Geschichte einer Geschichte (Teil 3) – Weltenbau

Nachdem ich die Idee für meine Geschichte gefunden und so weit präzisiert hatte, über einen Krieger aus einem der Länder des Südens schreiben zu wollen, der von einem der Neun Ringe korrumpiert und zu einem der Nazgul wird, fehlte nur noch eine Welt, um loszulegen.

Aussehen

Über die Länder Harad und Rhun und ihre Bewohner gibt es praktisch keine Beschreibungen. Ein paar Details verrät Band 2 vom Herrn der Ringe, kurz nach der Gefangennahme von Frodo und Sam durch Faramirs Leute. Zunächst ist nur von „schwärzlichen Menschen in Rot“ die Rede, aber dann wird Tolkien präziser, als er einen gefallenen Krieger beschreibt:

… grüngefiederte Pfeile staken unter einem goldenen Kragen in seinem Hals. Sein purpurrotes Gewand war zerfetzt, sein Panzerhemd aus übereinandergreifenden Bronzeplättchen war zerrissen und zerhauen, seine schwarzen, mit Gold durchwirkten Haarflechten blutgetränkt. Seine braune Hand umklammerte noch das Heft eines geborstenen Schwertes.

Da hatte ich das Aussehen meines Kriegers, aber seine Kultur musste ich trotzdem erfinden. Wegen des vage nordafrikanischen Aussehens und der Herkunft aus dem Süden wollte ich zuerst ein Volk, wie die Tuareg als Vorlage nehmen. Im Herrn der Ringe sind ja alle Völker sesshaft und mein Ziel war es, auch da andere Wege zu gehen und mit einem Nomadenvolk zu beginnen.
Als Lebensraum gab ich ihnen eine weitläufige Grassteppe mit wenigen Wasserläufen und vereinzelten Brunnen.

Kultur

Schon beim Schreiben blieb von den afrikanische Ursprüngen dieses Volks nicht viel mehr, als die schwarzen Zelte, in denen es lebt – und auch die gehören eher den Beduinen, als den Tuareg. „Meine“ Nomaden, die Khon, züchten Rinder, Schafe und Ziegen, wie die Massai, darüber hinaus aber auch Pferde. Sie lieben Gold und Schmuck überhaupt, aber belasten sich nicht mit Besitz. Ihr wahrer Reichtum sind die Herden. Das wenige, was ihre Tiere ihnen nicht geben, handeln sie in den Ortschaften am Rande ihrer Wanderrouten. Ihre Religion ist animistisch mit ein paar asiatischen Anklängen. Viehdiebstahl ist fester Bestandteil dieser Kultur und sowohl Frauen, als auch Männer tragen Waffen. Einen Teil habe ich auch aus Ovids Bericht über die Skythen geklaut. Allerdings ist der Zusammenhang bei den Khon ein vollkommen anderer.

Sprache

Tolkiens Vorbild folgend habe ich sogar Ansätze einer eigenen Sprache entwickelt, auch wenn das für eine Kurzgeschichte vollkommen overdone ist. Schlimmer noch: So wie Tolkien sich im Altenglischen bedient hat, habe ich Russisch als Grundlage genutzt und teilweise nur die Schreibweise angepasst. Damals fand ich’s witzig, aber tatsächlich bestand das Ergebnis hauptsächlich in unaussprechlichen und unmöglich zu merkenden Wortungetümen, wie den Namen, unter dem die Geschichte im Fan-Fictionbereich von Elronds Haus, eines HdR-Forums, erschien:  Der Kholzhaduch.
Da ich aber schon mit Sprachspielereien angefangen hatte, wollte ich auch nicht mehr darauf verzichten. Jedenfalls nicht vollständig. Rausgeflogen ist alles, was definitiv überflüssig war. Ein Schwert ist ein Schwert und heißt jetzt auch so, selbst wenn die Khon es Shatushamrash genannt hätten (den Namen habe ich mir allerdings gerade ausgedacht). Die Sprache der Khon scheint jetzt fast nur noch bei Namen und Begriffen durch, die den Charakter und die eigentümliche Kultur der Khon unterstreichen. Aber die russischen Wurzeln sind gerodet und durch neue, besser lesbare Worte ersetzt.

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