantasy – Nichts als Eskapismus?

Vor einiger Zeit gestand eine Bekannte auf Twitter, sie schreibe zwar gerne Fantasy, wolle aber auch mal über relevante Themen schreiben. Der Satz, bzw. die darin implizierte Behauptung, Fantasy eigne sich nicht, um über wichtige Themen zu schreiben, lässt mich seitdem nicht mehr los.

Wenn man sich aktuell auf dem Buchmarkt umsieht, kann man diesen Eindruck bekommen, zumal das Meiste für Jugendliche geschrieben wurde. Da verwundert es nicht, wenn das Erwachsenwerden und Herz-Schmerz die Hauptthemen sind, auch wenn sie mit phantastischen Elementen verbrämt werden.

Aber muss das so sein?
Ich meine nicht. Ich glaube, dass sich in jedem Genre auch gesellschaftlich relevante Themen unterbringen lassen. Also auch in der Fantasy – ganz unabhängig davon, welche Geschichte erzählt wird. In „Harry Potter“ sind verschiedene Hautfarben zwar kein Problem, nichts desto trotz sind die Bestrebungen von Lord Voldemort und seiner Death Eaters um ein Reich reinblütiger Zauberer unverholener Rassismus mit faschistischen Zügen. Harrys Kampf gegen Voldemort ist daher auch ein Kampf für eine freie, „multikulturelle“ Gesellschaft – auch wenn es vordergründig um ganz andere Themen geht. Wesentlich vordergründiger ist Michael Endes Konsumkritik in „Momo“, auch wenn er sie als Auflehnung gegen die grauen Herren tarnt. Sogar im Kinderbuchbereich gibt es Beispiele: „Die Brüder Löwenherz“ von Astrid Lindgren behandelt den bevorstehenden Tod und der Angst vor dem Sterben. Das Gleiche gilt für den letzten Band der Narnia Reihe.

Für mich sind das alles Beispiele wichtiger bzw. gesellschaftlich relevanter Themen. Und wenn das im Kinder- und Jugendbuchbereich möglich ist, wieso dann nicht auch in der „erwachsenen“ Fantasy?


Nachtrag:

version1-2-thumpAuch „Steppenbrand“ ist politisch und kann als Parabel auf die aktuellen politischen Entwicklungen gelesen werden, obwohl es lange vorher entstand.
Die Erzählung gibt es als eBook für alle Lesegeräte, sowie als Print.

 

 

Der Kinobesuch der alten Dame

Beitrag zur 4. Clue Writing Challenge

Wie das dann immer so ist: Da dachte ich, mal eben eine nette kleine Kurzgeschichte aus dem Ärmel zu schütteln – aber denkste! Geschrieben war sie ja schnell, nur leider, leider trotz allem zu lang. Also habe ich die letzten Tage Seitenstränge rausgerupft, Adjektive gejätet, Lieblinge über die Klinge springen lassen und jeden Satz gelöscht, der nicht unbedingt notwendig war. Jetzt habe ich das Gefühl, dass nur noch ein Skelett übrig geblieben ist, durch dessen kahle Knochen der Wind pfeift. Dafür hält sich die Geschichte so gerade eben im vorgegebenen Rahmen. Und wer weiß, vielleicht kommt die Langversion irgendwann zusammen mit einer anderen Geschichte, die für eine eigenständige Veröffentlichung zu kurz ist, in den Codex Aureus.
Genug geschwafelt. Ich hoffe, sie gefällt euch trotzdem.

Der Kinobesuch der alten Dame

Sie war die Älteste, ein Fremdkörper zwischen den hippen, jungen Dingern, die der Film anlockte. Es waren nicht mehr viele. Vermutlich wurde er bald abgesetzt. Zu ärgerlich, auch wenn sie ihn nicht mochte. Beim ersten Mal war sie noch amüsiert über die naive Vorstellung von Dämonen. Inzwischen fand sie ihn nur noch entsetzlich schmalzig. Dennoch: er zog Mädchen im richtigen Alter an. Noch dazu allein, ohne ihre Freunde. Nicht, dass sie etwas gegen Männer hatte; sie mochte sie sogar recht gerne. Aber im Moment war sie auf Mädchen aus und das Kino ihr aussichtsreichstes Jagdrevier. Die einzige Alternative waren Fitness-Studios, und wenn sie etwas noch mehr abstieß, als schmalzige Mystery-Filme, dann es Fitness-Studios. Erst recht mit diesem Körper. Nicht, dass sie ihn nicht mochte. Aber die Energie, die sie daraus zog, hatte ihn vorzeitig altern lassen. Höchste Zeit, etwas Neues zu finden.

In der Schlange vor dem Popcornstand wartete eine Blondine. Das helle Haar bildete einen hübschen Kontrast zu ihrem schwarzen Corsagentop und dem Tüllrock. Die vielleicht?
Die alte Dame stellte sich in der Parallelschlange an. Hörte, wie Blondie Käsenachos und eine große Cola bestellte und verzog das Gesicht. Was für eine Stimme! Misstönend, wie nasse Kreide auf einer Schiefertafel. Aber möglicherweise musste sie Kompromisse eingehen.
Das Mädchen zahlte und drehte sich um. Die alte Dame hätte vor Enttäuschung beinahe gefaucht. Blondie trug eine Brille, die ihre Augen auf Tischtennisballgröße anschwellen ließ. Ohne war sie vermutlich auf Geruch und Gehör angewiesen. Das war inakzeptabel!
Die Schlange rückte vor. Die alte Dame bestellte Popcorn und Cola, obwohl sie beides verabscheute. Während der Vorstellung würde sie das Zeug unter den Sitz stellen und vergessen. Bis dahin war es Tarnung.

Ein lilahaariger Gnom mit Vollmondgesicht zupfte sie am Arm.
„Hi! Sind Sie auch wieder hier!“, sprudelte der Vollmond. „Super Film, oder?“
Sie zwang sich, zu lächeln. „Ja, sehr romantisch“, entgegnete sie. Das war die Kehrseite ihres Charmes: Jeder fühlte sich zu ihr hingezogen. Nicht nur Männer. Männer in letzter Zeit sogar bedauerlich wenig. Dafür so dumme Dinger, wie das plumpe Geschöpf, das sie immer noch anstrahlte.
„Sagen Sie doch Anni zu mir! Ich bin nicht so förmlich. Und das hier ist übrigens Dierdra.“ Sie schob ein zweites Mädchen vor.
Dierdra lächelte halbherzig und zuckte mit den Schultern. Unter ihrer unförmigen Strickjacke war die Bewegung kaum sichtbar.
„Ich musste Dierdra echt überreden. Sie steht nicht auf solche Filme, hat sie gesagt. Aber der ist anders, richtig gut, hab ich gesagt. Der ist so gut, dass sogar diese alte Lady immer wieder kommt.“ Sie blickte die alte Dame treuherzig an. „Sie haben doch nichts dagegen, dass ich von Ihnen erzählt habe, oder? Na, jedenfalls hat’s gewirkt und sie hat gemeint, dass sie sich das mal anguckt.“
Dann wandte sie sich Dierdra zu und versicherte, dass sie ihre Entscheidung bestimmt nicht bereuen werde, weil der Film so toll, der Hauptdarsteller supersüß und alles überhaupt supercool sei. Dierdra wirkte, als sei ihr alles entsetzlich peinlich. Sie hatte die Hände in den Taschen der Strickjacke vergraben, als wolle sie sich darin verkriechen. Trotzdem war sie bezaubernd. Ihre Aufmachung war natürlich ein absolutes No-go, wie man heutzutage sagte, aber das Mädchen verfügte über Potential: Haut wie Sahne. Rabenschwarzes Haar, blaue Augen, Schmollmund. Sie war die Richtige. Endlich!

„Wenn wir schon beim Du sind – ich bin Asta“, sagte die alte Dame freundlich. „Ihr seid Freundinnen?“
Wieder war Anni war schneller. „Wir studieren zusammen. Sinologie. Dierdra ist neu und ich dachte, ich nehme sie ein bisschen unter die Fittiche“
Wie um ihre Aussage zu unterstreichen, legte sie den Arm um Dierdras Taille. Dierdra versteifte sich kaum merklich, sagte aber nichts.
Asta war entzückt. Nun musste sie nur noch den Platz neben dem Mädchen bekommen. „Wo sitzt ihr denn, wenn ich fragen darf?“, fragte sie mit dem leisen Lachen, das wie eine charmante Art der Entschuldigung klang.
„Warum?“
„Ich dachte, es wäre nett, zusammen zu sitzen.“
Wie erwartet, war Anni begeistert, nestelte ihre Karte aus der Tasche und las die Nummern ab. Dierdra fragte skeptisch: „Und wenn der Sitz schon vergeben ist?“
„Oh, ich hoffe doch nicht!“, rief Asta in gespieltem Entsetzen. „Das Kino ist ja nicht einmal halbvoll.“ Dann senkte sie ihre Stimme und setzte verschwörerischen zwinkernd hinzu: „Notfalls flunkere ich ein bisschen und behaupte, dass ich Annis Tante bin und furchtbar gerne neben meiner Lieblingsnichte sitzen würde – was meint ihr?“

Am Ende saß sie aber doch neben Dierdra. Auf dem Platz neben Annis klebte ein Kaugummi. Kein echter, aber eine täuschend echte Illusion. Anni quietschte angeekelt, als Asta darauf deutete und Dierdra zog die Brauen zusammen.
Asta stellte die Colaflasche in den Halter und machte es sich mit dem Popcorn auf dem Schoß bequem. Wie gut, dass sie es gekauft hatte!

Kurz darauf begannen die Mädchen zu tuscheln. Die Dämonin spitzte die Ohren.
„Warte ab“, hörte sie Anni sagen. „Sie haben sich ja gerade erst kennen gelernt.“
„Aber was findet sie an ihm? Er sieht gut aus, aber …“
„Ja, heiß, nicht? Und an ihm ist schon mehr dran. Wirst schon sehen!“
Die Dämonin schielte zu Dierdra. Die unförmige Strickjacke lag zusammengeknäult auf ihrem Schoß. Die nackten Arme schimmerten weiß, bis auf eine dünne Ranke, die sich um den Oberarm wand. Eine Tätowierung, wie hübsch! Asta widerstand der Versuchung, die Hand auszustrecken, um die Umrisse mit dem Finger nachfahren. Aber wenn sie den Arm auf die Sitzlehne legte, würde sie vielleicht Dierdras Haut berühren. Ganz zart nur. Wie zufällig.
Lächelnd ließ sie den Arm auf das Polster sinken. Aber außer Dierdras Wärme war da noch etwas höchst beunruhigendes: Eine magische Aura! Ein Schutzzauber! Woher kam das? Dierdra war eine Langnase, zu rational, um an Zauber zu glauben. Es musste eine andere Erklärung geben. Irgendein altes Schmuckstück vielleicht. Etwas, das man trug, weil es schön war, ohne von seiner Wirkung zu wissen.
Vorsichtig, um nichts aufzuschrecken, falls doch mehr dahinter steckte, sandte die Dämonin ihre Magie aus. Der Zauber war alt. Er ging vom Hals des Mädchens aus. Die Dämonin spürte Metall, einen Hohlraum und einen Stein darin. Ein Medaillon. Der Stein war die Quelle. Sie tastete danach; bereit, sich jederzeit zurückzuziehen, falls die Magie des Steins zurückschlagen sollte. Nichts. Nur latente Magie. Vermutlich ahnte Dierdra nicht einmal, was sie da trug. Die alte Dame entspannte sich.
Alles würde gut gehen. Sie musste sich nur gedulden, bis die Liebenden glaubten, dem Unheil entkommen zu sein und sich das erste Mal küssten. Natürlich irrten sie. Der Held hatte die Zutaten für das Siegel falsch angemischt und Dämon war keineswegs in der Flasche gefangen. Die Zuschauer wussten, dass er entkommen und sich grausam rächen würde. So hielt das ganze Kino den Atem an, als der Schatten an der Wand hinter den Liebenden in die Höhe wuchs und keuchte, als er sich auf das Paar warf. Die Heldin kreischte. Die alte Dame stieß einen spitzen Schrei aus und warf in einer Abwehrbewegung ihr Popcorn um. In weiten Halbkreis flogen die Körner durch die Luft. Die meisten prallten von den vorderen Sitzreihen ab. Aber etliche trafen Dierdra.
„Oh, entschuldige meine Liebe!“, hauchte Asta in gespieltem Entsetzen. Sie versicherte sich kurz, dass Anni immer noch vom Geschehen auf der Leinwand gebannt war, wo Held und Heldin um ihr Leben rannten.„Was für ein Schlamassel! Lass mich dir helfen.“

Als ihre kalten Finger Dierdras Haut berührten, erwachte das Tattoo auf deren Oberarm zum Leben. Ranken schossen heraus, wickelten sich um Brust und Arme der alten Frau und fesselten sie an ihren Sitz. Dierdra beugte sich vor und schob ihr etwas kaltes in den Mund, das wuchs, bis Asta glaubte, zu ersticken. Was geschah hier?
„Ruhig Dämon“, flüsterte Dierdra.
Asta riss die Augen auf. Wie konnte sie das wissen?

Seelenruhig zog das Mädchen eine Dose aus seiner Handtasche, tauchte den Finger hinein und tupfte das Zeug auf die Stirn der alten Frau. Es stank und brannte entsetzlich. Die Dämonin warf sich gegen die Fesseln, versuchte den Kopf zu drehen oder wenigstens das kalte Ding in ihrem Mund auszuspucken. Vergeblich.
„Meine Vorstellung war nicht ganz vollständig“, erklärte Dierdra im Plauderton, während sie die Mixtur auf Astas Gesicht und Hals verteilte. „Mein vollständiger Name ist Dierdra O’Really. Meine Familie waren im 18. Jahrhundert recht bekannte Dämonenjäger. Inzwischen sind wir überwiegend im Sicherheitssektor tätig. Aber unser ursprüngliches Gewerbe haben wir nie ganz aufgegeben, auch wenn es längst nicht mehr so gut bezahlt wird. Wer glaubt heute schon noch an Dämonen?“
Sie lachte leise, wurde aber sofort wieder ernst. „Ich muss nicht daran glauben – ich weiß, dass ihr existiert. Der eigentliche Witz ist, dass ich das Studium nur angefangen habe, um mein Wissen über chinesische Dämonen zu vertiefen. Und dann schwärmt eine Kommilitonin von diesem Schmachtfetzen und der süßen alten Dame, die keine Vorstellung verpasst. Das kam mir verdächtig vor, also bin ich mitgegangen. Und was finde ich?“ Sie legte den Kopf schief, als erwarte sie eine Antwort.
Der Dämon wollte das schöne Gesicht zerkratzen, ihr die Haare ausreißen – aber die Ranken hielten. Ihre Gegnerin lächelte. „Vergiss es, Füchschen. Das bist du doch, oder? Eine Fuchsfee.“

Dierdra nahm einen neuen Batzen Creme und verteilte ihn auf den Armen der alten Frau. Die Salbe brannte tief unter der Haut. Die Fuchsfee winselte. Sie musste raus aus diesem Körper, bevor das Hexenzeug noch tiefer drang und ihr eigentliches Ich erreichte.

„Gleich darfst du raus. Nur einen Moment Geduld“, versprach das Mädchen, griff nach der Colaflasche. Das kalte Ding flutschte aus Astas Mund. Dafür spürte sie den Flaschenhals an den Zähnen. Dierdra flüsterte lockend ihren Namen: „Hǔlijīng! Komm heraus, Füchschen; komm heraus, Hǔlijīng!
Die Dämonin begriff. Das war kein einfacher Exorzismus! Verzweifelt versuchte sie, sich im Körper der alten Frau festzukrallen und presste Zähne und Lippen aufeinander. Zu spät.
Noch einmal lockte Dierdra: „Komm heraus, Füchschen, komm heraus, Hǔlijīng!“, und da konnte sie sich nicht länger festhalten, fuhr heraus und landete in der süßen, braunen Brühe.
Angewidert sauste die Fuchsfee empor – und knallte gegen ein mit aller Meisterschaft und der Erfahrung aus über 300 Jahren gefertigtes Bleisiegel. Gedämpft hörte sie Dierdra sagen: „Anni? Ich glaube, die Aufregung war zu viel für die alte Dame. Wir sollten einen Krankenwagen rufen.“

Steppenbrand (Leseprobe)

Wenn Baranu no’Sonak geahnt hätte, welches Leid das dritte Kind seiner Frau Nourja über die Stämme der Khon bringen würde, hätte er den Jungen nach der Geburt in die Steppe hinausgetragen. Weit entfernt vom Lager hätte er das Neugeborene auf einen Stein gelegt und sein Schicksal der Sonne, den Zähnen der Schakale und den Schnäbeln der Geier überlassen. Niemand, nicht einmal Nourja no’Arhan hätte sein Verhalten missbilligt. Im Gegenteil: Obwohl geschwächt von der Geburt, hätte sie das Kind eigenhändig erstickt, wenn ihr Mann nicht getan hätte, was getan werden musste.
Aber niemand sah das kommende Unheil. Ein Grund mochte sein, dass die Geburt schwer gewesen war und sich so lange hinzog, dass man um das Leben von Mutter und Kind bangte. Um so größer war daher die Freude, als beide sie heil überstanden. Die Freude steigerte sich noch, als offenbar wurde, dass der kräftige Knabe eine Glückshaube trug; und als er die Welt begrüßte, stimmten die Frauen um Nourjas Bett mit Freudentrillern in sein Schreien ein.
Als bestes Omen galt jedoch, dass der Junge genau zu Beginn der Regenzeit geboren wurde.

Der Regen hatte gleichzeitig mit den Wehen eingesetzt. Er begann als leichtes Tröpfeln, nahm beim ersten Schrei Nourjas zu und steigerte sich mit den stärker werdenden Wehen. Er löschte die Schutzfeuer und trieb die Sonakari in die Zelte. Dunkelheit fraß die Sonne; der Mittag wurde Nacht. Blitze zuckten wie Arhanvipern über den Himmel und von den Hügeln dröhnte der Donner, als käme von dort eine Armee gezogen.
»Hütet euch! Das sind die Bronzetrommeln der goldenen Reiter«, tuschelten die Alten.
Entsetztes Schweigen war die Antwort. Jeder kannte Legenden über die Reiter. Doch man hütete sich, sie im Dunklen zu erzählen. Es hieß, sie seien die Geister gefallener Feinde; gestorben in jenem Krieg, in dem die Khon die Weiten des Grasmeers eroberten. Die Gebeine der Helden, die in diesem Krieg gekämpft hatten, waren längst zerfallen, sie selber zurückgekehrt in den Kreis des Lebens. Anders die Seelen der goldenen Reiter: Sie fanden keinen Frieden. Über die Ursache gab es viele Mutmaßungen, aber alle Geschichten stimmten darin überein, dass sie Dhalori waren. Unheilbringer.
Daher griff der Geistseher nach seiner Trommel und stimmte einen Gesang an, der beruhigen und das Böse bannen sollte. Trotzdem tasteten die Sonakari nach ihren Waffen. Sie alle lauschten in den Sturm hinaus, der mit Regenpeitschen auf die aus Ziegenhaaren gewebten Zeltbahnen einhieb.
Auch die Frauen, die Nourja no’Arhan beistanden, fürchteten sich. Keine von ihnen, ausgenommen Alizarde, die Älteste, hatte schon einmal so ein Unwetter erlebt. Alizarde bemühte sich, einen klaren Kopf zu behalten, beschäftigte die Jüngeren mit sinnlosen Aufträgen und sprach allen Mut zu.
»Das ist ein gutes Zeichen, ein sehr gutes«, versicherte sie immer wieder. »Dieses Kind ist gesegnet. Merkt euch meine Worte.« Doch auch sie schielte ein ums andere Mal verstohlen zur Zeltdecke und betete stumm um ein rasches Ende dieses Segens.
Endlich bäumte sich Nourja in einer letzten Anstrengung auf. Der Schrei, den sie dabei ausstieß, glich dem einer Löwin und übertönte sogar den Donner. Im nächsten Augenblick flutschte der Junge in Alizardes Arme.
»Wie ein Fisch«, erzählte die später dem Geistseher. »Wie ein Dharuk kam er herausgeschossen. Ich konnte ihn gerade noch auffangen.«
Mit dem ersten Schrei des Neugeborenen legte sich das Unwetter, als habe er es vertrieben. Die Arhanschlangen zogen sich hinter die Hügel zurück. Die Bronzetrommeln verloren sich in der Ferne. Der Regen ließ nach, wurde zu Niesel und hörte auf. Die Sonne fraß die letzten Wolken. Als der Junge gewaschen und in ein neu gewebtes Tuch gehüllt, aus dem Zelt getragen wurde, glitzerten die Pfützen golden.

»Die Zeichen verheißen Wohlstand, Schlachtenglück und ein langes Leben«, verkündete der Geistseher, nachdem er das Neugeborene lange betrachtet und über die Umstände seiner Geburt meditiert hatte. »Dieses Kind ist im Zeichen des Wassers geboren. Nicht des gebundenen Wassers, sondern des fallenden. Welcher Name wäre angemessener, als Dejasir?«
Das war ein in guter Name, den jeder mit Stolz tragen konnte. In der Sprache der Khon bedeutete er »starker Regen«. So ein Regen füllte die Flüsse und Wasserlöcher, ließ das Gras sprießen und machte die Herden fett. Daher bedeutete »starker Regen« im übertragenen Sinne auch »Reichtum.«
Entsprechend stolz trug Baranu no’Sonak seinen Jüngsten durch das Lager. Vor jedem Zelt blieb er stehen, um ihn zu vorzeigen. »Er heißt Dejasir und der Geisterseher hat ihm Wohlstand und ein langes Leben vorhergesagt!«
Die Vorhersage sollte sich erfüllen. Allerdings nicht in der Weise, wie alle glaubten.

Dejasir wuchs auf, wie alle anderen Kinder der Khon. Nachdem er Nourjas Tragetuch entwachsen war, wechselte er auf die Packlast eines Esels, bis seine Beine lang genug für den Pferdesattel waren. Er überstand die üblichen Krankheiten, tobte mit den Kindern seines Alters durch das Lager und brach sich beim Versuch, eines der Jungpferde zu reiten, den linken Arm. Mit fünf Jahren erhielt er ein scharfes Messer und mit sieben sein erstes Fohlen, das er unter der Anleitung seines Vaters ausbildete, bis es ihm folgte, wie ein treuer Hund. Gleichzeitig begann Baranu no’Sonak, ihn an den Waffen auszubilden. Dejasir lernte rasch. Was ihm an Größe und Reichweite fehlte, machte er durch Ehrgeiz und Schnelligkeit wett. Später behaupteten manche, hier hätte er erstmals die Anlagen gezeigt, die so verhängnisvoll für die Khon werden sollten. »Ein Teufel, wenn es ums Fechten ging«, erzählten sie. »Kaum ein Jahr und er besiegt seine Schwester im Schwertkampf. Hat ihr fast das Ohr abgeschnitten. Es war ein Omen! Baranu und Nourja hätten es erkennen müssen.«
Aber Baranu und Nourja maßen sie dem Vorfall keine Bedeutung bei. Sie wussten, dass ihre Tochter Simhadija die Nadel geschickter schwang als ihr Schwert. Und auch Simhadija tat die Angelegenheit mit einem Lächeln ab. So etwas komme eben vor, sagte sie, wenn man sie auf den Verband ansprach. Sie habe nicht aufgepasst. Außerdem sei es nur ein Kratzer.

Dejasirs Kindheit endete, als sein Fohlen eingeritten war. Alle Sonakari sahen zu, wie er den jungen Wallach sattelte und drei Mal um das Lager ritt; zuerst im Schritt, danach im Trab, zuletzt im Galopp. Bei jeder Runde wurde ein Gegenstand auf den Boden gelegt, der für das Erwachsensein stand und den er aufheben musste. Das Erste war eine warme Decke aus bunter Wolle, die ihn nachts warm halten sollte. Als Zweites kamen ein Bogen samt Pfeilköcher. Den Abschluss bildete ein kleiner Bronzekessel als Zeichen, dass er von nun an für sich selber sorgen musste.
Dejasir schnallte die Decke hinter den Sattel, hängte sich Bogen und Köcher über den Rücken und den Kessel an den Sattelknauf. Damit war er ein Loshazaru, ein Hüter. Von nun an, war sein Platz bei den Herden. Er würde sie bewachen, zu den Wasserstellen leiten und vor Raubtieren und anderen Dieben schützen, bis er eine Frau fand, die mit ihm in eines der schwarzen Zelte zog. Aber die Loshazari waren nicht nur Hirten, sondern auch Krieger, die bei Stammesfehden und Auseinandersetzungen mit den Sesshaften in die Schlacht zogen, während die Asjeanari, die verheirateten Khonari, das Lager verteidigten.
Zu Ehren seiner neuen Stellung gab es ein Festessen, bei dem Dejasir das erste Mal Wein trinken durfte. Er mochte den Geschmack nicht und nur der Anstand hielt ihn davon ab, das saure Zeug auf der Stelle auszuspucken. Auch der leichte Schwindel, der ihn bald darauf befiel, war ihm unangenehm. Dafür gefielen ihm die Träume dieser Nacht um so mehr. In ihnen trat er an die Stelle der mythischen Helden, über die die Sänger bei der Feier gesungen hatten. Was er in ihnen erlebt, erschien ihm als Omen, als Vorzeichen großer Taten, die er für seine Familie und den Stamm vollbringen würde.

Das Hochgefühl machte ihm den Abschied von Eltern und Geschwistern leicht. Obwohl er wusste, dass er sie lange nicht wiedersehen würde, jubelte sein Herz. Jetzt war er ein Mann. Frei wie der Wind im Gras, bereit zu großen Taten. Lächelnd schwang er sich in den Sattel und ritt an der Seite seines Bruders Sajazaru in die Steppe hinaus. Den ganzen Tag hielt Dejasir den Blick auf den Horizont gerichtet, wo das Leben lag, das ihn erwartete. Wenn er zurück kam, würde er ein Held sein.
Die erste Nacht im Freien brachte die Ernüchterung. Himmel und Steppe waren beängstigend hoch und weit und die Nacht angefüllt mit unbekannten Geräuschen. Dejasir fehlte das beruhigende Dunkel und die Enge des Zeltes, das vertraute Schnarchen seines Vaters und die warmen Körper der jüngeren Geschwister. Immer wieder zuckte er aus unruhigen Träumen hoch und musste sich vergewissern, Bogen und Dolch in Griffweite zu haben.
Entsprechend müde war er am Morgen. Er bekam kaum mit, was beim gemeinsamen Frühstück gesprochen wurde. Erst, als Arhanadin, eines der älteren Mädchen ihn an der Schulter packte und aufforderte, sein Pferd zu satteln, begriff er, dass es um die Aufteilung der Aufgaben gegangen war.
»Kann ich nicht mit Sajazaru reiten?«, fragte er.
Sie schüttelte den Kopf. »Sajazaru ist bei den Großen.«


version1-2-thumpNeugierig geworden?

Steppenbrand ist überall im Buchhandel bestellbar.
Taschenbuch, BoD, 80 Seiten, 4,99 €
ISBN 978-3-7448-9631-3

Das eBook ist in den Formaten ePub und Mobi erhältlich und damit für alle gängigen Lesegeräte verfügbar.

Kindle Nutzer erhalten Steppenbrand bei Amazon.
Tolino und Kobo-Nutzer können das Buch bei allen Online-Buchhandlungen der Tolino Allianz herunter laden; z. B. bei Hugendubel, der Mayerschen, Osiander und Weltbild.

 

Selfpublishing von eBooks – eine Kurzanleitung

book-730479_640 (1)Als ich mit dem Selfpublishing anfing war das für mich ein Riesenabenteuer. Zugegeben: Aufgeregt bin ich immer noch und als ich kürzlich Steppenbrand hochgeladen habe, war auch die Nervosität wieder da, ob wirklich alles glatt geht. Offenbar geht das nicht nur mir so. Obwohl das Blog noch nicht lange existiert, hat es sich schon ganz gut rumgesprochen und die Artikel zum Thema Selfpublishing gehören zu den meistgeklickten.

Aber wie geht Selfpublishing eigentlich? Das das nicht allgemein bekannt ist, ist mir erst bewusst geworden, als eine Twitterin gestand, sie fände das Prinzip Selfpublishing sehr überzeugend, habe aber noch nicht kapiert, wie das geht.

Selfpublishing

Vorher dachte ich, dass nur ich anfangs zu blöd gewesen sei, zu wissen, wie man das macht. Aber da ich eben offensichtlich doch nicht die Einzige bin, habe ich beschlossen, eine Kurzanleitung zu schreiben, die die grundsätzlichen Abläufen zur Veröffentlichung von eBooks erklärt. Beim Print kenne ich mich nicht aus und bevor ich Quatsch erzähle, lasse ich es lieber.

1. Das Manuskript

Zu allererst braucht man natürlich Inhalte, die man veröffentlichen kann. Das ist beim eBook in der Regel ein Text. Zwar lassen sich grundsätzlich auch Fotos, Comics usw. als eBooks veröffentlichen, aber man sollte sich klar sein, dass die meisten Reader nur Graustufen wiedergeben können und die Auflösung für Texte optimiert ist. Die Wiedergabe von Fotos und Grafiken ist in der Regel nicht sehr schön.

Der Text sollte, unabhängig vom Inhalt mehrfach korrekturgelesen sein. Für schlechte, d. h. redundante, klischeebeladene oder in sich widersprüchliche Texte voller Rechtschreibfehler würde man schließlich auch selber kein Geld ausgeben wollen. Als Autor sollte man daher sein Möglichstes tun, den eigenen Lesern ungetrübten Lesegenuss zu gönnen. Optimal sind ein professionelles Lektorat und Korrektorat – aber das ist auch eine Preisfrage.

Der Text sollte als Block- oder Flattersatz formatiert sein. Die Überschriften als „Überschrift“, der Textkörper als „Standart.“ Um nachher unliebsame Überraschungen zu vermeiden, sollte man eine der gängigen Schriftarten wählen, also z. B. Arial, Times New Roman oder Calibri.
Er muss als Fließtext vorliegen, darf also – von Absätzen abgesehen – keine weiteren Formatierungen enthalten. Also auch keine manuellen Seitenumbrüche und keine Worttrennungen! Insbesondere keine Worttrennungen! Das die nimmt jeder eBook-Reader automatisch je nach Schriftgröße vor. Du kannst dir sicher vorstellen, was passiert, wenn vorher schon eine Silbentrennung durchgeführt wurde.

Was außerdem noch ins Buch gehört habe ich in diesem Artikel schon mal beschrieben.

2. Konvertieren

home-office-336378_640Im nächsten Schritt muss das Manuskript in ein Format gebracht werden, das von einem eBook-Reader gelesen werden kann. PDFs können, so weit ich weiß, von allen Readern wiedergegeben werden, haben den entscheidenden Nachteil, dass sich die Schriftgröße nachher nicht mehr ändern lässt. Besser ist ePub. Das wird auf Tolinos regulär verwendet, lässt sich aber auch bei Amazon (wo es in Mobi übersetzt wird) und allen anderen Anbietern hochladen. Wer nicht über Tolino Media veröffentlichen will und .doc-Formate generieren kann, kann sich den folgenden Teil sparen und gleich zum Cover springen. Allerdings klappt die Umsetzung von .doc nicht immer richtig, man muss sich nach dem Hochladen auf jeden Fall noch einmal auf dem Endgerät ansehen und notfalls per Hand nachjustieren.

Zum Konvertieren braucht man ein Textverarbeitungsprogramm, das in ePub konvertieren kann. Word-User sind hier leider gekniffen, denn Word kann das nicht. Es gibt im Netz aber kostenlose Konverter mit denen sich das erledigen lässt.
Für Open Office, Libre Office und Apache Office gibt es ein Ad-on, das innerhalb von 5 Minuten herunterladen und installieren installiert ist. Danach genügt ein Klick und man hat ein ePub. Selbstverständlich ist das Ad-on (genauso wie die Open-Officeprogramme selbst) kostenlos.
Auch mit Programmen wie Scrivener und Papyrus Autor lassen sich ePubs erzeugen.

Das fertige ePub kann man mit dem Validator von idpf auf Fehler testen. Ich empfehle trotzdem, es vor dem Hochladen noch einmal auf dem Endgerät durchzusehen. Wie sich herausgestellt hat, werden nämlich z.B. Hyperlinks bei der Konvertierung gekappt. Der Validator zeigt aber trotzdem eine korrekte Umwandlung an.
Falls noch Änderungen nötig sind, kann man die Datei anschließend mit Sigil bearbeiten. Auch dieses Programm ist im Netz frei erhältlich. (An dieser Stelle noch einmal vielen Dank an Michaela von Textflash, die mich auf dieses Programm hingewiesen hat. Der Tipp ist unbezahlbar!)

3. Das Cover!

Fast hätte ich es vergessen, aber was ist ein Buch ohne Cover? Auch ein eBook braucht natürlich eins. Das übliche Format ist 1600 x 2200 Pixel, nur Apple hat mit 1400 x 1873 Pixel bzw. 1600 x 2400 Pixel abweichende Anforderungen.

Das Cover sollte eine anständige Auflösung haben und auch als Thumbnail und Graustufen gut aussehen. Wer hier auf Nummer Sicher gehen will, beauftragt einen Cover-Designer. Wer es etwas billiger will, kann sich nach pre-made Covern umsehen, in die nur noch der Name des Autors und der Buchtitel eingefügt werden.

Natürlich kann man es auch selber machen. Aber dann muss man sich bewusst sein, dass es vielleicht kein Geld, aber viel, viel Zeit kostet, ein ansprechendes Cover herzustellen. Wichtig ist dabei, ehrlich zu sich zu sein. Das Cover muss zum Genre passen und außerdem gibt es bestimmte Trends, die man kennen sollte. Trotzdem sollte sich das eigene Cover noch genug von anderen unterscheiden, um wiedererkennbar zu sein.
Wenn man sich selber um die Gestaltung kümmert, muss man auch darauf achten, nur Bilder, Grafiken und Schriftarten zu nutzen, die (auch) zu diesem Zweck freigegeben sind. Sonst drohen Urheberrechtsklagen. Frei nutzbare Bilder gibt es z.B. bei Pixabay.

Teilweise bieten auch die Selfpublishing-Plattformen Cover an. Das, was ich da gesehen habe, ist aber so grottig, dass man besser die Finger davon lässt.

4. Hochladen

road-sign-1280256_640Wenn der Text steht, konvertiert ist und man ein ansprechendes Cover gefunden hat, ist es schon fast geschafft. Jetzt muss das Buch nur noch hochgeladen werden.
Dafür gibt es verschiedene Möglichkeiten. Man kann das Buch direkt bei den einzelnen Distributoren hochladen, also z. B. amazon/KDP, Kobo oder Tolino Media. Oder man geht über einen „Makler“ wie z. B. Neobooks oder bookrix. Beides hat seine Vor- und Nachteile.

Der Vorteil, direkt beim Distributor hochzuladen liegt vor allem bei der höheren Marge. Die „Makler“zahlen nämlich nur 70% vom Nettoerlös aus. Das klingt zunächst mal viel, weil man unwillkürlich an den Verkaufspreis denkt. Tatsächlich ist das gemeint, was nach Abzug der Mehrwertsteuer und der Marge des Distributors (also amazon/KDP, Kobo, Tolino …) übrig bleibt. Dieser Nettoerlös liegt bei einem eBook, das im Verkauf 0,99 € kostet, bei etwas unter 0,30 €. Von diesen 0,30 € behält der „Makler“ noch mal 30%.
Dafür hat man aber auch nur einen Ansprechpartner, muss das Buch nur einmal hochladen und hat oft noch eine Community dabei, die einen im besten Fall unterstützt.

Hat man sich einmal entschieden, muss man bei den Anbietern zuerst ein Nutzerkonto anlegen. Das ist nur bei amazon/KDP nervig, weil die auch noch Angaben nach dem amerikanischen Steuerrecht abfragen. Dort auf jeden Fall ankreuzen, dass man nicht in den USA veranlagt wird! Hilfreich ist, die EC-Karte bereit zu halten, weil man in jedem Fall nach seiner Bankverbindung gefragt wird. Und wer hat schon seine IBAN und die BIC im Kopf?

Das Hochladen selber ist vollkommen unproblematisch. Die Formulare sind selbsterklärend. Einfach machen, was da steht. Wenn Interesse besteht, kann ich aber auch gerne noch darüber bloggen. In dem Fall schreib mir einfach einen Kommentar.

5. Fertig!

youth-570881_640Amazon braucht ein paar Stunden, um ein eBook in die Datenbanken zu laden. Bei der Tolino Allianz wird noch eine kursorische inhaltliche Prüfung vorgenommen. Falls keine Beanstandungen vorliegen, ist das Buch aber auch schon am nächsten Tag bei den meisten der angeschlossenen Händlern gelistet. Bei den „Maklern“ dauert es noch mal ein bisschen länger, weil es von dort erst an die Distributoren geliefert wird, die es wiederum an ihre Händler ausliefern.

Und das war’s auch schon. Danach kann man der Welt stolz verkünden, jetzt sein eigenes eBook veröffentlicht zu haben.

Der Teufel und der Farn

Mittelalterliche Teufelsaustreibung

paris-1233618_640Man stelle sich vor: Eine Frau wird geknebelt und ans Bett gefesselt. Anschließend schlagen ihre Verwandten über Stunden auf sie ein, um ihr den Teufel auszutreiben, bis sie am Ende erstickt.
Mittelalterlich? Nein, so geschehen im Dezember 2015 in einem Hotelzimmer in Frankfurt am Main.

Hildegard von Bingen rät zu Farn

Im Mittelalter war es offenbar leichter, sich den Teufel vom Leib zu halten. Da reichte Farn. Über ihn schreibt Hildegard von Bingen in ihrer Physica:

Der Farn ist sehr warm und trocken und hat etwas Saft in sich. Aber er enthält viel Kraft, und zwar solche Kraft, dass der Teufel ihn meidet. […]den Menschen, der ihn [den Farn] bei sich trägt, meiden Magie und Zaubereien der Dämonen sowie teuflische Worte und andere Trugbilder.

Interessant ist dabei, dass man den Farn nur bei sich zu tragen braucht, um geschützt zu sein. Wenn der Teufel oder Dämon schon eingedrungen ist, hilft Farnsaft, ihn wieder auszutreiben. Ihn

flieht alles Üble und Magische.

Offenbar waren die Dämonen im Mittelalter kooperativer, als in späteren Zeiten. Bei Hildegard erscheinen sie jedenfalls nicht als elementare Bedrohung, der man mit Weihwasser, Priester und brutaler Gewalt begegnen muss, sondern eher als ein lästiges Übel, das man bei Beachtung der üblichen Vorsichtsmaßnahmen aber ganz gut in den Griff bekommt. Farn im Haus zu haben, ist eine davon, die außerdem den Vorteil hat, dass praktisch jeder sie sich leisten konnte.

Ich finde solche Details immer sehr spannend und benutze sie gerne. Nicht nur in den historischen, sondern auch in phantastischen Geschichten – selbst wenn das Ergebnis der gängigen Vorstellung widerspricht, wie sich ein Dämon zu benehmen oder ein Exorzismus auszusehen hat. Aber ich habe den Eindruck, dass phantastische Geschichten dadurch mehr „Tiefe“ und in gewisser Weise auch mehr Glaubwürdigkeit bekommen.

Jetzt bin ich gespannt: Sind solche Recherchen überflüssiger Hokuspokus, wenn man Fantasy schreibt? Verwirren sie vielleicht sogar und ist es deshalb besser, sich auf den „Common sense“ oder auf seine eigenen Vorstellungen stützen?

Verlag oder Selfpublishing?

Welcher ist euer Weg und wieso?

Um diese Autorenfrage von Jill Noll entspann sich letzte Woche eine spannende Diskussion auf Twitter. Die grundsätzlichen Pros und Contras sind bekannt und waren entsprechend schnell zusammengetragen. Fast erwartungsgemäß stellte sich heraus, dass die Vorzüge des einen, gleichzeitig die Nachteile des anderen sind.

Vorzüge des einen sind die Nachteile des anderen

  • Für den Verlag spricht natürlich, dass der Verlag das Lektorat und das Cover bezahlt (bei gedruckten Büchern auch den Satz), das Marketing übernimmt und einen Vorschuss zahlt. Ein weiterer Vorteil (bei Print) ist die erhöhte Sichtbarkeit, weil Bücher von Verlagsautoren leichter den Weg in die Buchhandlung finden.
    Für den Verlagsautor heißt das: Mehr Zeit zum Schreiben und kalkulierbare Einnahmen.
  • Für Selfpublishing sprechen vor allem die größeren Gestaltungsmöglichkeiten. Man kann Cover, Klappentext, Schriftart, Preis und Marketingmaßnahmen selber bestimmen. Auch beim Inhalt redet einem niemand rein. Außerdem bekommt man einen deutlich höheren Anteil vom Verkaufspreis und muss sich nicht mit Deadlines rumschlagen.
    Insgesamt genießt man als Selfpublisher deutlich mehr Freiheiten.

Auf die Details kommt es an

An dem Punkt hätte die Diskussion zuende sein können, tatsächlich nahm sie aber erst Fahrt auf, weil jetzt die persönlichen Erfahrungen mit ins Spiel kamen. Vieles, was bei Verlagsautoren als Vorteil gesehen wird, stimmt nämlich nur für die großen Publikumsverlage – und selbst da nur eingeschränkt.

Viel verdienen Autoren meist sowieso nicht. Egal ob SP o. Verlag. (Anja Kiel)

So ist ein Verlagsvertrag durchaus keine Garantie, in den Buchhandel zu kommen. Das liegt nicht unbedingt an den Verlagen, sondern am Buchhandel selbst. Der oft beschworene kleine Buchhändler um die Ecke ist nicht notwendigerweise ein Hort der Kultur oder Reservat für besondere Bücher, sondern meist nur Umschlagsplatz für Schnelldreher. Das ist nicht nur meine Erfahrung, sondern entspricht auch der des Seitenstraßen Verlags, der sie in mehreren Blogbeiträgen geschildert hat (auch die Kommentare sind interessant).
Auch optimales Marketing ist bei einem Verlagsvertrag nicht garantiert. Die großen Publikumsverlage investieren vor allem in die voraussichtlichen Bestseller. Was als „Füllstoff“ ins Programm aufgenommen wird, bekommt oft nur einen Platz in der Vorschau und vielleicht noch eine Autorenseite. Wenn der Autor mehr will, muss er sich selber kümmern. Damit tritt in gewisser Weise eine selbsterfüllende Prophezeiung in Kraft: Der Verlag erwartet wenig und investiert deshalb wenig. Dadurch ist die Sichtbarkeit gering und das Buch hat wenig Chancen wahrgenommen und gekauft zu werden. Die Folge: Es macht nur wenig Umsatz und fliegt nach 2 Jahren aus dem Programm.
Der Autor ist damit doppelt gekniffen: Er verdient wenig, denn natürlich richten sich die Vorschüsse nach den Verkaufserwartungen. Je weniger Umsatz der Verlag von einem Buch erwartet, desto geringer fällt der Vorschuss für den Autor aus. Außerdem hat er einen Flopp produziert; der Verlag wird daher auch in Zukunft wenig von ihm erwarten und sich wenig für ihn einsetzen.

Auf der anderen Seite sieht es beim Selfpublishing keineswegs besser aus. Das erste große Problem des Selfpublishers ist, überhaupt wahrgenommen zu werden.

Beim SP absolutes Con: Marketing, weil oft das Netzwerk/Zeit fehlt (Bianca Fuchs)

Mit gedruckten Büchern hat man immerhin noch Chancen auf ungewöhnliche Vertriebswege. So hat z. B. Nele Neuhaus ihre ersten Bücher auch über die Fleischfabrik ihres Mannes verkauft. Bei eBooks ist man ganz und gar auf die Listen der Online-Buchläden angewiesen, wo das eigene Buch eines von tausenden ist. Die Chance, als Neueinsteiger wahrgenommen zu werden ist Null, so lange man kein Marketing macht.
Für Marketing braucht man aber Ideen, ein Netzwerk und Zeit – oder Geld. Mit Geld lassen sich Werbekampagnen bezahlen. Aber die wenigsten Selfpublisher haben genug Geld, das zu bezahlen. Also muss man sich selber kümmern. Empfohlen wird, ungefähr 50% der vorhandenen Schreibzeit auf das Marketing zu verwenden.
Geld ist ohnehin so eine Sache: So lange man nichts verkauft, kommt auch nichts rein. Da nützt auch der höhere Anteil am Buchverkaufspreis nichts. Nun sind Selfpublisher in vielen Fällen Idealisten, denen es nicht nur ums Geld geht.

Wir schreiben ja nicht nur des Geldes wegen… (Andreas Hagemann, Autor der Xerubian Serie)

Trotzdem sollen sie professionell auftreten. Der Markt fordert ein ansprechendes Cover, Lektorat, Korrektorat … Alles Dinge, die auch bezahlt werden wollen, wenn man sie extern von Profis erledigen lässt. Auch das Geld muss man erst mal haben.
Aber als Selfpublisher ist man ja frei und kann natürlich auch beschließen, Covergestaltung, Lektorat und Korrektorat selber zu machen. Das kostet lediglich Zeit. Viel Zeit, um genau zu sein. Ob man es genauso gut macht, wie ein Profi, ist stark von den individuellen Fähigkeiten abhängig.
Man muss sich aber bewusst sein, dass jeder Fehler auf einen selbst zurückfällt. Als Self-Publisher wird man besonders misstrauisch beäugt: Ein Rechtschreibfehler im Manuskript? Ja, klar, Selfpublishing eben. Bei einem Verlagsautor sagt das niemand. Nicht über den Autor und nicht über den Verlag.

So, und nun?

Trotz der Nachteile beim Selfpublishing denke ich, dass meine Entscheidung richtig war. Für mich ist der entscheidende Vorteil als Selfpublisher die größere Freiheit bei den Inhalten und den Formaten.

Mit anderen Worten: Mit Kurzgeschichten brauche ich mich gar nicht erst bei einem Verlag zu bewerben. Schon gar nicht mit Fantasy-Kurzgeschichten. Anders als im englischsprachigen Raum, haben Kurzgeschichten in Deutschland keine eigenständige Tradition. Bestenfalls traut sich mal ein Verlag, eine Anthologie herauszubringen. Aber auch das sind wenig geschätzte Nischenprodukte.
Aus Gesprächen mit Lesern weiß ich aber, dass sie durchaus „Geschichten für zwischendurch“ zu schätzen wüssten. Insofern sehe ich da durchaus eine Marktlücke. Nicht im Print, aber als eBook. Beim Print wären die Produktionskosten schlicht zu hoch.
Dass ich damit nicht reich werde, ist mir klar. Für viel mehr, als 0,99 € kann ich für die Geschichten nicht verkaufen. Davon kommen weniger als 0,30 € bei mir an. 0,19 € behält der Staat, den Rest der Handel.
Genauso ist mir klar, dass ich nie einen Bestseller landen werde. Das Projekt wird, wenn überhaupt, langfristig funktionieren. Meine Hoffnung ist, mir durch regelmäßige Veröffentlichungen und virales Marketing auf Dauer einen Leserkreis aufzubauen, der nach und nach auch die älteren Geschichten liest. Dementsprechend produziere ich im Moment aber eher quick and dirty. Wenn das Projekt ins Rollen kommt, werde ich in zuerst in ein professionelleres Cover und später vielleicht auch in Korrektorat und Lektorat (in dieser Reihenfolge) investieren.

 

Fallstricke beim Selfpub

– Oder: Was ich bei der Veröffentlichung von „Steppenbrand“ gelernt habe

1. Überlege dir, was du erzählst und wann

Version1.2 kleinEine goldene Regel beim Marketing lautet, möglichst früh und möglichst oft über das eigene Produkt zu sprechen, wann immer möglich. Allerdings diskret, sonst wirkt es aufdringlich. Am besten – so der Ratschlag – man erzählt Anekdoten drumherum. Zum Beispiel über den Entstehungsprozess.

Daran habe ich mich gehalten, indem ich ganz viel darüber geschrieben habe, das ich in „Steppenbrand“ ein Glossar einbauen und mit dem Text verlinken will.
Rückblickend keine gute Idee. Das heißt, die Idee an sich (in einem eBook bestimmte Textstellen mit dem Glossar zu verlinken) ist schon gut. Es war nur keine gute Idee, darüber zu schreiben, weil die Umsetzung nicht funktioniert hat. Technisch ist das Ganze machbar. Es funktioniert in beiden Textverarbeitungsprogrammen, die ich nutze. Es funktioniert in HTML. Ich hatte sogar schon ein eBook auf dem Reader, das solche Links hatte. Aber bei der Konvertierung von „Steppenbrand“ ins ePub-Format wurden diese Links regelmäßig zerschossen. Aus OpenOffice heraus wurden sie gar nicht mehr erkannt; aus Papyrus Autor heraus wurden sie zwar angezeigt, funktionierten aber nicht.
Mit anderen Worten: Weil ich vorher so viel darüber geschrieben habe, was ich vorhabe und wie ich das umsetzen will, stehe ich jetzt gefühlt ziemlich doof da. Ist wahrscheinlich kein ganz gravierender Fehler, aber zumindest ärgerlich.

Für mich ist die Konsequenz, wenn ich mir auf einem Gebiet nicht sicher bin, lieber zuerst mal nichts darüber zu schreiben. Woran man gescheitert ist, kann man auch nachher noch erzählen, aber dann hat man keine falschen Erwartungen geweckt.

2. Links wären schön, aber …

In dem Artikel dazu, was ins eBook gehört und was man noch alles beifügen kann, hatte ich u. a. vorgeschlagen auch auf schon vorhandene Publikationen zu verweisen.

road-sign-1280256_640Das habe ich bei „Steppenbrand“ getan, natürlich mit Verweis auf die Bezugsquellen. Ich hätte sie auch gerne verlinkt – nur besteht da das gleiche Problem, wie bei textinternen Links: Beides wird bei der Konvertierung zerschossen.
Das ließe sich zwar vermutlich beheben, wenn man ein bisschen am CSS schraubt und die Befehle in xHTML korrigiert, aber ganz ehrlich? Wenn ich sage, dass ich eBooks schreibe, meine ich damit Geschichten. Keinen Code. Und irgendwie erwarte ich auch, dass ein Textverarbeitungsprogramm wie Papyrus das packt. Bei Open Office bin ich etwas nachsichtiger, weil das kostenlos ist – aber wenn ich für etwas zahle, erwarte ich auch, dass es funktioniert. Papyrus wirbt damit, dass es in alle gängigen Formate übersetzen kann – dann sollte die Übersetzung auch insgesamt klappen und nicht nur in Teilbereichen.

Ok, aber das Fazit ist trotzdem: Links wären schön, sind aber im Moment zu viel Aufwand.

3. Nicht alle Distributoren mögen alle Inhalte

Nachdem ich „Steppenbrand“ hochgeladen hatte, bekam ich eine freundliche Mail von Tolino Media, weil ich mich an meine eigenen Vorschläge gehalten und Bezugsquellen für den ersten Band des „Codex Aureus“ genannt hatte. Ich möge doch bitte verstehen, dass sie Verweise auf Mitbewerber nicht gerne sähen.
Ok, das kann ich sogar nachvollziehen, auch wenn Amazon das Problem nicht zu haben scheint. Dort ist das Buch nämlich schon gelistet. Aber Amazon scheinen die Inhalte ohnehin egal zu sein (siehe dazu die unten verlinkten Artikel).

In der Konsequenz werde ich in Zukunft eine spezielle Tolino-Variante erstellen, in der Amazon nicht erwähnt wird. Ich wünschte nur, alle Probleme ließen sich so leicht lösen.


Heise online: Betrüger fluten Kindle Unlimited
SZ: Betrüger kassieren auf Amazon mit Nonsense-E-Books ab