Eine Welt ist nicht genug

Beim SWR2 habe ich eine Seite mit zwei sehr interessanten Interviews gefunden. Im einen geht es um die verschiedenen Arten der Phantastik und was sie für uns so spannend macht. Im zweiten erzählt Kai Meyer über seine Karriere als Schriftsteller, seine Motive und seine Art zu schreiben.

Beides sehr hörenswert.

Neugierig? Dann bitte hier entlang!

Sprache ist Denken

Ergänzend zu meinem gestrigen Artikel über gegenderte Sprache möchte ich gerne einen Artikel aus der Zeit über die Benutzung von Fremdsprachen und den Einfluss auf unser Handeln verlinken. Nicht nur wegen dieses Satzes:

„Man nimmt kulturelle Codes sehr schnell und unbewusst an. Und die werden natürlich in der Sprache klar vermittelt“
(Markus Conrad, Psychologe an der FU Berlin)

Daher der Apell: Überlegt euch, was ihr sagt und ob es wirklich das ist, was ihr meint.

Das Schreckgespenst gegenderter Sprache

Gendern? hat die Autorenwelt in einem Artikel gefragt, in dem sich Sandra Uschtrin dafür ausspricht und Andreas Eschbach dagegen. Bereits der bloße Akt der Unterwerfung unter eine politisch begründete Sprachregelung sei falsch, schreibt er. Kunst müsse frei sein. Wer ideologischen Sprachregeln folge, schaffe Propaganda, keine Kunst. Das „Gendern“ sei Ideologie, behauptet es doch, die Sprache „gerechter“ zu machen und die Welt gleich mit. Dabei mache es die Sprache in erster Linie formelhaft und hässlich.

Vor zwanzig Jahren hätte ich vermutlich zugestimmt, zumal ich mich auch heute noch mit dem großen Binnen-I schwer tue und Sterne nur am Himmel schön finde.*
Heute sehe ich das etwas differenzierter und in der Differenzierung fällt auf, dass bei der grundlegenden Abwehr drei Behauptungen vermischt werden. Dabei fange ich mal von hinten an:

  1. Gendern macht die Sprache formelhaft und hässlich.
  2. Gendern sei Ideologie.
  3. Gegenderte Sprache sei Propaganda.

Daraus folgt im Umkehrschluss, dass Eleganz und Leichtigkeit der Sprache durch die Verwendung des generischen Maskulinum bedingt sind. Außerdem sei das generische Maskulinum wertfrei und damit Garant für eine ideologiefreie Sprache. Im Gegensatz zur Propaganda der gegenderten Sprache, lässt sich Kunst daher allein durch die Verwendung der ungegenderten, also des generischen Maskulinum erzeugen.

Merkt ihr was? Dröselt man die Einwände gegen die Verwendung einer gegenderten Sprache auf und wendet sie ins Positive, also in Forderungen für eine ungegenderte Sprache, stellen sie sich als mindestens genauso ideologisch und propagandistisch dar, wie die Gegenposition.
Aber das ist auch zunächst gar nicht schlimm. Schlimm wird es nur dann, wenn man die Worte „Ideologie“ und „Propaganda“ als Kampfbegriffe einsetzt, ohne auf den Wahrheitsgehalt der dahinterstehenden Positionen einzugehen. Zunächst mal ist eine Ideologie nämlich nichts anderes als eine Weltanschauung bzw. ein Wertesystem. Daran, ein Wertesystem zu haben, ist grundsätzlich nichts verkehrtes. Im Gegenteil: gemeinsame Werte sind der Kitt aller freien Gesellschaften.

Die meisten von uns haben vermutlich kein Problem damit, das Grundgesetz als Grundlage unseres Zusammenlebens anzuerkennen. Damit beruht unser gemeinsames Wertesystem auf dem Bekenntnis zur demokratischen, pluralistischen Gesellschaft und der grundsätzlichen Gleichheit aller Menschen, unabhängig von Rasse, Religion und/oder Geschlecht.
Aber in der Sprache darf das nicht zum Ausdruck kommen, weil sie dadurch formelhaft und hässlich wird? Eine Sprache ist nur dann ideologiefrei, wenn lediglich Politiker in den Parlamenten sitzen, nur Forscher Entdeckungen machen und selbst eine Demonstration für Frauenrechte grammatikalisch ausschließlich aus Männern besteht, weil die Demonstrantinnen, Forscherinnen und Politikerinnen nur erwähnt werden, wenn gerade kein Mann in der Nähe ist? Entschuldigung bitte, aber was für ein Gesellschaftsbild wird hier propagiert?

Fakt ist: Sprache ist nicht ideologiefrei. War sie noch nie. Sprache ist Macht. Mächtiger sogar als das Schwert, weil sie das Denken prägt. Gleichzeitig ist Sprache immer auch Ausdruck gesellschaftlicher Veränderungen. Das zeigt sich nicht nur in der Übernahme von Fremd- und Lehnsworten, sondern bis in die Umgangsformen. Wir haben im Rahmen des Demokratisierungsprozesses den Pluralis Majestatis und die unsägliche Anrede „er“ entsorgt. Die Nivellierung gesellschaftlicher Unterschiede schreitet weiter fort, indem sich das Duzen immer mehr als normale Anredeform unter etwa Gleichaltrigen etabliert. Das kann man beklagen, weil einem ein „du Arschloch“ doch schneller rausrutscht, als ein „Sie Arsch!“, aber Fakt ist, dass wir nicht mehr in einer Standesgesellschaft leben, und dass sich die Sprache daran anpasst.

Genauso leben wir aber in einer Gesellschaft, in der Frauen gleichberechtigt teilhaben (wollen). Auch daran kann sich die Sprache anpassen, indem sie Frauen nicht weiter ausblendet. Nichts anderes tut gegenderte Sprache. Sie macht Frauen sichtbar.
Jetzt wieder ketzerisch gefragt: Ist es per se hässlich und formelhaft, neben Autoren auch die Autorinnen zu erwähnen, außer Politikern auch die Politikerinnen und die Wissenschaftlerinnen neben den Wissenschaftlern? Ich behaupte nein. Trotz der oben erwähnten Schwierigkeiten mit dem Binnen-I und anderen Lösungsversuchen. Es kann sogar poetisch klingen, wie im Märchen von Jorinde und Jorigel, die einander so lieb hatten, dass keines ohne das andere sein wollte.
Die Kunst besteht darin, kreative Lösungen zu finden, wie dieses generische Neutrum. Ich kann in diesem kreativen Umgang mit Sprache auch keine Unterwerfung erkennen, sondern das, was Kunst eigentlich ausmacht, und was Eschbach sogar fordert, nämlich etwas, das aus dem Inneren kommt (d. h. dem Wunsch nach gesellschaftlicher Anerkennung) und gegen Regeln verstößt (den herrschenden Sprachgebrauch). Demgegenüber könnte man das Beharren auf dem generischen Maskulinum sogar als geistige Faulheit abtun.

Verwende ich deshalb nur noch geschlechtsneutrale Formulierungen? Nein, natürlich nicht. Schon deshalb nicht, weil ich tief im herkömmlichen Sprachgebrauch verhaftet bin. Aber genauso, wie ich darauf achte, mehrdimensionale Charaktere zu schaffen, achte ich auf eine angemessene Sprache. Das bedeutet, dass in den Blogbeiträgen deutlich mehr Experimente möglich sind, als in den Büchern. Aber selbst dort versuche ich, das generische Maskulinum auf das absolute Minimum zu reduzieren. In „Steppenbrand“ bin ich sogar ein Stück weitergegangen, indem ich den Khon eine Sprache mitgegeben habe, die in der Grundform nicht zwischen Männern und Frauen unterscheidet. Damit spiegelt die Sprache sehr genau die Weltsicht dieses Volks. Trotzdem glaube ich nicht, dass irgendein Leser oder eine Leserin auf die Idee kommen wird, sie als ideologisch weichgespült zu empfinden.

Daher ist meine Position zu dem Thema ganz eindeutig: Mehr Mut zum Experiment. Sprache ändert sich sowieso. Warum nicht daran teilhaben und sie mitgestalten?


*Gendern finde ich übrigens auch ein ganz schreckliches Wort, weshalb ich es normalerweise vermeide.

Osterdingsdablues

Ostern ist rum. Lust zum Schreiben habe ich trotzdem keine. Also habe ich erst einmal ein paar Routinearbeiten erledigt.
Eine davon war, die #BiO Ostereier aus ihren Verstecken zu kramen. Für diejenigen, die sie noch nicht kennen: Das hier waren sie.

BiO 2

BiO 2.2

BiO 2.1

 

Vielen herzlichen Dank noch einmal an Elenor Avelle für die tolle Idee zu dieser Aktion und die Bilder. Vielen Dank auch allen, die teilgenommen haben. Ich hoffe, ihr hattet so viel Spaß beim stöbern, finden und lesen, wie ich beim Verstecken.

Einen Moment lang habe ich überlegt, auch die dazugehörenden Texte nachträglich allgemein zugänglich zu machen. Aber dann empfand ich diese Vorstellung denen gegenüber unfair, die sich an der Suche beteiligt haben. Nach meinem Bauchgefühl würde das es ihre Mühe und damit auch den Gewinn entwerten.

Außerdem sind die Texte dadurch nicht verloren. Sie bleiben als gelegentliches Dankeschön und virtuelles Give-away für andere Gelegenheiten erhalten.

Ostereiersuche mit den Rechargers

Ausgerechnet hier habe ich nichts geschrieben! Dabei läuft seit heute morgen die virtuelle Ostereisuche der Rechargers – und zwar auch hier im Blog! Aber keine Sorge: Du kannst immer noch mitmachen und sogar eine Kleinigkeit gewinnen.

In diesem Blog verstecken sich drei Ostereier. Wenn du eins davon findest und mir per Mail oder per PN auf Twitter eine kurze Nachricht mit dem Fundort und dem Betreff #BiO zukommen lässt, erhältst du im Gegenzug ein von mir geschriebenes und von Elenor Avelle schön gestaltetes Drabble.
Natürlich enthält jedes Ei ein anderes Drabble, es lohnt sich also, alle zu finden.

Um es nicht ganz so schwer zu machen, habe ich Tweetdeck mit Hinweisen gefüttert, die es hoffentlich zur richtigen Zeit ausspuckt.

Schöne Ostertage und viel Spaß beim Suchen!

Ostern1

Wer will den Fluch des Spielmanns hören?

Nun gut, es gibt nicht den ganzen. Aber Klaus_Nb, ein lieber Bekannter von Twitter, der u. a. auch für Clue Cast liest, hat sich die Mühe gemacht, den Anfang vom „Spielmann“ aufzunehmen. Seine Stimme erzeugt dabei genau den Gänsehautmoment, den ich beim Schreiben im Sinn hatte.

Unbedingt anhören! Wo? Auf Klaus‘ Blog.


dfds

Die im frühen Mittelalter spielende Geister- und Gaunergeschichte „Der Fluch des Spielmanns“ gibt es als eBook für alle gängigen Lesegeräte.

Man bekommt sie sowohl über Amazon als auch die Händler der Tolino-Allianz, also Buch.de, Hugendubel, die Mayersche, Osiander, Thalia, Weltbild usw. Mein Favorit dort ist allerdings Bookzilla, weil Bookzilla 5% des Kaufpreises für die Entwicklung freier Software spendet.

 

[Selfpublishing] Engagiert euch! Warum Autorinnen und Autoren politisch werden müssen.

Eine der besten Veranstaltungen, an denen ich auf der Leipziger Buchmesse teilgenommen habe, war diese sehr engagiert geführte Podiumsdiskussion zwischen Nina George und Janet Clark unter der Moderation von Anke Gasch.

Politisch werden, heißt in diesem Zusammenhang nicht, dass wir künftig nur noch politische Texte schreiben sollen, die ein bestimmtes Gesellschaftsbild hochhalten. Bewahre!*
Politisch werden heißt, dass wir Autorinnen und Autoren uns selbst für unsere Belange einsetzen müssen. Sonst tut das nämlich keiner. Die Folge ist, dass in Deutschland gerade mal drei bis vier Prozent der AutorInnen von ihrer Tätigkeit leben können. Zugespitzt könnte man sagen, dass die einzigen, die nicht vom Literaturbetrieb profitieren, die sind, die Literatur schaffen.

Jetzt habe ich die Aufzeichnung dieses Gesprächs gefunden.
Und weil alle Punkte, oft im verschärften Maß, auch für Selfpublisher gelten, möchte ich die Diskussion gerne unter diesem Stichwort mit euch teilen. Unbedingt anhören. Und dann engagiert euch! Weil es keiner für euch tun wird.


*Die Frage, welches Menschenbild in manchen Büchern vermittelt wird, ist ein anderes Thema, das ich irgendwann sicher bei den Werkstattplaudereien aufgreifen werde.

Ostern: Aber bitte mit #BiO!

Gestern habe ich Ostergeschenke gekauft (und nein, ich verrate nicht, was, schließlich weiß ich genau, dass auch meine Familie gelegentlich guckt, was ich im Internet so schreibe).
Für alle die, die immer noch auf der Suche sind, ein Tipp: Wie wäre es mit #BiO?
BiO steht für Bücher im Osternest und ich finde das eine ganz phantastische Idee. Nicht nur als Autorin. Ich habe nämlich nur einen virtuellen SUB und damit eine seeeeeeeeehr lange Wunschliste.

Falls hier also jemand aus der Familie reinliest: Frag mich einfach! Ich freue mich über Schokolade und #BiO!

Ostern1

[Autorenleben] Interview mit Markus Heitz

Ein absolut hörenswertes Interview dazu, wie Markus Heitz arbeitet. Dazu gibt es Einsichten in den Buchmarkt und Tipps für (angehende) Autoren.

Für mich war auch die Aussage spannend, selbst als Verlagsautor müsse man sich in den sozialen Netzen engagieren und Werbung für sich selber machen. Gleichzeitig hat er sich deutlich von Ramschaktionen distanziert. Mit Verzweiflungsaktionen, bei denen die Leser gebeten würden, das erstes Buch doch bitte umsonst herunterzuladen und das nächste dann billig zu kaufen, ruinierten die Autoren sich selber. Zwar seien die Daten auf dem eBook nur ein paar Cent wert – was zähle seien aber die Inhalte. Und da müsse man als Autor dazu stehen, dass es die nicht für lau gebe.
Dass auch ein erfolgreicher Autor wie Heitz so offen Stellung bezieht, finde ich gut!

Hier aber endlich der Link zum Interview. Bitte nicht durch das Bild verunsichern lassen, das hat mit dem Interview selber nichts zu tun.