Voodoo in Europa

Voodoo bringt man allgemein eher mit der Karibik, vielleicht auch noch mit den amerikanischen Südstaaten in Verbindung. Aber als ich für meine Dämonengeschichte recherchiert habe, bin ich auf sehr interessante Dinge zum Thema Flüche und Schadenszauber gestoßen.

Flüche in Blei

Aus der Antike ist die Sitte ziemlich bekannt, Flüche gegen Personen und Bindezauber in dünne Bleitafeln zu ritzen. Die klassische Methode bestand offenbar darin, sie anschließend in einem frischen Grab zu verbuddeln und dabei den Geist des Toten zu beschwören. Als besonders wirksam galten die Gräber durch Gewalt Verstorbener. Vielleicht hielt man deren Totengeister für besonders aktiv. Man hat diese Tafeln je nach Zweck aber auch in Amphitheatern, Heiligtümern und Flüssen versenkt, vor Türschwellen vergraben oder in Mauern gesteckt.
Die Bandbreite dieser Bannsprüche und Flüche ist hoch. Sie reichen von Liebeszaubern (XY soll keine/n andere/n heiraten) bis hin zu Todeswünschen (XY soll zugrunde gehen). Genauso können sie sich aber auch gegen einzelne Gliedmaßen richten oder auf den Ausgang eines Wagenrennens oder Prozesses.

Hühneropfer und Voodoo-Puppen

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In Mainz gefundene Fluchtafel, die um einen Hühnerknochen gewickelt wurde. Quelle: Wikipedia

Und wo ist jetzt der Bezug zum Voodoo? Der kommt jetzt: In einigen Fällen wurden die Bleitafeln nämlich um Hühnerknochen gewickelt, vermutlich um die Wirkung des Fluchs zu verstärken. Opfergaben, gerade von Hühnern, sind nun klassischer Bestandteil des Vodoo. In der Praxis der Fluchtafeln waren Opfer kein notwendiger Bestandteil, es gibt aber durchaus auch schriftliche Zeugnisse. So soll z. B. das Herausreißen und anschließende Durchbohren der Zunge eines Hahns den (mit dem Text auf der Tafel Verfluchten) zum Verstummen bringen.

Sogar „Voodoo-Puppen“ wurden in Europa gefunden. Z.B. in Mainz, im Heiligtum der Isis und Mater Magna.

Tonstatuette mit Einstichen in Brust und Bauch
Europäische „Voodoo-Puppe“ aus Mainz Quelle: Wikipedia

Dabei handelt es sich um Figürchen aus Ton, Wachs, Bronze oder Blei, in die mit Nägeln durchbohrt oder auf andere Weise verstümmelt wurden. Teilweise waren sie sogar mit Namen versehen.

Ob es sich dabei tatsächlich um „echten“ Voodoo gehandelt hat, kann ich natürlich nicht beurteilen. Laut Wikipedia ist Voodoo eine afrikanische Erfindung, deren Ursprünge im heutigen Nigeria bzw. Benin liegen. Möglich ist jedoch, dass diese Religion über Handelsbeziehungen ins damals hellenistische Ägypten gelangte und von dort nach Europa transportiert wurde.

 

Tradition bis ins Mittelalter

Was ich vor allem interessant finde, dass sich die Fluchtäfelchen und die Voodoo-Puppen bis ins Mittelalter gehalten haben. Die Püppchen sind unter dem Namen „Atzmänner“ bekannt. Die Fluchtafeln wurden in der Mittelalterarchäologie lange übersehen; ihre Bedeutung und Verbreitung wird erst in jüngerer Zeit systematisch aufgearbeitet. Hierzu war schon vor einiger Zeit ein Artikel in der SZ erschienen, den ich mit großem Interesse gelesen hatte: Mit geheimen Formeln gegen das Böse.

Sowohl die Bleitäfelchen, als auch die Atzmänner stehen im Mittelalter ganz selbstverständlich im christlichen Kontext. Aber die Parallelen sind zumindest für mich als Schriftstellerin hochgradig spannend.

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Überarbeiten: den inneren Lektor loslassen

lyrics-710329_640Bekanntermaßen soll man den inneren Lektor während der Schreibphase am Besten in ein schallisoliertes Kellerloch abschieben, um sich ganz seiner Muse zu widmen. Ist das Werk dann fertig, wird die Muse auf Erholungsurlaub geschickt und der innere Lektor darf aus dem Verlies. So oder so ähnlich beschreiben es verschiedene Schreibratgeber.

Aber wenn es darum geht, was er dann machen soll, wird es teilweise sehr vage. Andreas Eschbach empfiehlt den 10-PunkteText-ÜV, auf dem auch die Stilanalyse von Papyrus beruht. Andere begnügen sich mit allgemeineren Tipps  (Kill your Darlings, achte auf abwechslungsreiche Sprache, streiche Adjektive und Adverbien u. s. w.) oder klammern das Thema ganz aus. Vielleicht, weil die Autoren der Meinung sind, alles Wesentliche bei Stil, Aufbau und Personenentwicklung gesagt zu haben und meinen, das müsste man nur noch umsetzen.
Das ist im Prinzip alles richtig, setzt aber m. E. an der falschen Stelle an und verleitet zu einem Riesenfehler, genauso zu überarbeiten, wie man schreibt: Von vorne nach hinten. Mit Satz eins anzufangen und den so lange zu polieren, bis er wie blanker Knochen funkelt, hat für mich den entscheidenden Nachteil, dass die Überarbeitung auf diese Weise elend lange dauert. Mit Pech verliert man dadurch nicht nur die Lust, sondern außerdem den Überblick und übersieht Plotlöcher. Oder man vergisst, dass die Protagonistin gegen Fischeiweiß allergisch ist und verpasst ihr einen anaphylaktischen Schock, weil sie versehentlich in ein Erdnussbuttersandwich gebissen hat. Sowas ist blöd.

Meine Überarbeitungsstrategie ist deshalb etwas anders.

Zunächst mal drucke ich den Text aus. Darin gehe ich mit den meisten Ratgebern noch vollkommen konform. Eigene Fehler sieht man nur schwer. Ein anderes Format sorgt dafür, dass sie besser auffallen. Ich nehme sogar eine andere Schrift. Auf dem Bildschirm ist, wie vermutlich bei den Meisten, Times New Roman voreingestellt, für Ausdrucke benutze ich Arial (11 Punkt, anderthalbzeilig mit 6 cm Rand auf der rechten und 2 auf der linken Seite).
Anschließend lese ich das Ganze und mache mir Notizen. Soweit normal – allerdings betreffen meine Notizen weniger den Stil, als den Inhalt. Bei diesem ersten Lesedurchgang prüfe ich vor allem drei Dinge ab:

  1. Ist die Handlung in sich logisch? Hierzu gehört, dass die einzelnen Ereignisse aufeinander aufbauen, keine Plotlöcher bestehen und keine Dei ex machinae eingreifen.
  2. Sind die Figuren interessant und verhalten sie sich ihrem Charakter entsprechend? Jemand, der sonst alle Hindernisse mit Gewalt beseitigt, mutiert nicht plötzlich zur eloquenten Quasselstrippe oder haut ab, nur weil der Plot das gerade braucht. Gut, letzteres könnte man auch als Unterpunkt der Logik betrachten. Mir fällt es aber leichter, die Charaktere und ihre Entwicklung im Auge zu behalten, wenn ich sie als eigenen Punkt betrachte.
  3. Stimmt die Spannung und sitzen die Plotpunkte da, wo sie hingehören? Wenn die Spannung verflacht, kann es daran liegen, dass man es den Charakteren zu leicht gemacht hat, zum Ziel zu kommen. Oder dass man Fragen zu schnell beantwortet. Hier gilt es also, zu überlegen, mit welchen Mitteln man die Spannung hochschrauben kann. Aus dem gleichen Grund sollte man seine Wendepunkte prüfen. Wenn zu viel (Lese-)zeit vergeht, ohne dass eine neue Entwicklung eintritt, schläft der Leser eventuell ein.

Das heißt nicht, dass ich nicht auch notiere, wenn mir eine besonders misslungene Formulierung auffällt. Aber welchen Sinn hat es, einen Satz liebevoll zurechtzubasteln, wenn am Ende die ganze Szene gestrichen wird, weil sie nichts zur Entwicklung beiträgt oder unlogisch ist? Daher mache ich mich erst an die stilistische Überarbeitung, wenn diese drei Punkte geklärt sind.

Die Idee dafür habe ich mir übrigens bei Sol Stein abgeguckt, der in „Über das Schreiben“ eine ähnliche Vorgehensweise propagiert. Bei ihm hat das Ganze sogar einen Namen. Er nennt diese Art des Vorgehens in Anlehnung an die Katastrophenmedizin „Triage.“ Anders, als ein Katastrophenmediziner widmet er sich aber nicht zuerst den leichtesten, sondern den schwerwiegendsten Fällen, d. h. denen, die am ehesten zur Ablehnung durch einen Verlag führen könnten. Anders, als oben vorgeschlagen, fängt Stein mit den Figuren an. Er sagt aber selber, das sei kein in Stein gehauenes Gesetz.
Vermutlich kann man sich daher genauso zuerst den Aufbau vornehmen und bei den Plotpunkten ansetzen.


Sol Stein, Über das Schreiben, Zweitausendeins, 11. Aufl. Frankfurt a. M. 2008

Selfpublishing und der Untergang des Abendlandes

Selfpublisher produzieren in erster Linie Schund, sorgen für einen Preisverfall im eBook-Markt und ruinieren sich dadurch selbst?
Innovationen, gute Unterhaltung und echte Literatur gibt es nur bei Verlagen, die sich aber gerade mit Inprints und eBooks-only-Ausgliederungen degradieren?
Das muss man differenzierter sehen, meint Vera Reinhard.

Vera Reinhard

Gestern las ich bei literaturcafe.de einen Artikel von Wolfgang Tischer darüber, wie Selfpublishing den Buchmarkt verändert (hat). Genau besehen beschäftigt er sich aber hauptsächlich mit dem eBookmarkt. Das BoD-Segment wird beinahe vollständig ausgeblendet.

Die Thesen

  • Keinen Verlag zu haben, ist kein Makel mehr.
  • Der eBook-Sektor ist in erster Linie ein Markt für Minderwertiges. Die angebotenen Werke sind reine Unterhaltung und bewegen sich im Wesentlichen auf dem Niveau von Heftromanen und hätten auf dem „normalen“ Buchmarkt keine Chancen. Unerwartetes und Neues findet sich ausschließlich bei den Verlagen.
  • Der eBook-Markt führt zu Raubbau an Preisen und Formaten. Gerade der Taschenbuchbereich gerät durch Selfpublisher massiv unter Druck. Außerdem ruiniert die Preisgestaltung selbstverlegter eBooks die Preispolitik der Verlage im eBookbereich.
  • Schon die Möglichkeit des Selfpublishings hat Autoren selbstbewusster gemacht. Verlage müssen sich mehr anstrengen, ihre Autoren zu halten.
  • Selfpublishing kann als Talentschmiede verstanden werden, da Autoren mit hohen Verkaufszahlen von Verlagen „eingekauft“, d. h…

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Selfpub: Was kommt ins Buch?

Vermutlich denken jetzt einige: Was ’ne blöde Frage. Die Geschichte natürlich. Aber je näher die Veröffentlichung von Steppenbrand rückt, desto mehr Gedanken mache ich mir über das „was noch“. Also welche Informationen hineinkommen und ob ich noch zusätzliches „Bonusmaterial“ aufnehmen sollte. Bei meinem Erstling „Der Esel als Pilger“ habe ich mit dem Impressum begnügt, aber selbst da nicht alle Möglichkeiten ausgeschöpft.

Impressum

Jedes Buch benötigt ein Impressum in dem die wichtigsten Informationen zusammengefasst sind. Dazu gehören

  • der Name des Autors,
  • der Verlag (wenn man einen gegründet hat)
  • eine ladungsfähige Anschrift (kein Postfach),
  • Erscheinungsjahr,
  • die Auflage (es sei denn, es ist die erste),
  • weitere Mitwirkende (z. B. Druckerei, Satz, Grafiker)
  • ISBN,
  • Urheberrechtsvermerk

Beide Textverabeitungsprogramme, mit denen ich arbeite, enthalten Vorlagen, die diese Informationen abfragen. Aber natürlich kann man auch mehr aufnehmen, z. B. einen Verweis auf das eigene Blog.
Interessanterweise steht das Impressum bei gedruckten Büchern meist am Anfang, bei eBooks aber ganz am Ende.

Nachwort/Danksagungen

Ich habe hier im Blog sehr viel zur Entstehung von Steppenbrand geschrieben und ich denke, dass das auch in einem Buch sinnvoll sein kann. Gerade wenn man ein bisschen vom Mainstream abweicht, interessieren sich die Leser vielleicht auch dafür, wie man auf seine Gedanken kommt. Andererseits kann es auch interessant sein, zu wissen, ob eine Geschichte isoliert für sich geschrieben wurde oder in einem größeren Kontext steht.
Auch zum Codex Aureus ließe sich z. B. noch einiges erzählen.

Bei Danksagungen zweifle ich ein bisschen am Sinngehalt. Als Leserin überblättere ich diese Listen aber regelmäßig. Trotzdem finden sie sich immer wieder. Irgendeinen Grund dafür wird es also geben. Klar: Wenn man von jemandem unterstützt wurde, ist es selbstverständlich, sich zu bedanken. Aber haben die Unterstützer etwas davon, erwähnt zu werden? Ist es gut für das Ego? Oder bringt es dem Autor einen Nutzen, weil er mit den Danksagungen Anstand demonstriert? Vielleicht ist die Liste aber auch ein Hinweis darauf, wie gründlich er zu einem Thema recherchiert hat (wenn darin besondere Experten genannt werden).

Autorenvita

Bei Printausgaben steht die meist auf der Rückseite des Schmutztitels. Bei eBooks scheint es kein System zu geben. Bei den Verlagsausgaben wird teilweise die Gestaltung der Printversion übernommen, andere verzichten ganz darauf. Bei Indie-Autoren steht die Vita (wenn es eine gibt) mal vorn, mal hinten.
Die Frage ist natürlich: Braucht man das? Ich denke, schon. Jedenfalls macht man nichts verkehrt, wenn man die Vita drin hat. So haben die Leser eine Chance, einen ein bisschen besser kennen zu lernen. Wenn ihnen das Buch gefallen hat, werden sie sich den Namen merken und die Chancen steigen, dass sie auch das Nächste kaufen.
Weil ich davon ausgehe, dass Leser sich aber in erster Linie für die Geschichte interessieren, würde ich die Vita ans Ende setzen.

Hinweise auf andere Veröffentlichungen

Wenn man noch andere Bücher geschrieben hat, sollte sich auch darauf ein Hinweis finden. Das kann z. B. im Anschluss an die Vita geschehen.

Social-Media

Wenn man in sozialen Netzwerken unterwegs ist, sollte man auch im Buch darauf hinweisen, wenn man möchte, dass Leser einem folgen.

Newsletter

Auch auf Newsletter sollte man hinweisen, wenn man einen hat.

Jetzt bin ich gespannt auf Reaktionen. Stimmen meine Einschätzungen? Ist irgendwas totaler Kokolores? Oder habe ich etwas vergessen?

 

Rezensionen – ein Beitrag gestaltet durch 43 Autoren

Als Ergänzung zu dem in meinem Blogbeitrag zum Thema Rezensionen (https://nikeleonhard.wordpress.com/2016/05/14/rezensieren-ja-oder-nein-buecher-autoren-sterne/) und den darin aufgeworfenen Fragen, ob und wenn ja wie man rezensieren sollte. Hier gibt es sehr ausführliche Antworten, die sich zum Teil sehr von dem unterscheiden, was mir vorher untergekommen ist.

Liza's Bücherwelt

Als erstes muss ich wohl meinen Dank an die 43 Autoren aussprechen, die sich die Zeit genommen haben meine Frage zu beantworten! Ich freue mich nun darauf, euch meinen Beitrag zeigen zu können.

Heute möchte ich euch gerne erzählen, warum ich Rezensionen schreibe!
Bevor ich angefangen habe zu bloggen, war mich gar nicht bewusst wie wichtig Rezensionen für Autoren sind! Ziemlich komisch eigentlich, denn es ist einfach ein verdammt wichtiges Thema!

Wirklich aufgeklärt hat mich C.M. Spoerri über Rezensionen und dessen Bedeutung, denn sie war die erste Autorin mit der ich durch das Internet richtig Kontakt hatte und sie hat mich mit dazu bewegt, mit dem Bloggen anzufangen! Ich bereue es bisher nicht damit angefangen zu haben!

Rezensionen sind für mich wichtig, um in dem Meer an Büchern überhaupt wahrgenommen und gekauft zu werden. Sie führen letztlich dazu, dass ich weiterhin Bücher schreiben und meine Leser unterhalten darf.

  • Corinne M…

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Die Schöne

Auf langen Beinen durchschreitet sie den Raum. Die schlanke Taille biegsam, das schwarze Haar wie Seide schimmernd. Was gäbe ich für einen Blick von ihr!

Sie aber ignoriert mich; nimmt Platz auf dem Sofa. Ruhig sitzt sie da, aufrecht, anmutig. Kühle Majestät jeder Zentimeter ihres Körpers.

Plötzlich eine geschmeidige Bewegung. Sie rollt sich auf den Polstern zusammen, lehnt den Kopf an das Kissen. Ihr Blick fängt meinen, dann sinken ihre Lider lasziv über die Smaragdaugen. Eine Einladung? Vorsichtig trete ich näher, strecke die Hand nach ihr aus, jederzeit auf schmerzhafte Zurückweisung gefasst. Doch sie duldet mein Streicheln – und schnurrt.

Brainstorming für die 4. Clue Writing Challenge

Rahel und Sarah von Clue Writing haben es wieder getan: Sie haben einer Challenge aufgerufen. Dieses Mal sind aber keine Worte vorgegeben, sondern Titel:

Erste Titelvorgabe: Biedermann und die Brandmelder
Zweite Titelvogabe: Der Kinobesuch der alten Dame

Bis zum 29. Juli ist jetzt Zeit, eine Kurzgeschichte (oder mehrere) zu einem der beiden Titel (oder auch zu beiden) zu verfassen und hochzuladen.
Dieses Mal gibt es sogar etwas zu gewinnen. Die Sieger werden mit Buchpaketen aus dem Waage-Verlag belohnt – aber auch alle anderen dürfen sich auf ein Buch als Belohnung freuen.

Aber nicht nur deshalb freue ich mich auf’s Mitmachen, sondern auch, weil es schon beim letzten Mal einen Riesenspaß gemacht hat.
Mir sind zum Kinobesuch der alten Dame spontan ein paar Ideen gekommen, die ich gerade auf ihre Tauglichkeit abklopfe. Mit der Vorlage haben sie allerdings nur sehr entfernt zu tun. Sehr entfernt. So 2 – 3 Lichtjahre. Aber wie es aussieht, wird es einen Todesfall geben.

Rezensieren – ja oder nein?*

Vor ein paar Tagen lief eine Aktion, bei der aufgerufen wurde, mehr Rezensionen zu schreiben. Grundsätzlich eine gute Sache. Als Käuferin freue ich mich über Rezensionen, weil sie mir bei der Auswahl helfen. Die Argumentation im Aufruf ging aber weiter. Auch wir Autorinnen würden sich über Rezensionen freuen, hieß es da. Nicht nur, weil sie auf unsere Bücher aufmerksam machen, sondern auch, weil sie uns helfen, uns weiter zu entwickeln.

Aber stimmt das?

Ich weiß von einem Fall, wo eine Bloggerin sogar von einem Kleinverlag abgemahnt wurde, weil dem Verlag die Rezension nicht passte. Erst hieß es, ihre Rezension sei eine Schmähkritik gewesen, dann, sie habe den Plot gespoilt.
Eine derart extreme Reaktion dürfte zwar die absolute Ausnahme sein, aber trotzdem … Freut man sich als Autorin wirklich, wenn das eigene Buch öffentlich verrissen wird? Wenn ich an meine eigenen Reaktionen auf Kritik denke, habe ich da meine Zweifel. Und das, was andere Kolleginnen von sich geben, bestätigt diese Zweifel. In vielen Schreib-Communities herrscht sogar die mehr oder weniger stillschweigende Übereinkunft: „Wir haben uns alle lieb und kritisieren uns nur ganz ganz vorsichtig.“ Man lobt, was die anderen geschrieben haben und wird im Gegenzug selber gelobt. In einigen Fällen ähneln die Diskussionen einer Schlacht mit rosa Wattebäuschchen. Und das sind rein interne Diskussionen.
Als Marketinginstrument finde ich das gegenseitige Lob sogar sinnvoll. Natürlich will ich Kolleginnen unterstützen (und hoffe auch selbst auf Unterstützung) Aber immer?

Was, wenn mir etwas gar nicht gefällt, so wie das Buch, das ich gerade angefangen habe? Der Klappentext klang nett, das Teil hat bei amazon immerhin 4 Sterne (bei 48 Bewertungen). So schlecht kann es also eigentlich nicht sein, oder?
Doch, ich finde schon. Stilistisch ist es unbeholfen, die Beschreibungen sind oberflächlich, die Motivation der Figuren ist flach und entsprechend handeln sie.
Ich glaube nicht, dass sich die Autorin freuen würde, wenn ich in einer Rezension schreiben würde, dass ich ihr Buch aus diesen Gründen nicht weiterlesen werde. Erst recht nicht, wenn ich das durch Zitate belege. Andererseits kann ich auch nicht guten Gewissens schreiben, dass ich das Buch ganz toll gefunden hätte.

Jetzt kann man natürlich sagen: „Dann schreib eben nur über Bücher, die dir gefallen haben.“ Genau das empfehlen z. B. die Schreibdilettanten in Folge 218, in der es um Rezensionen geht. Sie gehen sogar noch weiter, indem sie sich einig sind, dass man keine Wertung unter 4 Sternen vergeben sollte.
Mit dem ersten Teil kann ich noch leben. Aber die Einschränkung, nie weniger als 4 Punkte zu geben, geht mir dann doch zu weit. Es gibt Bücher, die sind ok. Man liest sie, ohne wirklich abzutauchen und weiß am Ende schon, dass die Geschichte keine bleibende Erinnerung hinterlassen wird. In einer Rezension würde ich dafür 3 Punkte/Sterne/Blümchen/wasauchimmer geben.Dann gibt es Bücher, die nehmen mich gefangen (wie Blut gegen Blut, über das ich kürzlich gebloggt habe) und solche, die mich restlos begeistern (wie z.B. der Name des Windes). Soll ich die alle gleich bewerten? Über das, das mir nur so la-la gefallen hat, gar nicht schreiben? Oder 4 Punkte geben, obwohl …?

Die Antwort auf die letzte Frage ist eindeutig: Nein. Da hätte ich ein Problem mit der Ehrlichkeit. Genau genommen finde ich es schon schwierig, die Bücher auszulassen, die mir nicht gefallen. Wenn alle nur Positives schreiben, führt das nämlich nicht nur das Argument ad absurdum, die Autorin könne daraus lernen und die Lesermeinung abschätzen. Es macht es auch der Leserin unmöglich, die Qualität eines Buchs vorab einzuschätzen, weil nicht das beste Buch die meisten Stimmen bekommt, sondern das, dessen Autorin am besten vernetzt ist und die meisten Freundinnen, Kolleginnen usw. mobilisieren kann, für ihr Buch zu stimmen. Das einzige Mittel dagegen – und ich sage es nur ungern – sind die Argumente derjenigen, denen es nicht gefallen hat.

Also doch ehrliche Rezensionen – auch auf die Gefahr hin, sich damit unbeliebt zu machen? Oder lieber gemocht und unterstützt werden und dafür die Klappe halten, wenn einem etwas nicht gefällt? Oder, als Mittelweg: Nur über das Bloggen, was gefiel und negative Rezensionen ausschließlich bei den Anbietern (also Buchhandelsseiten, Amazon) veröffentlichen?
Was meinst du?


*heute mal alles in der weiblichen Form, weil ich ausprobieren wollte, wie sich das anfühlt. Aber selbstverständlich sind immer auch Männer mitgemeint, wenn von Autorinnen, Bloggerinnen etc. die Rede ist.

Geschichte einer Geschichte (Teil 4)

Schreiben …

Heute will ich ein bisschen über die Entwicklung der Geschichte selbst erzählen. Nachdem ich das Thema gefunden, die Idee präzisiert und eine Welt geschaffen hatte, in der mein „Held“ sich austoben konnte, habe ich mich hingesetzt und geschrieben. Ich würde gerne behaupten, ich hätte die Geschichte so runtergeschrieben, bzw. sie sei einfach aus mir rausgeflossen, aber das wäre gelogen.
Tatsächlich war es ein ziemlicher Krampf. Ich wusste zwar, wie der Anfang aussehen und wie die Geschichte ausgehen würde – aber von dem Dazwischen hatte ich nur sehr vage Vorstellungen. Und selbst in einer Kurzgeschichte gibt es sehr viel „dazwischen.“ Dass ich allenfalls intuitiv ahnte, wie man eine Geschichte aufbaut und „plotten“ nicht mal als Begriff kannte, machte die Sache nicht leichter.

Trotzdem stand am Ende eine Geschichte. 27 Seiten in Times New Roman 12 Punkt-Schrift. Whow! Ich war von mir selber begeistert. Und von meinem Baby natürlich auch.

… und überarbeiten

Zum Glück habe ich die Geschichte noch einmal gelesen, bevor ich sie jemandem gezeigt habe. Natürlich enthielt sie so ziemlich jeden Anfängerfehler – vor allem den, besonders „schön“ formulieren zu wollen. Mit anderen Worten: Es war teilweise ein entsetzliches Geschwurbel.
Also habe ich mich drangemacht, mein Baby aufzuhübschen oder vielmehr abzuputzen. Und die Reaktionen waren auch durchaus gut, als ich es im Fan-Fiction-Bereich von Elronds Haus präsentierte. Die Geschichte bekam einen Lesetipp, jede Menge lobender Kommentare und ich wurde gefragt, ob ich sie eventuell für ein Online-Rollenspiel zur Verfügung stellen würde.
Auf Xing, ein paar Jahre später, waren die Reaktionen nicht so enthusiastisch. Die Idee sei zwar ganz nett – aber sonst … so ganz ohne wörtliche Rede und das Ende käme auch viel zu schnell und undramatisch … Ich sage es nicht gern, aber danach war ich eine Weile eingeschnappt. Vorher die Begeisterung und jetzt allenfalls lauwarme Anerkennung. Alles Banausen! Tatsächlich hatte aber vorher nur die Forenfalle zugeschlagen: In manchen Foren (und dazu gehörte Elronds Haus) geht man unglaublich nett miteinander um und verzichtet eher auf Kritik, als Gefahr zu laufen, jemanden zu verletzen. Auf Xing ist das ein bisschen anders. Außerdem trifft man da eher auf ein älteres und deshalb vielleicht auch kritischeres Publikum.

Wie dem auch sei: Nachdem ich beschlossen hatte, Steppenbrand als Teil des Codex Aureus zu veröffentlichen, habe ich die Geschichte gründlich überarbeitet. Jetzt ist der Anfang straffer als zuvor; dafür sind Mittelteil und Ende ausführlicher und dramatischer gestaltet. Es gibt Dialoge und die Liebesgeschichte zwischen Dejasir und Shoulaika nimmt jetzt den Raum ein, der ihrer Bedeutung entspricht.

Aktuell überarbeite ich den Text ein letztes Mal auf stilistische Feinheiten. Papyrus meckert immer noch über manche Satzlängen und bei einigen gebe ich ihm recht. Andererseits bin ich nicht Hemmingway. Sätze, die nur aus Subjekt, Prädikat und Objekt bestehen, finde ich auf Dauer langweilig. Das Gleiche gilt für Adjektive. Natürlich sollte man es nicht übertreiben, aber ich finde, dass sie dem Text Würze, Farbe und Leben verleihen, wenn man sie richtig und dosiert einsetzt.

Rezension: Blut gegen Blut

Blut gegen Blut von Benjamin Spang ist ein düsteres Steampunk – Dark Fantasy Crossover. Im Land Nuun kämpfen drei Völker gegeneinander: Vampire, Werwölfe und Menschen. Die junge Mechanikerin Katrina wird in diesen Krieg hineingezogen, als sie sich der Doppelmond-Agentin Helena anschließt, um ihre Mutter von einer entsetzlichen Fehlentscheidung zu bewahren. Und plötzlich sind alle hinter ihr her: Die Inquisition, Werwölfe und ein Blutmagier der Vampire.

An dem Roman fällt als erstes auf, dass – obwohl von einem Mann geschrieben – die weiblichen Charaktere deutlich dominieren. Bis auf den Blutmagier tauchen Männer nur als Nebenfiguren und Platzhalter auf. Und noch etwas fällt auf: Keine dieser Frauen macht sich je Sorgen über ihre Figur, den Sitz ihrer Frisur oder ähnliches. Sie sind viel zu beschäftigt, zu tun was getan werden muss.
Ich weiß von beiden ehrlich gesagt, nicht mal die Augenfarbe und fand das einen sehr angenehmen Kontrast zum Mainstream, wo es Konsens zu sein scheint, dass eine Frau einen Mann (oder Vampir) zum Anschmachten braucht. Einen Moment lang dachte ich, dass auch Benjamin Spang es versemmelt hätte, indem er dieses Klischee bedient – aber nein. Die Geschichte nimmt dann eine ganz andere, unerwartete Wendung.

Auch sonst ist die Handlung von Blut gegen Blut wendungs- und abwechslungsreich. Die Vampire stehen deutlich mehr in der Tradition von Dracula, als der Biss-Romane und die Werwölfe haben mit einigen Überraschungen aufzuwarten. Der Logikfehler, der den Blutmagier zur Handlung motiviert, hat zum Glück keine Auswirkung auf die Glaubwürdigkeit des Plots.

Auch, wenn es vielleicht nicht das ganz große Kino ist, hat mir Blut gegen Blut Spaß gebracht und mich ein paar Stunden lang wirklich gut unterhalten.