Geschichte einer Geschichte (Teil 4)

Schreiben …

Heute will ich ein bisschen über die Entwicklung der Geschichte selbst erzählen. Nachdem ich das Thema gefunden, die Idee präzisiert und eine Welt geschaffen hatte, in der mein „Held“ sich austoben konnte, habe ich mich hingesetzt und geschrieben. Ich würde gerne behaupten, ich hätte die Geschichte so runtergeschrieben, bzw. sie sei einfach aus mir rausgeflossen, aber das wäre gelogen.
Tatsächlich war es ein ziemlicher Krampf. Ich wusste zwar, wie der Anfang aussehen und wie die Geschichte ausgehen würde – aber von dem Dazwischen hatte ich nur sehr vage Vorstellungen. Und selbst in einer Kurzgeschichte gibt es sehr viel „dazwischen.“ Dass ich allenfalls intuitiv ahnte, wie man eine Geschichte aufbaut und „plotten“ nicht mal als Begriff kannte, machte die Sache nicht leichter.

Trotzdem stand am Ende eine Geschichte. 27 Seiten in Times New Roman 12 Punkt-Schrift. Whow! Ich war von mir selber begeistert. Und von meinem Baby natürlich auch.

… und überarbeiten

Zum Glück habe ich die Geschichte noch einmal gelesen, bevor ich sie jemandem gezeigt habe. Natürlich enthielt sie so ziemlich jeden Anfängerfehler – vor allem den, besonders „schön“ formulieren zu wollen. Mit anderen Worten: Es war teilweise ein entsetzliches Geschwurbel.
Also habe ich mich drangemacht, mein Baby aufzuhübschen oder vielmehr abzuputzen. Und die Reaktionen waren auch durchaus gut, als ich es im Fan-Fiction-Bereich von Elronds Haus präsentierte. Die Geschichte bekam einen Lesetipp, jede Menge lobender Kommentare und ich wurde gefragt, ob ich sie eventuell für ein Online-Rollenspiel zur Verfügung stellen würde.
Auf Xing, ein paar Jahre später, waren die Reaktionen nicht so enthusiastisch. Die Idee sei zwar ganz nett – aber sonst … so ganz ohne wörtliche Rede und das Ende käme auch viel zu schnell und undramatisch … Ich sage es nicht gern, aber danach war ich eine Weile eingeschnappt. Vorher die Begeisterung und jetzt allenfalls lauwarme Anerkennung. Alles Banausen! Tatsächlich hatte aber vorher nur die Forenfalle zugeschlagen: In manchen Foren (und dazu gehörte Elronds Haus) geht man unglaublich nett miteinander um und verzichtet eher auf Kritik, als Gefahr zu laufen, jemanden zu verletzen. Auf Xing ist das ein bisschen anders. Außerdem trifft man da eher auf ein älteres und deshalb vielleicht auch kritischeres Publikum.

Wie dem auch sei: Nachdem ich beschlossen hatte, Steppenbrand als Teil des Codex Aureus zu veröffentlichen, habe ich die Geschichte gründlich überarbeitet. Jetzt ist der Anfang straffer als zuvor; dafür sind Mittelteil und Ende ausführlicher und dramatischer gestaltet. Es gibt Dialoge und die Liebesgeschichte zwischen Dejasir und Shoulaika nimmt jetzt den Raum ein, der ihrer Bedeutung entspricht.

Aktuell überarbeite ich den Text ein letztes Mal auf stilistische Feinheiten. Papyrus meckert immer noch über manche Satzlängen und bei einigen gebe ich ihm recht. Andererseits bin ich nicht Hemmingway. Sätze, die nur aus Subjekt, Prädikat und Objekt bestehen, finde ich auf Dauer langweilig. Das Gleiche gilt für Adjektive. Natürlich sollte man es nicht übertreiben, aber ich finde, dass sie dem Text Würze, Farbe und Leben verleihen, wenn man sie richtig und dosiert einsetzt.

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