Codex Aureus

Codex Aureus ist der gemeinsame Obertitel, unter dem ich phantastische und historische Kurzgeschichten im eBook-Format veröffentliche.

Buchcover Codex Aureus - Der Esel als Pilger

Im Januar 2016 erschien „Der Esel als Pilger“, eine Kürzestgeschichte, die – quasi als Appetizer – bis April kostenlos bei Thalia und Hugendubel erhältlich ist.
In dieser modernen Fabel begibt sich ein Esel auf Pilgerfahrt nach Rom, weil er glaubt, dort das Paradies zu finden. Ob das gut gehen kann?
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Die nächste Geschichte „Steppenbrand“ erscheint im April 2016 und entführt in die phantastische Realität eines Nomadenvolks.

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Die Fantasy und das reale Leben

Eigentlich sollte das hier eine politikfreie Zone werden, ein Wolkenschloss mit Elfenbeintürmchen sozusagen, abgeschieden von der realen Welt. Genau wie meine Geschichten. Ich verstehe mich nicht als politische Schriftstellerin. Meine Texte sollen unterhalten. Mehr nicht.

Aber kann man schweigen und heile, phantastische Welt spielen, wenn da draußen Häuser brennen, während ein aufgeheizter Mob applaudiert? Darf man schweigen, wenn Politiker mit Schaum vor dem Mund von drohender Überfremdung geifern und apokalyptische Szenen vom Untergang der doitschen* Leitkultur beschwören? Bei letzterem würde ich ihnen sogar noch recht geben, wenn sie damit den Mob meinten, der gegen alles hetzt, was seiner kleinen, engen Welt fremd ist. Nur meinen sie Menschen, die vor Hunger und Bomben flüchten.

Ja, ich möchte dieser Tage auch gerne die Zugbrücke meines Wolkenschlösschens hochziehen und die Fensterläden verrammeln, um die Orkhorden da draußen nicht zu sehen. Oder mir alternativ so eine Kappe zulegen, wie ein legendärer chinesischer Kaiser besessen haben soll: mit einem Perlenvorhang, damit er nichts Böses sehen und kleinen Glöckchen über den Ohren, damit er nichts Schlechtes hören musste. Aber die Legende erzählt auch, dass es mit diesem Kaiser ein böses Ende nahm, weil er nur das Glitzern der Perlen sah und den Wohlklang der Glöckchen hörte.
Also werde ich die Zugbrücke unten lassen und meine Meinung sagen. Auch auf die Gefahr hin, nicht ernst oder zu ernst genommen zu werden und selbst in die Schusslinie zu geraten. Aber so düster, wie die Realität im Moment teilweise ist, kann meine Fantasy gar nicht werden. Und es wäre töricht, darauf zu hoffen, dass Gandalf oder eine andere Lichtgestalt erscheint und den Spuk vertreibt. Wir leben nicht in einem Märchen. Aber wir können daraus lernen: Wie im Märchen und in jeder anderen guten Geschichte wird sich nur etwas ändern, wenn wir selber tätig werden. Wir sind die Protagonisten. Ja, wir können scheitern. Aber wenn wir nichts tun, sind wir schon gescheitert.

Mein Deutschland ist ein reiches, fruchtbares Land, wobei ich „reich“ und „fruchtbar“ nicht nur im materiellen Sinne verstehe. Mein Deutschland ist ein Land, dessen Bewohner so selbstbewusst sind, dass sie anderen offen gegenüber treten können. Ein Land, in dem Kultur sich nicht als etwas gegebenes, abgeschlossenes verstanden wird, weil sie schon immer von anderen Kulturen befruchtet wurde und weil man es versteht, von anderen zu lernen. Mein Deutschland ist das Land, in dem jeder in den Grenzen der Gesetze nach seiner Façon selig werden kann und in dem Freiheit ganz selbstverständlich auch die Freiheit des anders Denkenden bedeutet.
Das ist vielleicht eine Utopie. Aber eine, für die es sich zu leben und zu streiten lohnt.

Das musste ich gerade mal loswerden. Und jetzt gehe ich mit ein paar Elben ein Gläschen Miruvor trinken.

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*Nein, das ist kein Tippfehler. Das ist genauso böse und sarkastisch gemeint, wie es da steht.

 

Ich habe nur einmal in Leben getanzt – oder wenn die Muse einen ratlos macht

Bei einem Gespräch gestern sagte jemand, er habe nur einmal im Leben getanzt. Auf seiner Hochzeit.
Die Reaktionen darauf waren schon interessant. Aber eine kleine Stimme in meinem Hinterkopf flüsterte: „Das geht besser. Stell dir vor, jemand sagt: „Ich habe nur einmal im Leben getanzt. Auf der Beerdigung meines Onkels.“ Wäre das nicht ein großartiger Anfang für eine Geschichte?“

Danke, liebe Muse, das ist ein großartiger Anfang. Ich jedenfalls kann mir keinen Leser vorstellen, der nicht erfahren will, wie es dazu kommt, dass jemand auf einer Beerdigung tanzt.
Der Haken ist nur: Ich wüsste es auch gerne. Ich habe nicht die leiseste Ahnung, wie es dazu kommen konnte. Aber die Muse hat mir nur die Zunge rausgestreckt und ist weggeflattert.

Und was kommt nun?

Nach der Veröffentlichung ist bekanntlich vor der Veröffentlichung. Mein Plan ist, alle Vierteljahr eine Kurzgeschichte rauszubringen. Das sollte mir genug Zeit zum Plotten, Schreiben, Überarbeiten, für Coverentwürfe, Titelfindung und nochmaliges Überarbeiten lassen und Raum für meine anderen Projekte bieten. Vielleicht schreibe ich ja irgendwann doch mal einen historischen oder phantastischen Roman.

Vorher brauche ich aber noch ein Cover für die nächste Kurzgeschichte, die im April rauskommen soll. Genau genommen brauche ich sogar nur einen Teil des Covers, nämlich die Zeichnung, die den Inhalt dieses Bands charakterisiert. Der Rest bleibt ja unverändert, um einen hohen Wiedererkennungswert zu erreichen.
Aber es ist gar nicht so einfach, das umzusetzen, was mir vorschwebt. Am liebsten hätte ich nämlich eine Überblendung aus einem skythischen Halsschmuck und einer heranstürmenden Reiterhorde ähnlich den Dothraki aus Game of Thrones. Also im Prinzip ein episches Gemälde, aber für’s Miniaturformat.
Ähmmm, ja. Die Quadratur des Kreises ist einfacher.

Aber zum Glück habe ich genug Zeit, mir dazu noch ein paar Gedanken zu machen. Und nebenbei kann ich auch darüber nachdenken, worüber ich als nächstes schreiben will. Ideen habe ich genug. Z. B. für eine Rachegeschichte im klassischen Fantasy-Setting. Alternativ gingen aber auch Werwölfe im Wilden Westen oder eine Solarpunk-Erzählung. Alles reizvolle Themen.

Novelle, Kurzgeschichte, Erzählung …

Katrin Ils hat gestern unter der Überschrift „Novelle vs. Roman“ darüber gebloggt, warum sie lieber Novellen als Romane schreibt und sich gleichzeitig mit den verschiedenen Erzählformen auseinander gesetzt. Das hat mich zum Nachdenken gebracht, ob es eigentlich richtig ist, meine Texte im Codex Aureus als „Kurzgeschichten“ zu vermarkten. Streng genommen sind die meisten es nämlich nicht. Nach den Maßstäben der Science Fiction and Fantasy Writers of America (SFWA) nicht, weil die meisten deutlich länger sind, als 7.500 Worte. Nach den Kriterien, die in Deutschland an eine Kurzgeschichte angelegt werden nicht, weil sie in der Regel keine Momentaufnahmen sind.
Trotz der Länge kann man eine Fantasy-Geschichte aber m. E. (jedenfalls im deutschen Sprachraum) nicht als Novelle bezeichnen, wenn sie erkennbar in einer anderen Welt oder in der Vergangenheit spielt, weil im Wort „Novelle“ der Begriff „novum“ steckt. Also eine Neuigkeit; etwas, das man so noch nicht gehört hat. Das ist meiner Ansicht nach gemeint, wenn Goethe die Novelle als „eine sich ereignete unerhörte Begebenheit„, beschreibt.
Damit könnte man „Alte Geister“ mit ein paar Änderungen als Novelle bezeichnen, aber bestimmt nicht die fiktive Sage, die ich gerade überarbeite. Die müsste man vermutlich eher als Erzählung ansprechen, vielleicht aber auch als Kunstmärchen.

Wie wichtig ist die Bezeichnung?

Die Frage, die ich mir stelle, ist allerdings, wie wichtig die Bezeichnung tatsächlich ist. Und auf die Gefahr hin, gleich von aufgebrachten Germanisten gesteinigt zu werden: Meines Erachtens ist die Bezeichnung nur von akademischem Interesse. Natürlich achte ich auf die Länge, wenn ich eine Geschichte für einen Wettbewerb einreiche. Aber darüber hinaus schreibe ich für einen Markt, auf dem Game of Thrones schon mal unter „historische Romane“ einsortiert wird, während phantastische Elemente im Genre „Historischer Roman“ vollkommen normal sind.
Daher glaube ich nicht, dass die ganzen feinsinnigen Unterscheidungen zwischen den einzelnen Erzählformen vom Markt nachvollzogen werden, sondern dass Verlage, Handel und Leser in erster Linie auf die Länge gucken. Vielleicht tue ich dem einen oder anderen großes Unrecht. Sicher gibt es da draußen Leser, die die korrekte Bezeichnung goutieren. Aber das Gros richtet sich meiner Erfahrung nach nach dem Umfang. Ist es lang (> 250 Seiten), dann ist es ein Roman. Wenn nicht, ist es eine Kurzgeschichte.

Wie seht ihr das?