Die Sache mit der Romantik

Vorweg: Man hat mir schon zu Schulzeiten ein gestörtes Verhältnis zur Romantik nachgesagt, weil ich Eichendorffs Gedichte als unerträglichen Kitsch bezeichnet habe. Wer das nicht nachvollziehen kann, sollte vielleicht hier vielleicht aufhören zu lesen.

Weiterlesen auf eigene Gefahr

Ich finde Sex toll. Sex macht Spaß. Auch beim Lesen. Was ich dagegen gar nicht mag, sind Romances, deren Inhalt im Wesentlichen daraus besteht, dass eine Frau (bzw. ein Mädchen) irgendeinem Kerl hinterherschmachtet und dauernd daran denkt, wie es wäre endlich in seinen starken Armen dahin zu schmelzen. Vor allem, wenn sie sich dann am Ende finden und alles in Schmalz und rosa Glitter versinkt.

Vielleicht bin ich schlicht zu alt für den Scheiß, aber mir gehen diese Kühe auf die Nerven. Sry, wenn ich damit jemanden auf die Zehen trete. Ist aber so.
Ja, es ist geil, rattig zu sein und klar: Romance lebt davon, dass sich zwei nicht bekommen. Aber hey, Mädels, wir leben im 21. Jahrhundert! Wir sind schon lange nicht mehr vom Wohlwollen irgendwelcher Männer abhängig – und wenn einer nicht will, haben andere Mütter auch schöne Söhne. Das wusste übrigens schon meine Oma, die mir, als ich Liebeskummer hatte, mal den Satz mitgab: „Es gibt nicht nur ’ne Handvoll, es gibt ein ganzes Land voll.“
Warum also nicht selbst badass sein? Klar sagen: „Ich will Sex! Jetzt, hier und gleich“, statt brav zu warten, bis er den ersten Schritt tut? Den eigene Weg gehen und Typen, die nicht mitwollen, einfach stehen lassen?

Solche Frauen finde ich viel spannender, als alle Bellas zusammen und zwar sowohl im Leben, als auch in der Literatur. Ihre Geschichten will ich lesen und schreiben. Selbst, wenn keine Liebesgeschichte daraus wird. Oder wenn es zwar eine Liebesgeschichte, aber kein Happy End gibt. So lange sich Tränen echt anfühlen, ziehe ich sie Schmalz und rosa Glitzer allemal vor. Rosa konnte ich noch nie leiden.

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Warum ich ein Pseudonym benutze

Nike Leonhard ist nicht mein richtiger Name. Dass ich den nicht benutze, hat mehrere Gründe. Zum einen sind Autorennamen so etwas, wie Marken. Sie müssten einprägsam sein und zum Produkt passen, also zum Genre, in dem man schreibt. Angeblich erfüllt mein richtiger Name diese Voraussetzungen sogar (auch wenn ich ihn als zu lang empfinde, um einprägsam zu sein), aber es gibt noch ein anderes Problem: Unter meinem richtigen Namen habe ich bereits mehrere Sachtexte u.a. zu historischen Themen veröffentlicht. Und da passt es nun gar nicht, wenn dieser Name auch auf einer Reihe mit in phantastischen und historischen Kurzgeschichten steht, zumal es im Bereich „History“ mehr um Geschichten, als um historische Wahrheiten geht. Anders gesagt: Wenn ich phantastische Elemente oder Anachronismen in eine meiner historischen Kurzgeschichten einbaue, ist das literarisch vollkommen ok. Aber es birgt die Gefahr, dass danach die Sachtexte weniger ernst genommen werden, wenn der gleiche Name drunter steht.

Daher habe ich beschlossen, den Codex Aureus unter einem ähnlichen Namen zu schreiben, unter dem ich mich beim NaNoWriMo angemeldet habe. Damals hatte ich gehofft, dass er mir Glück bringt und in gewisser Weise hat er das auch getan. Ich hoffe, dass das ein gutes Vorzeichen ist.

Es wird einmal … Vielleicht.

Nachdem ich mich im letzten Blogeintrag schon gefragt habe, ob ich in Zukunft vielleicht auch SciFi schreiben soll, war es nur konsequent, intensiver darüber nachzudenken, was genau ich denn dann schreiben wollen würde. (Hach, was ein Satz!) Gemeinerweise flüsterte mir beim Schlafengehen eine kleine, gemeine Stimme auch noch den Anfang eines Tagebucheintrags ein:

Ich habe überlebt. Das allein zählt. Ich bin nur ein Sub, aber ICH HABE ÜBERLEBT! Das sage ich mir immer und immer wieder, denn es hilft, das Leben zu ertragen.

Die Erzählung dieses, noch namen-, gesichts- und geschlechtslosen Wesens wurde noch deutlich länger und – wie es beim Einschlafen so ist – auch deutlich wirrer. Andere Stimmen mischten sich ein, erzählten von anderen Orten und anderen Begebenheiten. Teile davon sind mir immer noch gegenwärtig. Der Geschmack einer runzeligen Möhre. Bilder einer zerstörten Stadt. Betonstaub auf der Zunge. Offenbar gibt es da etwas, das erzählt werden will. Also habe ich mich ans Sammeln der bereits vorhandenen Ideensplitter gemacht – und es wurde mehr, als erwartet.

Logisch zusammengefügt ergibt sich das Gerüst einer gar nicht so schönen neuen Welt mit einer Gemengelage aus Dystopien und einem Schuss Solarpunk als Hoffnungsschimmer. Was noch fehlt, ist eine Geschichte. Eine, die das Ganze lebendig werden lässt. Wobei das definitiv keine Kurzgeschichte würde. Eher etwas im Umfang von Dune und das macht mir ein bisschen Angst. Ich bezweifle, dass ich die Kraft und die Zeit habe, das zu stemmen.
Aber vielleicht wäre es auch eine Option, die Facetten dieser Welt in verschiedenen Kurzgeschichten und/oder Romanen zu schildern? Groß und vielgestaltig genug wäre sie, das kann ich jetzt schon sagen, ohne jeden Winkel zu kennen. Außerdem könnten dadurch alle Stimmen zu Wort kommen, die jetzt in wilder Kakophonie durcheinander quaken. Woran ich noch überlege ist, ob es auch zum Lesen reizen würde. Aber die Frage lässt sich wohl erst beantworten, wenn ich die erste(n) Geschichte(n) geschrieben habe.

Und nein, sie werden nicht mit „Es wird einmal“ beginnen.

Zukunftsmusik

Wenn ich mir meine letzten Blogbeiträge so ansehe, sollte ich mein Repertoire erweitern. Nicht nur Fantasy und Historisches, sondern auch SciFi. Allerdings nicht die techniklastige Weltraumvariante, sondern eher unter der Fragestellung, wie entwickeln sich Gesellschaft. Wobei Technik natürlich einen Anteil hat. Oder haben kann. Aber nicht zwangsläufig haben muss, weil Technik nur ein Aspekt unter vielen ist. Ein anderer wären Umweltveränderungen, Kriege oder auch widerstreitende Gesellschaftsmodelle.

Allerdings weiß ich nicht recht, ob das zum Codex Aureus passen würde. Der ist – auch äußerlich – deutlich auf die Genres Fantasy und Historisches ausgerichtet. Vermutlich wäre es deshalb besser, für die SciFi eine eigene Reihe zu entwickeln. Aber das ist noch Zukunftsmusik.

Werwölfe mal wieder

Warum haben Werwölfe eigentlich diesen wahnsinnig schlechten Ruf? Warum macht die Verwandlung aus einem mehr oder weniger normalen Menschen eine wahnsinnige Bestie, die Freund nicht von Feind unterscheiden kann? „Das ist eben so“, ist mir als Erklärung gerade im Fantasy-Bereich ein bisschen wenig. Ganz besonders, wenn man die Entwicklung von Vampiren und Werwölfen vergleicht. Vampire sind von gefährlichen Blutsaugern mit unterschwelligem Sexappeal zu blutleeren Mitgliedern einer Glitzer-Boygroup geworden, bei denen Gefahr und Wildheit nur noch stylishe Attitüde ist, die sie für ihre Groupies attraktiv macht. Blasse Jungs, für die beißen genauso tabu ist, wie vorehelicher Sex.

Werwölfe dagegen – immer gefährlicher, immer blutrünstiger, immer instinktgesteuerter. Wobei der Instinkt immer nur zu sagen scheint: Töte und friss. Oder töte einfach so. Fleischeslust wortwörtlich genommen. Warum?

Guckt man sich die ursprünglichen Legenden an, wird das Ganze noch unverständlicher. Da erscheint der Vampir als Nachzehrer, der noch aus dem Grab heraus ganzen Dörfern die Lebensenergie aussaugen kann. Die Arten ihn loszuwerden, sind archäologisch sehr interessant und erscheinen oft brutal. Aber von Sex-Appeal keine Spur. Der kam erst mit Bram Stokers Dracula.
Der Werwolf dagegen erscheint in den Grimmschen Sagen als normaler Mensch, der einen Gürtel umlegt, um sich in einen Wolf zu verwandeln, diesen aber jederzeit wieder ablegen kann. Also keine Spur von Vollmond, Bissen oder wahnsinniger Raserei. Woher die stammen – keine Ahnung!

Daher frage ich mich wirklich, warum der eine bis zur Unkenntlichkeit verniedlicht wird, während der andere sich in die vollkommen andere Richtung bewegt. Liegt es daran, dass stark behaarte Typen heutzutage eher bäh! sind, oder lese ich einfach die falschen Bücher?

Die Hexe und das iPhone

Kennt ihr das iPhone-Experiment? Kurz gesagt, geht es um folgendes Gedankenspiel: Was wäre, wenn die gesamte Menschheit plötzlich in eine Art Urzustand versetzt würde, in dem es nicht nur keine Technik mehr gibt, sondern nicht einmal mehr Kleidung. Alles, was bliebe, wäre ein Zettel mit der Aufforderung, ein bestimmtes iPhone zu bauen. Ob die Menschheit dazu fähig wären?

Ich bin da durchaus skeptisch.

Schon die Ausgangssituation finde ich ziemlich gruselig. Plötzlich nackt und ohne jedes Hilfsmittel dazustehen. Kein Dach über dem Kopf, keine Vorräte, Waffen …
Wie überlebt man in so einer Situation? Wer überlebt? Die Stärkeren? Die Klügeren? Die Egoisten? Oder die, die weder besonders klug, noch besonders stark sind, aber sich gegenseitig helfen, auch wenn es keinen unmittelbaren Vorteil bringt?

Ganz ähnlich ist die Situation bei einigen (vorwiegend amerikanischen) Filmen: Die Welt steht am Abgrund und nur wenige können gerettet werden. Natürlich wird die Elite zuerst in Sicherheit gebracht, die Staatslenker, die wichtigen Militärs, die großartigen Wissenschaftler, Schauspieler und andere Promis – und um die letzten Plätze wird ein gnadenloser Kampf geführt, in dem der Held am Ende auf seinen Platz verzichtet und dadurch seinen besten Freund/seine Geliebte/ein kleines Kind oder seine totkranke Mutter rettet. Und falls der Held überlebt, stirbt mindestens der supersympathische Sidekick.
Aber die Menschheit wird ein weiteres Mal überleben.

Wirklich?

So unähnlich die Szenarien zunächst wirken, so ähnlich sind sie auf den zweiten Blick. Zwar nehmen die Pioniere im zweiten Beispiel Ausrüstung mit – aber ob sie die tatsächlich gebrauchen können? Ein vollständig eingerichtetes Krankenhaus funktioniert wie lange? Wann gehen die Verbände aus? Wann läuft die Haltbarkeit der Medikamente ab? Und danach? Wer produziert sie, aus welchen Rohstoffen? Und was ist erst mit viel grundlegenderen Ressourcen, wie Nahrung und Kleidung? Welcher Wissenschaftler, welcher hohe Militär oder welcher Politiker weiß, wie man Kartoffeln oder Getreide anbaut, erntet und lagert? Wer kann ein Schaf scheren und die Wolle erst zu Garn und danach zu Stoff verarbeiten? Maschinen? Klar, die klugen Wissenschaftler an Bord können wahrscheinlich Maschinen für alles konstruieren. Aber können sie die auch zusammenbauen? Woher sollen die Einzelteile kommen, woher die Materialien?

Je länger ich an diesen Szenarien überlege, desto reizvoller finde ich es, auch darüber mal zu schreiben. Aber das wäre ein großes Projekt. Ein sehr großes, denn auf der anderen Seite frage ich mich auch, was aus dem Rest der Menschheit wird. Ob sie wirklich alle sterben? Was wenn nicht? Wie würden sie (über-)leben?

Fragen über Fragen und genug Stoff für einen mindestens-600-Seiten-Wälzer. Wenn nicht gar eine Saga.
Ich weiß wirklich nicht, ob ich da rantrauen soll.