Novelle, Kurzgeschichte, Erzählung …

Katrin Ils hat gestern unter der Überschrift „Novelle vs. Roman“ darüber gebloggt, warum sie lieber Novellen als Romane schreibt und sich gleichzeitig mit den verschiedenen Erzählformen auseinander gesetzt. Das hat mich zum Nachdenken gebracht, ob es eigentlich richtig ist, meine Texte im Codex Aureus als „Kurzgeschichten“ zu vermarkten. Streng genommen sind die meisten es nämlich nicht. Nach den Maßstäben der Science Fiction and Fantasy Writers of America (SFWA) nicht, weil die meisten deutlich länger sind, als 7.500 Worte. Nach den Kriterien, die in Deutschland an eine Kurzgeschichte angelegt werden nicht, weil sie in der Regel keine Momentaufnahmen sind.
Trotz der Länge kann man eine Fantasy-Geschichte aber m. E. (jedenfalls im deutschen Sprachraum) nicht als Novelle bezeichnen, wenn sie erkennbar in einer anderen Welt oder in der Vergangenheit spielt, weil im Wort „Novelle“ der Begriff „novum“ steckt. Also eine Neuigkeit; etwas, das man so noch nicht gehört hat. Das ist meiner Ansicht nach gemeint, wenn Goethe die Novelle als „eine sich ereignete unerhörte Begebenheit„, beschreibt.
Damit könnte man „Alte Geister“ mit ein paar Änderungen als Novelle bezeichnen, aber bestimmt nicht die fiktive Sage, die ich gerade überarbeite. Die müsste man vermutlich eher als Erzählung ansprechen, vielleicht aber auch als Kunstmärchen.

Wie wichtig ist die Bezeichnung?

Die Frage, die ich mir stelle, ist allerdings, wie wichtig die Bezeichnung tatsächlich ist. Und auf die Gefahr hin, gleich von aufgebrachten Germanisten gesteinigt zu werden: Meines Erachtens ist die Bezeichnung nur von akademischem Interesse. Natürlich achte ich auf die Länge, wenn ich eine Geschichte für einen Wettbewerb einreiche. Aber darüber hinaus schreibe ich für einen Markt, auf dem Game of Thrones schon mal unter „historische Romane“ einsortiert wird, während phantastische Elemente im Genre „Historischer Roman“ vollkommen normal sind.
Daher glaube ich nicht, dass die ganzen feinsinnigen Unterscheidungen zwischen den einzelnen Erzählformen vom Markt nachvollzogen werden, sondern dass Verlage, Handel und Leser in erster Linie auf die Länge gucken. Vielleicht tue ich dem einen oder anderen großes Unrecht. Sicher gibt es da draußen Leser, die die korrekte Bezeichnung goutieren. Aber das Gros richtet sich meiner Erfahrung nach nach dem Umfang. Ist es lang (> 250 Seiten), dann ist es ein Roman. Wenn nicht, ist es eine Kurzgeschichte.

Wie seht ihr das?

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Ein Kommentar zu „Novelle, Kurzgeschichte, Erzählung …

  1. Ich denke auch, dass die Bezeichnung für den Leser nur insofern interessant ist, als dass sie Information über die Länge liefert.
    Ich glaube, wenn man sich nicht grad mit Literaturwissenschaft beschäftigt, sagt einem Novelle auch nicht mehr als „kürzerer Text“. Ich behandel sie auch so und lass Symbolic etc. außen vor.
    Vielleicht wäre also Kurzroman treffender?

    Gefällt 1 Person

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