Die Fantasy und das reale Leben

Eigentlich sollte das hier eine politikfreie Zone werden, ein Wolkenschloss mit Elfenbeintürmchen sozusagen, abgeschieden von der realen Welt. Genau wie meine Geschichten. Ich verstehe mich nicht als politische Schriftstellerin. Meine Texte sollen unterhalten. Mehr nicht.

Aber kann man schweigen und heile, phantastische Welt spielen, wenn da draußen Häuser brennen, während ein aufgeheizter Mob applaudiert? Darf man schweigen, wenn Politiker mit Schaum vor dem Mund von drohender Überfremdung geifern und apokalyptische Szenen vom Untergang der doitschen* Leitkultur beschwören? Bei letzterem würde ich ihnen sogar noch recht geben, wenn sie damit den Mob meinten, der gegen alles hetzt, was seiner kleinen, engen Welt fremd ist. Nur meinen sie Menschen, die vor Hunger und Bomben flüchten.

Ja, ich möchte dieser Tage auch gerne die Zugbrücke meines Wolkenschlösschens hochziehen und die Fensterläden verrammeln, um die Orkhorden da draußen nicht zu sehen. Oder mir alternativ so eine Kappe zulegen, wie ein legendärer chinesischer Kaiser besessen haben soll: mit einem Perlenvorhang, damit er nichts Böses sehen und kleinen Glöckchen über den Ohren, damit er nichts Schlechtes hören musste. Aber die Legende erzählt auch, dass es mit diesem Kaiser ein böses Ende nahm, weil er nur das Glitzern der Perlen sah und den Wohlklang der Glöckchen hörte.
Also werde ich die Zugbrücke unten lassen und meine Meinung sagen. Auch auf die Gefahr hin, nicht ernst oder zu ernst genommen zu werden und selbst in die Schusslinie zu geraten. Aber so düster, wie die Realität im Moment teilweise ist, kann meine Fantasy gar nicht werden. Und es wäre töricht, darauf zu hoffen, dass Gandalf oder eine andere Lichtgestalt erscheint und den Spuk vertreibt. Wir leben nicht in einem Märchen. Aber wir können daraus lernen: Wie im Märchen und in jeder anderen guten Geschichte wird sich nur etwas ändern, wenn wir selber tätig werden. Wir sind die Protagonisten. Ja, wir können scheitern. Aber wenn wir nichts tun, sind wir schon gescheitert.

Mein Deutschland ist ein reiches, fruchtbares Land, wobei ich „reich“ und „fruchtbar“ nicht nur im materiellen Sinne verstehe. Mein Deutschland ist ein Land, dessen Bewohner so selbstbewusst sind, dass sie anderen offen gegenüber treten können. Ein Land, in dem Kultur sich nicht als etwas gegebenes, abgeschlossenes verstanden wird, weil sie schon immer von anderen Kulturen befruchtet wurde und weil man es versteht, von anderen zu lernen. Mein Deutschland ist das Land, in dem jeder in den Grenzen der Gesetze nach seiner Façon selig werden kann und in dem Freiheit ganz selbstverständlich auch die Freiheit des anders Denkenden bedeutet.
Das ist vielleicht eine Utopie. Aber eine, für die es sich zu leben und zu streiten lohnt.

Das musste ich gerade mal loswerden. Und jetzt gehe ich mit ein paar Elben ein Gläschen Miruvor trinken.

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*Nein, das ist kein Tippfehler. Das ist genauso böse und sarkastisch gemeint, wie es da steht.

 

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